organ explosion
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Organ Explosion: Zwei Wellen, ein Strom

Drei dunkle Gestalten kommen plötzlich auf die Bühne. Jeder schnappt sich eines der Instrumente, die gerade noch allein und verlassen auf der Bühne herumstanden. Ein Bass, eine Hammondorgel und ein Schlagzeug. Klingt nach einem Jazztrio. Doch bereits nach wenigen Minuten ist klar: Mit Jazz geben sich die Drei von „Organ Explosion“ aus München nicht zufrieden.

Verkabelt

Das deuten bereits die unzähligen Kabel an, die vor allem Hansi Enzensperger wie eine regelrechte Wand umringen und seine Hammondorgel B3, sein Wurlitzer E-Piano und Moog miteinander verbinden. Manfred Mildenberger ist ebenso verkabelt. Neben seinen Drums befindet sich ein analoger Synthesizer mit Keyboard und weitere kleine Kästen mit Knöpfen und Drehschaltern, die Töne verzerren und sein Schlagzeug in ein kleines elektronisches Musikwunder verwandeln. Mittendrin Ludwig Klöckner, der Bassist, der an seinen Seiten zupft und vor sich auf dem Boden eine Batterie von blinkenden Effektgeräten hat, die auch ihn und sein Spiel elektrisieren.

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Diese geballte Elektro-Ladung strömt dann auch gleich vehement durchs Ampere, bringt die Leute zum Nicken, Wippen und Zappeln. Der Club ist gut gefüllt, trotz des sommerlichen Abends. Knapp sieben Minuten dauert das Intro von dem Trio, das Jazz, Funk und elektronische Klänge miteinander verbindet und immer wieder erbarmungslos explodieren lässt. Ein echtes Spektakel, das von Lied zu Lied nicht nachlässt, sondern die Zuhörer stetig belebt und bewegt.

Zweimal Zappeln, einmal Ruhepol

Im Mittelpunkt stehen vor allem Hansi Enzensperger und Manfred Mildenberger. Der Elektro-Organist, der ab und zu auch zum Mikro greift und seine Stimme synthesized, hüpft teilweise regelrecht von seiner Orgel zum Keyboard, dreht an Kabeln und Knöpfen, taucht in seine Instrumente voll und ganz ein. Dafür hat er seine Schuhe extra ausgezogen, die stehen neben der Orgel auf dem Boden. Enzensperger spielt mit Socken. Mildenberger, der Drumkey (Drummer und Keyboarder), wirbelt ebenso enthusiastisch und mitreißend auf seinen Instrumenten herum, spielt Keyboard und Schlagzeug auch schon mal gleichzeitig. Zwischen den Beiden behält Ludwig Klöckner die Ruhe, ist der Fels in der Brandung, der die massiven musikalischen Wellen, die von rechts und von links auf ihn einstürzen, locker und leicht aufnimmt und in einen starken Strom verwandelt.

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Zeit zum Luftholen bleibt kaum.

Ab und zu erzählen die Drei kleine Episoden – über Urlaub mit den Eltern und viel Wein in Südtirol, Lampenfieber vor Konzerten und daraus folgendem starken Erbrechen. Oder der Drummer weist daraufhin, dass Platten, CDs und die neue Live-DVD in der Pause dort drüben bei dem silbernen Koffer erhältlich seien, allerdings hätten sie kein Wechselgeld dabei. „Da zahlt eben jeder statt 18 Euro einen Zwanziger, dann passt das schon“, sagt Enzensperger darauf. Roberto Blanco rauscht dann auch noch völlig verzerrt durch den Club.

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2,5 Stunden Rausch

Knapp 2,5 Stunden dauert das Konzert, der Rausch aus Jazz, Funk und Elektro. Er hinterlässt ein gutes, wohliges Gefühl. Nach der dritten Zugabe verlassen die drei dunklen Gestalten die Bühne und mischen sich unters immer noch leicht zappelnde Publikum – so, als ob nichts passiert wäre…

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Kurze Info zum Konzert: Zum sechsjährigen Bandbestehen folgt nach zwei Studioalben und einem Live-Album nun die nächste Veröffentlichung: Eine Live-DVD mit dem Titel „Organ Explosion – live at the Cord Club“. Ein Konzertmitschnitt, der im April 2016 im Münchner Cord Club in der Sonnenstraße aufgezeichnet wurde. Erhältlich ist die DVD nur auf Konzerten. Fotos: Fabian Wiegand

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