Und was nun…?

02. August 2010
Feiern & Kultur, Gute Sache

staatstheater_JohannesSeyerlein

Die Redaktion des Jugendmagazins G-Punkt blickt erwartungsvoll auf die kommende Spielzeit im Staatstheater am Gärtnerplatz. Das Richtige für unsere Kategorie “Gute Werbung”

Eine turbulente Spielzeit mit Renovierungsplänen und anderen kommenden Neuerungen liegt hinter uns und umso mehr dürfen wir gespannt sein, was das Gärtnerplatztheater für die kommende Spielzeit auspacken wird. Sicher ist, dass wir Highlights wie “La Cage aux Folles” und “Das Märchen vom Zaren Saltan” schmerzlich vermissen werden. Doch es wird interessante Neuentdeckungen geben.

Los geht’s mit einem Freischuss oder besser: Freikugeln. In der Wolfsschlucht steppt der Bär, wenn DER FREISCHÜTZ sich mit dem Bösen verbindet, nur um den Adler vom Baum zu schießen. Vom Baum? Nein aus der Luft, aber gut, dass da nicht DIE OMAMA IM APFELBAUM sitzt und dran glauben muss. Für all diejenigen, die nicht das Glück haben eine Oma daheim sitzen zu haben, die wären darum allerdings vielleicht sogar froh. Auch wenn sie nur erfunden ist. Geradezu märchenhaft ist das. Und bei Märchen ist auch das wohl bekannteste Ballett Peter Tschaikowskys nicht weit: Mit DER NUSSKNACKER leitet das TanzTheaterMünchen die Vorweihnachtszeit ein, in der man wieder in einen Rausch aus Gerüchen, Lichtern und Emotionen verfallen könnte. In einen Rausch ganz anderer Art dagegen fallen die Akteure, die der FLEDERMAUS auf den Leim gegangen sind. Da ist nun mal Champagner der Erste, neben dem Wodka. Wenn Prinz Orlowsky zum Feiern lädt, bleibt kein Auge und kein Hals trocken.

Lauter Originale

Mit L’ITALIANA IN ALGERI von Gioacchino Rossini entspricht dann das Gärtnerplatztheater dem langgehegten Publikumswunsch nach Originalsprachen in der Aufführung. Ein sprühendes Feuerwerk richtet die Italienerin in Algier an. Beschaulicher wird es da in der Musicalpremiere GRAND HOTEL. Doch der Schein trügt, denn die Gäste bringen Leben ins Upperclass Berliner Hotel. Ein ehrenwertes Haus also. Ebenso wie ein anderes, das Philip Glass nach Edgar Allan Poes Erzählung beschwört. Ein Fall ohne Aufstieg ist DER UNTERGANG DES HAUSES USHER. Wie minimalistisch Glass zu fesseln vermag durfte man schon in DIE SCHÖNE UND DAS BIEST bewundern. Doch das Haus Usher lädt dann doch eher zum Gruseln ein.

Von Märchen und Schlössern

Ein echter Russe hat es auch noch auf den Spielplan geschafft: Sergej Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN richtet so manche Katastrophe an. Doch die Katastrophen fallen in der commedia dell’arte oft gar nicht so katastrophal aus. Hier spinnt der märchenhafte Stoff zusammen mit der zauberhaften Musik ein Netz aus politischen Anspielungen, illustren Figuren und einer Handlung nicht von dieser Welt. Das ist russisch, echt russisch und ein wenig kryptisch, doch nicht ganz so kafkaesk wie DAS SCHLOSS von – wie könnte es anders sein – Franz Kafka: Rätselhaft, verstrickt und unausgesprochen, Kafka eben. Wie sich das TTM diesem Klassiker der Literatur tänzerisch nähert, noch weiß das niemand. Wie sich die Spielzeit dann dem Ende nähern wird steht dagegen schon fest: Eine barocke schiefrunde Perle von Georg Philipp Telemann erlebt seine münchner Erstaufführung: DER GEDULDIGE SOKRATES. Sokrates war ein kluger Mann, weshalb es eigenartig ist, dass er dann geheiratet hat. Um seine eigene Geduld auf die Probe zu stellen? Das JTG wird uns da mit seinem Projekt für die nächste Spielzeit hoffentlich nicht zu lange auf die Folter spannen. Auf jeden Fall wird es ab 5. Februar 2011 nochmal ein hässliches Entlein in HONK! geben. Bis dahin: Schöne Ferien!

Text: Daniel Ernst
Foto: Johannes Seyerlein

Dieser Artikel ist im GPunkt erschienen, dem jungen Magazin des Staatstheaters am Gärtnerplatz.

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Facebook
  • MySpace
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • Digg
  • Furl
  • Bloglines
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • MisterWong
  • NewsVine
  • Reddit
  • StumbleUpon
  • YahooMyWeb
  • Y!GG
  • Technorati
  • Live-MSN
GPunkt    Dieser Artikel wurde von GPunkt geschrieben.
Stimulant, potent und auf den Punkt gebracht: Der GPunkt ist das Magazin von jungen, freien Redakteuren für junge und junggebliebene Fans des Gärtnerplatztheaters.
Ähnliche Artikel:
  • Prost Hardcore!
  • flimmern & rauschen 2012: das Münchner Filmfest der jungen Szene
  • Lesung von Mark Greif im Werkraum
  • Tausend Worte zu tausend Bildern
  • Nachtmuseum bis in den Morgen
  • Keine Kommentare

    Name

    EMail (erforderlich)

    Die Abfrage der Mail dient allein dem Spamschutz.
    Wir speichern und verwenden Nichts davon.

    Website