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Gastkritik: Das waren AnnenMayKantereit im Zenith

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In eurem Alter hat Bob Dylan ‚The Lonesome Death of Hattie Carroll‘ geschrieben

…oder wie AnnenMayKantereit das Münchner Zenith zum toben brachten:

So ganz weiß man nicht, ob man sich selbst als Teil dieses Publikums wähnen möchte. Bei der Vorband stellt man sich als kulturbeflissene, Rock’n’Roll-versierte Mitt-Dreißigerin diese Frage noch nicht. Zu klug die Texte, zu sympathisch die Ansagen, zu gut das Songwriting der Höchsten Eisenbahn aus Berlin. Der Auftakt des Abends im Münchner Zenith löst bei der Autorin Begeisterungsstürme aus.

Dann betreten die Jungs von AnnenMayKantereit die Bühne.

Wie der Bandname erahnen lässt, unprätentiös in Jeans und T-Shirt. Und nun stürmt auch das Publikum im ausverkauften Zenith (Platz für 6.000 Personen) vor Begeisterung. Die Euphorie entlädt sich so laut und mitreißend, dass sich ab diesem Moment auch der Blick der Autorin weitet. Jung ist das Publikum, ja. Väter mit Töchtern auf Schultern. Mütter, die im hinteren Teil der Halle auf ihre Kinder warten. Aber anders als man vermuten könnte, ist es ansonsten ein recht heterogener Riesenhaufen, der sich an diesem Montagabend zusammenfindet, um die Mitt-Zwanziger hochleben zu lassen.

Die kacheln, wie es sich für Mitte Zwanzig gehört, auch erst mal los. Erster Song: „Wohin du gehst“. Es wird getanzt. Worum es geht? Nicht ganz klar. Ende einer Freundschaft, womöglich. Es folgen Songs über Altbauwohnungen. Die Begeisterung im Publikum reißt nicht ab.

An diesem Moment beginnt sich dann allerdings die Autorin zu fragen, ob sie hier wirklich richtig steht.

Mitte Zwanzig, in dem Alter hat Bob Dylan „The Lonesome Death of Hattie Caroll“ geschrieben. Mit Mitte Zwanzig waren die Strokes wahrscheinlich fast tot. Für einen Moment blickt sie sich um, und sucht verzweifelt nach ein wenig Rock’n’Roll-Rabaukentum. Auf der Bühne und davor. Ihre Wahrnehmung wird selektiv.

Aus der eben noch als heterogen empfundenen Gruppe schälen sich hüpfende, mittelhübsche dafür aber textsichere Teenagerinnen heraus. Als schließlich Feuerzeuge und Wunderkerzen in der Luft schweben, durchlebt die Autorin einen ungewollt westernhagenesken Deutschrock-Moment. Das ist nicht meine Crowd, denkt sie sich. Dann stellt sie sich in die Ecke und weint.

Na gut.

Sie stellt sich nicht in die Ecke. Ehrlich gesagt grölt sie mit. Was nämlich bis zu diesem Punkt unerwähnt blieb, ist dass der Wunderkerzen-Song „Oft gefragt ein verdammter Riesenhit ist. Wie eine Hand voll Songs von AnnenMayKantereit einfach Riesenhits sind. Unpolitische Riesenhits, aber Riesenhits. Und die Stimme von Sänger Henning May ist, man kann es nicht anders sagen, ein Geschenk Gottes.

Nach der Zugabe drückt sich die Autorin schließlich mit den anderen paar tausend Menschen in Richtung Ausgang. Anekdötchen hinten raus: In der U-Bahn noch eine Gruppe hormonisierter Mädchen und Jungen, die AnnenMayKantereit-Hits auf dem Smartphone hören und verschämt mitsingen:

„Und wenn ich dich dann frage, was du werden willst
Dann sagst du immer nur ‚Ich weiß nicht.

Hauptsache nicht Mitte 30′“

Update: Nach Publikation dieses Textes hat sich die Fotografin Sophie Hartmann alias „MissMoreMusic“ bei uns gemeldet und uns ein paar Fotos vom Konzert angeboten. Vielen Dank dafür!


Beitragsbild: zvg

weitere Fotos: © Sophie „MissMoreMusic“

1Comment
  • Claudia
    Posted at 12:53h, 15 März

    Ich bin auch Mitte 30. Aber diese Textzeile singe ich trotzdem immer am lautesten mit. Denn fühlen tu ich mich nicht so.
    Und Teenie-Fans hin oder her – AMK live ist einfach großartig! Ich singe, tanze und bin glücklich. Alles, was zählt!

    Auf die Konzertliebe!

    Habt es schön!
    Pepünktchen

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