Blumentopf: “Es muss sich nicht reimen, …”

19. November 2009
Macht & Geld

“… sondern nur so tun, / denn die Leute soll’n feiern / und nicht buh’n.” Vier Mikrofone. Zwei Plattenspieler. Ein guter Abend. Am Dienstag und Mittwoch war Blumentopf im Atomic Café zu einer Freestyle-Session. Die Nachtkritik.

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Weil Blumentopf zum Freestyle-Abend geladen hat, sind viele gekommen. Zwei Abende hintereinander, am Dienstag und am Mittwoch, war das Atomic Café bis in den letzten Winkel ausverkauft. Die fünf Jungs, die 1992 in Freising die Band gegründet haben, sind Profis, aber waren spontan genug, um auf jede Stimmung im gedrängten Atomic einzugehen.

“Freestyle” bedeutet nicht mehr, was es in der guten alten Zeit des Hip Hop bedeutet hat, nämlich dass ein Rapper vorgefertigte Texte ohne tiefen Sinn, aber technisch raffiniert vorträgt. Von dieser Zeit – der Zeit der Alten Schule – hat wenig überlebt (von dem wenigen ist der Dokumentarfilm „Freestyle – The Art of Rhyme“ sehr sehenswert). “Freestyle” steht heute für freie Reim-Improvisation. Und die Hauptstadt der deutschen Rap-Szene ist, so hat sich wieder einmal gezeigt, München. Nur wenige beherrschen die Kunst der spontanen Wortspiele so wie David Pe (Main Concept) und Schu, Holunder, Caius und Roger von Blumentopf. Im deutschen Hip Hop der letzten Jahre hat Freestyle aber eine untergeordnete Rolle gespielt. Seit das Münchner Hip Hop-Trio Main Concept im Jahr 2000 „Plan 58“, das weltweit erste Rap-Album, das vollständig frei improvisiert war, veröffentlichten, ist nicht viel passiert. Wichtiger war für den Deutsch Rap der dem Freestyle artverwandte Battlerap (besonders durch die “Feuer über Deutschland”-Events mit der legendären Favorit vs. Pillath-Battle und der “Wir battlen jeden”-Tour der Beatfabrik).

Jetzt aber ist der Blumentopf seit einigen Tagen auf Freestyle-Tour und hat einen Stop in München eingelegt. Die beiden schönsten Spontanreime des Abends waren “Danke für das Becks, / aber Du bist ein Schlawiener, / denn ich bin hier zuhause / und will ein Augustiner” und  “Jetzt ist noch Hip Hop, / nachher dann nicht mehr, / dann kommt Gitarrensound / und Brit Pop.”

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Carl Pollock    Dieser Artikel wurde von Carl Pollock geschrieben.
Carl lebt als freier Autor einen Steinwurf vom Englischen Garten entfernt. Zur Zeit liebt er das schöne Café Josefina im schönen Schwabing.
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