Das Leben kann eine Bassline sein – Gregor Tresher im Harry Klein

24. Juli 2010
Feiern & Kultur, Nachtkritik

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Voll ist es in der Tonträger und Musikalienhandlung Harry Klein. Wo man hinsieht, glückliche, schöne, interessante Mitglieder der Spezies Mensch. Bekannte und noch unbekannte Gesichter. Nichts, was sich nicht ändern ließe, Offenheit lautet die Devise. Ein Schwätzchen hier, einen Jägermeister dort, immer im Rhythmus der Musik. Die Stimmung ist am Überkochen – am Turntable Gregor Tresher. Elektro-DJ und Produzent, einer, der sein Handwerk versteht.

Keine drei Takte dauert es, bis man sich seinen Versionen und Visionen elektronischer Musik hingibt. Am Tresen flüstern noch zwei hübsche Mädchen, „der Gregor, …“ aber mehr ist nicht zu verstehen, denn genau in diesem Moment geht wieder der Bass hoch, eine klare Message. Die klare Antwort: hundertfaches Johlen auf zwei Etagen, in die Höhe gereckte Partyfinger. Tresher nimmts gelassen, lächelt. Weiß, da ist noch mehr in petto, weiß um sein Können, ist nicht das erste Mal in dieser Stadt und kostet es zu Recht aus.

Irgendwann zwischen der dritten und vierten Stunde eines neuen Tages, Vibrationen am ganzen Körper, ein Gefühl von Freiheit; das Leben kann eine Bassline sein, wenn man es lässt. Was vorher war, verliert seine Bedeutung, was morgen sein wird, wird sich morgen entscheiden. Wild vertraut umhertreibende Teilchen eines großen Ganzen in der Soundanlage Mensch. Alles, was zählt: Das Pathos einer vollen, wogenden Tanzfläche, die losgelassene Selbstvergessenheit des Individuums. Der Moment, die absolute, pure Gegenwart. Qui vivra verra.

Es heißt, man soll gehen, wenn es am Schönsten ist. Kurz vor dem Morgengrauen, eine still daliegende Sonnenstraße entlang, dem Beat nachflimmernd.

Nachtrag: Auch die Resident-DJ´s sollen nicht unerwähnt bleiben. Jedes Bild braucht einen passenden Rahmen. Sie sind weit mehr als das.

Nachtrag II: Diese Musik ist Hedonismus, ist Befreiung, ist Zwang, ist Exzess, ist Gegenwart, ist keine Religion – Glauben ist dennoch möglich.

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Markus Michalek    Dieser Artikel wurde von Markus Michalek geschrieben.
Markus Michalek erlebt als Autor Münchner Tage und Nächte aus vollstem Herzen. Er bloggte einige Jahre unter der Kunstfigur "Kapinski".
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