People to go

11. Oktober 2009
Alltag & Leben

Coffee to Go in Pappbechern, Obst als Smoothie praktisch püriert im Plastikfläschchen und Fast-Food- Buden an jeder Ecke – wir konsumieren schnell, viel und beliebig. Was bei Lebensmitteln und Lifestyle-Getränken ökologisch fragwürdig ist, wird aber spätestens bei Beziehungen sozial bedenklich.

Die To-go-Mentalität produziert beim zwischenmenschlichen Kontakt nämlich nicht nur Umweltprobleme, sondern sorgt für emotionale
Verarmung: Wir lernen immer mehr Leute an immer fremderen Orten kennen. Aber wir investieren kaum Gefühl und haben keine Geduld. Stattdessen wollen wir ständig „neue Leute“ kennenlernen und unser „Network“ vergrößern. So können aus Bekanntschaften zwar One-Night-Stands, Feierfreunde oder Karrierehelfer werden, aber keine tiefen Beziehungen.

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Jana Edelmann    Dieser Artikel wurde von Jana Edelmann geschrieben.
Jana lebt, schreibt und studiert in München.
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  • 5 Kommentare

    Ich sag nur: die ” Friendslist” voll bis zum bersten mit lauter “coolen Leuten” und wenn man wirklich mal jemanden bei einem Notfall braucht, ist der Einzige der bereit ist zu helfen, der alte Schulfreund den man schon seit der siebten Klasse kennt…

    Von Jens Käppler am 14. Oktober 2009 um 01:03 Uhr.

    Ha, genau die Friendlists… : D
    Erinnert mich an Myspace Seiten: “Heinrich Habeuchlieb hat 2243 Freunde”. Wohl eine neuartige Manifestation des Sammlertriebs. Anstatt Überraschungseier sammelt man “Freunde” indem man kurz einen Kommentar “gefällt mir, schau doch mal bei mir vorbei” oder ähnliches abgibt und dann schnell “invite as friend” anklickt.
    Das gleiche zeichnet sich auf SVZ und anderen Communities ab, wo Mit-Oberstufler mit denen man zuvor nie ein Wort gewechselt hat, geschweige denn sich das Gesicht merken konnte, sich plötzllich in die ellenlange Freundesliste einreihen.
    Erstaunlich wenn man bedenkt, dass bereits vor über 40 Jahren in Sci-Fi Kurzgeschichten von Herbert W. Franke (Der Grüne Planet u.a.) Szenarien von Menschen aufgezeigt wurden die nurnoch aus künstlich versorgten Gehirnen bestanden. Alle untereinander- und mit umfangreichen Datenbanken vernetzt. Zeitlos geschrieben (Buchtipp!) und durchaus aktuell.
    Auch wenn die meisten Beziehungen heute noch etwas persönlicher sind als in so mancher Geschichte von Herbert W. Franke, scheint dieser Schritt am Ende der Entwicklung, so wie sie momentan stattfindet, nur konsequent.
    Eine echte Anregung einfach mal den Telefonhörer in die Hand zu nehmen oder gar vorbeizujoggen und sich bei einem Glas Milch (o.ä ; ) mit physikalischen Schallwellen zu verständigen.

    Von D. Lorenzen am 14. Oktober 2009 um 02:21 Uhr.

    Vor dem vorbei joggen aber nicht vergessen deinen 100k ” Freunden” noch via Twitter oder Statusfenster kundzutun das man jetzt joggen geht.

    Spass beiseite.
    Man kann ja zugeben das oberflächliche Beziehung zu anderen Menschen manchmal sehr vorteilhaft sind, grade geschäftlich. Aber man sollte aufpassen nicht vor lauter neuen flüchtigen Bekanntschaften das Aufbauen echter Freundschaften zu vernachlässigen. Aber gerade Social Networks machen es einen verdammt einfach sich nur sehr oberflächlich mit den Anderen zu beschäftigen. Hier ein ” How are you?” da mal eine Verabredung zum trinken ( die dann wieder vergessen wird), aber kein echtes Hinhören mehr. Der geschriebene Text verrät nicht viel über den emotionalen Zustand des Mitmenschen.

    Von Jens Käppler am 14. Oktober 2009 um 02:34 Uhr.

    hier ist ja was los! mehr kommentar denn original artikel.
    nun, jeder hat so seine art und weise sachen zu beschleunigen und etwas oberflaechlicher anzugehen (bei der allgeinenen beschleunigung in unserer gesellschaft unvermeidbar) . – ich bin z.b. nicht der grossbuchstaben maechtig (selbstironie).
    jens spricht aber einen extrem wichtigen punkt an: gespraeche via icq etc., allgemein alles was einem direktem gegenueber als quelle von tonhoehen- und betonungsunterschieden im gesprochenen, sowie gesichtsausdruecken und emotionen der koerpersprache, entbaehrt, fuehrt unheimlich schnell zu missverstaendnissen: oft wird ironie falsch gedeutet. ein smiley wird ueberinterpretiert, ein fehlender smiley bereitet besorgnis. zusaetzlich zur gefahr von falschinterpretationen ergibt sich natuerlich eine weit weniger wertvolle ebene der kommunikation.
    meine meinung: fuer kurze sachmitteilungen sind sms, sowie saemtliche chatprogramme sicher praktisch. als ersatz fuer echte soziale interaktion aber eine traurige entwicklung, welche von den großkonzernen fleissig gefoerdert wird. was genau da hilft weiss ich dann auch nicht. vermutlich nur es selber besser zu machen und mehr zeit in weniger, dafuer umso erfuellendere bezieungen investieren.

    Von Aeron Targaryen am 14. Oktober 2009 um 02:55 Uhr.

    Ich muss Euch mal etwas widersprechen – natürlich nimmt die “To Go”-Mentalität immer mehr zu, allerdings muss doch auch wirklich jeder selbst für sich entscheiden wie er/sie seine sozialen Kontakte “pflegen” möchte. Ich für meinen Teil finde Email und Facebook sehr praktisch um mit den lieben Menschen in Kontakt zu bleiben, die aufgrund von 10-12 Stunden Zeitverschiebung telefonisch eben nicht mal schnell zu erreichen sind (zumindest nicht, ohne vorher einen Termin ausgemacht zu haben). Die Menschen, die ich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann und die mir immer zur Seite stehen werden kann ich an 10 Fingern abzählen und das ist auch gut so. Freundschaften muss man pflegen und mit den Menschen die einem wirklich wichtig sind bleibt man auch in Kontakt.

    Von Alex am 15. Oktober 2009 um 23:18 Uhr.

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