Am Freitagabend trafen sich Unipräsident-Kandidat Julian Nida-Rümelin und die Audimax-Besetzer– statt Konfrontation gab es gegenseitiges Umwerben.

Julian Nida-Rümelin, Ex-Kulturstaatsminister, Lehrstuhlinhaber für Politische Philosophie und nun auch Kandidat um die LMU-Präsidentschaft hat bei den Studenten den Spitznamen Nie-Da-Rümelin. Das hinderte ihn jedoch nicht, am am Freitagabend lange von der Wichtigkeit der Lehre, von den katastrophalen Konsequenzen der Bologna-Reform, von der Universität als Republik (und nicht der Universität als Unternehmen) zu sprechen. Er hatte die Besetzer – auch wenn es die Besetzer nicht gibt – zum Treffen geladen, diese waren der Einladung gerne gefolgt, hatte sich Nida-Rümelin doch schon früh gegen den Bologna-Prozess ausgesprochen und auch im besetzten Audimax vor den Studenten eine Vorlesung gehalten.
Das Wortspiel des Abends war dann auch das von Konvergenz versus Divergenz – die Konvergenz und Divergenz von Nida-Rümelins Reformprogramm mit den Positionen der Besetzer. Nida-Rümelin skizzierte an diesem Abend seine Reform der Reform, für die er sich als LMU-Präsident einsetzen würde. Das lief auf die bekannten Schlagworten von geringeren Präsenzzeiten, einer höheren Sozialverträglichkeit, größeren Mobilitätsfenstern, besserer Kombinierbarkeit von Studiengängen, geringerer Verschulung und die Ablehnung von Studiengebühren hinaus.
Konvergenz oder Divergenz also? Nach Meinung der ungefähr 30 Studenten aus dem harten Kern der Besetzer sehr viel mehr Konvergenz. Darauf angesprochen, dass sich sein Reformprogramm nicht groß von dem dem amtierenden Präsidenten Huber unterscheide, entgegnete der begnadete Selbstdarsteller Nida-Rümelin schlicht, dies sei auch seiner Kandidatur zu verdanken. Und so holten sich die Besetzer schnell eher Ratschläge von Nida-Rümelin über den Weitergang des Protests als mit ihm über die Möglichkeiten der Umsetzbarkeit seines Programmes zu diskutieren. Vielleicht ein Zeichen von Protestmüdigkeit oder Ratlosigkeit auf Seiten der Besetzer, vielleicht auch die Hoffnung, mit Nida-Rümelin jemanden zu haben, der nicht nur das Richtige sagen, sondern auch tun wird, aber sicher auch ein Resultat der Umarmungstaktik Nida-Rümelins, der dieses sicherlich Treffen für seine Kandidatur politisch nutzbar machen wird (was nicht unbedingt schlecht sein muss).
Nach zwei Stunden jedenfalls klingelte Nida-Rümelins Handy, und er verschwand zu einem geladenen Abendessen – der Nie-Da Rümelin eben.
(Foto: nida-ruemelin.de)
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Dieser Artikel wurde von Adrian Renner geschrieben. Adrian Renner ist freier Journalist. Er mag das Münchner Filmmuseum, Immanuel Kant und schlechte Wortspiele. |
Von Julian Nida-Rümelin am 08. März 2010 um 18:44 Uhr.Was soll das Wortspiel mit dem Nie-da? Das hat mal die Bild-Zeitung im Sommerloch 2001 erfunden und behauptet ich sei 7 Wochen in Urlaub (was natürlich Unsinn war); das Landgericht Hamburg musste eingeschaltet werden, um diese Fehlinformation aus der Welt zu schaffen. . Ich habe im vergangenen Semester zehn Magistranden betreut und zahlreiche Doktoranden, halte wöchentlich meine Sprechstunde ab, lasse mich fast nie vertreten und arbeite 70 Stunden pro Woche für die Wissenschaft – aber Unsinn, der einmal in die Welt gesetzt ist, pflanzt sich durch Abschreiben aus dem Internet beständig fort. Außerdem hatten wir eine interne Gesprächsrunde vereinbart, keine öffentliche.
Von Adrian Renner am 08. März 2010 um 21:07 Uhr.Dass diese Formulierung von der BILD-Zeitung in die Welt gesetzt wurde, habe ich nicht gewusst, jedoch war sie mir, als Philosophie-Student, bekannt. Ich habe Sie nicht gegoogelt, und sie aus keinem Artikel abgeschrieben, ich habe sie allein von Philosophiestudenten aus München gehört – und die kannten sie sicher auch nicht mehr aus der BILD-Zeitung von 2001. Wenn man ins Vorlesungsverzeichnis schaut, halten Sie in der Regel ein Hauptseminar, dass Sie sonst viel für die Wissenschaft arbeiten, ist mir auch klar. Dieses Gespräch war so intern, wie ein offenes und öffentlich zugängliches Gespräch sein kann, ich habe das wiedergegeben, was Sie in anderen Zusammenhängen auch schon zu Bologna gesagt haben, und manche Dinge, die vielleicht interner waren, weggelassen.