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	<title>mucbook &#187; Nadja Mayer</title>
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		<title>Mensch-Maschinen &#8211; Autoren verifizieren!</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 15:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nadja Mayer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[
Münchner Erlebnisse mit nichtmenschlichen Dienstleistern. Heute: Der Pfandflaschenautomat.
Regelmäßig suche ich nach wertvollem Müll. Wie die Flaschensammler der Straße, die die Mülleimer nach Pfandflaschen durchwühlen, um an etwas Kleingeld zu kommen. Nur dass ich Küchenschränke, Abstellkammern, Kellerabteile, Balkonregale und sonstige Orte nach Pfandflaschen und Getränkekisten durchforste.
Nach dem Finderglück von 25-Cent-Einweg- und 15 Cent-Mehrwegflaschen kommt ebenfalls regelmäßig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-6184" title="Getraenkeautomat_430" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/02/Getraenkeautomat_430.jpg" alt="Getraenkeautomat_430" width="266" height="177" /></p>
<p>Münchner Erlebnisse mit nichtmenschlichen Dienstleistern. Heute: Der Pfandflaschenautomat.</p>
<p><span id="more-6183"></span>Regelmäßig suche ich nach wertvollem Müll. Wie die Flaschensammler der Straße, die die Mülleimer nach Pfandflaschen durchwühlen, um an etwas Kleingeld zu kommen. Nur dass ich Küchenschränke, Abstellkammern, Kellerabteile, Balkonregale und sonstige Orte nach Pfandflaschen und Getränkekisten durchforste.</p>
<p>Nach dem Finderglück von 25-Cent-Einweg- und 15 Cent-Mehrwegflaschen kommt ebenfalls regelmäßig die Ernüchterung vor dem Getränke-Annahme-Automaten. Bepackt mit einer riesigen IKEA-Tüte voll PET- und Bierflaschen stehe ich direkt an der automatischen Eingangstür von Tengelmann. Umgeben von einem leichten Bieraroma, das aus meiner riesigen IKEA-Tüte strömt, möchte ich die Flaschen möglichst schnell in die Luke der Leergut-Annahmestelle stecken. Mit den vielen leeren Bierflaschen möchte ich nur ungern auffallen. Es läuft gut. Man muss nur eine Weile warten, bis man die nächste Flasche wieder in die runde Öffnung legt. Das habe ich schon gelernt. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr bewege, damit die elektronische Eingangstür nicht wieder auf und zu geht und so unnötig für Aufmerksamkeit sorgt.</p>
<p>Dann passiert das, was fast immer passiert. Ausgerechnet bei mir. Immer bei mir. Nach der fünften Flasche etwa ertönt ein sirenengleicher Alarmton, der bestimmt noch hinten an der Käsetheke zu hören ist. Es hört nicht auf. Ich bin entlarvt. Die elektronische Tür geht auf und zu. Ich habe mich bewegt. Sogar das Display blinkt den roten Alarm.</p>
<p>Jetzt muss ich es tun, es geht nicht anders. Wie ein ertappter Dieb gehe ich zur Kassiererin. „Ich glaube der Flaschenautomat ist voll.“ Frau Petrovic ruft über den Lautsprecher einen Kollegen. Nun stehe ich neben der auf- und zugehenden Türe, mit den Flaschen unterm Arm und warte, während der Automat immer noch nicht aufgehört hat zu hupen. Nach etwa zwei Minuten kommt der Kollege mit einem großen Blechwagen aus der Gemüseabteilung angefahren. Er kennt mich schon.</p>
<p>Mit seinem Zauberschlüssel bringt er das lärmende Monster zum Schweigen. Den überladenen Flaschencontainer tauscht er gegen einen leeren. Er schließt die Türe, verabschiedet sich und ich kann weiter machen. Eine Flasche Adelholzener Sport-Schorle ist jetzt dran. Das Monster fängt wieder an zu brüllen. Alarm. Der Mann mit dem Zauberschlüssel kommt zurück. „Die Adelholzner gehen nie.“ Egal. Jetzt weiß eh schon jeder, was ich trinke.</p>
<p>Illustration: <a href="http://www.joergdommel.com/">Jörg Dommel</a></p>
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		<title>Experiment P1</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2009/11/14/experiment-p1/</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 14:59:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nadja Mayer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das P1 wird umgebaut, und will seine Kreativität währenddessen einen Stock höher neu erproben. Am Donnerstagabend fand die Eröffnung statt &#8211; mucbook hat sich das mal angeschaut.  

Das P1 lässt jeden in den Club, musikalisch wird experimentiert und eine kreative Künstlerszene fühlt sich dort zu Hause. Zwar früher nicht und auch nicht an diesem Abend, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das P1 wird umgebaut, und will seine Kreativität währenddessen einen Stock höher neu erproben. Am Donnerstagabend fand die Eröffnung statt &#8211; mucbook hat sich das mal angeschaut.  <span id="more-2902"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2903" title="P1_Eröffnung1" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/11/P1_Eröffnung1.JPG" alt="P1_Eröffnung1" width="430" height="573" /></p>
<p>Das P1 lässt jeden in den Club, musikalisch wird experimentiert und eine kreative Künstlerszene fühlt sich dort zu Hause. Zwar früher nicht und auch nicht an diesem Abend, aber in Zukunft soll dies gelten. Zumindest hat das P1 dies bei der Einweihung seines zehnmonatigen Provisoriums eine Etage höher verkündet, während die alten Räumen im Keller von nun an renoviert werden.</p>
<p>Labyrinthisch führen die auberginen-dunklen Gänge der ehemaligen Theaterkulissen zum Hauptraum, in dessen Mitte die Bar wie eine Insel darauf wartet, angesteuert zu werden.</p>
<p>Das erste Rätsel tut sich schon zur Begrüßung auf: Die schwarze Dose 28, von denen bisher noch niemand gehört hat. Der Inhalt des Getränks schmeckt dann doch bekannt und ähnelt dem von Red Bull. Nach eigenen Angaben konsumiert das In-Getränk die selbsternannte „Creative Class“, zu der Künstler, Musiker und „Kreative jeder Couleur“ zählen. Also auch das Publikum, dass das P1 gerne mit seinem neuen Konzept ansprechen würde. „Lauter bunte Vögel“ nennt es Row Weber, der sich um das Musikkonzept und die auftretenden Künstler und Tänzer kümmert. Am ersten Abend flattern jedoch nur zwei bunte Vögel durch die ansonsten schwarz-uniformierte Menge. Die beiden Clown-Dragqueens „Mica“ und „Bob vor 18 Uhr“. Später werden sie noch von anderen bunten Fabelwesen unterstützt, die sich außerhalb der Menge akrobatisch verrenken. Ansonsten bleibt das Rätsel offen, wer von den üblichen Gästen sich denn nun tatsächlich in ein verrücktes Huhn verwandelt hat.</p>
<p>Und dann passiert es. Der heimliche Grund, weswegen das P1 eine so starke Anziehungskraft auf seine Gäste ausübt. Kommen sie oder kommen sie nicht? Die Promis. Drei Damen in goldenen Glitzerkleidern und mit viel Make-up, begleitet vom ProSieben-Kamerateam werden umringt von Fotografen und Journalisten. Alle rätseln, wer sie wohl sein mögen. Keiner kennt sie, die verzweifelten Hausfrauen aus USA, die anscheinend von dem Magazin „Sam“ als Pseudo-Promis inszeniert wurden. Den erwartungsfreudigen Journalisten müssen nun die drei Unbekannten sowie Davorka und die beiden Ochsenknecht-Kinder herhalten. Und das war es auch schon mit der Prominenz an jenem Abend.</p>
<p>„Die Karten werden neu gemischt“, sagt der Chef Radoslav Pavlov. Ob er auch die Sache mit der Prominenten-Dichte gemeint hat, ist nicht bekannt. Der Clubraum ist jedenfalls viel größer als der alte im Keller, insgesamt erwartet er einen Durchlauf von 1.800 Gästen – etwa doppelt so viele wie zuvor. P1-Besitzer Michael Käfer verspricht aber, dass auch weiterhin die Gäste sehr exklusiv sein werden. Masse und Exklusivität – wie das gehen soll, auch das bleibt ein Rätsel.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2905" title="P1_eröffnung2" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/11/P1_eröffnung2.JPG" alt="P1_eröffnung2" width="430" height="573" /></p>
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		<title>„Kein ausg’schamtes Haus“</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 22:26:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nadja Mayer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[
Am Original-Schauplatz von Sigi Sommers Roman „Und keiner weint mir nach“
München. Es war ein Tag wie viele im Leben von Sigi Sommer. Der Kolumnist war unterwegs, „G’schichterl“ schreiben, Stimmungen einfangen für seinen Auf-traggeber, die Münchner Abendzeitung. Wie so oft führte ihn dabei sein Spazier-gang über die Isar, direkt in das ärmliche Arbeiterviertel Untergiesing, damals als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/09/sigi.jpg"><img src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/09/sigi.jpg" alt="sigi" title="sigi" width="180" height="314" class="alignnone size-full wp-image-495" /></a></p>
<p>Am Original-Schauplatz von Sigi Sommers Roman „Und keiner weint mir nach“</p>
<p><span id="more-117"></span>München. Es war ein Tag wie viele im Leben von Sigi Sommer. Der Kolumnist war unterwegs, „G’schichterl“ schreiben, Stimmungen einfangen für seinen Auf-traggeber, die Münchner Abendzeitung. Wie so oft führte ihn dabei sein Spazier-gang über die Isar, direkt in das ärmliche Arbeiterviertel Untergiesing, damals als Glasscherbenviertel verschrien. Doch an jenem Tag bog Sommer nicht direkt in die Voßstrasse mit den  matschgrünen Häuserblocks und seinen Arbeiterwohnungen ein. Er ging direkt weiter in die Mondstraße. Vor dem Haus mit der Nummer 26 machte er halt. Klingelte. Eine Frau öffnete.</p>
<p>60 Jahre später sitzt ihr Enkel in seiner geräumigen Wohnküche in der Mansar-denwohnung in eben jenem Haus. Der heute 47 Jahre alte Stefan Hammerstingl erinnert sich gut an die Erzählungen seiner Großmutter. Damals, als der Sigi Sommer auch bei ihnen recherchierte. Wenige Jahre später wird das Mietshaus als Mondstraße Nr. 46 in Sommers Roman „Und keiner weint mir nach“ erscheinen. Nachdem seine Großmutter die Tür geöffnet hatte, zeigte die Hausbesitzerin aus der Parterrewohnung dem Journalisten bereitwillig ihr Haus, plauderte über die eine oder andere Begebenheit. „Mir sind fei kein ausg`schamtes Haus“, sei ihr wichtig gewesen zu betonen, erinnert sich der Enkel. Bereits zu dieser Zeit ist der Kolumnist Sigi Sommer für seine genauen und schonungslosen Beschreibungen bekannt. Die Chronik eines für jene Zeit typischen Mietshauses und seiner Be-wohner erscheint 1953. Bertolt Brecht nennt sie den „besten Roman, der nach dem Krieg in Deutschland geschrieben wurde.“ Regisseur Joseph Vilsmeier ver-filmt die Geschichte 1996 – allerdings in einem Filmstudio in Prag.<br />
Als Stefan Hammerstingl das Buch vor 15 Jahren zum ersten Mal in Händen hält, erkennt er sofort die Parallelen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das bei uns war“, sagt er. Und wie seine Großmutter vor sechzig Jahren gewährt auch er bereitwillig Einblick in das Mietshaus, das genauer gesagt aus zwei Häusern, dem Vorder- und Rückgebäude, besteht. Dabei erzählt der Enkel jene Anekdote, die wohl schon die Großmutter Sigi Sommer erzählt haben muss. Die Begebenheit findet sich in leicht abgeänderter Form in dessen Roman wieder. Hammerstingls Ur-Großvater habe als Kind einmal versucht, das Bettlaken aus seinem Fenster in der Wohnung im Rückgebäude auszuschütteln. Da sei der Stoff geradewegs in die Baumwipfel des Kastanienbaumes im Hof hängen geblieben. Einer noch dünnen Wipfel wurde dabei mit herab gerissen. Hammerstingls Urgroßvater hieß Jakob Rupp.<br />
Sigi Sommer schreibt später in seinem Roman: „Nur der Bubi Rupp, dessen Bal-kon fast in die Baumwipfel mündete, überlegte sich manchmal, ob die Äste bre-chen würden, wenn er einmal in naher Zeit von den Blumenkisteln aus hinübers-pringen würde.“ Der alte Kastanienbaum, der im Roman zur Ulme wird, steht noch heute im Innenhof der Mondstraße Nr.46. Im Schatten des meterhohen Baumes hat Hammerstingl einen Radschuppen gebaut. Zu Zeiten des Ur-Großvaters Rupp befand sich an selber Stelle der Baustoffhandel. Im Roman als der „Müllersche Werkstattschuppen“ bezeichnet, dessen Ziegeldach die „Früch-terl“ aus der Mondstraße als Zielscheibe für ihre Steinschleuder hernahmen.<br />
Längst existiert der Baustoffhandel nicht mehr, der dazugehörende Werkstatt-schuppen ist geblieben. Stefan Hammerstingl ist gelernter KFZ-Meister. Vor eini-gen Jahren hat er dort noch Motorräder repariert. Jetzt erledigt er die Reparaturen, die in seinem Haus anfallen. Über der Werkbank wacht der strenge Blick seines Ur-Großvaters, eine Schwarz-Weiß-Fotografie, beinahe so groß wie das Fenster des Schuppens, gefasst in einem Rahmen aus dunklem Holz.<br />
Jener Ort, den der Bubi Rupp einst aus Furcht vor dem Besitzer nicht betrat, ist für die heutigen Kinder ein wahres Paradies. Wann immer die Buben seiner Bekannten zu Besuch sind, geht Meister Hammerstingl mit ihnen auf „Pumuckl-Suche“. Eigene Kinder hat der Hausbesitzer jedoch keine. Auch unter den übrigen Bewohner der sechs Parteien in Vorder- und Rückgebäude gibt es kein einziges Kind. Keine „Früchterl“ ärgern mehr die Nachbarn mit ihren Streichen wie es die Mondstraßler in Sommers Roman getan haben. „Die alte Zeit war vorbei. Niemand hatte sie gehen sehen, aber eines Tages war sie einfach nimmer da. Ent-schwunden“, endet der Roman in der Nachkriegszeit. Ganz selten sah man in dem alten Hof noch ein Kind spielen. In dem Haus, wo es kaum einen Wohnungs-wechsel gegeben hatte, da die Mieter ihren „gewohnten Wirsching-Mief“ nicht gern mit fremden „Rinderfett-Geranzel“ vertauschten, zogen neue Mietsparteien ein. „Wie eine frostige Keule in die warme Wohngemeinschaft.“<br />
Auch Stefan Hammerstingl ist ein wenig betrübt darüber, dass nur noch selten gegrüßt wird beim Vorübergehen. Seine Mieter wohnen meist nur für kurze Zeit in dem Haus. Die Wohnungen beschränken sich auf ein bis zwei Zimmer. Früher musste dieser Platz für eine ganze Familie reichen. Wo früher die Arbeiter lebten, wohnen heute größtenteils Studenten oder Pendler, die ihr eigentliches Zuhause woanders haben.</p>
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		<title>Die Strandgutsammler</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 22:20:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nadja Mayer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>

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Lampen, Uhren, Porzellan-Figürchen – vor dem Sperrmüll findet die Trödeloase Heinz noch eine Verwendung
Für 18 Euro wird sie über den Ladentisch wandern. Die schwarz-weiße Dame hinter dem Messingrahmen. Quer gestellt liegt sie als Antiquität in einem Regal direkt neben dem Verkaufstisch von Trödler Helmut Heinz. Seit einigen Wochen steht sie schon im Regal und hütet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/09/troedelladen.jpg"><img src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/09/troedelladen.jpg" alt="troedelladen" title="troedelladen" width="430" height="430" class="alignnone size-full wp-image-497" /></a></p>
<p>Lampen, Uhren, Porzellan-Figürchen – vor dem Sperrmüll findet die Trödeloase Heinz noch eine Verwendung</p>
<p><span id="more-115"></span>Für 18 Euro wird sie über den Ladentisch wandern. Die schwarz-weiße Dame hinter dem Messingrahmen. Quer gestellt liegt sie als Antiquität in einem Regal direkt neben dem Verkaufstisch von Trödler Helmut Heinz. Seit einigen Wochen steht sie schon im Regal und hütet den Laden. Die schwarz-weiß-Fotografie ist aus einem Nachlass &#8211; wie die meisten Gegenstände hier in der „Trödeloase Heinz“ zwischen Gärtnerplatz und Viktualienmarkt.</p>
<p>An ihrer Seite wachen Porzellan-Engelchen und Aufziehwecker. Im Hintergrund läuft das Gedudel eines Gebrauchtradios. Durch die großen Schaufenster leuchtet schon der Asphalt in die dunklen Verkaufsräume. Die vielen Duzend Lampen an der Decke werden wie immer nicht leuchten. Für Helmut Heinz hat gerade der Arbeitstag begonnen. Seinen Platz, an dem er wie jeden Tag, außer Samstag und Sonntag, acht Stunden verbringen wird, hat er sich schon eingerichtet. Das erste, was er morgens tut. Hinter dem Verkaufstisch sein Stuhl, auf der rückseitigen Ablage ein Glas und Flasche Spezi.<br />
Mit etwas mühsamen Schritten bewegt sich der 75 Jahre alte Mann nach hinten, in Richtung Lager. Äußerlich unterscheidet sich das Abstellzimmer bis auf die vielen ungeöffneten Umzugskartons kaum von den zwei übrigen Verkaufsräumen. Der modrige Geruch abgehangener Gardinen und unberührter Bibliotheken durchströmt das Lager. Heinz nennt es seine „Schnäppchenoase“. Alles dort ist besonders günstig, weil er es noch nicht sortiert und ausgezeichnet hat.<br />
Heinz quetscht sich durch die engen Trödel-Trakte, vorbei an Kisten, Regalen, Waschmaschinen, Mikrowellen, Holztruhen, einem Klavier und den unzähligen Leuchten, bis er das andere Ende des Ladens erreicht hat. Dann schiebt er einen Eichen-Couchtisch mit beige-melierten Zierkacheln vor die Tür. Auf den Tisch wuchtet er zwei blaue Plastikwannen und füllt sie mit Büchern, Keramik-Schälchen, Zinn-Väschen, Portemonnaies. „Jeder Artikel nur 50 Cent“ steht auf einem Pappschild.<br />
Vor 15 Jahren hatte Helmut Heinz mit seiner Tochter Bärbel und dem Schwiegersohn Manfred den Familienbetrieb gegründet. Davor waren sie ein reiner Umzugs- und Entrümplungsservice. Wohnungsauflösungen machten das Kerngeschäft aus. Sie wurden dafür bezahlt, dass sie Räume besenrein zurückließen. Die Entsorgung war damals noch kein Problem. Auf einer Schutthalde im Norden Münchens konnten sie alles Gerümpel wegkippen. Mit den strenger werdenden Müllverordnungen machte sich die Familie die Not zunutzen: Das, was zum wegwerfen zu schade ist, verkaufen sie von nun an in der Trödeloase.<br />
„Ich hab in meine Leben schon viel gemacht“, winkt der Rentner ab. Seine sämtlichen Lebensstationen, bis er nach München kam, will der gebürtige Landshuter nicht aufzählen. Zu gefährlich. Er hat einen Schlussstrich unter sein vorheriges Leben gezogen. Im Rauschgift-Bereich hatte er zu tun. Viel zu riskant darüber zu sprechen, viele hätten da noch eine Rechnung mit ihm offen. Nicht bei der Polizei war er tätig, nein. Aber mehr will er dazu nicht sagen. Seine Tochter erzählt später, er habe einige Jahre beim Zoll an der tschechischen Grenze nahe Passau gearbeitet. Helmut Heinz will nur seine Ruhe haben, sagt er. Am Vormittag kümmert er sich alleine um den Laden, hat es sich in seiner Verkaufsecke mit Radiomusik und Spezi gemütlich gemacht.<br />
„Was wollen’s denn für das Hefterl?“ Eine Dame in blauem Blümchen-Sommerkleid und rotem Strohhut legt den „Vogeltreffpunkt Futterhaus“ vor Heinz auf den Verkaufstisch. „A Fufzgerl.“ Die Kundin kramt in ihrer Handtasche, legt dann ein fünfzig Cent Stück auf die speckige Holzablage. „Mei, ich hab so viele Vögel um mein Haus rum und weiß oft gar nicht, was für welche das sind.“ Seit sie nach Weilheim rausgezogen sei, komme sie noch viele lieber zum Heinz in die Trödeloase. „Und wie ist es sonst so? Zufrieden?“, erkundigt sich die Kundin. Heinz nickt „Ja, zufrieden.“ Die Frau erzählt, sie wolle jetzt weiter, noch zum Viktualienmarkt. Günstiges Brot von gestern kaufen. Gerade, als sie sich verabschiedet, entdeckt sie im hinteren Verkaufsraum noch etwas. In einem Kleiderständer zugehängt mit Taschen greift sie nach einer roten Kunstledertasche, auf der YSL steht – Yves Saint Laurent. „Die ist ja schick. Aber hier &#8211; leider kaputt.“ Die Dame zeigt auf ihre Armbanduhr. „Cartier. Auch nicht echt.“<br />
Dann kommt ein alter Bekannter. „Servus Markus“, begrüßt ihn Heinz. Der Mittvierziger schaut fast täglich in der Trödeloase vorbei. Dieses Mal findet er zwei Schweinchen aus den Fünfzigern, die Pfeffer und Salz spenden. Die zwei Gewürz-Schweinchen werden später in seinem eigenen Antiquariat ein paar Häuserblocks weiter, in der Jahnstraße, stehen. Bei Heinz findet der Händler immer mal wieder ein Stück, dass er als Retro-Teil in seinem Design-Antiquariat verkaufen kann. Früher hat Markus auch Entrümpelungen organisiert, um an wertvolle Stücke zu kommen. Das macht er heute nicht mehr. Lohnt sich nicht, sagt er.<br />
Die Trödeloase Heinz übernimmt immer noch Entrümpelungen. Bevor es ihm körperlich zu anstrengend wurde, half Helmut Heinz auch mit. Ungern erinnert er sich an manch einen Anblick. Zwölftürige Furnierlack- Schlafzimmerschränke &#8211; nicht nur körperlich anstrengend zu entsorgen. „Da machst du dann eine Türe auf, und dir kommt eine ganze Batterie leerer Bierdosen entgegen.“ Alles gesammelt, damit es keiner mitbekommt. Helmut Heinz wischt sich mit der Hand unter seine Brille. Er schaut kurz zur Seite, dann erzählt er von der Wohnung einer alten Frau. Haushaltsauflösung. „Dann hab ich in den Kühlschrank geschaut und das einzige, was drin war, war eine angebrochene Dose Chappi.“ Einen Hund besaß die Verstorbene nicht.<br />
Seit Helmut Heinz nicht mehr bei den Entrümpelungen mithilft, will er gar nicht wissen, von welchen Schicksalen die Dinge in seinem Trödelladen erzählen. „Es gibt Menschen, die können halt damit besser umgehen und Menschen, die können damit weniger gut umgehen.“ Helmut Heinz kann damit weniger gut umgehen. Seine Tochter Bärbel kann es besser. Trotzdem – wenn es um Entrümpelungen und Haushaltsauflösungen geht, hält auch sie sich bedeckt. Wie die meisten aus der Branche. Keiner will Einblick geben in das Reich der Auflösung. Sie wollen die Privatsphäre der Menschen wahren.<br />
Es ist kurz vor Zwölf. Tochter Bärbel kommt wie jeden Tag von einer Entrümpelung. Heute war es ein Umzug vom Altenheim ins Pflegeheim. Die Ausbeute war wenig ergiebig. Lediglich eine blaue Plastikwanne voll Trödel, eine Gardine, ein paar Bücher und natürlich – ein Lampe. Aber Bärbel ist nicht enttäuscht. So etwas sei normal. Wenn sie eintrifft, waren meist schon zehn andere Leute vor ihr dort. Der Hausverwalter, die Angehörigen, der Notar. Wenn die Entrümpler kommen, sind die Schätze meistens schon gehoben. Sie sind die Strandgutsammler.<br />
Wie und wo das Strandgut angespült wurde, ist längst vergessen, wenn es den Besitzer wechselt. Nur manchmal lässt es sich erahnen. Wie beim Bild der schwarz-weißen Dame hinter dem Messingrahmen. Hier bekommt der Gegenstand ein Gesicht, eine Geschichte. „Mei, das Bild verkaufen wir wegen dem Rahmen.“ Fotoalben landen bei Bärbel Heinz ansonsten sofort in der Papiertonne. Sie haben für sie keinen Wert mehr.</p>
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