Bahnhof, Busse, Bunker und Balkan-Beats

15. Juni 2010
Feiern & Kultur

Die Kammerspiele feiern rund ums südliche Bahnhofsviertel das Festival Munich Central – ein Lagebericht

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Alle schauen sie Fußball. Naja fast. Während München in Biergärten über Spielstrategien und Mannschaftsaufstellungen fachsimpelt, haben es die Münchner Kammerspiele geschafft eine ganz andere Stadt-Enklave zu schaffen. Mit wohlgemerkt nicht weniger Public-Viewing-Feeling als bei manch einem WM-Spiel. Noch bis zum 25.6. kann man sich im Rahmen des Stadtprojekts Munich Central Inszenierungen, Konzerte, Lesungen und Stadterkundungen anschauen. Zentral daran ist der Ort: das südliche Bahnhofsviertel, das schon immer mit Multikultur und Gemüseladen-Charme gelabelt wurde, doch wohl selten zuvor so sehr als Teil der Münchner Subkultur gefeiert wurde.

Im Zentrum weiterhin: Die Bewohner und Menschen, die dieses Viertel erst zum Viertel machen. So haben die Kammerspiele in einem ehemaligen Import-Export-Laden in der Goethestraße 30 eine gemütliche Bar eingerichtet, in der am Wochenende regelmäßig Bands wie Gitanes Blondes, Respect Us! oder die Munich Freedom Hothouse Band mit Balkan, Klezmer, Jazz und Hip Hop auffahren. Die Geschichte eines Bunkers direkt unter “Gleis 11″ des Münchner Bahnhofs – ehemaliger Umschlagplatz für Gastarbeiter – nutzt Christine Umpfenbach um mit Soundcollagen von Gomma-Vertreter Jonas Imbery und Monologen von Paul Brodowsky, die aus Zeitzeugenberichten der Asylbewerber zusammengestellt wurden, unkonventionelles Dokumentartheater zu machen. Der altbekannte Allrounder Bülent Kullukcu erzählt in seiner Inszenierung “Rettet die Vögel” im Doppeldeckerbus die Geschichte der Spieler und Trinker, die im Anonymat des Bahnhofsbrachlands untergehen. Sylvia Sobotka, Regie-Studentin an der Otto Falckenberg Schule, zeigt schließlich erstmals ihre Hommage an polnische Putzfrauen. Ihre selbsternannte theatrale Weiterqualifizierung “Polnische Cousinen” hat am Freitag um 18 Uhr Premiere im Festivalzentrum, also in der Import Export Bar in der Goethestraße 30.

Keine Angst, bis dahin ist das Spiel schon vorbei. Und Bier, ja Bier gibt´s da natürlich auch!

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Regina Karl    Dieser Artikel wurde von Regina Karl geschrieben.
Regina Karl ist freie Autorin in München. Sie mag Premieren, Premierenpartys und angesagte französische Theorie.
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