Kinogucken

The Blues Sisters

Manchmal gibt es einfach nichts, das man gegen ein gut gemachtes Feel Good – Movie sagen kann. Es mag wenig überraschend sein, selten dramatisch und sich wie schon einmal dagewesen anfühlen. Aber wenn es das Schicksal seines Namens erfüllt und einfach gute Laune macht – warum sollte man ihm das übel nehmen?

SapphiresWEB

The Sapphires ist genau so ein Film. Die Geschichte ist schnell erzählt. Ende der 60er Jahre werden vier jugendliche Aborigine-Sängerinnen (drei von ihnen Schwestern) zufällig von einem eigentlich abgehalfterten, alkoholabhängigen Produzenten entdeckt. Als Musikgruppe „The Sapphires“ bewerben sie sich erfolgreich bei einem Militär-Casting und „dürfen“ nach Vietnam reisen, um mit ihrer Musik die dortigen Truppen zu unterstützen.

Der Drehbuch-Co-Autor Tony Briggs ist der Sohn einer der Original-„Sapphires“; und man merkt dem Film auch an, dass da jemand mit viel Leidenschaft am Werk war. Neben all der guten Laune spart er auch die Unterdrückung der Aborigines sowie das Grauen des Krieges nicht aus. Auch wenn, wie man im Genre der Musikkomödie erahnen kann, beide der riskanteren Themen nie allzu weit ausgeführt werden.

Die Vorhersehbarkeit des Drehbuchs schadet dem Gesamtwerk dabei aus zwei Gründen nicht. Erstens versprüht die Schauspielriege jederzeit Begeisterung und Charisma. Die Sapphire-Mädels können wirklich singen – und Chris O’Dowd („Brautalarm“) spielt ihren sarkastischen, aber gutherzigen Entdecker mit so viel Charme, dass er in jeder seiner Szenen die Schau stiehlt und der Story sogar durch ihre kitschigeren Momente hilft.
Und zweitens ist der Soundtrack, bestehend aus 60er Jahre – Soul, Blues und Rock ’n‘ Roll, so großartig, dass es eine wahre Freude ist. Von „I’ll Take You There“ bis „I Heard It Through the Grapewine“, ob gesungen von den Sapphires oder im Original als Begleitmusik – die Auswahl sitzt.

„The Blues Brothers“ mit einem Hauch „Apocalypse Now“: The Sapphires macht nicht viel neu, aber das was es zu sehen (und vor allem zu hören) gibt, ist richtig gut.

Bester

(Die Sapphires singen und tanzen sich schon seit letzter Woche durch unsere Kinos. Unter anderem im Monopol um 16:45, dabei dienstags in der sehr empfehlenswerten Originalfassung oder am Samstag um 15:20 sowie am Sonntag um 14:50 in den Museum Lichtspielen.)

Thomas Empl

Thomas Empl

Schreibt seit 2012 für mucbook über Kino, meistens Filmkritiken, hin und wieder auch mal Theater. Liebt München, beste Stadt der Welt.
Thomas Empl
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