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Aktuell, Kunst

Der Ursprung des Lebens in der whiteBOX

Wolfgang

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"Hier kommt das mit Avocado, Love, Sun und Travel rein, oder?"
Wolfgang

Paul Rand hat Kunst einmal so definiert: “Art is an idea that has found its perfect visual expression.“ Die künstlerische Visualisierung abstrakter naturwissenschaftlicher Ideen – so könnte man das Ziel von „URSPRUNG/ORIGINS – eine Versuchsannäherung über die Selbstorganisation der Materie und Entstehung des ersten Lebens auf der Erde“ beschreiben. Das Projekt geht zurück auf die Künstlerin Judith Egger und auf Dieter Braun, der Professor für Systembiophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. Am Donnerstag Abend präsentierten die beiden die Ergebnisse ihrer beinahe zweijährigen Zusammenarbeit.

Ein neuer Preis für München

Initialzündung für die Ausstellung war die Verleihung des mit 12.000 Euro dotierten „Zwei zu Eins“-Kunstpreises. Damit wären wir auch gleich bei einer der Besonderheiten von „zwei:eins“. Denn anders als gewohnt, soll statt des klassischen „retrospektiven ein perspektivischer Preis geschaffen werden“ so der Mitinitiator Frank Enzmann. Die künstlerische Arbeit von Judith Egger wurde also vor ihrer Realisierung honoriert. Was den Preis darüber hinaus einzigartig macht, ist der interdisziplinare Ansatz: Die Künstler werden dazu angehalten, sich thematisch fremden Bereichen zu öffnen und auf ihre Weise gestalterisch zu verarbeiten. Daher rührt auch der Name „zwei:eins“.

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Systembiophysiker trifft Künstlerin

Was also entsteht, wenn ein Biophysiker auf eine Künstlerin trifft? Die Antwort: Ein spannender Dialog zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten und doch überraschend viele Gemeinsamkeiten teilen. In seinem Labor an der LMU erforscht Dieter Braun die Entstehung des Lebens vor mehr als drei Milliarden Jahren. Er versucht eine Erklärung dafür zu finden, wie unbewegte Materie zum ersten Erbgut werden konnte. Während der Weg vom Einzeller zum Säugetier einigermaßen gut erforscht ist, ist relativ wenig über die Evolution der ersten Moleküle bekannt.

Auf seiner Suche stößt Dieter Braun regelmäßig an die Grenzen des Vorstellbaren. Es ist unmöglich, den Urknall zu simulieren oder die klimatischen und chemischen Bedingungen direkt nach der Entstehung des Planeten zu rekonstruieren. Dieter Braun ist damit auf Modelle angewiesen, also auf eine intelligente Visualisierung von hochgradig abstrakten Ideen. Als Künstlerin forscht auch Judith Egger ständig nach kreativen Methoden, abstrakte Ideen gestalterisch umzusetzen. Es ist ebendiese Schnittstelle, die die Kooperation der beiden so spannend macht.

Tresor

Der Schlüssel fehlt

Die Ergebnisse regen zum Nachdenken an. So zum Beispiel ‚Linsen’, eine Rauminstallation aus Erde und ungeschliffenen sowie geschliffenen Linsen. Denn  die Frage nach dem Ursprung des Lebens stellt sich erst seitdem 1889/90 die Mikroskopie entwickelt wurde, so Dieter Braun. Die Rauminstallation repräsentiert mithin unser sich ständig wandelndes „Wissensgebäude“. Eine weitere spannende Installation ist ‚Tresor/Black Box’, ein massiver Metalltresor mit einer aufwendig gravierten Messingscheibe wo eigentlich das Schlüsselloch sein müsste. Die eingravierte Sequenz ist eine wissenschaftliche Darstellung des „Baum des Lebens“. Je weiter man nach Innen wandert, desto näher kommt man dem Ursprung des Lebens. Dieter Braun meint, dass wir dieses Rätsel nie lösen werden, die „Black Box“ also für immer verschlossen bleibt. In diesem Zusammenhang teilt die Künstlerin noch eine nette Anekdote: Als sie den Tresor für die Installation gekauft hat, bemerkte sie zu Hause einen auf der Rückseite befestigten Zettel mit der Aufschrift „Retoure – Schlüssel fehlt!“ Der Tresor wird also nicht nur symbolisch verschlossen bleiben.

Ein einmaliges Konzept

Mit „zwei:eins“ haben die Initiatoren um Frank Enzmann einen innovativen Preis für München geschaffen und „Ursprung/Origins“ ist eine spannende Manifestation dessen, was entstehen kann, wenn Kunst auf Wissenschaft und Wissenschaft auf Kunst trifft. Auf die Preisträger der nächsten Jahre dürfen wir also durchaus gespannt sein. Wer Lust bekommen hat, selbst auf die Suche nach den Ursprüngen des Lebens zu gehen sollte sich beeilen: Die Ausstellung ist nur noch bis Sonntag geöffnet.


In aller Kürze:
Was? „Ursprung/Origins – eine Versuchsannäherung über die Selbstorganisation
der Materie und Entstehung des ersten Lebens auf der Erde“

Wo? In der Whitebox, Atelierstraße 18
Wann? Noch bis einschließlich Sonntag 10 – 18 Uhr


Fotos: Wolfgang

Foto Ausstellungsraum/Tresor: Walter Bayer

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