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Flashmobs lösen Massenpanik bei Behörden aus

Marco Eisenack

Marco Eisenack

Liest, schreibt und bloggt den lieben langen Tag und des öfteren auch nachts in und über München.
Marco Eisenack

Winterkult

Die Flashmobs in der Münchner S-Bahn und am Odeonsplatz haben erste Auswirkungen auf die Genehmigungspraxis der Behörden. Ein mündlich bereits bewilligtes Winterkulturfestival in Gauting wurde nun doch nicht genehmigt. Der Grund: akute Flashmob-Furcht. Daniel Leicher, einer der Organistoren, im Interview mit mucbook.

Wie ist der Stand der Dinge?

Seit letzter Woche haben wir das Booking fertiggestellt und Materialien wie Technik, Toiletten etc. bestellt. Außerdem wurden in Absprache mit der Bürgermeisterin die Plakate und Flyer gedruckt. Diese sind gestern auch schon bei uns eingetroffen.

Seit wann hattet ihr das Winterfest geplant? Und wer sind die Organisatoren?

Normalerweise organisieren wir seit Jahren das Kulturspektakel Gauting, ein Open-Air Festival im Juli. Jetzt haben die „alten Kultler“ einen Förderverein gegründet und organisieren damit dieses Festival. Seit Oktober treffen sich jetzt die Mitglieder des Fördervereins mit uns Kulturspektakel Organisatoren regelmäßig um diesen kleinen Ableger von dem Kulturspektakel zu organisieren.

Hattet ihr den Behörden gegenüber von Flashmob oder Facebook gesprochen?

Nein. Wir bewerben natürlich unsere Veranstaltungen über Facebook, aber über Flashmobs hatten wir nie gegenüber den Behörden gesprochen. Ich kann mir auch immer noch nicht erklären wieso auf dem Festival ein Flashmob stattfinden sollte.

Haben die Behörden euch gegenüber wirklich wörtlich gesagt, man sehe die Gefahr eines Flashmobs?

Ja. Ein Mitarbeiter der Gemeinde ist am Wochenende in den Flashmob am Odeonsplatz geraten und hat danach gleich mit der Bahnpolizei telefoniert. Uns gegenüber wurde nun gesagt, dass die Gefahr zu groß sei, dass während des Festivals via Facebook ein Flashmob ausgerufen werde und durch massenhaft Jugendliche ein Sicherheitsrisiko am Bahnhof entstehen könnte.

Wie beurteilst du die Einschätzung der Behörden?

Natürlich ist es gefährlich am Bahnhof ein Festival zu veranstalten. Wir hatten allerdings schon Gespräche mit dem Ordnungsamt in denen wir alle Absicherungen besprochen hatten. So sehen wir keine großen Gefahren. Man kann den Gautinger Bahnhof ja auch nicht mit dem Odeonsplatz vergleichen. Wir freuen uns schon wenn mehrere hundert Leute über den Tag verteilt unser Festival besuchen.

Welche Unkosten sind euch durch Druck etc. entstanden?

Aktuell haben wir Druckkosten von mehreren 100€ und auch schon diverse Ausgaben für das Material was angeschafft wurde.

Als Alternative wurde offenbar die Grundschule angeboten. Wie steht ihr zu der Location?

Die Grundschule liegt nicht weit weg vom Bahnhof. Leider ist das Gelände aber deutlich größer als unser ursprünglich geplantes. Dadurch geht die kleine, gewollt kuschelige Atmosphäre verloren. Zusätzlich haben wir dort keine Indoorbühne wodurch wieder einige Bands absagen werden, das Laufpublikum vom Bahnhof wird weniger werden und wir haben dort eine deutlich höhere Lärmproblematik, da wir näher an Wohngebieten liegen.

Wie wollt ihr jetzt vorgehen?

Wir versuchen mit den Behörden noch einmal die Situation am Bahnhofsplatz zu besprechen, dass wir vielleicht trotzdem noch dorthin kommen. Für alle Fälle haben wir aber auch noch eine Ortsbegehung mit den zuständigen Ämtern an der Grundschule um dort das Gelände noch einmal zu besichtigen.

Habt ihr die Behörden darauf hingewiesen, dass die Gefahr besteht, dass die Menschen durch das Verbot des Festivals nun erst zum Flashmob animiert werden?

Aktuell haben wir das noch nicht getan, werden aber die Behörden noch darauf hinweisen.

Vollende diesen Satz: Soziale Netzwerke sind für die Menschen in Verwaltung und Behörden ….

…. in deren Augen mehr eine Gefahr als ein Nutzen. Viele wollen sich auch gar nicht mit der Materie befassen, was ich persönlich sehr schade finde.

DANKE

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