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Streit um den Mietspiegel: Warum die Münchner Mieten bald noch teurer werden könnten

Julius Zimmer

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Wohnen in München: Ein Thema, das regelmäßig die Seiten der Tageszeitungen füllt. Die Grundaussage: Es ist teuer – zu teuer. Deutschlandweit gilt die Hauptstadt mit Herz als einer der Brennpunkte, wenn es um die Themen “Mieten, Kaufen, Wohnen” geht.

Wie teuer, das zeigt der von der Stadt erstellte Mietspiegel. Dieser gibt Mietern und Vermietern vor, welche Preise für den angemieteten Wohnraum maximal zu verlangen sind. Einfach ausgedrückt, legt ein qualifizierter Mietspiegel fest, wie hoch ein Vermieter seine Miete jährlich anheben darf.

11,23 Euro pro Quadratmeter – stimmt das?

Mit reingerechnet werden dabei zahlreiche Faktoren: Größe, Lage, Ausstattung, Heizungsart, Anzahl der Bäder, Dämmung, etc. Die Stadt befragt dazu Mieter und Vermieter per Telefonanruf. Im amtlichen Bericht vom März 2017 beträgt die Münchner Durchschnittsmiete pro Quadratmeter 11,23 Euro.

Doch Moment. Eine Studie des Instituts Empirica sagt etwas völlig anderes: Hier kostet der Quadratmeter im Schnitt gar 16 Euro und 55 Cent. Wie in der Bundesliga thront hier die Stadt München mit weitem Abstand auf dem ersten Platz. Auf den Plätzen Zwei und Drei folgen Frankfurt am Main (13,37 Euro) und Stuttgart (12,95 Euro).

Diese Ungleichheit ist auch den Vorsitzenden des Vereins “Haus + Grund” München aufgefallen. Der Verein wirft der Stadt nun vor, man habe den Mietspiegel künstlich nach unten korrigiert. Das würde vereinfacht gesagt bedeuten, dass Vermieter um Geld geprellt werden können, das ihnen rechtlich zusteht.

Aber wie könnte die Stadt München überhaupt den Mietspiegel manipulieren? Der “Haus + Grund”-Vorsitzende Rudolf Stürzer geht davon aus, dass die Stadt die Mietpreise von Sozial- und Genossenschaftswohnungen mit in die Statistik aufgenommen hat. Das sagte Stürzer der “Süddeutschen Zeitung”.

Dies sei allerdings nicht legal, da diese weitaus niedrigere Mieten haben als andere Wohnformen. Der Verein klagt deswegen jetzt auf die Herausgabe der zugrunde liegenden Daten. Die Stadt hatte sich geweigert, die Informationen der Telefonumfragen weiterzugeben.

Denn der Mietspiegel kann nur entstehen, wenn Mieter und Vermieter freiwillig am Telefon die benötigten Daten zu Protokoll geben. Würde die Stadt diese jetzt dem Verein “Haus + Grund” zur Verfügung stellen, gefährde das – so das Münchner Sozialreferat – die Mitwirkungsbereitschaft der Bürger.

Entscheiden muss jetzt das Verwaltungsgericht. Sollte sich der Verdacht des Vereins bestätigen und die Stadt tatsächlich bei der Erstellung des Mietspiegels tricksen, könnten die Mieten in München noch teurer werden.

Fatale Nachrichten für Münchner Mieter?

Für alle Mieter des Wohnungs-Brennpunkts München wären das fatale Nachrichten. Denn Mieter könnten dann noch höhere Preise pro Quadratmeter verlangen. Streng genommen müsste man der Stadt dankbar sein, dass sie versucht, die Mietpreise zu drücken. Andererseits wirft diese Praxis gleich mehrere Probleme auf:

Erstens ist es nicht legal und stellt die Glaubwürdigkeit der Stadt in Frage. Zweitens verschleiert ein getürkter Mietspiegel die echte Schwierigkeit Münchens: Bezahlbarer Wohnraum.

Denn so sieht es aus, als ob die Stadt sich um das monumentale Wohnraumproblem drückt, indem sie Zahlen beschönigt – ein Preis gestaltet sich immer aus Angebot und Nachfrage.

Wenn die Nachfrage wie in München astronomisch hoch ist, das Angebot allerdings eher klein, dann steigt der Preis natürlich. Das kann man nur verhindern, indem man das Angebot nachhaltig vergrößert – und nicht in dem man auf dem Papier so tut, als ob alles gar nicht so schlimm wäre.

Allerdings müssen die Vorwürfe des von “Haus + Grund” zunächst einmal bestätigt werden. Verhindert das Verwaltungsgericht die Herausgabe der Daten, wird sich am Münchner Mietspiegel erstmal nichts ändern.

Sollte sich aber tatsächlich herausstellen, dass die Stadt die Grundbesitzer über den Tisch zieht, wird das wohl weitreichende Konsequenzen für den Münchner Wohnungsmarkt haben.


Beitragsbild: Vielen Dank an Munich Z

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