“Tja, die Hoffnung stirbt zuletzt…”

03. Juni 2010
Macht & Geld

Wird München der Vorreiterrolle im Klimaschutz gerecht? 20 Jahre sind vergangen, seit sich die Stadt verpflichtet hat, die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu senken. Helmut Selinger, Mitgründer der neuen „Klimainitative München“, spricht im Interview über die schlechte Halbzeit-Bilanz der Stadt.

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klimaherbst.de: Ist München der Vorreiter im Klimaschutz oder ist alles nur heiße Luft?

Nach dem Scheitern von Kopenhagen haben wir von der Klimainitative München uns auch diese Frage gestellt. Das Desaster von Kopenhagen war für uns eine riesige Enttäuschung und wir wollten sehen, was auf lokaler Ebene passiert. In München hatten wir zunächst einen guten Eindruck: Wenn man die vielen Projekte und Ziele sieht, scheint es, als spiele München tatsächlich eine Vorreiterrolle bei den Großstädten in Europa.

Und dann?

Als wir uns genauer mit der Situation in München beschäftigt haben, hat unser erster Eindruck einen Dämpfer erfahren. Das große Ziel, die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um fünfzig Prozent zu reduzieren, ist jetzt – zur Halbzeit – nicht in Sicht. Die CO2-Emissionen sind nicht nur nicht gefallen, sondern sogar um etwa 12 Prozent gestiegen. Das war dann für uns ein richtiger Schock.

Was ist das Ziel der neugegründeten Klimainitative München?

Wir wollen die Frage nach dem Erfolg im Klimaschutz an die Stadt, an die Stadtgesellschaft und auch besonders an die Umweltbewegung zurückgeben. Es geht uns darum, eine politische Debatte über die angesprochene Entwicklung anzustoßen. Alle sollten sich zusammensetzen, um die Problematik zu besprechen. Die Stadt darf nicht stehen bleiben bei einzelnen Pilotprojekten, auch wenn diese gut und zu unterstützen sind, die aber in der Summe nach zwanzig Jahren nicht das Ergebnis gebracht haben.

Wer arbeitet bisher an der Klimainitative mit?

Wir haben viele Einladungen zu einem ersten Treffen verschickt – und dieses war noch nicht so erfolgreich wie erhofft. Unsere Auftaktveranstaltung am kommenden Samstag, am 5. Juni, soll dies ändern. Im Moment nehmen etwa 30 bis 40 Leute teil. Darunter sind einige große, sehr aktive Gruppen: Attack, als anstoßende Organisation, Pro Regenwald, das Sozialforum München, Energie Hadern und Green City. Wir hoffen aber, dass am kommenden Samstag neue Personen und Gruppen dazukommen: Der Erfolg oder Misserfolg der Klimapolitik der Stadt muss politischer diskutiert werden.

Sie haben gesagt, das anstoßende Ereignis für die Klimainitative war das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen. Dieser Tage findet in Bonn die offizielle Vorbereitungskonferenz für die nächste UN-Klimakonferenz in Mexiko statt. Was erwarten sie von dieser Konferenz?

Tja, die Hoffnung stirbt zuletzt…

***

Die Auftaktveranstaltung zur “Klimainitative München” am Samstag, den 5. Juni, findet im EineWeltHaus (Schwanthalerstraße 80) von 10 bis 17 Uhr statt. Das genaue Programm findet sich hier. Helmut Selinger hat im ISW – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung München e.V. mehrere Beiträge zum Klimawandel veröffentlicht. Darunter: “Stand der weltweiten Klimaforschung – Ergebnisse des aktuellen IPCC-Berichtes” (2008) und “Kann der UN-Weltklimagipfel in Kopenhagen die anthropogene Klimaveränderung stoppen?” (2009).

Das Interview führte Hannes Kerber für klimaherbst.de. Foto: Anne Dobler / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz

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Hannes Kerber    Dieser Artikel wurde von Hannes Kerber geschrieben.
Hannes arbeitet als freier Journalist in München und mag besonders die BOB und die Regionalbahn 30607, die ihn samstags in die Berge bringen.
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  • 1 Kommentar

    Das erstaunt aber wirklich nicht! Seit 1970 beschäftige ich mich mit dem Thema “Umwelt” und seit damals hat sich fast alles verschlechtert und sehr wenig verbessert. Der Grund ist der, dass sich die Leute nicht um eine wirkliche Veränderung und Verbesserung bemühen, sondern die Meinung vorherrscht, der “Andere” soll die Umwelt retten und wieder ein Teil der Leute denkt: “Nach mir die Sintflut”! Auch die Politiker, schauen sie sich die an, sind unfähig, etwas voranzubringen. Der Wirtschaft ist das alles egal, wenn nur die Jahresbilanz stimmt (siehe Golf von Mexiko).

    Von Karl Schillinger am 03. Juni 2010 um 19:52 Uhr.

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