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„Die Nashörner“ im Heppel & Ettlich Theater: Sind wir nicht alle ein bisschen Nashorn?

Caroline Giles

Caroline Giles

"Likes: Katzenbabies, Leopardenprint und Augustiner.
Dislikes: Spinnen, High Heels und Königsberger Klopse."
Caroline Giles

Was passiert eigentlich, wenn sich die Menschen um uns herum verändern? Wenn sie uns auf einmal völlig fremd werden, wir uns von ihnen zurück gelassen fühlen? Müssen wir uns ihnen anpassen – oder sind die „Anderen“ vielleicht doch im Unrecht? Alles Fragen, auf die sich Ionescos wunderbare, zeitlose Gesellschafts-Parabel „Die Nashörner“ mit Raserei stürzt. Inszeniert vom Theaterkollektiv „Tod & Teufel“ könnt ihr euch am 4./6. Juni im Heppel & Ettlich Theater in Ionescos absurde Welt entführen lassen.

„Die nashornige Augenscheinlichkeit“

Es ist eigentlich ein ereignisloser Tag, als Behringer (Tom Ditz) seinen Freund Hans in der Bar einer Kleinstadt trifft. Ein wenig verkatert ist er und viel zu spät dran, aber ansonsten scheint alles so gewöhnlich wie immer. Bis, ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, ein Nashorn direkt vor dem Fenster, auf der Straße der behaglichen kleine Stadt, an ihnen vorbei galoppiert. Ein Skandal! So etwas geht doch nicht – Nashorn sein.

Woher kam das runzelige, graue, gehufte Tier bloß? Ist es aus einem Zoo geflohen oder einem Zirkus? Ist es afrikanisch oder asiatisch? Und: hat es ein oder zwei Hörner? Bevor Behringer sich versieht, verfällt die komplette Stadt in eine kollektive Raserei – nach und nach verwandeln sich die Menschen um ihn herum in etwas ganz und gar Unmenschliches: in Nashörner!

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Sind wir nicht alle ein bisschen Nashorn?

Diese Geschichte wird von Regisseurin Alisha Frei und Dramaturgin Marie Pooth als humorvolles Einmann-Stück mit Tom Ditz in der Rolle des Behringer inszeniert. Als Ersatz für die übrigen Charaktere stehen auf der Bühne alte Röhren-Fernseher parat. Diese einseitige Kommunikation deutet so einerseits auf die Belanglosigkeit der Gespräche, die Behringer mit seine Mitmenschen führt, und charakterisiert ihn als gesellschaftlichen Außenseiter, der sich der Massenbewegung bewusst entgegenstellt – andererseits erhöht sich durch die „halben“ Konversationen die Absurdität von Ionescos ohnehin schon absurdem Stück.

Die durch und durch charmante Produktion des Kollektivs passt wie die Faust aufs Auge in die ebenfalls durch und durch charmante Atmosphäre des Heppel & Ettlich Theaters an der Münchner Freiheit. Wer sich mal wieder auf einen unterhaltsamen, gemütlichen Theaterabend freuen will, dem sei „Die Nashörner“ wärmstens ans Herz gelegt!


In aller Kürze:

Was? Die Nashörner von Eugène Ionesco, inszeniert vom Theaterkollektiv Tod & Teufel

Wo? Theater Heppel & Ettlich

Wann? 4. & 6. Juni 2017

Wieviel? 12 €, Tickets gibt’s hier


Beitragsbild/Foto: © Katrin Gombel

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