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Kultur, Nach(t)kritik

Ein Kommentar zum Digitalanalog-Festival

Marco Eisenack

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Er schreibt, moderiert und bloggt den lieben langen Tag und des öfteren auch nachts in und über München.
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Digital ist besser – haben einst die Fans der Hamburger Schule gesungen. Bald 20 Jahre später ist die starre Einteilung in digital oder analog, elektronisch oder akustisch, programmiert oder handgemacht, gefaket oder authentisch einer digilogen Mash-up-Gemeinschaft gewichen, in der sich Identitäten aus Reallife, Secondlife, Konserve und Akustik die Hände reichen, um gemeinsam Neues und Gutes zu erschaffen.

ein Kommentar von Marco Eisenack Aus dem Jubiläumsmagazin zum digitalanalog 10, das am 12. und 13. Oktober im Gasteig stattfindet.

Das Münchner digital-analog-Festival, ein weitverwurzeltes Szenegewächs wie man es am Reißbrett administrativer Kulturpolitik wohl niemals planen könnte, erfüllt im Kontext dieser Lust am Medienmix seit 10 Jahren eine wichtige Katalysatorfunktion. Interdisziplinarität ist ein öder Begriff – das Festival zeigt wie man dieses Wort mit Leben füllt und wie bereichernd das Aufeinandertreffen der Künstler mit unterschiedlichen Perspektiven sein kann.

So ist das digital-analog-Festival ein schönes Beispiel, dass es in unserer Stadt fernab verkrusteter Strukturen kreative Akteure gibt, die Dinge einfach mal in die Hand nehmen. Und erst danach schauen, ob es dafür die richtigen Räume, ausreichend Geld und die angemessene Würdigung gibt.

Das Team des digital-analog Festivals vernetzt die Kreativwirtschaft unserer Stadt, schon lang bevor dieses Wort als Standortfaktor erkannt wurde, auf vorbildliche Weise. Das zeigt schon ein Blick auf die Namen der bisherigen Festivals: Das Programmheft der vergangenen Jahre liest sich wie ein who-is-who der Münchner Subkultur. Von den Elektro-DJs Dario und Mario Zenker, über die Autoren Juno Meinecke und Roderich Fabian, die Modekünstlerin Stephanie Müller mit rag*treasure bis zum Erfolgslabel GOMMA – bei den Bands brauchen wir bei dem Namedropping gar nicht erst anfangen.

Dass die Angebote des digital-analog-Festivals mangels Berichterstattung und PR-Budget zum Teil weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, beweist erneut: Kreativ-künsterlischer Wert und öffentliche Wahrnehmung eines Events klaffen in dieser Stadt eben oft sehr weit außeinander. Auch dafür ist das digital-analog-Festival ein vortreffliches Beispiel. Leider.

Wenn Dirk Wagner in der SZ das Fazit zieht: „Digital-Analog“ reizüberflutet alle Sinne auf beeindruckende Weise“, kann man nur beipflichten und hoffen, dass damit zugleich die Auswirkungen des Festivals auf unsere Stadt für die kommenden Jahre vorausgesagt sind.

Das Event im Facebook-Veranstaltungskalender

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