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Aktuell, Kultur

Es wird Zeit, sich von Bullitt Club, Grinsekatze, Tante Erna und Co. zu verabschieden

Julius Zimmer

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Liebe Shuffler und Shufflerinnen, Afterhour-Fans und Nachteulen, verehrte Druffis,

Am vergangenen Mittwoch erreichte mich eine Nachricht, die viele von euch schwer treffen wird: Der Bezirksausschuss Berg am Laim stellt sich gegen eine Verlängerung der Lizenzen für die Clubbetreiber auf dem Optimol-Gelände. Im Klartext heißt das: Die Party ist vorbei – bald zumindest.

Das Gelände, das einen bunten Mix aus Mainstream-Schuppen, Afterhour-Clubs und Dönerbuden beherbergte, soll geräumt werden. Das geht aus einem Bericht der Zeitung „Hallo München“ hervor.

Irgendwas zwischen Hölle und Himmel

Für die Einen ist dieser Ort ein großer, vergammelter Schandfleck: Grassierende Kriminalität, schimmlige Gebäude mit bröckelndem Putz und schlecht gelaunten Anwohnern.

Für euch, liebes Münchner Partyvolk, ist das Gelände jedoch mehr. Es ist eine vertraute Anlaufstelle, wenn alle langweiligen Läden in der Innenstadt dicht machen und man einfach noch zwei Stunden zu schranzigem Minimal shufflen will.

Es ist ein Ort, an dem Kulturen aufeinandertreffen und einander kennenlernen. Hier schnorrt Thomas ne Kippe bei Jamal, der gerade mit seinen Jungs auf dem Weg in die „Burg“ ist. Anna verguckt sich in Wojciech, den Türsteher der „Grinsekatze“. Und auf der Terrasse vom „Bullitt“ knutschen Lisa und Samira innig miteinander rum.*

Wir sollten uns mit einem Knall verabschieden

Das Gelände ist ein Ort, der noch nicht von der Welle der neuen und hippen Berliner Hipsterkultur erfasst wurde. Ein Platz, der so scheiße ist, dass er schon wieder geil ist.

Ja, die Optimolwerke sind vielleicht hässlich und heruntergekommen. Und ja, immer wenn ich nach meinem Training an dem vergilbten und zugemüllten Eingangstor vorbeikomme, schaue ich mich zwei Mal um und beschleunige meine Schritte in Richtung S-Bahn.

Aber wenn die Stadt die ganze Hütte schon abreißen will, dann sollten alle Menschen, die hier verdammt noch mal gute Nächte verbracht haben, dafür sorgen, dass wir die Optimolwerke in ehrenhafter Erinnerung halten. Immerhin gilt das Gelände im Osten der Stadt als Kinderwiege legendärer Clubs wie des „Ultraschalls“, des „alten“ „Harry Kleins“, der „Milchbar“ oder der „Grinsekatze“.

Alle Clubbesitzer sollten sich zusammentun und dem Untergang gemeinsam entgegentreten – vielleicht mit einem großen Open-Air.

Denn was danach kommt, muss zwar nicht zwingend beschissen werden – aber es wird mit Sicherheit die alten Ruinen der 90er Jahre unter sich begraben. Und was an diesem Ort einst geschaffen wurde, sollten wir als Münchner immer in Erinnerung halten.

*Die Namen und ihre Geschichten sind frei erfunden und sind vom Autor zur Veranschaulichung hier eingebaut worden. 


Beitragsbild: Rio65trio, CC.2.0. 

 

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