Wie wird man eigentlich Schuhmacher am Theater?

29. Juli 2010
Alltag & Leben

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31 Jahre am Gärtnerplatztheater – Richard Kellner erzählt über seinen Werdegang und die Arbeit als Schuhmachermeister.

„Ich wollte immer einen Beruf erlernen, bei dem man etwas von Hand anfertigt. Aber ich wollte eigentlich immer Möbelschreiner werden. Wo man Möbel von Hand anfertigt, aber da habe ich leider nie etwas gefunden. Dann habe ich gedacht Schuhmacher wäre auch ein toller Beruf. Die von der Handwerksinnung haben mir dann geschrieben, dass sie im Theater einen Lehrling suchen und ich bin dann von 6 Bewerbern genommen worden. Ich habe dann 3 Jahre eine Ausbildung gemacht – hier direkt am Gärtnerplatz. Ich habe am Gärtnerplatz also schon gelernt und dann bin ich auch übernommen worden. Dann war ich ein paar Jahre Geselle und 1994 bin ich Meister geworden.

Die wenigsten Schuhmacher draußen machen ja Schuhe, die machen ja hauptsächlich Reperaturarbeiten und wir machen hier halt vom Anfang bis zum Schluss die Schuhe. Wir müssen die Maße nehmen und wir machen hier drin auch die Schäfte und das alles. Also bis der Schuh komplett fertig ist.

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Ich habe meine Entscheidung nie bereut und möchte woanders gar nicht mehr arbeiten. Es ist vor allem hier sehr vielseitig, wir machen ja nicht nur Halbschuhe. Wir müssen über sämtliche Epochen die Schuhe fertigen. Es gibt Barock-Pumps, Rokoko-Pumps, Cancan-Stiefel, Knopfstiefel, Invanteriestiefel, Clownsschuhe… Also wie gesagt es geht da quer durch den Gemüsegarten. Es ist sehr vielfältig. Wir müssen ja zusätzlich auch noch für die Requistite mitarbeiten. Da müssen wir zum Beispiel Säbelgehänge machen, Pistolentaschen, Handtaschen teilweise auch. Wir haben auch schon Falkner hier gehabt und da haben wir einen Falknerhandschuh machen müssen. Das was eigentlich mit unserem Beruf gar nichts zu tun hat oder dem Waffenschmied haben wir so einen Kragen machen müssen für Soldaten. Weil man ja weiß, dass die Soldaten im wirklichen Leben Verletzungen haben. Bloß bei uns kann man natürlich dem Chor keine Verletzungen drauf geben, also muss man das ein bisschen andeuten. Da hat der eine von uns einen Kragen bekommen, der andere eine Armschiene oder Beinschiene…ja und das müssen wir alles dann machen. Boxhandschuhe habe ich auch schon machen müssen, also es ist wirklich sehr vielseitig.

Wir haben auch einmal ein richtiges Pferd auf der Bühne gehabt und dann mussten wir überlegen wie man die Schuhe für Pferde gestaltet und dann haben wir sowas zusammen gebaut. Für damalige Verhältnisse ist es eigentlich recht toll geworden. Mit der Weile gibt es schon wieder ganz andere Möglichkeiten, wie man das jetzt schon wieder besser machen kann und so…wie gesagt, man versucht halt alles so zu machen, dass es original ausschaut.

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Ich hoffe auch, dass ich Ende 2011 ein Lehrmädchen bekomme. Die hat jetzt bei uns Praktikum gemacht und freut sich so sehr, dass sie bei uns lernen darf. Sie muss jetzt noch ein Jahr in die Schule und ich hoffe, dass bis dahin ein Lehrplatz zur Verfügung steht und dann bilde ich das Mädchen aus. Also ist es auf jeden Fall auch ein Beruf mit Zukunftsperpektive!“

Text: Gerda Naumann
Foto: GPunkt

Dieser Artikel ist im GPunkt erschienen, dem jungen Magazin des Staatstheaters am Gärtnerplatz.

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GPunkt    Dieser Artikel wurde von GPunkt geschrieben.
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