Darf man das sagen?

08. März 2010
Macht & Geld

zensur

Nachdem der BR die Schere bei Lerchenbergs Nockherberg-Rede dort angesetzt hat, wo die meisten genau hinhören wollten, hier noch mal die Texte und Links zu den umstrittenen Passagen. Unterdessen rufen die Landtagsgrünen den Rundfunkrat auf, über den Vorfall zu beraten.

“Zensur findet nicht statt”, steht im Grundgesetz Artikel 5. Längst hat die Rede von Lerchenberg eine politische Dimension. Die Landtagsgrünen haben dem öffentlich rechtlichen Rundfunk in einer Pressemitteilung “Zensur” vorgeworfen und fordern, dass die Kürzungen der umstrittenen Redebeiträge “ein Nachspiel im Rundfunkrat” haben sollen.

„Das ist eine Form politischer Zensur, die in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfach nicht stattfinden darf“, kritisierten Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Ludwig Hartmann, Mitglied im Rundfunkrat.

In seiner Rede am Mittwochabend gesagt, Westerwelle wolle nun alle “Hartz IV”-Empfänger “in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge” sammeln. Er fügte hinzu: “Drumrum ein Stacheldraht – haben wir schon mal gehabt. Zweimal am Tag gibt´s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt´s zwei Pullover von Sarrazins Winterhilfswerk, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ´Leistung muss sich wieder lohnen´.”

Hier das Video ab Minute 3:43

Noch bedenklicher erscheint vielen die Kürzung einer Passage, in der der bayerische Polizei Langsammkeit vorgeworfen wird. „Das Bayerische Fernsehen hat die Zensurschere weiter wüten lassen und quasi im vorauseilenden Gehorsam gleich auch noch Lerchenbergs Kritik an der bayerischen Polizei eliminiert“, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen. Diese Passage habe insbesondere Innenminister Herrmann empört, der pikanterweise auch Vertreter der Staatsregierung im Rundfunkrat ist. Margarete Bause: „Es kann nicht angehen, dass den Zuschauerinnen und Zuschauern die umstrittenen Stellen vorenthalten werden und im Windschatten der Kritik an Lerchenbergs KZ-Vergleich auch gleich weitere für die Staatsregierung unliebsame Textteile zensiert werden. Damit macht sich der BR zum willfährigen Werkzeug der Staatsregierung und entmündigt sein eigenes Publikum, das sich schließlich selbst eine Meinung bilden können muss.“

Die zensierte Passage im Wortlaut:

Ach, Herr Herrmann! In ihrem Büro müssen sich ja die Dankbarkeitsbriefe der Waffenindustrie, vom Sportschützen- und Jagdverband nur grad so stapeln. “Ausführungsbestimmungen” zum neuen Waffengesetz hat er erlassen, der königl. privilegierte Schützenbruder Herrmann. Aber was für oa!

Da wenn amal wieder einer Ihrer Schützenfreunde seine Pistolen unter’m Kopfkissen rauszieht, und im Blutrausch über andere herfallt, dann ham Sie mit Ihren “Ausführungsbestimmungen” den Straftatbestand der Beihilfe mühelos erfüllt. Inzwischen weiß man auch: Ihr Lieblingsbuch ist “Die Entdeckung der Langsamkeit”. Und die bayerische Polizei hält sich daran. Wenn ein Verrückter über ein Ansbacher Innenstadt Gymnasium herfällt, da braucht die Polizei elf langsame Minuten! Ein Freiwilliger Feuerwehrler hat inzwischen vor Ort gehandelt.

In Solln braucht die Polizei zwölf langsame Minuten. Der Notarzt war vorher da.

Aber wenn in Regensburg zwei überforderte Polizisten zwölf Mal auf einen Geisteskranken schießen, davon vier Schuss wie einst beim Jennerwein von Hinten, dann wird gaaanz langsam ermittelt – wenn überhaupt! Dafür häufen sich die unrühmlichen Prügelauftritte des Amnesty International bekannten Münchner USK. USK heißt: das “Unidentifizierbare Schläger Korps”, dessen Wirken dann von Staatsanwalt und willfährigen Richtern alimentiert wird.

Da kann man nur sagen: Bayerns Bürger, wenn ihr wollt, dass Euch schnell, zuverlässig und effizient geholfen wird, dann ruft’s besser glei die Feuerwehr! Prost Gemeinde! “Humor ist, wenn man trotzdem trinkt!” Wenn wir grad schon bei der Verbrechensbekämpfung sind: Grüß Gott, Herr Mappus, Sie sind ja jetzt der Ersatz-Öttinger von Baden-Württemberg. Ganz neu im Amt, und schon glei in die Hosen gmacht, weil es ja jetzt eine neue Steuer-CD zu kaufen GÄBE.

hier im Video ab Minute 7:38

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Marco Eisenack    Dieser Artikel wurde von Marco Eisenack geschrieben.
Er schreibt, moderiert und bloggt den lieben langen Tag und des öfteren auch nachts in und über München.
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  • 2 Kommentare

    so schön, dass es youtube gibt!!!
    haha, da haben sich herr westerwelle und herr herrmann ja sauber ins eigene tor geschossen! so viele zuschauer hatte das derbelcken sicher noch nie ; )

    Von tomke am 08. März 2010 um 21:18 Uhr.

    meines erachtens ist das ganze von grundauf ein münchner medien-amigo-theater.
    tatsache ist doch, dass es sich bei diesem event um eine reine promoveranstaltung der brauerei handelt, die vom bayrischen rundfunk in den status eines öffentlichen, theaterähnlichen ereignisses erhoben wird. es ist ein industrieevent! es ist absolut überrepräsentiert und eigentlich eine öffentliche auseinandersetzung nicht wert.

    Von michael wüst am 10. März 2010 um 14:27 Uhr.

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