
Kapinskis Arbeitsplatz
Wenn ich schreibe, bin ich nackt. Ein Satz, den ich einmal einer Figur in den Mund legte. Wo ich schreibe, wenn ich schreibe und nicht immer nackt bin.
Im Cafe
Das goldenpalacepoemcafe – mein unerreichter Cafehausplatz. Liegt im ersten Stock eines, mit acht Stockwerke nach oben und zwei nach unten, doch recht unscheinbaren Hauses in Südkorea, Busan, zwei U-Bahnstationen von der Pusan National University entfernt. An der Wand hängen vergilbte Filmplakate, aber der Grund weshalb ich dort hinging – die nötige Portion Ruhe und Ungestörtheit, trotz der kitschigen Popmusik aus kleinen Boxen. Der Nachteil eines wenig besuchten Cafes wie dem goldenpalacepoemcafe – niemand war da, um einen einsamen, aber konzentrierten Poeten bei der Arbeit zu bewundern. Das angespannte Gesicht, der Stift, der übers Papier fliegt. Niemand außer den drei Bedienungen, von denen die eine, mit ihrem gestrengen Benehmen gleichzeitig die Chefin schien; niemand außer einer Handvoll von älteren Männern, die ihre Hände auf die Schenkel junger, hübscher Frauen legten und zwischen Kartenspiel und Schnapsrunden … Ein Platz, wie ich ihn hier noch nicht gefunden habe – vielleicht auch, weil ich ihn aber nicht mehr brauche.
Im Zug
In Zügen schreibt es sich gut, wenn die Fahrten lange genug dauern. An äußeren Einflüssen mangelt es nicht, schließlich ziehen Landschaften, Städte, Menschen vor den Fenstern vorbei – wäre das Essen nicht ungenießbar und der Rotwein nicht völlig überteuert, könnte ich mir gut vorstellen, ausschließlich zu reisen, um zu schreiben. Wären da nicht die unerträglichen Großraumabteile.
An meinem Schreibtisch
Immer noch der allerbeste Platz, um wirklich an einem Text zu arbeiten. Egal ob mit der Hand geschrieben, am Rechner oder auf der alten Triumph-Schreibmaschine … Kreatives Chaos gemischt mit einer peniblen Ordnung von nur scheinbar zufällig gestapelten Notizen, Büchern und Manuskripten – der Gedanke an den alten Holztisch und seine von Rissen, Sprüngen und abgeblättertem Lack durchzogene Oberfläche genügt, um für das nötige Sitzfleisch zu sorgen, das eine Geschichte erfordert. Es ist mein Reich, ich bestimme jegliche Regel und wenn ich wirklich nackt schreiben möchte, dann tue ich das auch.
Nachtrag I: Zwei Wochen Urlaub, im Cafe und in Zügen verbrachte Tage. Wenn das neue Jahr seinen Einzug gehalten hat, schreibe ich hier weiter.
Nachtrag II: Ich habe geschrieben: auf Bergen, in Restaurants, kleinen Trinkerkneipen, auf der Toilette eines Clubs, im Bett, auf dem Fußboden, auf einem Stuhl sitzend, im Auto, in Gedanken, in den Schnee und in den Sand – auch in den Himmel manches Mal, in der Küche, Diele sowie im Bad, in der Badewanne und ab und an schreibe ich mich in Menschen ein.
Nachtrag III: Danke.
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Dieser Artikel wurde von Markus Michalek geschrieben. Markus Michalek erlebt als Autor Münchner Tage und Nächte aus vollstem Herzen. Er bloggt unter der Kunstfigur "Kapinski". |
Von Dorin Popa am 31. Dezember 2009 um 17:39 Uhr.Du hast im zweiten Nachtrag den Buchladen vergessen, in dem Du auch schon geschrieben hast.
Von Kapinski am 31. Dezember 2009 um 18:15 Uhr.Nachtrag IIb: an einigen Dienstagnachmittagen dieses Jahres schrieb ich in einem Buchladen mit dem kuriosen Namen “100 Tage Bücher”. Umgeben von Büchern aller Art war es wider Erwarten manchmal schwer für mich, die richtigen Worte zu finden. Wenn es dann doch gelang – um so schöner.
Von June am 31. Dezember 2009 um 19:07 Uhr.Magic & suggestive fortune cookie said:
„The first step to better times is to imagine them. “Give as much as you can, and you will get as much as you need.”p.s: selamat tahun baru! Y*