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„Women’s night im Bauhaus“ oder wie ein Baumarkt die Emanzipation ins Lächerliche zieht.

Neulich lag eine spezielle Einladung ganz oben auf dem Stapel der Presseeinladungen in der Redaktion. Eine Einladung zur Women’s Night vom Bauhaus, eine Reihe von kostenlosen Handwerker-Kursen speziell für Frauen. „Oh, was für eine schöne Idee“, werden sich die einen denken. „Wollen die alle auch nur ansatzweise emanzipierten Frauen verarschen?“, denke ich mir.

Beim Hämmern, Bohren, Sägen „ordentlich Selbstbewusstsein tanken“

Genau solche gutgemeinten Aktionen zementieren längst überflüssig Rollenbilder und Geschlechterklischees. Muss „frau“ heutzutage wirklich „fachmännisch“ gezeigt werden, wie man „tapeziert, bohrt oder auch Fliesen verlegt – und dass all diese Dinge gar nicht so schwer sind, wie frau vielleicht vorher dachte“?

Liebes Bauhaus, wirklich?

Tja, mit diesem Angebot ist das Bauhaus nicht alleine. Toom (der Heimwerken-Grundkurs ist hier gleichbedeutend mit Frauenkurs!) bietet in der DIY-Akademie ebenso speziell Kurse für Frauen an. Und auch Obi („denn selbst ist die moderne Frau“) bietet Frauenhandwerkerkurse an. Glückliche Frauen im Garten oder mit Farbrolle und Bohrer in den Händen strahlen einem da von den Websites entgegen. Die Männer indes sind auf den Bildern am Grill platziert.

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Zur Begrüßung erst mal ein Gläschen Sekt

Ich muss gerade an meine Freundinnen denken, die ausnahmslos alle fähig sind, mit einem Bohrer umzugehen. An die Mutter einer guten Freundin, die Lampen montiert und dabei – hört, hört – keinen Schlag bekommt. Das könnte ja passieren. Denn so weit ich weiß, ist sie keine Besitzerin eines – Obacht – Bauhaus Women’s Night-„Werkzeugführerscheins“, der am Ende beweist: „War doch eigentlich alles gar nicht so schwer.“

Nur ein kleiner Trost: immerhin war das Briefpapier nicht rosa

Diese Frauen-Handwerkerkurse gibt es beim Bauhaus bereits seit neun Jahren. Muss also Anklang finden, irgendwie. Neue Zielgruppen werden eben erschlossen. Es gibt ja auch die Girls Days, bei denen Mädchen die MINT-Fächer näher gebracht werden sollen. Das Äquivalent dazu: die Boys’ Days, an denen Jungs die Arbeit in Frisörsalons, Kindergärten und Kliniken kennen lernen.

Wäre es nicht schöner, wenn…

All das hört sich für mich irgendwie nach 3. Klasse an. Damals, als wir in Handarbeit alle den Nähmaschinen-Führerschein machen mussten, Jungen wie Mädchen.
Denn prinzipiell sind Praxiskurse ja gut. Mal ganz ehrlich: Welcher Großstädter weiß schon, wie man eine Kettensäge richtig bedient? Oder Rollputz aufbringt? Klasse Angebote also und obendrein kostenlos, aber muss das so Mario-Barth-mäßig in das alte Korsett „Mann – Frau“ gepresst werden?

Liebe Baumärkte, das könnt ihr doch besser!


Beitragsbild: Flickr Mirko WaltermannCC BY 2.0
Zweites Bild: Bauhaus

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