Berlin ruft, München kommt

17. April 2010
Feiern & Kultur

mb-10

“Berlin Calling” – Paul Kalkbrenner rief gestern ins Zenith. Wir sind ihm gefolgt. Und rund 10.000 andere. Text und Fotos: Paul Cyron

Eins, zwei, drei, guuude Laune! Es hatte im Vorfeld schon ein wenig den Charme der legendären Worte Sven Väth’s. Eine Technoparty im Konzertformat, über 30 Euro Eintritt für einen DJ im ausverkauften Zenith – das gab es wohl noch nie. Selbst die alten Raver zogen erstaunt und manche auch ein wenig abgestoßen die Augenbrauen hoch. Vom Disco-Volksfest war die Rede, vom Ausverkauf, aber natürlich auch von ganz großer Anerkennung und der logischen Konsequenz des Erfolges.

mb-01

Paul Kalkbrenner spricht in einem Interview mit der Netzeitung von Ballermann-Verhältnissen bei der Loveparade und begibt sich damit natürlich auf dünnes Eis. Wer ein Event dieser Dimension verkauft, der muss einfach damit rechnen, dass nicht alle Gäste dem Wunschpublikum entsprechen. Auch gestern war man sich nicht so wirklich sicher, ob noch alle alten Weggefährten der Festivität beiwohnten oder ob diese nicht einfach abwarten bis die Hysterie wieder vorbei ist. Mit dem aktuellen Boom um den gebürtigen Leipziger bekommt die Szene aber definitiv eine neue Qualität.

mb-03

Gegen 21 Uhr, die Sonne war gerade in der isländischen Aschewolke verschwunden, öffnete die Pforte des Zeniths und bereits zu so früher Stunde standen sich die Fans die Füße in den Bauch. Panisch wurde noch versucht, die letzten Tickets zu ergattern – Schwarzmarktpreise um die 80 Euro. Nach dem Warmup von Simina Grigoriu, dazu später mehr, empfing man Paul Kalkbrenner mit stadiongleichen Sprechgesängen.

mb-04

Gut zwei drei Stunden präsentierte der Berliner eine straighte Live-Show. Versteckt hinter einem Pult, bestehend aus einer Batterie an Scheinwerfern und einer großen Diskokugel, wurde an den Reglern geschraubt und nach einer kurzen Anlaufzeit kam insbesondere vor der Bühne ein angenehmer Rave auf. Die guten, alten Klassiker wurden ebenso in die Amps geschickt wie einige brandneue Tracks und natürlich dem Charthit ‘Sky & Sand’, der vielumjubelt das unvermeidliche Highlight setzte. Das war schon eine echt gute Nummer.

mb-02

Noch ein paar Worte zur vielgescholtenen Technik im Zenith: auch gestern war es leider so, dass nur im vorderen Drittel der Halle die Soundqualität so einigermaßen funktionierte und im hinteren Bereich viel Matsch ankam. Auch Beleuchtung und Visuals entsprachen nicht zwingend dem, was man sich erwartet hat. Insgesamt war es schon sehr dunkel im Zenith und obwohl die Projektionen der Berliner Videokünstler Pfadfinderei extrem anmachten – bei einem Event dieser Dimension vermutet man einfach mehr als eine Leinwand und ein paar Strahler.

mb-05

Ein großes Lob darf allerdings der Aufwärmerin Simina Grigoriu zuteil werden. Bis zum Schaulaufen des großen Meisters erledigte sie einen bravourösen Job, baute sehr homogen einen Spannungsbogen auf, der pünktlich zum Ende des Sets den Höhepunkt erreichte und man hat sich echt gewünscht, dass die sympathische Berlinerin nach der Kalkbrenner-Show noch zwei, acht Stunden nachlegt. So ging es aber im benachbarten Kesselhaus weiter, wo eine Auswahl lokaler DJs für die passende Aftershow sorgte.

mb-06

Eins darf man abschließend festhalten: so viel auch von Seiten einiger selbsternannten Szenekenner über das Phänomen Paul Kalkbrenner geschimpft wird – man muss einfach neidfrei konstatieren, dass er nicht nur das Zenith sondern auch den Zenit elektronischer Tanzmusik erreicht hat. Ein Stadium wovon wohl jeder DJ träumt – und selbst wenn er sich noch so viel Idealismus und Underground aufsetzt. Ob man das nun gut findet oder nicht.

mb-08

mb-09

mb-11

Text und Fotos: Paul Cyron/www.supershit.com

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Facebook
  • MySpace
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • Digg
  • Furl
  • Bloglines
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • MisterWong
  • NewsVine
  • Reddit
  • StumbleUpon
  • YahooMyWeb
  • Y!GG
  • Technorati
  • Live-MSN
Exzellenz    Dieser Artikel wurde von Exzellenz geschrieben.
Ähnliche Artikel:
  • hot, hotter, Herr Hotter.
  • Hyperrealer Panoramablick
  • Einfach tierisch.
  • Prost Hardcore!
  • Lesung von Mark Greif im Werkraum
  • 4 Kommentare

    Gut zwei Stunden präsentierte der Berliner eine straighte Live-Show?

    Du bist aber nicht auf dem Konzert gewesen oder? weil das ging über 3Std.

    Von frank am 18. April 2010 um 08:41 Uhr.

    Hallo Frank, ja ich war auf dem Konzert – hab nur leider nicht mitgestoppt. Aber nach gründlichem Rekapitulieren muss ich Dir fast recht geben. Kann das wer im Text ändern? ;) Cheers, Paul

    Von Paul Fiction am 18. April 2010 um 10:51 Uhr.

    ausverkauf hin oder her: es war einfach ein guter gig. leicht zwiespältig, klar, du hast das ganz gut beschrieben, finde ich. aber wenn man dann vor ort ist, spielen diese gedanken für den MOMENT sowieso keine rolle.

    ach ja: geile fotos!

    Von hias am 18. April 2010 um 11:52 Uhr.

    Naja, kann der ganzen Sache nicht wirklich zustimmen. Fand das Konzert nicht wirklich sein Geld wert.

    Paar sekündchen Ableton-Rumgeschraube, Berlin-Calling-CD rein (so klangen zumindest die Übergänge) und sich immer schön feiern lassen.

    hab wesentlich mehr erwartet.

    12.05. Monster of House im Backstage wird glaub ich ne gaaaaanze Ecke besser.
    und billiger.

    Von Vritz Ophrene am 22. April 2010 um 11:43 Uhr.

    Name

    EMail (erforderlich)

    Die Abfrage der Mail dient allein dem Spamschutz.
    Wir speichern und verwenden Nichts davon.

    Website