Gute Freunde???

02. November 2009
Alltag & Leben, Fanblog

Mindestens nach jedem Bundesliga-Spieltag: Eine ehrliche Analyse der Stadionereignisse.

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Liga 1

So, Bayern hat also 0:0 in Stuttgart gespielt. Vielleicht ein Freundschaftsdienst für den Gilchinger und ehemaligen Bayern Markus Babbel, wenn auch ein unfreiwilliger. Die Stuttgarter wissen, was sie an ihm haben, der Trainer bleibt nach harten Wochen weiter im Amt. Im schnelllebigen Bundesliga-Geschäft tritt ab und an doch noch mal jemand auf die Vernunftbremse.

Mario Gomez durfte in Stuttgart von Beginn an ran, und da zeigten die Fans allerdings, dass sie doch ein recht kurzes Gedächtnis haben: Ausgebuht wurde er bei jedem Ballkontakt. Mit seinen Toren hat er Stuttgart in der vergangenen Saison in die Champions League geschossen, und dass der VfB dort nun so schlecht spielt, dafür kann er ja nichts. Er ist der teuerste Deutsche in der Bundesliga – und er selbst wollte wechseln. Reisende soll man ziehen lassen. Und wenn sie dann mit einem anderen Trikot zurück kommen, vielleicht etwas mehr Souveränität zeigen.

Was aber dann doch ungemein aufregt beim FC Bayern, das ist das Geschachere um Schalkes Torwart Manuel Neuer. Bayern will ihn offensichtlich haben, und dafür gibt es ja erst einmal auch gute Gründe. Er ist einer der besten Keeper, und das in seinem Alter (23). Er ist sympathisch obendrein. Er hätte Zukunft.

Aber das geht nicht. Das darf nicht sein.

Erstens: Sollte es tatsächlich stimmen, dass Neuers Wechsel zu Bayern abgemachte Sache ist, ist es fies, das jetzt schon kundzutun. Genauso ist es einem gewissen Sebastian Deisler widerfahren, der 2001 von der Hertha für 20 Millionen Mark an die Bayern verkauft wurde. Hertha konnte aber den Mund nicht halten, und dann stand Deisler als der Böse da, der ein Geheimnis für sich behalten und die Fans verraten hat. Dasselbe soll wohl nun mit Neuer geschehen.

Außerdem bleibt eine leise, ganz leise Hoffnung, dass es nicht stimmt. Denn Manuel Neuer spielt nicht nur für Schalke, er ist ein Schalke-Fan durch und durch. Bevor er im Kasten stand, stand er dahinter in der Fankurve. Und dass er dort im Geiste immer noch steht, bewies er in der vergangenen Saison, als Schalke in der Allianz Arena 1:0 siegte. Da lief er beim Schlusspfiff zur Eckfahne, riss sie heraus und warf sie weg. Genau so wie damals Oliver Kahn, als die Bayern 2001 den Schalkern in letzter Sekunde die Meisterschaft wegnahmen.

Das müssen die Bayern-Oberen missverstanden haben, als Bewerbung auf Kahns Nachfolgeposten. In Wahrheit war es das Gegenteil. Es war subtil vorgetragener Hass. Es war Rache. Neuer identifiziert sich wie jeder Schalke-Fan über seinen Hass auf den FC Bayern (und klar, auf Dortmund auch).

Und nun soll also ein millionenschwerer Brainwash bevorstehen. Ich finde, da ist es mal wieder Zeit für eine Floskel: Man kann sich mit Geld nicht alles kaufen. Oder so: Man sollte sich mit Geld nicht alles kaufen können. Neuer würde niemals freiwillig zu Bayern gehen. Er würde es nur tun, wenn ihm sein Berater sagt: Schalke braucht das Geld (und ich als Berater auch!). Dann würde er sich vielleicht opfern. Aber zu den Bayern? „Gute Freunde kann niemand trennen“ – my ass!

Liga 2

Viele gute Freunde scheint 1860 auch nicht mehr zu haben. „Wir haben die Schnauze voll“ schallte es am Samstag durch die Arena, als die Löwen 0:1 gegen Kaiserslautern verloren. Gut, gegen Lautern kann man mal verlieren, aber wie eben.

Verteidiger Mate Ghvinianidze wurde eine besondere Schmähung zuteil: Als er nach dem Spiel sein Trikot über den Zaun warf, flog es postwendend zurück, weil es niemand haben wollte.

Die Fans sind sauer, der Verein wird vom FC Bayern wegen nicht bezahlter Catering-Kosten verklagt, die Stadiondiskussion ist wieder voll entbrannt, das Grünwalder ist nun plötzlich wieder Thema für die erste Mannschaft.

In einem Satz: Bei 1860 ist alles beim Alten.

Trotzdem: Es geht noch tiefer. So langsam muss 60 aufpassen, nicht auch noch in die dritte Liga abzusteigen. Das wäre dann für die Fans schon noch einmal eine besondere Schmach.

Liga 3

Die SpVgg Unterhaching marschiert. Von allen Münchner Vereinen hat sie derzeit den besten Tabellenplatz, drei nämlich, nach einem 2:0-Erfolg beim so genannten Sicherheitsspiel in Dresden (die Fans waren beim vorigen Heimspiel mal wieder ausgetickt und hatten Böller aufs Spielfeld geschmissen).

Schon in der vergangenen Woche wurde Trainer Ralph Hasenhüttl von einem Journalisten schon mit einem Profiposten in Österreich in Verbindung gebracht. Hasenhüttl lachte, als er das hörte, und meinte halb im Scherz, dass er sich zumindest in den nächsten anderthalb Jahren nicht über ein Engagement bei Austria Wien nachdenken wolle – wenn, dann doch bitte Nationalmannschaft!

Fakt ist: Der 42-jährige gebürtige Grazer ist einer von Hachings besten Männern. Nachdem er die Mannschaft von einem völlig entnervten Werner Lorant übernommen hat, spielt Haching jedes Jahr oben mit. Sein Team hat auf jeden Fall mehr verdient, als am kommenden Wochenende gegen den FC Heidenheim zu spielen.

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Christoph Leischwitz    Dieser Artikel wurde von Christoph Leischwitz geschrieben.
Freier Journalist und Autor in München. Meistens anzutreffen auf Münchens Fußballplätzen oder im Kilombo.
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  • 1 Kommentar

    Als Bayern Fan scheint man ja durchaus anders zu sein, als andere Fans, so definiert man sich auch nicht über Hass zu anderen. Weder gegen 60, weil diesen Verein kann man sowieso nicht ernst nehmen, noch gegen ein anderes Bundesligateam. Wenn überhaupt empfindet man als Bayern Fan nur einem Team gegenüber Hass: Real Madrid. Und auch Manchester löst da etwas aus, wobei das eher Trauer als wirklich Hass ist.
    Sollte man den Aussagen im Sommer glauben schenken können, stand der Wechsel von Neuer tatsächlich unmittelbar bevor. Und dass es sich bei ihm um einen echten Schalker handelt, steht außer Frage. Aber Deine These, dass sich Schalker über ihren Hass zu Bayern definieren, scheint mir doch etwas zu einfach. Die Rolle der modernen Berater mal außer acht gelassen, scheint mir Herr Neuer nicht so manipulierbar zu sein, blind den Worten seines Beraters zu folgen. Vielmehr erscheint es, dass er selbst sich diesen Wechsel tatsächlich vorstellen kann, obwohl Schalker. So wie vor ihm der Kölner Podolski und der Gladbacher Jansen und der Stuttgarter Gomez kamen. Womit wir dabei wären, dass keiner der gerade genannten wirklich glücklich wurde im Bayern Dress, zumindest bislang im Fall von Gomez. Aber auch ein Kahn wies genug auf seine KSC-Wurzeln hin und konnte diesen Schatten schließlich ablegen.
    Natürlich hat es etwas romantisches für einen Fan, dass alle Spieler ebenfalls Fans des eigenen Teams sind und sich nach einer Niederlage ebenso die ganze Woche über grämen und dies nicht nur wegen der verpassten Siegprämie. Aber geht so etwas heute noch? Rensing, der Hobby-DJ unter dem Pseudonym MagentaR, ist bekennender Bayern Fan, aber leider eben auch in der Kurve besser aufgehoben als davor. Zwar hatte er wohl nie die Rückendeckung, die er gebraucht hätte, aber hat er die Chancen, die er bekam, leider auch alles andere als genutzt. Deswegen braucht der FCB einen neuen Keeper! Denn mit dem sympathischen Butt ist man leider Dauer-Abonnent auf den zweiten Platz. Er hält zwar konstant und souverän und wegen ihm hat Bayern noch kein Spiel verloren, doch muss es der Anspruch von Bayern sein, einen Keeper zu haben, der Spiele gewinnt. Wie beispielsweise Neuer, der das angesprochene 0:1 der Schalker festhielt und somit Grinse-Klinsis Abschied endgültig besiegelte. In diesem Spiel damals ging es für Schalke nur noch um die goldene Ananas, einen Keeper, der danach trotzdem ausgelassen feiert und bis zur letzten Minute alles gibt, ist doch geradezu prädestiniert für München!
    Und was sind überhaupt die Alternativen? Opa Enke? Tim „Spiegel“ Wiese, der wahre Kahn-Klon? Oder irgendein ein Legionär a la Frey?
    Mein Favorit ist eigentlich Adler. Allerdings scheint dies bei Bayern, warum auch immer nicht diskutiert worden zu sein oder als unmöglich angesehen worden sein. Wenn Neuer sich wirklich darauf einließe zu kommen, was mich persönlich wundern würde, da mit Magath ja inzwischen wirklich Potential im Pott vorhanden ist, dann sollten die Bayern auch alles probieren, um ihn zu bekommen.
    Denn wenn es immer nur nach den Fans ginge, wäre auch ein gewisser Jeremies nicht von 1860 gekommen, der sich dann 2001 den Arsch aufgerissen hat für Bayern und mit dem Preis seiner Gesundheit den Champions League Titel möglich machte.
    Übrigens bin ich als Bayern Fan selbstbewusst genug zu glauben, dass sich auch ein Manuel Neuer hier in München früher oder später mit dem Verein identifizieren wird (und dies nicht nur wegen seiner Münchener Freundin), wie vor ihm genug andere und er somit nicht endet wie Poldi, der sogar zwischen zwei Trainingseinheiten an einem Tag kurz heimjejettet is…

    Von Robin am 03. November 2009 um 17:29 Uhr.

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