Rote Raupe wird 5

12. Februar 2010
Feiern & Kultur, mucmusi

rr

Ein Freund hat Geburtstag und tolle Gäste eingeladen. Das Indie-Fanzine Rote Raupe feiert heute im 59:1.

Wahrscheinlich wäre es leichter, ganz München mit einem Kugelschreiber blau einzufärben, als sich all die Musik anzuhören, die es zu hören lohnt. Das Internet ist Ursache dieses Problems – und Teil der Lösung. In irrsinniger Frequenz und mit theoretisch unbeschränkter Reichweite kann man heute über das Netz Musik veröffentlichen. Deshalb besteht die Gefahr, dass die Präsenz von Musik zunimmt, während ihr Stellenwert stetig schrumpf. Also braucht es Menschen mit einer großen Leidenschaft für Musik. Wie André Habermann. „Ich bekomme ungefähr 100 Rezensionsexemplare im Monat“, erzählt er. 100 CDs, circa 4000 Stunden Musik, jeden Monat. Natürlich kann er das nicht alles durchhören. Aber Habermann gewichtet, sortiert aus, verteilt das Lohnende weiter, an die, die darüber schreiben wollen, im Internet-Fanzine „Rote Raupe“.

Fünf Jahre gibt’s „Rote Raupe“ schon. Damit ist es eines der ersten Fanzines, das ausschließlich online verfügbar war. Absolut großartig finde ich vor allem die tollen Konzertbilder und die „Restgeräusch Sessions“, kleine Filmchen, zum Beispiel mit Juli Zeh und Slut, mit der Mediengruppe, mit me succeeds oder  Klez.e Die Bands werden vor der Kamera interviewt und spielen dann ein paar Songs. Und tatsächlich ist die „Rote Raupe“ damit in den vergangenen fünf Jahren zu einer Art Freund geworden, mit dem man sich über Musik austauschen kann, zu einem Wegweiser durch den Musikdschungel, der zuverlässig in Richtung geschmackvoller Popkultur zeigt. Für viele. Das wird jetzt gefeiert. Die großartigen Pelzig gratulieren, die zu meiner großen Freude nach vier Jahren Pause gerade wieder an einem neuen Album arbeiten, und eine der besten Party-Bands Deutschlands, The Robocop Kraus.

5 Jahre Rote Raupe, Freitag, 12. Februar, 20 Uhr im 59:1, Sonnenstraße 27.

[Disclaimer: Ich hab für Rote Raupe vor ganz langer Zeit auch mal einen Text geschrieben. Und: Dieser Text hier ist in ähnlicher Form heute auch in der SZ erschienen]

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Sebastian Gierke    Dieser Artikel wurde von Sebastian Gierke geschrieben.
Journalist, frei, in München und im Netz.
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