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Meine Halte – Folge 21: Dachau

Meine Haltestelle

Meine Haltestelle

So ziemlich jeder Münchner hat eine und verbringt dort mehr Zeit als ihm lieb ist. Haltestellen sind seltsame Zwischenorte. Wir sind eigentlich nur dort, weil wir woanders hin wollen. Auf dem Heimweg zählen wir den Countdown bis zu unserer Haltestelle. Wir holen dort sehnsüchtig erwarteten Besuch ab. Viel öfter als wir es zugeben wollen, haben wir kurz vor Ladenschluss beim Haltestellenkiosk, -bäcker, imbiss "eingekauft". Regelmäßig sprinten wir ihr entgegen, damit wir doch noch die Bahn, Tram oder den Bus erwischen, der uns zu unserem eigentlichen Ziel bringt. Höchste Zeit, dass wir uns unsere Haltestellen ein bisschen genauer anschauen und deshalb stellen wir euch künftig jede Woche eine Haltestelle des MUCBOOK-Teams vor.
Meine Haltestelle

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Text: Sabrina Lenk, Schülerpraktikantin bei Mucbook

Ich besuche sie nicht oft. Eben nur an besonderen Tagen. Wenn ich dann aber bei ihr sitze und auf meine S-Bahn warte, fühle ich mich wohl und geborgen. Ich weiß, dass wenn ich am Abend zurückkomme und das Schild mit der Aufschrift „Dachau Bhf“ lese, ich zuhause angekommen bin – bei meiner Halte.

Der Ruf meiner Stadt Dachau

„Ich komme aus Dachau.“ – „Ach ja, da gibt es doch das Konzentrationslager, oder?“

Das Konzentrationslager Dachau; Damals in unserer Stadt von den Nationalsozialisten erbaut und bis heute erhalten geblieben. Wenn man einen Dachauer fragt: „Wo kommst du her?“, oder „Wo wohnst du?“, wird man von den meisten wahrscheinlich „München“ als Antwort bekommen. Dass mache ich selbst auch, einfach um den darauffolgenden nervigen Antworten und Fragen über mein Leben in der Nähe der Gedenkstätte zu entgehen.

Gedenkstätte – dass ist das entscheidende Wort. Natürlich sind dort schlimme Sachen passiert. Dennoch mag ich meine Haltestelle und meine Stadt, auch wenn man mit ihr diese schlimmen Ereignisse verbindet. Allerdings bin ich es leid, dass mit Dachau immer gleich das Konzentrationslager in Verbindung gebracht wird. Meine Stadt ist viel mehr als das.

Touris hier, Touris da…

Es gibt das Szenario am Wochenende, das ich jedes Mal, wenn ich von meiner Halte nach München und wieder zurück fahre will, durchlebe.

Am Wochenende zwischen 7:00 und 10:00 Uhr gibt es wohl keine Sekunde, in der man ungestört auf seinen Bus (S-Bahn) warten kann, ohne von den Touristenmassen umgerannt zu werden. Blickt man über die Köpfe der zahlreichen Touris aus Japanern, China oder den USA hinweg, sieht man entweder nur Fahnen, Regenschirme oder Stöcke, die irgendwelche Tour Guides in die Luft halten, damit sie auch ja niemanden in den Massen verlieren.

Wenn man spät dran ist und noch wenige Minute hat, um seinen Zug zu schaffen, kann man gleich wieder umdrehen und sich in ein naheliegendes Cafe setzen und auf den nächsten warten. Glaubt mir ich spreche aus eigener Erfahrung.

Weshalb ich meine Haltestelle trotzdem liebe…

… weil es dort fast immer friedlich ist. An meiner Halte in Dachau findet man selten irgendwelche Leute, die sich nicht angemessen verhalten. Alle sind immer nett, freundlich und hilfsbereit, was heutzutage nicht selbstverständlich ist. Außerdem hat man, wenn die Bahn einem vor der Nase weggefahren ist, viele Möglichkeiten etwas zu essen und zu trinken. Von Fastfood-Ketten bis hin zum kleinen Dönerstand, ist dort alles geboten.

Ich mag meine Halte in Dachau. Nur die ganzen Menschenmassen, das ist so eine Sache …..

 

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1Comment
  • Jaspa
    Posted at 00:16h, 08 Juli

    Schöner Artikel. Ich mag die Art wie er geschrieben ist und wie er Dachau beschreibt. Wirklich gut gelungen

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