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Aktuell, Fotobook, Kultur, Kunst

Florian Tenk: Fotografie über Scham, Sexualität, Nacktheit und Voyeurismus

Ronja Lotz

Ronja Lotz

Aus der Mucbook Chefetage gibt es Kunst und Kultur - aber das verständlich!
Ronja Lotz

Florian Tenk findet, dass es eigentlich keine Erklärungen in der Kunst bedarf. Dennoch seien viele Besucher immer daran interessiert, die EINE Wahrheit zu finden. Die gibt es auch in seinen Fotografien nicht. Wir haben ihm dennoch ein paar Fragen zu seinen Arbeiten gestellt und die aktuellsten Werke in ein Fotobook gepackt.

Flo, was zeigst du?

Florian Tenk: Die Sage von Artemis und Aktaion aus Ovids Metamorphosen. Kurz erzählt handelt sie davon, wie die jungfräuliche Göttin Artemis in einer Quelle im Wald badete und durch Zufall von dem Jäger Aktaion entdeckt wurde. Da sie nicht von einem Mann nackt gesehen werden durfte, bespritzte sie ihn mit Wasser aus der Quelle und verwandelte ihn mit den Worten „Nun sag, wenn du kannst, du habest mich nackt gesehen“ in einen Hirsch. Woraufhin er von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt wurde. Diese Geschichte verfolgt mich immer wieder, weil es für mich ein sehr interessantes und radikales Ausmaß an Scham, Sexualität, Nacktheit und Voyeurismus beinhaltet. Diese Geschichte habe ich mit einem in mehreren Ebenen von der Decke hängenden Tableau aus dreizehn Fotografien nacherzählt.

Was ist dir in den Arbeiten wichtig?

Die gezeigten Arbeiten sind eine Zusammenstellung bereits bestehender und auch ganz neuer Fotografien, die ich gezielt für diese Ausstellung angefertigt habe. Mir ist nicht wichtig, dass man den Kontext tatsächlich 1:1 verstehen kann. Ich freue mich schon, wenn es die Betrachter im besten Fall dazu inspiriert sich ihre eigene Geschichte auszudenken. Allerdings habe ich wirklich das Gefühl, dass man dem Betrachter wieder das Betrachten lehren müsste. Speziell bei dieser Ausstellung gab es viele Momente, in denen ich sehr oft nach einer Erklärung gefragt wurde.

Worauf liegt dein Fokus?14976388_1323928340952858_6496012599784360698_o

Der liegt sehr auf den Menschen, was sie antreibt, wie sie sich zu ihrem Körper, ihrer Sexualität verhalten, welche Codes sie beschreiben und in welchen Milieu sie sich bewegen. Im Gegensatz dazu stehen Aufnahmen der Natur, von Erscheinungen im Wasser, dem Mond, Pflanzen, und wie sich die menschlichen Körperformen oder gar geistigen Haltungen in diesen Bildern übersetzen lassen.

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert sehr oft allein schon der Alltag. Das ist einer der Grundzüge meiner Arbeitsweisen, dass ich spontan Transferleistungen, Abstraktionen oder Kontraste in den alltäglichen Erscheinungen erkenne, ein Lichteinfall, der ein spezielles Muster wirft, eine vertrocknete Pflanze, welche die Form eines menschlichen Gesichts einnimmt oder ähnliches.

Es ist eine Art Sehnsucht mehrere Ebenen im alltäglichen Leben zu erkennen und es mit dieser Vielfalt auch gewissermaßen zu bereichern. Ich kann mich beispielsweise übertrieben lange damit beschäftigen, die Pflanzen auf meinem Fensterbrett zu beobachten und einen über-pflanzlichen, fast tierischen Antrieb in den fleischigen Luftwurzeln meiner Orchideen zu vermuten.

Es ist vielleicht auch ein bisschen das Privileg des Künstlers für sein Schaffen Ebenen zu erkennen, die über ihren indexikalischen Wert in unserem Zeichensystem hinaus gehen. Und indem ich diesen Einblick in meinen Kosmos gebe, fände ich es schön, auch andere Menschen dadurch animieren zu können, den Blick öfter schweifen zu lassen und den Dingen einen zweiten Blick zu gönnen.

Florian Tenk ist 29 Jahre alt und studiert Fotografie an der Akademie in München in der Fotoklasse bei Prof. Dieter Rehm. Seit 2015 ist er dort Meisterschüler.

Mehr zu Flo Tenk findest auf seiner Website und auf Instagram

(c) Alle Bilder: Florian Tenk

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