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	<title>mucbook &#187; Regina Karl</title>
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		<title>Mann oder Macbeth?</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 14:19:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die letzte Premiere für diese Spielzeit an den Münchner Kammerspielen: Karin Henkel zeigt Samstag Abend einen sauber gegenderten &#8220;Macbeth“.

&#8220;A dream-like state&#8221;, so beschreibt Martin Scorsese die Wirkungsmacht der Cinematographie, die einen jeden Kinogänger im Vexierspiel zwischen Realität und Fiktion gefangen hält. Ein Weihspruch, den auch Shakespeares „Macbeth“ verdient hätte. Und wirklich: dass es vom Kinosessel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-22975" title="Unbenannt" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/06/Unbenannt1.jpg" alt="Unbenannt" width="430" height="644" /></p>
<p>Die letzte Premiere für diese Spielzeit an den Münchner Kammerspielen: Karin Henkel zeigt Samstag Abend einen sauber gegenderten &#8220;Macbeth“.</p>
<p><span id="more-22968"></span></p>
<p>&#8220;A dream-like state&#8221;, so beschreibt Martin Scorsese die Wirkungsmacht der Cinematographie, die einen jeden Kinogänger im Vexierspiel zwischen Realität und Fiktion gefangen hält. Ein Weihspruch, den auch Shakespeares „Macbeth“ verdient hätte. Und wirklich: dass es vom Kinosessel ins Theaterparkett mittlerweile kein weiter Weg mehr ist,  davon konnte man sich am Samstag Abend in den Münchner Kammerspielen überzeugen. So ließ einen das Gefühl nicht los, dass in Karin Henkels „Macbeth“-Version eine Popcorntüte für das obligatorische &#8220;Kneif mich mal!&#8221; des Stücks bessere Dienste geleistet hätte, als das diskurspolitisch überladene Programmheft. Von Kill Teams in Afghanistan, ein wenig dekonstruktivem Marxismus à la Eagleton und Judith Butler, der Grande Dame des Geschlechterkampfs, ist da die Rede. Irgendwo dazwischen traumwandelt Macbeth.</p>
<p>Diesem intellektuellen Wirrwarr wird die Inszenierung denn auch nur in Maßen gerecht: Aus den chiastischen Drehern Shakespeares, der die Nacht zum Tag, &#8220;foul&#8221; zu &#8220;fair&#8221; und Imagination zu Wirklichkeit werden lässt, bleibt Karin Henkel bei der Genderfrage des Stücks hängen. Auf Lady Macbeths drängende Frage &#8220;Bist du ein Mann?&#8221; antwortet in dieser Inszenierung die androgyne Schauspielerin Jana Schulz mit einem nur zögerlichen &#8220;Ja&#8221;. Den McDeath hätte man ihr allerdings allein schon wegen dem etwas zu lässigen Feinrippshirt, der etwas zu weiten Buntfaltenhose und den etwas zu großen Stiefeln nicht abgekauft.</p>
<p>Henkel dreht die Gender-Schraube noch weiter, wenn König Duncan (Stefan Merki) in Glitzerfummel und Pumps über die Bühne stöckelt, Benny Claessens Banquo sich ordentlich in Schwulitäten bringen darf, die herbe Katja Bürkle ihrer Lady Macbeth mehr Manneskraft als Ladylikeness verleiht und die Tänzerin Kate Strong breitbeinig im pinken Tutu in der Ecke hockt, statt leichtfüßig über die Bühne zu schweben. All the world´s a stage: die Frage, was Mann und was Frau ist, ist heute auch ohne das Theater schon genug zweifelhaft.</p>
<p>Und doch erfährt die alte Diskussion um Geschlechterperformierung einen interessanten Dreh bei Henkel: In den Variationen von Männlein und Weiblein wirken ihre Schauspieler überraschend natürlich. Dieses Ensemble ist auf Geschlechterrollen, gegen die angespielt werden könnte, erst gar nicht angewiesen. Im Gegenteil: Henkels Schauspieler sind längst schon die Zwitterwesen, die sich die Regisseurin an diesem Abend so unbedingt wünscht. Lady Macbeths Anruf an die dunklen Mächte, „Unsex me here“, findet deshalb allzu schnell Gehör. Genderpolitisch auf dem neuesten Stand, ist der Rest des Abends nur Versatzstück.</p>
<p>Denn Vewirrung stiften können offenbar nicht nur unsere primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, es reicht auch schon, englischen Originaltext in die Inszenierung einzusprengseln, Banquos Killer abwechseln schwyzerdütsch und niederländisch plappern zu lassen und dabei mit Hilfe allerlei Mikros mal dem einen, mal dem anderen den Saft abzudrehen. Die Szenerie dazu lieferte Muriel Gerstner: ein großes schwarzes Hexenhaus mit der Aufschrift „Schlafender Raum“. Ein Ort, an dem Sonne nie aufgeht und mehr und mehr der Wahnsinn Einzug hält.</p>
<p>Diesen Wahnsinn lässt Karin Henkel jedoch eher zerrinnen, als ihm Gestalt zu geben. Das clownsverzerrte Gesicht des Widergängers Banquo, der sich unter Flutlicht in einer Mischung aus Porno-Kulisse und expressionistischer Schwarz-Weiß-Optik auf Macbeth´s Bett räkelt, wirkt grotesk bis komisch, jedoch in keinster Weise unheimlich. Jana Schulz bleibt dabei als letzte theatrale Verzweiflungstat der wiederholte Gang an den Bühnenrand. Macbeth´s große Monologe verkommen dort zu dem, was sie einmal gewesen sind. Als bloßer Text scheinen sie eher belangloses Gefasel, als dringendes Bekenntnis zu sein. Und da ist er wieder, der traum-hafte Zustand, der uns aus unserem wohlstrukturierten Bewusstsein reißt und darauf pocht, dass Mann nicht Mann, Frau nicht Frau, und Sprache nicht Körper ist. Scorsese hätte nach diesem Abend vielleicht weniger in die Buh-Rufe beim Endapplaus eingestimmt, als vielmehr müde gelächelt.</p>
<p>Noch ist aber nicht aller Premieren Abend: Bevor Johan Simons im September seine <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/programm/premieren-2011-2012/" target="_blank">zweite Spielzeit</a> mit Fellini eröffnet, zeigt das vielgepriesene Smeds Ensemble aus Finnland Anfang Juli zwei <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/home/" target="_blank">Gastspiele</a>. Außerdem wird noch einmal in den Werkraum gerufen: Bevor die von Bert Neumann gestaltete lila Disco-Lounge umgebaut wird, werden dort noch einmal alle tanzbaren Inszenierung der diesjährigen Spielzeit gezeigt: XY Beat (20.7.), Mjunik Disco (21.7.) und They shoot horses, don´t they? (22.7).</p>
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		<title>Disco-Diskurs</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2011/05/27/disco-diskurs/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 14:42:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Samstag wird in den Kammerspielen diskotiert: in der „Ballroom“-Gesprächsreihe präsentiert der Zündfunk einen Abend rund um München und die Disco.

Sind wir im neo-Disco oder retro-Disco? Warum war die Münchens Szene in den 70ern in einem Munde mit London oder New York? Was haben die Rolling Stones im Englischen Garten gemacht? Dieses und Weiteres kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag wird in den Kammerspielen disk<em>o</em>tiert: in der „Ballroom“-Gesprächsreihe präsentiert der Zündfunk einen Abend rund um München und die Disco.</p>
<p><span id="more-22192"></span><img class="alignnone size-full wp-image-22193" title="mjunik" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/05/mjunik.jpg" alt="mjunik" width="430" height="284" /></p>
<p>Sind wir im neo-Disco oder retro-Disco? Warum war die Münchens Szene in den 70ern in einem Munde mit London oder New York? Was haben die Rolling Stones im Englischen Garten gemacht? Dieses und Weiteres kommt morgen Abend auf den runden Tisch zum Thema „Munich Disco“ im Werkraum der Münchner Kammerspiele.  Mit dabei zum Beispiel Mirko Hektor, der vor ein paar Jahren den so legendären Bildband „Mjunik Disco“ zu diesem so legendären Münchner Phänomen weitab von Weißwurst und Brezn publiziert hat. Alles nur Geschichten also? Nicht doch! Die Disco tönt immer noch: Nach der Diskussion gibt es ein Konzert mit den „High Voltage Humans“, die mir ihrem Synthie-Sound die <em>future disco</em> einläuten und eine Party mit den Disco-DJs Bernd Hartwich und Benji Fröhlich.</p>
<p>Wem das nicht reicht, der sei auf die zugehörige Inszenierung von Stefan Pucher verwiesen: „Mjunik Disco“ lässt sie alle noch einmal aufleben: Andreas Neumeister, Thomas Meinecke und natürlich Rainald Goetz. Eine „ultrageile“ Chartshow zwischen Koks- und Kater-<em>feeling.</em></p>
<p>Nächste Vorstellungen: 26.06. und 29.06. jeweils 20.00 Uhr.</p>
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		<title>Und unter den Annalen, der Muff von 100 Jahren&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 10:06:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein theatrales Dokument: Tobias Ginsburg präsentiert noch das ganze Wochenende über in der Reaktorhalle Edwin Erich Dwingers zweifelhaften Aufstieg und Fall als Schriftsteller unter Hitler.


„Weiter, weiter&#8230;“, so die letzten Worte in Tobias Ginsburgs Inszenierung „Nestbeschmutzung“, die er noch das ganze Wochenende über in der Münchner Reaktorhalle zeigt. „Weiter, weiter“, so der immer wiederkehrende Nachhall des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein theatrales Dokument: Tobias Ginsburg präsentiert noch das ganze Wochenende über in der Reaktorhalle Edwin Erich Dwingers zweifelhaften Aufstieg und Fall als Schriftsteller unter Hitler.</p>
<p><span id="more-20945"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20947" title="4" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/4.JPG" alt="4" width="430" height="287" /></p>
<p>„Weiter, weiter&#8230;“, so die letzten Worte in Tobias Ginsburgs Inszenierung „Nestbeschmutzung“, die er noch das ganze Wochenende über in der Münchner Reaktorhalle zeigt. „Weiter, weiter“, so der immer wiederkehrende Nachhall des Abends. Geschichte lässt sich nicht aufhalten, nicht einmal ein Regieeinfall kann Vergangenes ungeschehen machen.</p>
<p>Doch genau dieses Drehen und Schrauben am Rad der Zeit treibt Ginsburg in seiner Produktion um. Über ein Jahr lang beackerte der Regisseur zusammen mit seinem Freund und Theaterkollegen Raphael Dwinger die morschen Äste an dessen Stammbaum. Dwinger möchte heute ganz wie damals der Opa im 1.Weltkrieg Schauspieler werden. Der Großvater aber war zu Höherem geboren, verbindet man mit dem Namen Edwin Erich Dwinger doch einen der bekanntesten Propaganda-Schriftsteller der Nazi-Zeit. Bis heute hinterlässt Dwingers Werk einige dunkle Kapitel: Fügte er sich mit Romanen wie „Tod in Polen“ nur blitzkriegartig in sein Nazi-Schicksal oder deuten die antisemitischen Tendenzen und seine Ernennung zum Untersturmführer bei der SS nicht eindeutig darauf hin, dass er die braune Suppe des Dritten Reichs ordentlich nachgewürzt hat?</p>
<p>An Blut und Boden-Metaphorik fehlt es seinen Romanen jedenfalls nicht, doch ist dieser Nährboden für rechtspopulistische Ideologie in den Familienbanden Dwingers in Vergessenheit geraten. Seine Kinder wollen nichts wissen von den Vorwürfen gegen den Papa, die Nazi-Karriere weicht Beschönigungen über die idyllische Kindheit auf einem Bauernhof im Allgäu. Die Verdrängungstaktiken der Familie Dwinger hat Ginsburg nun akribisch in diversen Videointerviews und einer umfassenden Archivarbeit zusammengetragen. Auf einer Bühne, die sich irgendwo zwischen Holocaust-Mahnmal und zementierten Dokumentenstapeln bewegt, können wir Ginsburgs Rechercheergebnisse nun mit auswerten.</p>
<p>Ginsburg präsentiert uns den Status Quo einer Suche nach Wahrheit. Auf die Bühne stellt er sich selbst, gespielt von Anton Schneider, und Raphael Dwinger, dessen Part der Münchner Schauspieler Matthias Renger übernommen hat. Zusammen mit einem Dramaturgen (Andreas Haun) ist der Regietisch komplett, und die drei Darsteller beginnen um den Fortgang einer Inszenierung über Edwin Erich Dwinger zu ringen. Unvermeidlich verstricken sich Schauspielerei und Lebenslinien zu einem unauflöslichen Knäuel. Ginsburg selbst ist Jude. Seine Großeltern fielen dem Verfolgungswahn des Dritten Reichs zum Opfer, konnten den Holocaust jedoch überleben. Mit dieser seiner Vita konfrontiert Ginsburg seinen langjährigen Freund Raphael Dwinger und untermauert das Ganze mit allerlei Archivschnipseln, die die Nazi-Schuld des Großvaters beweisen sollen. Dwinger kontert, macht die Schuld zur Generationenfrage, seinen Judenfreund Ginsburg zum Alibi für die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und seinen linken Intellektualismus zur Kehrtwende im geistigen Eigentum der Familie Dwinger.</p>
<p>Die Geschichte dreht sich währenddessen stetig weiter. Als prophetische Widergängerin umwandert Léonie Thelen die Bühnenränder. In ihrem schlohweißen Haar nästelt die ewige Stimme der Toten. Sie ist Edwin Erich Dwinger, KZ-Häftling und SS-Mann zugleich. Thelen agiert als Archiv, das wir hören und lesen können, jedoch nicht zu befragen wagen. Mehr noch als auf Seiten des Spürhundes Ginsburg, stehen wir plötzlich selbst auf der Anklagebank. Die Videoschnipsel, die Einspielungen aus den Lautsprechern, die Originaldokumente, all das formt sich zu einem Brei aus 100 Jahren bedrohlich verstaubter Literatur zusammen, die man nicht recht zu kategorisieren weiß.</p>
<p>Was nur liest sich zwischen den Zeilen der Dwingers und Ginsbrugs dieses Abends? Gegen Ende der Produktion fordert uns der echt gespielte Ginsburg dazu auf, unter unserem Stuhl ein DIN-A4-Blatt hervorzuziehen. Auf dem Blatt die Transkription eines späten Texts von Dwinger, den Ginsburg und sein Team in der Münchner Monacensia ausgegraben haben. „Das war Theresienstadt!“, ein brutales Phantasieren des Großvaters über die nackte Gewalt des Nazi-Regimes, allerdings mit verkehrten Rollen. Nicht eine Jüdin, sondern eine BDM-Führerin fällt darin einer Vergewaltigung durch die russische Siegermacht zum Opfer. Am Ende von Dwingers Text wird die fast zu Tode geprügelte Frau wahnsinnig. „Vielleicht war es eine Gnade“, schreibt Dwinger, und spätestens mit diesem Moment hält die Ratlosigkeit endgültig Einzug auf Bühne und Zuschauerraum.</p>
<p>Wo ist die Wahrheit der Geschichte vergraben? Wer zieht die Trennlinie zwischen Täter und Opfer, wenn nicht ein Wahnsinniger? Woher die Antworten nehmen, wenn sie die Väter nicht geben? Weit ab vom Manichäismus der Geschichtsschreibung hält Ginsburg immer wieder den Daumen auf das unbenennbare Dazwischen. Weder schwarz noch weiß sind unsere Viten, was sich dazwischen mischt, ist immer wieder das klebrige Rot der Blutschande unserer Väter. Sich jedoch mit der Grauzone zwischen diesen Lagen zufrieden geben, das darf nicht genügen. Weiter, weiter, immer weiter&#8230;</p>
<p><a href="http://vimeo.com/21847584">nestbeschmutzung material 3</a> from <a href="http://vimeo.com/user6408157">Nest Beschmutzung</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p>***</p>
<p>Weitere Vorstellungen von „Nestbeschmutzung“ am 29. und 30.04., sowie am 02. und 03.05 jeweils um 20 Uhr in der Reaktorhalle München.</p>
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		<title>Theatral global</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 07:34:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist radikal, was ist jung? Beim diesjährige Radikal Jung-Festival  ging auf  der Reise von Ost nach West, durch Reales und Virtuelles, von der Vergangenheit in die Zukunft vor allem eines verloren: Identitäten. Für einen besonders geschickten Umgang mit dem Verwirrspiel um Sein und Nicht-Sein in ihrer Produktion „Arab Queen“ erhielt Nicole Oder dafür den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist radikal, was ist jung? Beim diesjährige Radikal Jung-Festival  ging auf  der Reise von Ost nach West, durch Reales und Virtuelles, von der Vergangenheit in die Zukunft vor allem eines verloren: Identitäten. Für einen besonders geschickten Umgang mit dem Verwirrspiel um Sein und Nicht-Sein in ihrer Produktion „Arab Queen“ erhielt Nicole Oder dafür den Publikumspreis.</p>
<p><span id="more-20696"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20708" title="Lifereset6" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/Lifereset61.jpg" alt="Lifereset6" width="430" height="300" /></p>
<p>Rotes Plasma auf einem riesigen Gaze-Vorhang in der Münchner Reithalle. Plötzlich Spot auf eine hell erleuchtete Badewanne. Darin eine junge Frau, halb tot vor Langeweile, die uns angafft. Ein Mann im Hasenkostüm gesellt sich zu ihr, aus mächtigen Boxen dröhnt ein unerträgliches Surren und Brummen wie unter einer Autobahnbrücke. Dann das Black.</p>
<p>Der Hase ist eine der vielen Iden</p>
<p>titäten aus Second Life, die Lieblings-Wohnstatt der jungen Frau, der man zuvor eine Stunde lang durch ihre düster-schauerliche Wohnung gefolgt ist. Einziger Ausweg aus diesem Mauerwerk ist für sie nur noch das Web 3.0, ihre persönliche vierte Dimension in der sie ein schönes rotes Kleid trägt, ABBA-Songs singen darf und von Hasenmännern liebevoll in den Arm genommen wird.</p>
<p>Verstörend und klangvoll zugleich war Fabrice Murgias Inszenierung „Life:Reset“ vom Théâtre National Brüssel. Murgia präsentiert uns auf einer Drehbühne die Totale einer Einsamkeit. Vom Badezimmer bis zur Spüle sind alle Winkel der Wohnung mit Kameras ausgestattet. Belanglos wirkt dieses Überwachsungsszenario. Wo bleibt das Quantum Voyeurismus, wenn man über eine Stunde eine Frau beim Nichtstun beobachtet? Und doch birgt diese dröge Langeweile einen ungemein harten Existentialismus.</p>
<p>Murgia dreht seinen Sound so lange auf und seine Bühne so lange hin und her, bis uns Augen und Ohren langsam taub werden. Irgendwo dazwischen fängt man an, sich heillos zwischen Cyberspace und Realität zu verlieren. Auf die Frage, ob wir nun imstande sind, alles zu sein, was wir wollen, ob sich Wahrnehmung schon durch einen geschickten Dreh an der Bühnenkurbel verschieben lässt, antwortet nur das rote Plasma auf dem Vorhang. Eine zähe Masse, ein virtuelles Fremdgebilde in Signalfarben ist die Ursuppe, auf der wir mittlerweile dahergeschwommen kommen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20699" title="LifeReset5" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/LifeReset5.jpg" alt="LifeReset5" width="430" height="273" /></p>
<p>Ob im World Wide Web, im Geschichtsbuch, zuhause am Küchentisch oder draußen auf der Straße, schleppen wir sie mit uns herum, unsere Identitäten. Ob wir wollen oder nicht, heften sie sich an uns dran und bleiben kleben. Manche davon kommen als drohende Väter unseres Bewusstseins aus der Vergangenheit, andere sind noch Zukunftsmusik. Diesen Wiedergängern des Selbst konnte man beim Festival vor allem in Robert Borgmanns „Vatermord“ begegnen.</p>
<p>Borgmann verschneidet das expressionistische Aufbegehren in Arnolt Bronnens selten gespieltem Stück zu einer Collage aus Erinnerungsspuren. Gustaf Gründgens trifft auf Hannah Arendt, Götz George wird an einer Nähmaschine mit John F. Kennedy verwoben. Heidegger taucht als Kunstfigur in einem Kriegerdenkmal von Joseph Beuys auf. Es wiegt schwer, unser Geschichts-Gewissen und hinterlässt vor allem eines: Geschichten. Deren permanenter Nachhall ist der stumme Schrei des Ödipus, der geblendet von all dem Storytelling über Väter und Söhne wahr und falsch nicht mehr unterscheiden kann.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20700" title="vatermord_07" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/vatermord_07.jpg" alt="vatermord_07" width="430" height="287" /></p>
<p>In diesem Grabenkampf mit unserem geistigen Erbe bleibt für jeden etwas übrig. Wohin sich unsere Geschichte(n) in Zukunft entwerfen, das kann jedoch keiner sagen. Nach einer Woche radikalen und jungen Inszenierungen scheint es aber, dass unsere Identitäten sich mal wieder in Zeiten des Aufbruchs befinden. Als Chilene wandert man ein und als Serbe wieder aus, in München ist man jung, in Berlin sogar radikal, türkisch-deutsch und deutsch-türkisch kann man gut und gerne auf einmal sein, und wer hier der Vater und wer der Sohn ist, das kann auch niemand so genau sagen. Alles ist möglich, nichts aber nötig. Wenn überhaupt, dann sind wir transkulturelle Wanderer auf dem Weg zur Globalisierung. Oder doch eher multikulturell? Oder post-migrantisch? Oder a-historisch? Oder&#8230;?</p>
<p>Es ist beruhigend, dass keine der Inszenierungen versucht hat, für diese Fragen ein Regelwerk aufzustellen. Ein bisschen Labeling für Radikalität und Jugend gab es dann aber doch wieder. Zwar ging bei der diesjährigen Preisverleihung der neue Verkaufsschlager &#8220;Verrücktes Blut&#8221; ausnahmsweise mal nicht über die Ladentheke. Wenn auch sehr viel verhaltener, bot aber auch die Inszenierung &#8220;Arab Queen&#8221; von Nicole Oder (unsere Kritik <a href="http://www.mucbook.de/2011/04/11/grenzubergange/" target="_blank">hier</a>) allerlei verkehrte Selbst- und Fremdbilder, wofür sie in in diesem Jahr mit dem 2 500 € schweren Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Dieses radikal junge transkulturell-dekonstruktive Post-Migrantentheater &#8211; das muss man dann aber doch sagen &#8211; ist eigentlich Nurkan Erpulats Markenzeichen. Aber was ist schon eine Marke?</p>
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		<title>Alpenglühen</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2011/04/16/alpengluhen/</link>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 19:35:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Feridun Zaimoglu und Günther Senkel haben mal wieder geklönt. Heraus kam weitab von Kanacksprack und Türko-Pop ihr neues Stück „Alpsegen“, eine Hommage an die Stadt München, die Sebastian Nübling gestern Abend an de Kammerspielen uraufgeführt hat.


Feridun Zaimoglu und Günther Senkel, die schrullig schrägen Stückeschreiber, die einstmals die Kanacksprack zu theatraler Poesie haben aufklingen lassen, haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Feridun Zaimoglu und Günther Senkel haben mal wieder geklönt. Heraus kam weitab von Kanacksprack und Türko-Pop ihr neues Stück „Alpsegen“, eine Hommage an die Stadt München, die Sebastian Nübling gestern Abend an de Kammerspielen uraufgeführt hat.</p>
<p><span id="more-20689"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20691" title="Alpsegen 6" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/Alpsegen-6.jpg" alt="Alpsegen 6" width="430" height="282" /></p>
<p>Feridun Zaimoglu und Günther Senkel, die schrullig schrägen Stückeschreiber, die einstmals die Kanacksprack zu theatraler Poesie haben aufklingen lassen, haben einen neuen Wurf gelandet. „<a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/programm/alpsegen/" target="_blank">Alpsegen</a>“ heißt ihr Prosastück und handelt nicht etwa von schwarzen Jungfrauen oder multikulturelle Landflucht gen Berlin, sondern von München, der Stadt, in der Zaimoglu aufgewachsen ist und deren bigotten Katholizismus er offenbar genauso internalisiert hat, wie sein Image als Vorzeige-Türke.</p>
<p>Fernab von Kir Royal oder Monaco Franze präsentieren Zaimoglu und Senkel allerdings die gruseligen Schattenseiten der nördlichsten Stadt Italiens. Alpine Fabelwesen und Sagengestalten, wie die Mondhelle oder der fahle Gimpel, spuken durch den Text und lassen eine Stadt zur Manie werden.</p>
<p>Sebastian Nübling inszeniert daraus einen hysterischen Rebus. Er kratzt solange an Münchens schicker Oberfläche bis noch die dunkelsten Geheimnisse zum Vorschein kommen. Auf Muriel Gerstners Doppelbühne, deren staubig muffige Ästhetik Wirtshaus und Geisterbahn, Hotellobby und Bauertheater miteinander paart, robbt zum Auftakt ein Armee untoter Alpen-Zombies mit Händen zum Himmel und Knien fest am Boden in Richtung Publikum. So besessen sie zum Heiland beten, so leicht gehen ihnen die altbekannten bayrischen Schimpfwörter à la „Du hundselendige Sau, du!“ über die Lippen. Das natürlich immer dann, wenn einer daherkommt, der in diese Bigotterie aus Christmette und sauren Zipfel so gar nicht passen will.</p>
<p>So zum Beispiel Curd (Jochen Noch mit Hornbrille und rosa Anzug als Inbegriff des Perverslings), der statt seiner Wirtin (Gundi Ellert) unter den Rock, lieber dem Eisverkäufer Flavio (fantastisches Schmierentheater von Kristof van Bofen) auf die Eier guckt. Derlei Abartigkeiten werden natürlich sofort geahndet und als allgegenwärtige Stimme aus dem Jenseits hetzt die Wirtin den gemeinsamen Sohn Mäxchen (Benny Claessens) auf Vaters Fährten.</p>
<p>Mäxchen, ein Mischung aus Pierrot und Chucky, der Mörderpuppe, macht lieber die Touri-Tour und geht ins Museum. Da trifft er die leichenblasse Cecilia (Wiebke Puls), auch so eine Untote aus dem Bergischen, die im Rest des Ensembles permanente Wiedergänger findet, die mit ihr gemeinsam im Dreher über die Bühne schweben.</p>
<p>Zotig zünftig inszeniert Nübling diesen Bilderzirkus, wenn Cecilia zum Beispiel mit Rücken zum Publikum ihr strenges schwarzes Kleid hebt, um in einer Mischung aus Intimwaschung und Selbstbefriedigung weiße Tropfen aus ihrer Scham zu melken. Daneben der tatterige Vater (Michael Tregor), der die frisch geronnene Milch in Tetra Paks umfüllt. Immer wieder begegnen wir diesen teuflischen Wolpertingern, die Nübling mit ordentlich Nebelschwaden verrätselt. Ist die stimmungsschwangere Prozession aus Wirtshausstühlen eine Persiflage auf Bayerns verstockten Katholizismus, dem die Kirche so lieb wie das Hofbräuhaus ist, oder steckt da mehr dahinter? Warum knabbert sich Mäxchen die Zähne an einem schwarzen Raben wund? Und wer war noch gleich die Wäscherin an der Furt?</p>
<p>Es mag keine rechte Auflösung geben für Nüblings grausige Vexierbilder. Mäxchen, der am Ende ins Wasser geht, sowie die kitschig schlupfrige Homo-Erotik zwischen Curd und Flavio, das ist ein bisschen Ludwig II. Die dicken Bierkrüge und die dumpfen Klänge der Tuba (Peter Laib), das ist ein bisschen Oktoberfest. Dazwischen steht man wie der Ochs am Berg.</p>
<p>Da sein Schwänzchen nicht mehr so recht weiß, wohin mit sich, hängt Curd statt dessen ein geflochtener Rapunzelzopf vom Hals. Irgendwie muss sich dieses ganze Schauer-Szenario doch beim Schopfe packen lassen, möchte man da meinen. Doch die Geister, die er rief, holen Nübling ein. Seine Inszenierung bleibt am Ende ein faszinierendes Bilderrätsel ohne Lösungswort. Aber keine Sorge, die Münchensaga hält ja – vergelt´s Gott – noch genug Material zur Entschlüsselung bereit.</p>
<p>******</p>
<p>Nächste Aufführungen: 19.4, 21.4., 3.5., 5.5.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20692" title="Alpsegen 1" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/Alpsegen-1.jpg" alt="Alpsegen 1" width="430" height="403" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20693" title="Alpsegen 2" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/Alpsegen-2.jpg" alt="Alpsegen 2" width="430" height="403" /></p>
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		<title>Du sollst dir kein Bildnis machen</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 17:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Radikal Jung-Festival am Volkstheater hat einen Publikumsliebling: Nurkan Erpulat und seine Inszenierung „Verrücktes Blut“.


Sie wollten gar nicht mehr aufhören mit dem Klatschen, die Münchner Festivalgänger. Nach der Vorstellung von „Verrücktes Blut“ am Dienstagabend ging eine Welle der Begeisterung durch das Volkstheater und viele grüne Karten in den Abstimmungskasten. Beim anschließenden Publikumsgespräch mit Regisseur Nurkan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Radikal Jung-Festival am Volkstheater hat einen Publikumsliebling: Nurkan Erpulat und seine Inszenierung „Verrücktes Blut“.</p>
<p><span id="more-20603"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20611" title="VerrücktesBlut_4" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/VerrücktesBlut_4.jpg" alt="VerrücktesBlut_4" width="430" height="287" /></p>
<p>Sie wollten gar nicht mehr aufhören mit dem Klatschen, die Münchner Festivalgänger. Nach der Vorstellung von „Verrücktes Blut“ am Dienstagabend ging eine Welle der Begeisterung durch das Volkstheater und viele grüne Karten in den Abstimmungskasten. Beim anschließenden Publikumsgespräch mit Regisseur Nurkan Erpulat hielt man sich mit Prophezeiungen denn auch nicht zurück. „Herr Erpulat, Sie werden hier sicher das Rennen machen.“, so oder ähnlich klangen die Lobeshymnen aus Publikum und Jury.</p>
<p>Diese Vorboten auf den Gewinner des diesjährigen Festival kommen allerdings ein wenig spät: Auch wenn das Volkstheater betont, das Potential der Produktion zum „Stück der Stunde“ (FAZ) lange vor ihrer Nominierung zum Berliner Theatertreffen oder den Mühlheimer Theatertagen erkannt zu haben, ist jedem und allen voran Erpulat selbst klar, dass man ihn nicht entdeckt, sondern im Gegenteil: er ist der Entdecker. Zwar nicht der Entdecker des Migrantentheaters, aber doch sicher dessen, was das Theater mit Migranten alles kann.</p>
<p>In Zusammenarbeit mit Jens Hilije, ehemaliger Chefdramaturg der Berliner Schaubühne und Leiter der Masterclass des Festivals, hat Erpulat ein Stück über Einwanderer über einen Haufen rotziger und aggressiver Jugendlicher geschrieben, die mit ihrem Migrationshintergrund ins Theater einwandern.</p>
<p>Die Idee ist genial: Szenario ist eine Schulklasse, Hauptfigur eine Lehrerin, die an der Gleichgültigkeit für ihren Unterricht und der verbalen Gewaltbereitschaft gegen ihre Person verzweifelt. Plötzlich fällt ihr eine Waffe in die Hände, die aus dem Eastpack ihres Lieblings-Problemschülers Musa fällt. Statt „Muschi“, „Nutte“ und „Wichser“ gibt es Schiller. Mit dem Finger am Abdruck zwingt die Lehrerin ihre Klasse dazu, Schiller zu rezitieren. Von den „Räubern“ bis „Kabale und Liebe“ entspinnt sich ein verwirrendes Spiel aus Schaulust und Emotionsgeladenheit.</p>
<p>Immer wieder verkehrt Erpulat seine Handlungsstränge, bricht ironisch auf, was deutsch ist und was nicht. Identität ist bei ihm mit der Waffe forciert, die Forcierung mit der Waffe wiederum ist gespielt und das Spiel ist bei ihm Realität: „Ich zeige keine Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ich zeige den Blick auf diese Jugendlichen. Und das ist Realität“. Erpulats ästhetische Erziehung geht auf: ob Türke oder Kurde, Kopftuch oder dicke Eier, seine Schauspieler sind wirklich nur da „ganz Mensch, wo sie spielen“.</p>
<p>Wo dieses Spiel seine Grenzen hat, weiß am Ende keiner mehr so genau. Da ist er dann, der Spieltrieb, der uns antreibt, immer wieder Halt zu machen, vor dem, was wir vielleicht sind. „Ich bin ja kein Migrant, ich bin Ausländer“, sagt Erpulat grinsend und ist uns damit in Sachen Identität genau wie der Spieltrieb schon immer einen Schritt voraus.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20613" title="dorian_04" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/dorian_04.jpg" alt="dorian_04" width="430" height="285" /></p>
<p>Ähnlich verstellt und natürlich wieder doch ganz anders funktionierten die Bilder in Bastian Krafts „Dorian Gray“. Statt Dorians Porträt ins Turmzimmer zu packen, entwickelte Kraft – mehr Architekt als Regisseur – eine zerstückelte Leinwand, auf deren Monitore er Videoeinspielungen der Romanfiguren packt. Live zuschauen dürfen wir nur dem mit Gold überzogenen Dorian (Markus Meyer), der sich durch seine Videoprojektionen schlängelt.</p>
<p>Immer wieder starrt er ins Publikum, immer wieder gaffen uns in den Filmsequenzen Dorians Maler Basil und sein engster Vertrauter Lord Henry an (konsequenterweise auch gespielt von Markus Meyer). Wem gehören aber die Augen, die uns von der Bühne anblicken? Sind das Menschen, Romanfiguren oder einfach Bilder? Langsam kommt man dahinter, dass diese gestellten und gekünstelten Bildnisse auf der Bühne eigentlich uns spiegeln. Aber keine Angst, es ist alles nur Spiel. Auf dass sich dieser Satz bewahrheitet!</p>
<p>***</p>
<p>Das <a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/RadikalJung/festival.php" target="_blank">Radikal Jung</a>-Festival zeigt noch bis Samstag Nachwuchsregisseure und ihre aktuellen Arbeiten. Darunter erstmalig auch Produktionen aus dem europäischen Ausland, wie die Brüsseler Produktion „Life:Reset“ am Donnerstag.</p>
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		<title>Grenzübergänge</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 15:02:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Radikal Jung-Festival am Volkstheater lässt Grenzen verschwimmen: Während es Antú Romero Nunes mit seinem „Peer Gynt“ um die klassische Frage nach Theater und Wirklichkeit geht, setzen die Produktionen „Arab Queen“ aus Berlin und „God is a DJ“ aus Belgrad auf knallharten Sozialrealismus zwischen Ost und West.
Mit „Peer Gynt“ vom Schauspielhaus Frankfurt startete am Samstag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Radikal Jung-Festival am Volkstheater lässt Grenzen verschwimmen: Während es Antú Romero Nunes mit seinem „Peer Gynt“ um die klassische Frage nach Theater und Wirklichkeit geht, setzen die Produktionen „Arab Queen“ aus Berlin und „God is a DJ“ aus Belgrad auf knallharten Sozialrealismus zwischen Ost und West.</p>
<p><span id="more-20467"></span>Mit „Peer Gynt“ vom Schauspielhaus Frankfurt startete am Samstag Abend das Radikal Jung-Festival am Volkstheater. Ein Peer Gynt, der bei Antú Romero Nunes auf einer nur sporadisch mit Lichtröhren und Technikkisten ausgestatteten Bühne umher springt und Lügengeschichten spinnt. Die Grenze zwischen Wahnsinn und Genie, das sagt uns zumindest dieser Peer (Nils Kahnwald) in langen Unterhosen, ist eine, die mitten durch den Theatersaal läuft. Immer wieder fällt Kahnwald aus der Rolle, hat keinen Bock mehr auf die „Pathosscheiße“ oder beschimpft die Kostümbildnerin als „dumme Sau“, wenn plötzlich Peers Anzug fehlt.</p>
<p>Ist das nun der megalomanische Peer, der uns anbrüllt oder einfach nur ein überforderter Schauspieler, der auch mal gerne Regiefeder führen würde? Nunes verrät nicht, wo er die Grenze zwischen Theater und Wirklichkeit, zwischen Schein und Sein gezogen hat. Allerdings rüttelt er hier an einer Grenze, die man recht leicht verschwimmen lassen kann und das auch ohne seinen Hauptdarsteller splitterfasernackt in einer überlangen Videosequenz durch die bedrohliche Skyscraper-Landschaft der Frankfurter Innenstadt rennen zu lassen.</p>
<p>Irritierend ist es da eher, zu sehen, wie gut der Illusionszauber am Ende doch funktioniert:  Peer weiß weder ein noch aus, weiß nicht mehr, wer er ist noch wohin er soll, da springt plötzlich aus der Mitte des Publikums Solveig auf. „Glauben, lieben, hoffen“ ist das Zauberwort. Solange wir „glauben, lieben, hoffen“, wird schon alles gut. Immer wieder spricht sie ihre Formel und fordert das Publikum auf mit einzustimmen. Man hätte gut daran getan, in diesem Chor aus Glaube, Liebe und Hoffnung besser den Mund zu halten.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20469" title="PeerGynt4" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/PeerGynt4.jpg" alt="PeerGynt4" width="430" height="282" /></p>
<p>Ganz anders hält die Realität in „ArabQueen“ ihren Einzug. Wo das Theater anfängt und wo es aufhört, wirkt in der Inszenierung von Nicole Oder, die Teil der Neukölln-Trilogie des Berliner Heimathafen ist, eher nebensächlich. Die Regisseurin nimmt sich auf der Bühne der wahren Geschichte von Mariam an. Tochter eines streng muslimischen Vaters, der wenn es um Mariams Freiheiten geht, lieber die Faust sprechen lässt, wird Mariam zum Auffanglager allerlei Klischees über die arabische Welt.</p>
<p>Oders Inszenierung basiert auf einem dokumentarischen Roman der Journalistin Güner Balci, die Mariams Schicksal rund um Kopftuch, erste Liebe und Zwangsheirat eine Adressliste mit Notfallnummern für muslimische Frauen beigefügt hat. Da ist sie dann doch wieder, die Grenze: Nicht an Berlin, auch nicht an München richtet sich diese Geschichte, sondern eben an all jene Frauen, die sich in Mariams Schicksal wiederfinden und den Kulturclash mit dem unsicheren Blick <em>aus </em>der Fremde und nicht etwa der Schaulust <em>in</em> die Fremde erleben. Oders Sozialrealismus auf der Bühne hat seine Berechtigung und das nicht zuletzt durch die brillante Leistung der drei Schauspielerinnen, die ihre Rollenwechsel schneller hinbekommen, als wir „Identität“ sagen.</p>
<p>Trotzdem bleibt der bittere Nachgeschmack westlichen Gutmenschentums bestehen, wenn man zwar über eineinhalb Stunden hinweg an dem Unverständnis, das Mariam entgegengebracht wird, Anstoß nimmt, sie am Ende aber doch der Zwangsheirat überlassen muss. „Allah, gib das meine Sünden genau die gleiche Distanz zu mir nehmen wie der Westen zum Osten“, ruft Mariam am Ende ins Publikum und wird Recht behalten damit, dass der Fremde uns immer nur so fremd ist, weil wir ihn gerne so hätten.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20470" title="God is a DJ, photo by Djordje Tomic 8" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/God-is-a-DJ-photo-by-Djordje-Tomic-8.jpg" alt="God is a DJ, photo by Djordje Tomic 8" width="430" height="647" /></p>
<p>Von einem anderen Osten und einem anderen Westen erzählt Miloš Lolić in seiner Version von Falk Richters „God is a DJ“, die als eine der ausländischen Produktionen aus Belgrad zu Gast beim Radikal Jung ist. Erstmals haben die Juroren damit begonnen, radikale und junge Regieeinfälle auch über Deutschland hinaus zu suchen und haben in Lolić jemanden gefunden, der uns unsere Westler-Storys gerade so verkauft, als seien es schon immer seine gewesen.</p>
<p>Richter erzählt in seinem Stück eine neoliberale Web 2.0-Phantasie. „Er“ und „Sie“, beide Künstler und beide kreativ-authentisch, lassen ihren Alltag von zwei Webcams live ins Internet übertragen. „Er“ ist ein DJ, „Sie“ eine VJane, deren Glauben an das Big-Brother-Potential des Internets uns geradewegs in die 90er zurückversetzt. Dass diesem vielleicht überholten Techno-Trash noch eine ganz andere politische Brisanz als die des gläsernen Menschen innewohnt, beweist Lolić, wenn er seine Schauspieler in billigsten Synthetik-Klamotten allein auf der Vorderbühne an einer alten Schulbank ihre Gespräche führen lässt. Immer wieder wird ihr Zank und Zauder um den virtuellen Ich-Entwurf durch ranzige Techno-Beats von Snap oder Scooter unterbrochen.</p>
<p>Für uns längst vergessen, markieren diese Brüche für den Regisseur einen Trip, der bis heute anhält. Die Unruhen am Balkan sind längst nicht vergessen, ein Thema, das den Serben langsam aber sicher in den westlichen Theaterzirkus treibt. Komisch nur, dass er dabei weniger von uns lernt, als wir von ihm: „Sie“ dreht in ihrer Freizeit gerne Splatterfilme, die in Richters Fassung in Jugoslawien gedreht werden. Bei Lolić wird daraus Bosnien. Ein Bosnien, das die meisten Zuschauer in den Untertiteln jedoch überlesen. Während man noch mit der Frage beschäftigt ist, ob Raver-Hymnen für eine Theaterbühne nicht viel zu „90er“ sind, ist Lolić wahrscheinlich längst wieder über die Grenze und zurück in Belgrad. Seine Produktion war leider nur einmal während des Festivals zu sehen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20471" title="ArabqueenPressebild" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/ArabqueenPressebild.jpg" alt="ArabqueenPressebild" width="430" height="608" /></p>
<p>Für einen weiteren Grenzgänger, die Vorstellung von „Verrücktes Blut“ am Dienstag Abend, gibt es zwar leider keine Karten mehr. Wer möchte, kann sich aber am heutigen Montag den „Dorian Gray“ des letzjährigen Festivalgewinners Bastian Kraft ansehen. Als zusätzlichen Spielort nutzt das Volkstheater dieses Jahr außerdem die Reithalle, wo ebenfalls heute Abend „Stiller“ nach Max Frisch unter der Regie der Schweizerin Heike M. Goetze gezeigt wird.</p>
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		<title>Das neue Welttheater</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Apr 2011 17:56:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das diesjährige Radikal Jung-Festival am Volkstheater gibt sich weltmännisch: Von „Peer Gynt“ bis „Dorian Gray“, über „ArabQueen“ und „Verrücktes Blut“ mäandern die Produktionen durch einen neuen Trend: das Migrantentheater

„Ich bin nicht Stiller!“. Mit diesem Ausruf beginnt Max Frischs gleichnamiger Roman, der in einer Produktion des Schauspielhaus Zürich beim diesjährigen Radikal Jung-Festival des Münchner Volkstheaters gezeigt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das diesjährige Radikal Jung-Festival am Volkstheater gibt sich weltmännisch: Von „Peer Gynt“ bis „Dorian Gray“, über „ArabQueen“ und „Verrücktes Blut“ mäandern die Produktionen durch einen neuen Trend: das Migrantentheater</p>
<p><span id="more-20373"></span><img class="alignnone size-full wp-image-20372" title="RJ_PLAFrau_2011_RZ_web" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/04/RJ_PLAFrau_2011_RZ_web.jpg" alt="RJ_PLAFrau_2011_RZ_web" width="430" height="608" /></p>
<p>„Ich bin nicht Stiller!“. Mit diesem Ausruf beginnt Max Frischs gleichnamiger Roman, der in einer Produktion des Schauspielhaus Zürich beim diesjährigen <a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/RadikalJung/festival.php" target="_blank">Radikal Jung</a>-Festival des Münchner Volkstheaters gezeigt wird. Aufhänger des Festivals ist in diesem Jahr aber vielleicht weniger die Frage, <em>wer </em>wir sind, als vielmehr die Frage, <em>wo</em> wir sind. Das neue Welttheater heißt Migrantentheater und das wissen wir nicht erst seit dem großen Erfolg der Berliner Ballhaus-Inszenierung „Verrücktes Blut“, die als Kandidat bei den Mühlheimer Theatertagen und dem Berliner Theatertreffen schon jetzt Kassenschlager des Münchner Festivals ist.</p>
<p>Der türkische Regisseur Nurkan Erpulat macht Theater über Berlin, im Gegenzug inszeniert die deutsche Nicole Oder das Stück „ArabQueen“. Halb Portugiese, halb Chilene, aber in Tübingen geboren, präsentiert Antú Romero Nunes (heimlicher Liebling des Festivals im letzten Jahr) seine Version des ewigen Wanderers „Peer Gynt“.</p>
<p>Selbstvergessene Flaneure und Dandys findet man auch in der Bühnenfassung von „Dorian Gray“ des Wiener Burgtheaters und der Produktion „Life:Reset“, des Théâtre National Brüssel, in der eine Frau irgendwo am Rande zwischen Traum und Realität ihre Existenz zu finden versucht. Wanderschaft: offenbar ist es das, was uns in diesem Jahr radikal (und) jung macht.</p>
<p>Migration, Integration und Globalisierung hin oder her, auf der Reise von der Türkei nach London, über Zürich, Portugal, Brüssel und Wien nach München wird sich ja zeigen, ob wir dem, was wir sind, immer schon ein paar Meilen vorauseilen oder am Ende doch wieder nur ausgelaugt hinterhinken.</p>
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		<title>Walzer der Emotionen</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 23:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Schorsch Kamerun und Andreas Kriegenburg widmen sich in den Kammerspielen der Liebe &#8211; mit zwei ganz verschiedenen Abenden.

Endlich, endlich, ist wieder einmal Weihnachten. Aktuellen Umfragen zufolge und wider der Massenschieberei in der Kaufingerstraße wünschen sich 80% der Deutschen einfach nur Harmonie und&#8230; Liebe.
Nicht nur unterm Weihnachtsbaum wird die Liebe groß geschrieben, auch die Münchner Kammerspiele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schorsch Kamerun und Andreas Kriegenburg widmen sich in den Kammerspielen der Liebe &#8211; mit zwei ganz verschiedenen Abenden.</p>
<p><span id="more-16837"></span></p>
<p>Endlich, endlich, ist wieder einmal Weihnachten. Aktuellen Umfragen zufolge und wider der Massenschieberei in der Kaufingerstraße wünschen sich 80% der Deutschen einfach nur Harmonie und&#8230; Liebe.</p>
<p>Nicht nur unterm Weihnachtsbaum wird die Liebe groß geschrieben, auch die Münchner Kammerspiele haben sich das Thema mal schnell für die Adventszeit auf die Fahnen geschrieben.</p>
<p>Zuerst durfte die bewährte Krawallnudel Schorsch Kamerun ran. In seiner Erfindungsabend-Reihe, in der er mit anderen Kunstfexen wie Alexander Kluge oder Pollyester aktuelle Themen aus dem Spielplan performt, diskutiert und besingt, frage Kamerun pünktlich zum 2. Advent, was die Liebe denn eigentlich kostet. Der Abend wurde eine <em>open scene</em> mit viel Bier, Improvisation, Ironie und Expertentum. Dass das Sprechen über die Liebe, so spontan und flapsig man es auch halten mag, einen doch immer wieder einholt, wurde spätestens dann klar, als dem Psychoanalytiker Marcus Coelen auf der Bühne von Kamerun der Saft abgedreht wurde. Kamerun warf ihm vor, zu viel Experte zu sein und zu wenig über sich und seine Liebe zu erzählen. Authentizität, baby! Authentisch war an diesem Abend dann leider nur noch Kameruns verbrämter Regie-Narzissmus. Man konnte live dabei sein beim Aufstieg und Fall des Regie-Theaters und nach fast 3 Stunden Geschichten, Gefasel und Gesinge wusste man zumindest eines: Die Liebe, die hat auch und gerade im Theater recht viel mit Selbstliebe zu tun.</p>
<p>Aber ganz vorbei ist die Weihnachtszeit ja noch nicht. So wird denn der Liebe von denn Kammerspiele auch noch eine zweite Chance gegeben: Wer sein Feiertagsprogramm noch nicht völlig mit Gänseleber und Lebkuchen vollgestopft hat, dem sei Kriegenburgs „Alles nur der Liebe wegen“ am 25.Dezember ans Herz gelegt. Kriegenburg zeigt eine Revue mit und von der Liebe. In einem prunkigen und pompigen Spiegelsaal aus wunderbar kitischigem rosa Marmor lässt er je 3 Frauen und 3 Männer durch die Höhen und Tiefen der Liebe mäandern. Mal ist man glücklich zu zweit, mal glücklich allein, mal soundso niemals glücklich, denn wer kann denn heute noch glücklich werden, wenn keiner mehr die Liebe ernst genug nimmt und man sich den Partner aus den Portfolios der Kontaktbörsen und Speeddating-Agenturen aussuchen darf. Kriegenburg findet viele, nach wieder fast 3 Stunden fast zu viele Bilder für die Liebe. Von der Tombola, bei der man eine echte Umarmung von Wiebke Puls gewinnen kann, bis zum romantischen Walzer der nicht recht gelingen mag, weil der Schuh drückt. Vieles ist Klischee, einiges überspielt und manches sogar wahr. Aber so ist sie eben, die Liebe: Alles und nichts zugleich, eben unbeschreiblich.</p>
<p>Nur für den Fall, dass es nicht klappt mit der Liebe zu Weihnachten: In Kameruns nächstem Stelldichein am 30.01. geht es übrigens um „Evolution und Revolution“. Was ein Vorsatz fürs neue Jahr!</p>
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		<title>Meinungsmache</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/11/29/meinungsmache/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 14:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Premieren am Wochenende: Wenn es um den politischen Meinungszirkus geht, soll uns im Volkstheater bei Ibsens „Volksfeind“ ein Licht aufgehen. René Pollesch dagegen lässt bei &#8220;XY Beat&#8221; die Zuschauer in den Kammerspielen im Dunkeln. 

Feuilletons, akademischer Mittelbau und Pop-Literatur, alle reden sie momentan über das eine: den political turn. Lange sind sie vorbei, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Premieren am Wochenende: Wenn es um den politischen Meinungszirkus geht, soll uns im Volkstheater bei Ibsens „Volksfeind“ ein Licht aufgehen. René Pollesch dagegen lässt bei &#8220;XY Beat&#8221; die Zuschauer in den Kammerspielen im Dunkeln. <span id="more-16316"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-16317" title="Bild_02" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/Bild_02.jpg" alt="Bild_02" width="430" height="286" /></p>
<p>Feuilletons, akademischer Mittelbau und Pop-Literatur, alle reden sie momentan über das eine: den <em>political turn</em>. Lange sind sie vorbei, die Zeiten, als das Denken noch das Handeln bestimmt hat und man mit ein wenig vernunftgeleiteter Kritik und ein bisschen schmutzige Wäsche Waschen ganze Regierung in die Knie gezwungen hat. Nein, nein, heute setzt man nicht mehr beim Denken sondern gleich beim Sprechen an, wenn es darum geht, politisch zu sein. Wer keine Stimme hat, der hat auch keinen Platz in der Politik, gezählt wird nur der, den man auch hört.</p>
<p>In diesen Chor stimmt nun auch die Münchner Theaterlandschaft ein, nimmt ihren vermeintlich politischen Bildungsauftrag dabei jedoch manchmal ein bisschen zu ernst.</p>
<p>So zum Beispiel am vergangenen Donnerstag im Volkstheater bei der Premiere von Ibsens „Ein Volksfeind“ unter der Regie von Bettina Bruinier. Es ist schon komisch, dass wir, das Volk, sobald man politisch mal wieder nur in trüben Gewässern schwimmt, den einen großen Helden benötigen, der uns aus dieser Lethargie reißt. So auch Ibsens Stockmann, der aller Politmache und Volksverhetzung zum Trotz versucht, einen Umweltskandal in seinem idyllischen Kurort aufzudecken. Stockmann sagt die Wahrheit, die Politikmache degradiert ihn zum Lügner und das Volk lässt ihn zum Volksfeind ausrufen. Ironie des Schicksals, doch was ein echter Held ist, trägt´s mit Fassung und so bleibt Stockmann am Ende denn auch lieber unter Feinden wohnen, als mit seiner Familie ins vielbeschworene Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Meinungen, auszuwandern. Statt mit der Umkehrbarkeit von Wahrheit und Lüge zu spielen, greift Bruinier in ihrer Inszenierung jedoch zielsicher jede Plattitüde aus Ibsens Drama heraus und transponiert sie schlicht ins 21. Jahrhundert.</p>
<p>Digitale Medien, wie Wikipedia, youtube und die unübersichtliche Schwemme aus Online-Nachrichten sind es, die uns manipulieren. Allsichtbar wird das Internet vom Laptop auf die Bühnenwand projiziert und doch verliert jeder den Überblick, wenn die Google-Recherchen des Zeitungspraktikanten Billing (Stefan Ruppe) zwischen „Postgeheimnis“, „William Hogwarth“ und „nude party“ mäandern. „Die Wahrheit ist eine Frage der Darstellung“, sagt „Volksboten“-Chefredakteur Hovstad (Jean-Luc Bubert) und ja, wir haben längst die Kontrolle über das verloren, was uns an Informationen aus Politik, Wirtschaft und Sport zugespielt wird.</p>
<p>Wenn solche Statements jedoch mit hochpathetischem Gestus ins Publikum deklamiert werden und am Ende bei hell erleuchtetem Saal das Publikum mit abstimmen darf, ob er nun ein Volksfeind ist oder nicht, der Stockmann (Friedrich Mücke), hält die Volksverdrehung wohl langsam ihren Einzug nicht nur in der Medien- sondern auch der Theaterlandschaft. In einer Zeit, in der man doch längst weiß, das Lug und Betrug ganz oben auf der Agenda stehen, kommt Bruniers Versuch, das Publikum endlich wach zu rütteln, leider zu spät. Der Diskurs ist schon weitergetrabt und hat nicht etwa da halt gemacht, wo der im Programmheft zitierte Colin Crouch in den 90ern unter Postdemokratie noch eine medienmanipulierte Politlandschaft versteht.</p>
<p>Heute ist Post-Postdemokratie, eine Demokratie, in der man eigentlich alles sagen darf, in der man sich überall immer mit allen Informationen versorgen kann, in der nun wirklich jeder mit seiner ganz individuellen Wahrheit sein Plätzchen findet. Ein geradezu paradiesischer Zustand freier Meinungsäußerung. Diskurs, baby! Und wo der Diskurs, da René Pollesch nicht weit. Am Samstag Abend in den Kammerspielen hat er in seinem neuen Stück „XY Beat“ mal wieder bewiesen, dass er sie alle gelesen hat, die Rancières, Badious und Disco-Popper, die in der absoluten Meinungsfreiheit noch irgendwie versuchen, Politik und Subkultur zu machen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-16322" title="pollesch" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/pollesch.jpg" alt="pollesch" width="430" height="285" /></p>
<p>Pollesch steckt seine vier Schauspieler (Silja Bächli, Katja Bürkle, Benny Claessens, Fabian Hinrichs) abwechselnd in seidene Kimonos und glitzernde Discoutfits. Das ergibt unterm Strich mehr Show als Theater. Seine Figuren lässt er dabei zu dem werden, was sie eigentlich sind, nämlich nicht etwa Figuren, sondern bloß sprechende Körper. Alle vier suchen sie nach etwas, dass „an Ungenauigkeit noch unter der Meinung“ angesiedelt ist, alle vier plappern sie um ihr Leben. Statt Meinung fordern sie Klatsch und Tratsch im Treppenhaus.</p>
<p>Und irgendwie geht Polleschs Plan, die Meinungsmache nicht etwa zur Moralkeule sondern zum Treppenwitz der Gesellschaft zu machen, sogar auf: Schwitzend, stöhnend und keuchend stehen die vier Glamourpuppen am Ende der Vorstellung vor der Bühne. Wenn die Meinung wegfällt, bleibt nur noch sinnloses Gefasel. Den Diskurs des Politischen  auf die Bühne bringen,das ist eben doch ein Ding der Unmöglichkeit. Dieses Licht geht einem nicht auf, wenn im Volkstheater die Strahler plötzlich aufs Publikums gelenkt werden, sondern man die Spots einfach mal ausknipst, so wie das Pollesch in seiner Inszenierung tut.</p>
<p>Die Politik, die ist mittlerweile wohl genau da, wo wir nicht sind, wo wir sie weder sehen noch hören können.</p>
<p>&#8230;&#8230;..</p>
<p><em>Foto: Arno Declair, Julian Röder<br />
</em></p>
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		<title>Die Discofizierung der Münchner Stadtkultur</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 18:25:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Kammerspielen steht am Samstag alles unter dem Stichwort Disco.


Punk, Pop, Rave und Disco-Glitter gäbe es morgen gleich zweimal in den Kammerspielen. Zuerst verwandelt René Pollesch  in seinem neuen Stück XY Beat den Werkraum in eine Party-Zone und lässt eventuell nicht nur die Diskurs-Puppen tanzen. Das Stück ist zwar ausverkauft, aber danach gibt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Kammerspielen steht am Samstag alles unter dem Stichwort Disco.</p>
<p><span id="more-16247"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-16251" title="disco" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/disco.jpg" alt="disco" width="430" height="286" /></p>
<p>Punk, Pop, Rave und Disco-Glitter gäbe es morgen gleich zweimal in den Kammerspielen. Zuerst verwandelt René Pollesch  in seinem neuen Stück <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/programm/xy-beat/" target="_blank">XY Beat </a>den Werkraum in eine Party-Zone und lässt eventuell nicht nur die Diskurs-Puppen tanzen. Das Stück ist zwar ausverkauft, aber danach gibt es das alles auch zum Mitmachen und Anfassen, dann spielt der Haus-DJ der Kammerspiele, Zombo-Combos DJ Mooner, Musik zum Tanzen in der neuen Premierenpartylocation im Foyer der Spielhalle. Der Eintritt ist frei!</p>
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		<title>Blut und Spucke</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 07:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Schlacht um Deutschland: Armin Petras&#8217; ganz und gar unpatriotische Herrmannsschlacht hatte in den Kammerspielen Premiere.

Das Jahr 9 n. Ch. im Teutoburger Wald: Der römische Feldherr Varus verbündet sich mit dem Suebenfürst Marbod gegen den Cherusker Herrmann. Auch mit Herrmann will sich Varus verbünden, der nimmt dankend an, durchschaut aber Varus doppeltes Spiel und verbündet sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schlacht um Deutschland: Armin Petras&#8217; ganz und gar unpatriotische Herrmannsschlacht hatte in den Kammerspielen Premiere.</p>
<p><span id="more-15067"></span><img class="alignnone size-full wp-image-15068" title="herrmann" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/herrmann.jpg" alt="herrmann" width="430" height="290" /></p>
<p>Das Jahr 9 n. Ch. im Teutoburger Wald: Der römische Feldherr Varus verbündet sich mit dem Suebenfürst Marbod gegen den Cherusker Herrmann. Auch mit Herrmann will sich Varus verbünden, der nimmt dankend an, durchschaut aber Varus doppeltes Spiel und verbündet sich wiederum mit Marbod, dem das wirre Strategiespiel des Römers langsam zu dumm wird. Gemeinsam schlagen die Germanen die Römer schließlich in die Flucht und aus dem Land.</p>
<p>Heimliche Bande und Intrigen werden ordentlich geknüpft in Kleists &#8220;Hermannsschlacht&#8221;. Als kriegerischer Nationalmythos der alten Germanen mit ordentlich Blut-und-Boden-Metaphorik wurde Kleists Stück dann auch munter von den Nationalsozialisten zweckentfremdet, was das Stück auf heutigen Bühnen alles andere als salonfähig erscheinen lässt. Und doch, am letzten Freitag in den Kammerspielen ist es Armin Petras gelungen, einen für das 21.Jahrhundert endlich passgenauen Kleist auszuklüngeln, der uns mit dem nötigen Quantum Abstraktion vor allem Folgendes sagen will: Macht wollen wir alle, denn damit wird man reich und sexy.</p>
<p>Petras, Handwerker und Regiegenie zugleich, kramte lange genug in seiner Wühlkiste, um mit Nebelmaschine, Lightshow, extrem reduziertem Bühnenbild und vor allem betont körperlicher Schauspielarbeit Kriegsbilder zu finden, die eben nur das Theater so eindrücklich hinbekommt. Der Teutoburger Wald wird schlichtweg in ein paar riesige Schaumstoffbarren umgemodelt, auf denen die Germanen das Kriegs-Wirrwarr aus Intrigen und Machtspielchen mal wutschnaubend und trittsicher, mal behutsam und wackelig bestreiten. Zuvorderst hockt in sich gekauert der eigentlich doch so listige Hermann, &#8220;Befreier der Germanen&#8221;, der bei Peter Kurth zu einem bräsigen Dickerchen wird, von dem man nicht genau weiß, ob er da vorne in seiner Ecke eifrig Pläne schmiedet oder dem Krieg schon überdrüssig wird.</p>
<p>Überhaupt kommen sie alle ein bisschen vernachlässigt daher, die Germanen. Petras macht aus ihnen ein trübes Barbarenvolk mit ausgewaschenen Shirts und zerknitterten Hosen, aus denen die nackten, verdreckten Füße ragen. La dolce vita gibt es nämlich nur bei den Römern: Mit polierten Budapestern und im Smoking kommen sie daher. Die Römer, das sind auf der Bühne vor allem die vier Jungs vom Modern String Quartet, die mit einer Filmmusik à la „Gladiator“ aufspielen und dem Abend so den pathetischen Unterton verleihen, der ihm sonst glücklicherweise fehlt.  Außerdem ist da noch der römische Legat Ventidius (schön geschleckt: Edmund Telgenkämper), der in einer Mischung aus Bond, Bodyguard und Barmann Hermanns Frau Thusnelda (wie immer urkomisch und tieftragisch zugleich: Wiebke Puls) umgarnt. Thusnelda hat nichts gegen ein wenig Bond-Girl einzuwenden und von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt schnallt sie sich sogleich die roten Pumps an. Doch Ventidius will Thusnelda nicht etwa an die rote Unterwäsche, sondern nur ihre schönen blonden Locken für die Geliebte zuhause mopsen. Thusnelda kommt ihm auf die Schliche und rachedurstig und gnadenlos wie die Germanenweiber nun mal sind, lässt sie ihn im Bärengehege zerfleischen. Das Ganze findet seinen Ausdruck in drei von der Decke hängenden Mikrophonen, in die die Schauspieler die blutige Szenerie abwechselnd brüllen, zischen und hauchen und den Zuschauer dabei ganz seinen eigenen, geheimsten Gewaltphantasien überlassen.</p>
<p>Mord und Totschlag bleiben bei Petras überhaupt nur angedeutet: Die von den Römern geschändete Tochter des Waffenschmieds, die Hermann sogleich in 15 Teile zerstückeln lässt und an die Germanenvölker schickt, um ihren Rachedurst gegen die Römer zu schüren, wird bei Katharina Hackhausen zur splitterfaßernackten Unschuld, deren keuscher Körper von den Männern in der Runde kurzerhand 15 Mal bespuckt wird. Der nasse Schleim auf ihrem weißen Rücken lässt Schockeffekt und Erniedrigung dabei besser zum Tragen kommen, als es Kunstblut und Schlägerei je hätten leisten können.</p>
<p>Wie Indianerhäuptlinge mit roter Kriegsbemalung und in roten Boxershorts rüsten sich die wilden Cherusker schließlich zum letzten Aufbegehren gegen die Römer. Da hilft Varus selbst sein Drängen auf Kriegsrecht und Verschonung nicht mehr: wer schwächelt, der fliegt. Hermann triumphiert und bekommt als Siegestrophäe sogleich von seinem Volk die blutigen Schwerter der Römer in die Hosenbeine gesteckt. Staksig und schwerfällig humpelt er von der Bühne, immerhin ist noch lange nicht Ruhe: &#8220;Nach Rom selbst mutig aufbrechen&#8221; will Hermann. Krieg ist schließlich Krieg. Wer einmal Blut geleckt hat, der hört so schnell nicht wieder auf.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><em>Foto: Julian Röder<br />
</em></p>
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		<title>The Great Escape</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 12:49:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Alvis Hermanis zeigt in der Premiere von &#8220;Ruf der Wildnis&#8221;  in den Kammerspielen Hunde und graue Melancholie &#8211; die Kammerspiele selbst zeigen sich nach Intendantenwechsel ganz in weiß und schwarz.


Von dieser kosmischen Traurigkeit, von der unausweichlichen Einsamkeit, die uns alle umgibt, will Alvis Hermanis in seinen Inszenierungen erzählen. So auch in „Ruf der Wildnis“ nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alvis Hermanis zeigt in der Premiere von &#8220;Ruf der Wildnis&#8221;  in den Kammerspielen Hunde und graue Melancholie &#8211; die Kammerspiele selbst zeigen sich nach Intendantenwechsel ganz in weiß und schwarz.</p>
<p><span id="more-14759"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-14760" title="rdw" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/rdw.jpg" alt="rdw" width="430" height="281" /></p>
<p>Von dieser kosmischen Traurigkeit, von der unausweichlichen Einsamkeit, die uns alle umgibt, will Alvis Hermanis in seinen Inszenierungen erzählen. So auch in „Ruf der Wildnis“ nach Jack Londons Abenteuerschinken, den Hermanis am vergangenen Freitag in den Münchner Kammerspielen präsentierte.</p>
<p>Mit Einsamkeit und Traurigkeit war es dann jedoch nicht weit her, feiern doch die Kammerspiele gerade ausgelassen neue Intendanz und neues Image. Der Holländer Johan Simons wird in nächster Zeit die Geschicke der Münchner „Kammer“ leiten. Das erste Kräftemessen gab es bereits am Donnerstagabend als Simons mit „Hotel Savoy“ von Joseph Roth einen entsprechend grandiosen Spielzeitauftakt auf die Bühne brachte. Doch nicht nur den ein oder anderen neuen Regisseur haben die Kammerspiele gewonnen, auch sonst scheint alles anders: Ob in der U-Bahn, auf dem Marienplatz oder in der „In München“, überall leuchten einem die schwarz weißen Plakate entgegen, deren Optik zwischen Western-Salon und Jahrmarkt-Ästhetik changiert. Vergessen sind die quietschbunten Reklamezettel und Schaukästen, vergessen auch die längst überfälligen Spielzeitmotti der Baumbauer-Ära. In getragenem Schwarz-Weiß sind nun auch Schauspielhaus, Werkstattbühne und die neu eröffnete Spielhalle gehalten.</p>
<p>In der Grauzone dazwischen bleibt leider Hermanis Inszenierung hängen. Bei all dem Bling-Bling und Glamour, mit dem die Kammerspiele momentan aufwarten, mag man sich nicht so recht einlassen auf Hermanis allzu melancholisches Reality-Theater: Der Vorhang fährt hoch, im Hintergrund  der zutiefst rührende Song „The Great Escape“ von Patrick Watson, auf einer Ansammlung billiger Orientteppiche sechs verschlissene Sofas und obendrauf je ein Hund, der einen mit tieftraurigen Augen anblickt. Bonjour tristesse! Den Sozialwohnungs-Schick behält Hermanis dann auch konsequent bei. Über Einsamkeit wollte er erzählen, sechs Hundebesitzer hat er in gemeinsamer Recherche mit seinen Schauspielern auf die Bühne gebracht. Und die sind – überraschend oder nicht – allesamt Verlierer und Außenseiter. Da ist Elvira (Anette Paulmann spielt die blondierte Hausfrau im glitzernder Viskosetop sehr nuanciert und hält sie konsequent an der Schwelle zum völligen Zusammenbruch), deren Tochter vom Auto überfahren wurde und die sich seitdem immer von ihrem Hund Möppi begleitet in einen völlig verblendeten Katholizismus flüchtet. Und Harald (Walter Hess in gewohnt markant-militärischer Sprachmanier), der Firma und Frau verloren hat, unter Bauschutt begraben jedoch den Mischling Tobi findet, mit dem er ein neues Leben in trauter Zweisamkeit beginnt. Dragan, der serbokroatische Polizeibeamte, dessen Streifen-Schäferhund gerne mal Pennern im Englischen Garten die Bauchdecke aufreißt (fantastisch: ein wieder mal grenzdebiler Thomas Schmauser, dessen Auftritt an seine Zeiten als fränkischer Kommissar erinnert). Vanessa (Katharina Schubert im Sarah Connor-Look), die tagsüber alte Herren in teuren Cafés um eine Cappuccino mit extra viel Milchschaum bezirzt, bis sie abends mit ihrem Pudel Prinz Poldi zum Fernsehen in ihr Einzimmerloch zurückkehrt. Franzine (eine unglaubliche Travestie-Show von Kristof van Boven), der zwar ihr Mops Zorella die Treue hält, dessen Ehemann sie jedoch längst wegen ein paar thailändischen Massagemädchen sitzen gelassen hat. Und schließlich Erik (Benny Claessens), der Kämpfer an der Animal Liberation Front, der mit seinen fettigen und kratzigen Dreadlocks, seinem Death Metal Outfit und seinem mächtigen Bauchumfang eigentlich aussieht wie ein harmloser Zivildienstleistender aus dem Tierheim. Gescheiterte Sozialfälle, Menschen wie du und ich. Und wenn einem gar nichts mehr bleibt, dann kann man ja immer noch auf den Hund kommen.</p>
<p>Ihr Vater habe die Familie verlassen als sie noch sehr klein war, erzählt Vanessa. Klar, was auch sonst. Immerhin hat er ihr vor seinem Weggang regelmäßig aus Jack Londons „Ruf der Wildnis“ vorgelesen. Der Roman wird abschnittweise anzitiert und dient als Folie für animalische Ausbrüche der Schauspieler. Sobald die Geschichte des Goldgräber-Hundes Buck anklingt werden die dressierten Filmhündchen zum schmucken Beiwerk der Inszenierung und das Tier in einem jeden von uns wird geweckt. Abwechselnd bellen, schnüffeln und beißen sich die sechs Schauspieler durch die Sofalandschaft. Das wirkt zum Teil komisch, denn das sind Tierimitationen ja nun immer. Zum Teil driftet die Animal-Show jedoch ins Belanglose bis Abstoßende ab, spätestens dann, wenn Benny Claessens als Buck angeschirrt wird und sich dazu mit voller Leibesfülle über die Bühne wälzt, dabei keucht, schwitzt, knurrt und immer wieder die Unterhose verliert.</p>
<p>„The great escape“? Hermanis bedient vieles. Die Sehnsucht nach dem back to basic in der kulturellen Verblendung. Er weckt unseren Voyeurismus den sozial Randständigen gegenüber, deren ach so authentische Lebensgeschichten dann vom alteingesessenen Abonnement-Publikum belächelt oder bemitleidet werden können. Das Pathos des „Das-könnte-auch-dein-Nachbar-sein“ lässt Hermanis von seinen Darstellern dann auch voll ausspielen. Eigentlich sitzen wir doch alle im selben Boot mit unserer kosmischen Traurigkeit. Und doch wird Hermanis Hunde-Zirkus am Ende mit begeisterten Standing-Ovations und geringschätzigen Buhrufen zugleich quittiert. Worin er jedoch Recht behält: Mit seinem Tränen-Trigger-Theater verhält es sich wie mit einem Hundespaziergang. Für die einen ein notwendiges Übel, für die anderen die zwei schönsten Stunden des Tages.</p>
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		<title>Bahnhof, Busse, Bunker und Balkan-Beats</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/06/15/bahnhof-busse-bunker-und-balkan-beats/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 10:58:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kammerspiele feiern rund ums südliche Bahnhofsviertel das Festival Munich Central – ein Lagebericht


Alle schauen sie Fußball. Naja fast. Während München in Biergärten über Spielstrategien und Mannschaftsaufstellungen fachsimpelt, haben es die Münchner Kammerspiele geschafft eine ganz andere Stadt-Enklave zu schaffen. Mit wohlgemerkt nicht weniger Public-Viewing-Feeling als bei manch einem WM-Spiel. Noch bis zum 25.6. kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kammerspiele feiern rund ums südliche Bahnhofsviertel das Festival Munich Central – ein Lagebericht</p>
<p><span id="more-11584"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-11604" title="stbild_4176_gr" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/06/stbild_4176_gr1.jpg" alt="stbild_4176_gr" width="430" height="323" /></p>
<p>Alle schauen sie Fußball. Naja fast. Während München in Biergärten über Spielstrategien und Mannschaftsaufstellungen fachsimpelt, haben es die Münchner Kammerspiele geschafft eine ganz andere Stadt-Enklave zu schaffen. Mit wohlgemerkt nicht weniger Public-Viewing-Feeling als bei manch einem WM-Spiel. Noch bis zum 25.6. kann man sich im Rahmen des Stadtprojekts <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/index.php?URL=index.php%3F%26SeitenID%3Dhome" target="_blank">Munich Central</a> Inszenierungen, Konzerte, Lesungen und Stadterkundungen anschauen. Zentral daran ist der Ort: das südliche Bahnhofsviertel, das schon immer mit Multikultur und Gemüseladen-Charme gelabelt wurde, doch wohl selten zuvor so sehr als Teil der Münchner Subkultur gefeiert wurde.</p>
<p>Im Zentrum weiterhin: Die Bewohner und Menschen, die dieses Viertel erst zum Viertel machen. So haben die Kammerspiele in einem ehemaligen Import-Export-Laden in der Goethestraße 30 eine gemütliche Bar eingerichtet, in der am Wochenende regelmäßig Bands wie Gitanes Blondes, Respect Us! oder die Munich Freedom Hothouse Band mit Balkan, Klezmer, Jazz und Hip Hop auffahren. Die Geschichte eines Bunkers direkt unter &#8220;Gleis 11&#8243; des Münchner Bahnhofs – ehemaliger Umschlagplatz für Gastarbeiter – nutzt Christine Umpfenbach um mit Soundcollagen von Gomma-Vertreter Jonas Imbery und Monologen von Paul Brodowsky, die aus Zeitzeugenberichten der Asylbewerber zusammengestellt wurden, unkonventionelles Dokumentartheater zu machen. Der altbekannte Allrounder Bülent Kullukcu erzählt in seiner Inszenierung &#8220;Rettet die Vögel&#8221; im Doppeldeckerbus die Geschichte der Spieler und Trinker, die im Anonymat des Bahnhofsbrachlands untergehen. Sylvia Sobotka, Regie-Studentin an der Otto Falckenberg Schule, zeigt schließlich erstmals ihre Hommage an polnische Putzfrauen. Ihre selbsternannte theatrale Weiterqualifizierung &#8220;Polnische Cousinen&#8221; hat am Freitag um 18 Uhr Premiere im Festivalzentrum, also in der Import Export Bar in der Goethestraße 30.</p>
<p>Keine Angst, bis dahin ist das Spiel schon vorbei. Und Bier, ja Bier gibt´s da natürlich auch!</p>
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		<title>Für München und gegen Gott</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/06/07/fur-munchen-und-gegen-gott/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 09:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Kriegenburg kommt zum Gastspiel an die Kammerspiele &#8211; und Neu-Intendant Johan Simons gewährt erste Einblicke in die kommende Spielzeit.


Ein Preis jagt den anderen. Das gilt wohl nicht nur für den Regisseur Andreas Kriegenburg, als auch für die mittlerweile nicht mehr ganz so junge Nachwuchsautorin Dea Loher. Dass die Kombination aus verschwurbelten szenischen Versatzstücken und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Andreas Kriegenburg kommt zum Gastspiel an die Kammerspiele &#8211; und Neu-Intendant Johan Simons gewährt erste Einblicke in die kommende Spielzeit.</p>
<p><span id="more-11171"></span></p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-11174" title="diebe" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/06/diebe-300x225.jpg" alt="diebe" width="300" height="225" /></p>
<p>Ein Preis jagt den anderen. Das gilt wohl nicht nur für den Regisseur Andreas Kriegenburg, als auch für die mittlerweile nicht mehr ganz so junge Nachwuchsautorin Dea Loher. Dass die Kombination aus verschwurbelten szenischen Versatzstücken und den phantastisch bis surrealen Bildern, die Andreas Kriegenburg dazu findet, eine gute ist, hat zuletzt die Jury des Berliner Theatertreffens 2010 bestätigt und Lohers letzten Text „<a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/index.php?URL=index.php%3F%26SeitenID%3Dstueck%26ID%3D1129%26menu1%3D2%26menu2%3D2%26zurueck%3DZur%25FCck%2Bzur%2BSpielzeit%26Vorschau%3D" target="_blank">Diebe</a>“ unter Kriegenburgs Regie zu einer der „bemerkenswertesten Inszenierungen“ der letzten Spielzeit gekrönt. Die Produktion, die im Januar am Deutschen Theater Berlin Premiere feierte, ist am Mittwoch und Donnerstag als Gastspiel an den Münchner Kammerspielen zu sehen. Noch ist die Karten-Ampel gelb.</p>
<p>Lohers Text mäandert tragisch und komisch zwischen Menschen und ihrem Alltagsmist. Da gibt es Finn, den Versicherungsmakler, dem das Maklern keinen Spaß mehr macht, seine Schwester Linda, die vorm Konkurs steht, Monika vom Supermarkt und das Ehepaar Schmitt im Verfolgungswahn. Kriegenburg packt Lohers Portrait vom Misslingen des Alltags in eine gleißend weiße Box und überlässt das Personenwirrwarr den ganz großen Schauspielern wie Jörg Pose und Susanne Wolff, die mit ihm von Hamburg nach Berlin gekommen sind.</p>
<p>Wer es diese Woche nicht schafft, sich vom Joint-Venture aus Kriegenburg und Loher überzeugen zu lassen, der sei auf die Münchner Erfolgsgeschichte dieser Partnerschaft verwiesen. Am 21.06. wird noch einmal  &#8220;Land ohne Worte/Berliner Geschichte&#8221; mit der fantastischen Wiebke Puls am Rande des körperlichen wie sprachlichen Zusammenbruchs gespielt.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="430" height="345" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/m9KSVajLufI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="430" height="345" src="http://www.youtube.com/v/m9KSVajLufI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Und schlussendlich gewährt Johan Simons erste Einblicke in seinen Intendanten-Auftakt zur nächsten Spielzeit 2010/2011. Das Interimsjahr unter der Leitung der Dramaturgenriege ist vorbei, die lästigen Spielzeitmotti sind abgeschafft, Simons erobert sich die Maximilansstraße. Bis jetzt gibt es nur eine <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/microsite/" target="_blank">neue Website</a>, puristisch in Schwarz-Weiß gehalten. Darauf ein langes Bekenntnis von Simons zu München und gegen Gott. Neue Räume, neue Schauspieler und neue Regisseure werden ebenfalls kommen. Was bleibt, ist unter anderem das Traumspiel Kriegenburg: „Alles nur der Liebe wegen“, geschrieben, getischlert und inszeniert von ihm ganz alleine wird im Dezember Premiere feiern.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sent back to Munich</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/05/22/sent-back-to-munich/</link>
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		<pubDate>Sat, 22 May 2010 08:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[mucmusi]]></category>

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		<description><![CDATA[Feiertagsmusik: Die Deggendorfer Missent to Denmark mit neuem Album &#8211; und einem Auftritt beim Theatron.


Sie sind wieder da: Nach dem Release ihres Albums „I am your son“ im April und nach einer Tour quer durch Deutschland sind Missent to Denmark letzte Woche wieder da angekomme, wo sie her- und hingehören: in München.  Ihr Feiertags-Konzert im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Feiertagsmusik: Die Deggendorfer Missent to Denmark mit neuem Album &#8211; und einem Auftritt beim Theatron.</p>
<p><span id="more-10774"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-10776" title="l_eddc0adfe05840a9b0690268d2ae9d83" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/05/l_eddc0adfe05840a9b0690268d2ae9d83.jpg" alt="l_eddc0adfe05840a9b0690268d2ae9d83" width="430" height="298" /></p>
<p>Sie sind wieder da: Nach dem Release ihres Albums „I am your son“ im April und nach einer Tour quer durch Deutschland sind Missent to Denmark letzte Woche wieder da angekomme, wo sie her- und hingehören: in München.  Ihr Feiertags-Konzert im Ampère an Christi Himmelfahrt war wohl genau das, was Zuhörer wie Band am Ende eines solchen Mammut-Tripps gebraucht haben.</p>
<p>Melancholisch, verträumt und verpoppt zugleich gaben sich die Jungs. Es sei schön, wieder zuhause zu sein und jetzt seien sie einfach nur glücklich, so Marcus Graßl, Gitarist des Songwriter-Gitarrenpop-Wurfes aus Deggendorf. Wobei: was heißt es bei Missent to Denmark schon Gitarist zu sein? Denn genauso wenig, wie man die Band unter irgendeine Kategorie à la Independent Brit-Pop packen kann, lässt sich sagen, wer da eigentlich was macht. Virtuos und dabei fast selbstverständlich tauschen die Jungs ihre Instrumente, Gitarre gegen Schlagzeug,  Gesang gegen Glockenspiel und E-Piano gegen E-Sampler. Einzige Konstante bleibt dabei die eunuchengleiche Stimme von Stephan Gillmeier, der immer wieder knapp an der eigentlichen Melodie vorbeisingt. Ein vielmehr charmantes, also dissonantes Markenzeichen der Band.</p>
<p>Zwischen Freunden, Fans und zufällig Vorbeigekommenen stimmen Missent to Denmark zum Abschluss ihres Klangzirkus quer ch alle Facetten der Pop-Rock-Bewegung der letzten Dekade den grandiosen Song „Where are my glasses?“ ihres neuen Albums an. Glasklar, unverblümt und einfach schön.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="430" height="323" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/q-w9RaXsOEs&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="430" height="323" src="http://www.youtube.com/v/q-w9RaXsOEs&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Am morgigen Pfingstsonntag macht Missent to Denmark bei freiem Eintritt erneut Feiertagsmusik: Um 16.45 Uhr spielt die Band auf dem Münchner<a href="http://www.theatron.de/2010p/02.php#zeit1930" target="_blank"> Theatron Festival</a>.</p>
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		<title>Radikales Recycling</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/04/19/radikales-recycling/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 11:20:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Radikal-Jung-Festival am Münchner Volkstheater gewinnt „Amerika“ den Publikums- und Kritikerpreis – und zeigt, dass radikales junges Theater auch radikal traditionelles Theater sein kann. Ein Abschlussbericht.

Große Entwicklungen: das ist alles, was sich Bastian Kraft in seiner Dankesrede noch wünschen konnte, nachdem er am vergangenen Freitagabend nun offiziell zum Publikums- und Kritikerliebling des diesjährigen Radikal-Jungs-Festivals am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Radikal-Jung-Festival am Münchner Volkstheater gewinnt „Amerika“ den Publikums- und Kritikerpreis – und zeigt, dass radikales junges Theater auch radikal traditionelles Theater sein kann. Ein Abschlussbericht.</p>
<p><span id="more-9336"></span><img class="alignnone size-full wp-image-9337" title="AMERIKA2_th-300x200" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/AMERIKA2_th-300x2001.jpg" alt="AMERIKA2_th-300x200" width="300" height="200" /></p>
<p>Große Entwicklungen: das ist alles, was sich Bastian Kraft in seiner Dankesrede noch wünschen konnte, nachdem er am vergangenen Freitagabend nun offiziell zum Publikums- und Kritikerliebling des diesjährigen Radikal-Jungs-Festivals am Volkstheater ausgerufen wurde. Mit seiner Inszenierung von Franz Kafkas „Amerika“, die das Romanfragment gekonnt auf nur einen Darsteller (Philipp Hochmair) in einem verspiegelten Glaskasten reduziert, überzeugte Kraft nicht nur die Zuschauer, sondern gewann auch den Kritikerpreis des Festivals. Neu war in diesem Jahr die von Jens Hillje geleitete Masterclass aus jungen wie radikalen Regiestudenten, die das Festival mit Lob und Kritik eine Woche begleiten durften. Auch sie durften einen Preis vergeben, der am Freitag an Antú Romero Nunes, Regisseur von Schillers „Geisterseher“ und heimlicher Star des Festivals ging. Ein paar mitleidsvolle Blicke trafen Nunes, ein paar verärgerte die Jury, als der Doppelsieg von „Amerika“ verkündet wurde. Dementsprechend dann auch tosender Applaus, als zumindest die Masterclass ihren neuen Meister auserkoren hatte.</p>
<p>Das Publikum schien offenbar gespalten. Schon gegen Ende der Woche zeichnete sich das gemischte Doppel aus Nunes und Kraft ab. Das mag auch daran gelegen haben, dass die letzten Arbeiten, die gezeigt wurden, weniger aufschlussreich oder gar vielversprechend für junges Radikaltheater waren. Johannes Schmits „Im Pelz“, eine Variation und Hommage auf die altgediente „Venus im Pelz“ von Sacher-Masoch, erzählt behutsam und flauschig die Geschichte des jungen Bourgeois Severin von Kusiemski, der sich zum Sklaven der gutbetuchten wie gutbeleibten Wanda von Dunajew macht. Geschickt: Schmit verzichtet auf allzuviel Domina-Ästhetik, setzt lieber auf fahles Licht und sanfte Gewalt seiner beiden wohlgemerkt weiblichen Schauspieler. Ein sinnlicher Abend, der jedoch an einem Thema scheitert, das unsere Phantasie und Imagination längst zur Genüge durchgespielt hat.</p>
<p>Und dann am Freitagabend zum Abschluss noch der große Wurf – leider ohne Ziel: Simon Solbergs „Romeo und Julia“-Produktion aus Dresden. Leider scheinen ein wenig Gangster-Rap und möglichst brutale und authentische Fight-Club-Szenen alles zu sein, was das (deutsche) Theater aus Baz Luhrmanns quietschebunten, lauten und kitschigen Kinofassung – die im Übrigen eine geniale Reflexion auf Shakespeares Welt von Sex, Drugs und Rock´n´Roll ist &#8211; gelernt hat. Zu viel Ghetto, zu viel gespielte Leidenschaft und vor allem zu viel Anleihen am Film.</p>
<p>Das Radikal-Sein, das macht offenbar auch nach vielen Jahren Festival nach wie vor Probleme. Jung sind sie alle, nur was genau zeichnet nun nach einer Woche „Theater, Theater“ die Radikalität dieser jungen Wilden aus? Wenn sie denn wild sein wollen wie im Falle Solbergs wirkt das eher aufgesetzt als richtungsweisend. Laut Meinung der Kritiker-Jury war wie gesagt das Theater Krafts das Paradebeispiel für „radikales“, „junges“, ja sogar „machtvolles“ Theater. Worin diese Macht besteht, das wurde lediglich mit einer Nacherzählung des ungewöhnlichen und atmosphärischen Settings und dem One-Man-Show-Charakter von „Amerika“ begründet. Vielleicht kann man hier noch weitergehen und den Einzelfall zum Beginn einer Regel machen: Die Radikalität der jungen Theatermacher besteht wohlmöglich in ihrem behutsam Hang zur Klassik. Hier ein Shakespeare, da ein Kafka und wenn denn schon neue Dramatik, dann ist sie aus Altem gemacht („Im Pelz“). Dazwischen immer wieder die ganz großen Geschichten um Liebe, Macht und die Frage nach dem Selbst. Das diesjährige Festival hat das Theater sicher nicht neu erfunden, vielmehr hat es mit Vorsicht und Bedacht die fast schon kanonischen Mittel aus Illusion und Schauspielkunst wiedergefunden.</p>
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		<title>Amerika, über den Wolken</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Apr 2010 17:18:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Reiseberichte: Beim Radikal-Jung-Festival am Volkstheater gelingt ein uninszenierbarer Kafka, die Uraufführung &#8220;Himmelangst&#8221; gerät zur überladenen Polit-Farce. Ein zweiter Zwischenbericht.

Kafka: einer von denen, der nach wie vor als praktisch nicht inszenierbar gilt. Kafka, der für und in das Innen des Menschen hineinschreibt, aber doch sicher nicht für eine Bühne. Und doch: Am Montagabend Kafkas Romanfragment [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Reiseberichte: Beim Radikal-Jung-Festival am Volkstheater gelingt ein uninszenierbarer Kafka, die Uraufführung &#8220;Himmelangst&#8221; gerät zur überladenen Polit-Farce. Ein zweiter Zwischenbericht.</p>
<p><span id="more-9177"></span><img class="alignnone size-medium wp-image-9178" title="AMERIKA2_th" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/AMERIKA2_th-300x200.jpg" alt="AMERIKA2_th" width="300" height="200" /></p>
<p>Kafka: einer von denen, der nach wie vor als praktisch nicht inszenierbar gilt. Kafka, der für und in das Innen des Menschen hineinschreibt, aber doch sicher nicht für eine Bühne. Und doch: Am Montagabend Kafkas Romanfragment „Amerika“ beim Radikal-Jung-Festival am Münchner Volkstheater. Einen recht sperriger Kafka hat sich Regisseur Bastian Kraft, Absolvent des Gießener Studiengangs „Angewandte Theaterwissenschaft“ unter Heiner Goebbels (dort studierten auch Rimini Protokoll oder René Pollesch), ausgesucht. Veröffentlicht wurde Kafkas Roman erst posthum durch Max Brod, erzählt wird die Geschichte des 16-jährigen Karl Roßmann, der erst sein Dienstmädchen schwängert und dann von seinen indignierten Eltern über den Teich nach Amerika verschickt wird. Ein Ankommender, der sich im Dschungel der Großstadt nicht ganz zurecht finden will. Das Ende hat Kafka nie geschrieben und auch Kraft schließt seinen Abend lediglich mit gleißend rotem, vielleicht verheißungsvollen Licht.</p>
<p>Was er bis dahin präsentiert, vielmehr was sein Schauspieler Philipp Hochmair, erste und einzige Figur des Abends, zeigt, ist purer Kafka. Hochmair steckt den ganzen Abend über in einer Plexiglas-Box, in der er gerade so viel Platz hat, sich um seine eigene Achse zu drehen. In der Box nur Spiegel, die Hochmair zugleich zum Beobachter und Beobachteten seiner Hauptfigur Roßmann machen. Wer ist dieser Kerl, der in Amerika ankommt? Wo will er hin? Was wird aus ihm? Diese Fragen erscheinen auf eindrückliche wie vielfältige Weise in der Mimik Hochmairs, die von den Spiegeln immer wieder karikiert, zurückgeworfen und gebrochen wird. Das Innen eines Menschen, das Innen eines Verzweifelten, das Innen ohne Außen. Diese Beklemmung hat Kafka aufgeschrieben. Kraft hat dafür (eben doch) ein Bild gefunden.</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-9179" title="Himmelangst2_th" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/Himmelangst2_th-300x200.jpg" alt="Himmelangst2_th" width="300" height="200" /></p>
<p>Auf der Reise ins Selbst sind auch die Hauptfiguren des neuen Stücks von Daniela Dröscher „Himmelangst“. In der Inszenierung von Lilli-Hannah Hoepner hatte das Stück im letzten Jahr in Bochum Premiere und gastiert gerade ebenfalls in München. Was Dröscher versucht hat, ist große Literatur- mit großer Polit-Geschichte zu verflechten und das in möglichst poetische Phrasen zu verpacken. Was das Stück vermittelt, ist jedoch ein plattes, teils verfälschend wenn nicht gar verlächerlichendes Unterhaltungs-Intermezzo zum Thema Iran und Amerika. Barry, der eine Art Blaupause von Othello sein soll, eigentlich aber aus Afrika kommt und Präsident der Vereinigten Staaten werden will, trifft auf seinem Flug nach Teheran die drei iranischen Schwestern und Flugbegleiterinnen Rukaya, Leyla und Shirin. Autsch! Doch die drei sind nicht einfach nur iranische Stewardessen mit Burka, sie haben auch einen Charakter: Leyla entpuppt sich als männermordende Lulu, Rukaya zur dissidenten Johanna von Orléans  und last but not least erinnert uns Shirin, die Gedichte schreibt und sich prompt in den unbekannten Prinzen aus Zamunda verliebt, an Gretchen.</p>
<p>Damit hätten wir einige der ganz, ganz großen Brocken auf der Bühne schon mal untergebracht, dann also an die Politik: Die Schwestern werden zu poetischen Touristen-Guides, die den Unbekannten mit Basketball durch Teheran führen. Erzählen tun sie von Freud und Leid, von Religion und Fanatismus, von Bomben und Kamelen, von Honig und Wüste. Und der Afro-Ami, der erzählt davon, dass auch er es nicht leicht hat, so als Schwarzer in Amerika, der Präsident werden will. In ihrer Inszenierung versucht Hoepner diese ungemein platte Bühnenvorlage zu retten: Auf Plastikstühlen sitzt man, die um 360 Grad drehbar sind. Rundherum die einzelnen Stationen des Stücks: Ein Hotelzimmer, ein Fahrrad auf einem Basar, ein Cockpit. Auf den drehbaren Plastiksitzen für jeden eine Kotztüte und ein Bord-Plan. Doch Hoepners Orient-Express über den Wolken rettet wenig an diesem Nicht-Plot, der so anmaßend aktuell und politisch relevant daher kommt. Die Schauspieler finden allesamt keine Verbindung zwischen der viel zu dick aufgetragenen lyrischen (lyrisch ja, gehaltvoll nein) Sprache des Stücks und dem Polit-Terror rund um Minderheiten- und Religionsproblematiken. Vielleicht ist der Dreh- und Angelpunkt des Stücks nicht mit Plastikstühlen sondern mit der Tatsache festzumachen, dass dieses Stück und leider auch die Inszenierung nichts problematisiert, noch nicht einmal etwas erzählt.</p>
<p>Gehobenes, doch diesmal mitunter durchaus gehaltvolles Sprachniveau bestimmt auch die szenischen Adaption des Helmut Krausser Romans „Eros“, die am Donnerstag und Freitag Abend beim Festival zu sehen ist. Die Inszenierung von Christine Eder ist der Volkstheater-eigene Kandidat für den Publikumspreis.</p>
<p>Alexander von Brücken (ziemlich glaubhaft: Friedrich Mücke) ist Eros: sein Leben lang ist er bedingungslos verliebt in Sophie und zieht ebenso bedingungslos sämtliche Konsequenzen aus seinem ewigen Phantasma. Um Kraussers Generationentableau vom 2. Weltkrieg bis zum Mauerfall zu erzählen, stellt Christine Eder lediglich ein paar Schauspieler und eine cognacbraune Leder-Couch auf die Bühne. Nicht unbedingt erotisch, aber doch eingängig.</p>
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		<title>Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 15:49:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Radikal-Jung-Festival am Volkstheater erprobt eine Schiller-Inszenierung den Glauben ans Theater, und bei Oscar Wilde wird aus dem Ernst der Wahrheit frivoler Witz. Ein Zwischenbericht.

Darf man dem Theater Glauben schenken? Antú Romero Nunes, frisch absolvierter Ernst-Busch-Schüler sagt zwar, er habe &#8220;keine Ahnung&#8221;, was das Theater glaubt, scheint jedoch die Regeln von Ver- und Entzauberung auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Radikal-Jung-Festival am Volkstheater erprobt eine Schiller-Inszenierung den Glauben ans Theater, und bei Oscar Wilde wird aus dem Ernst der Wahrheit frivoler Witz. Ein Zwischenbericht.</p>
<p><span id="more-9096"></span><img class="alignnone size-medium wp-image-9097" title="geisterseher101_th" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/geisterseher101_th-300x198.jpg" alt="geisterseher101_th" width="300" height="198" /></p>
<p>Darf man dem Theater Glauben schenken? Antú Romero Nunes, frisch absolvierter Ernst-Busch-Schüler sagt zwar, er habe &#8220;keine Ahnung&#8221;, was das Theater glaubt, scheint jedoch die Regeln von Ver- und Entzauberung auf der Bühne ziemlich genau zu kennen. Seine &#8220;Geisterseher&#8221;-Inszenierung, die am Samstagabend beim Radikal-Jung-Festival am Volkstheater zu sehen war, ist dezidiert &#8220;gemachtes&#8221; Theater. Ein Theater, das seine Mittel austellt, das jede Requisite eben bloß Requisite sein lässt, jedes Versatzstück aus Schillers Romanfragment, auf der die Inszenierung beruht, mit einem &#8220;Zitat Schiller&#8221; kommentiert. Ein Theater aus dem und für das Theater.</p>
<p>Dass sich das Theater selbst zum Thema machen kann, das wusste schon Shakespeare. Nunes gelingt es jedoch auf eine überraschende wie beklemmende Art und Weise sein Metier so in Szene zu setzen, dass am Ende völlige Verwirrung darüber entsteht, was denn nun einstudiert, spontan improvisiert oder einfach nur aus langen Jahren Theatergeschichte abgeschrieben ist. Die Präzsision, die dieser schön spärliche Abend bietet, ist verblüffend: Nunes hat Schiller nicht nur gelesen, er scheint ihn studiert zu haben. So fragmentarisch das Schillersche Original zwischen Aufklärung und Spiritismus schwankt (der Autor selbst hat sein Werk kurz nach seiner Veröffentlichung als &#8220;Schmiererei&#8221; abgetan), so gewitzt schnibbelt Nunes im Handlungsgeflecht um einen jungen Prinzen herum und verklebt das Ganze mit Theatermetaphorik und Popkultur-Trash. Einem  jungen Prinzen auf der Suche nach sich selbst passiert in Venedig allerlei Übersinnliches und Unvernünftiges. Geisterbeschwörungen und Todes-Prophezeihungen sind zuviel für das schlichte und melancholische Prinzen-Gemüt, so dass er im Zweifel über seine Vernunft erst dem Wahnsinn und dann einer katholischen Geheimgesellschaft verfällt. Das ganze Gestade aus Magiern, Schattengestalten und Gauklern der Schiller-Schauer-Story hat Nunes auf zwei brilliante Schauspieler (Paul Schröder als Prinz und Jirka Zett als alles das, was gerade gebraucht wird) zusammengestampft. Was die beiden darbieten, oszilliert grandios zwischen Klassik und Gegenwart &#8211; so kommt  der Prinz in Frack und Stiefeln, ein Handy hat er aber auch und am liebsten isst er Sushi. Mit allerlei markierten Theatertricks liefern die beiden Schau-Spieler ein fingiertes Verwirrspiel à la &#8220;Und dann der Magier so&#8230; Und dann der Prinz so&#8230;&#8221;, bei dem man sich bis zum Ende fragt, wer hier nun eigentlich wen vergaukelt. So gibt es statt der Geisterbeschwörung bei Nunes eine knallende Zaubershow, die Jirka Zett zum Magie-Gladiator werden lässt, der seine Lehrer genau zu kennen scheint: &#8220;Das sind keine Tricks, das ist alles Illusion, sagt David Copperfield&#8221;, bemerkt Zett und doch bleibt an diesem Abend völlig unklar, wo denn nun der Budenzauber aus Theater und Illusion, aus Fiktion und Realität seinen Anfang und sein Ende genommen hat.</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-9098" title="Bunbury002_th" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/Bunbury002_th-300x200.jpg" alt="Bunbury002_th" width="300" height="200" /></p>
<p>Ernst und/oder auch nicht Ernst-gemeintes Theater? Auch der gestrige Abend des Festivals wurde für diese Frage passend gemacht. So konsequent Nunes den Schiller kürzt, so unbedingt schreibt Anna Bergmann in ihrer Inszenierung von &#8220;Ernst ist das Leben (Bunbury)&#8221; Oscar Wilde zu Ende. Der Wortwitz um rund um Ernst-Sein (Ernst ist auch der Name der Hauptfigur) und die ein oder andere Schwulität, den Wilde in seinem Stück nur anzudeuten vermochte, hat &#8211; wer auch sonst &#8211; Elfriede Jelinek in ihrer Bearbeitung des Stoffes auf die Spitze getrieben. Die unverblümte Sprache der Jelinek übersetzt Bergmann entsprechend in eine Travestie-Show aus lauter Männern. Für manche mögen die bis zur Unkenntlichkeit geschminkten, in Pumps und rosa Tüllröckchen gepferchten Schauspieler, die sich an der riesigen Diskokugel in der Mitte der Bühne räkeln, obszön oder schlichtweg plump wirken. Nimmt man Bergmanns Lesart jedoch Ernst, so ist ihre Regie vielmehr eine exzessive Feierei des Wilde&#8217;schen Dandytums, wie er ihn sich immer gewünscht hat: ein Dandytum mit schwulem Happy-End. Statt dass nämlich wie bei Wilde die beiden Vorzeige-Flaneure John und Algernon ihre Angebeteten Gwendolen und Cecily bekommen, bekommen die beiden Männer, deren schwuler Wortwitz kaum anzüglicher sein könnte,  am Ende schlicht und einfach nochmal zwei Männer &#8211; in Frauenkleidern. Die Irrungen und Wirrungen aus Wahrheit und Lüge, die Wilde vorlegt, verdichtet Bergmann hier auf ein Verwirrspiel aus Mann und Frau. Selten hat man da zum Beispiel die Landschönheit Cecily so unschuldig und lieblich flirten und zugleich nach allen Regeln der Kunst zicken sehen wie bei Jörg Pohl. &#8220;Um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit&#8221; ging es an diesem Abend, meint am Ende John. Was daran Ernst gemeint und was gut gemeinter Theater-Slapstick bleibt, das sei jedem selbst überlassen.</p>
<p>Vom, für und über das Theater scheinen die bisherigen Inszenierungen beim Radikal-Jung-Festival gemacht zu sein. Am heutigen Montag geht es mit Kafkas<a href="http://http://www.muenchner-volkstheater.de/Spielplan/monat.php?we_objectID=2337" target="_blank"> Amerika </a>und der Erstaufführung von Daniela Dröschers Stück <a href="http://http://www.muenchner-volkstheater.de/RadikalJung/radikalJung1.php?we_objectID=2338" target="_blank">Himmelangst</a> ebenfalls ein wenig verwirrt und orientierungslos weiter.</p>
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		<title>Shakespeare vs. Schiller vs. Kafka</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/04/08/shakespeare-vs-schiller-vs-kafka/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 11:23:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Karl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Freitag beginnt das radikal-jung-Festival &#8211; dieses Jahr ganz radikal mit vielen nicht so jungen Klassikern der Literaturgeschichte.

Sie kommen aus Dresden, Hamburg, Berlin und München und alle sind sie jung und machen Theater. Morgen startet am Münchner Volkstheater wieder das altbewährte radikal-jung-Festival, das sich jedoch ein weiteres Mal neu zu erfinden scheint. Der Chefdramaturg Kilian [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag beginnt das radikal-jung-Festival &#8211; dieses Jahr ganz radikal mit vielen nicht so jungen Klassikern der Literaturgeschichte.</p>
<p><span id="more-8997"></span><img class="alignnone size-medium wp-image-8998" title="radikal_jungPLAKATA2" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/radikal_jungPLAKATA2-212x300.jpg" alt="radikal_jungPLAKATA2" width="212" height="300" /></p>
<p>Sie kommen aus Dresden, Hamburg, Berlin und München und alle sind sie jung und machen Theater. Morgen startet am Münchner Volkstheater wieder das altbewährte <a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/RadikalJung/festival.php" target="_blank">radikal-jung-Festival</a>, das sich jedoch ein weiteres Mal neu zu erfinden scheint. Der Chefdramaturg Kilian Engels, der Theaterkritiker C. Bernd Sucher und die Schauspielerin Anette Paulmann waren wie gewohnt in der gesamten deutschen Theaterlandschaft unterwegs, um die acht besten Inszenierungen der Regie-Newcomer auszuwählen, die nun eine Woche lang in Münchnen gastieren.</p>
<p>Der Allerbeste wird am 16. April mit dem 2500 Euro schweren Publikumspreis gekrönt. Wer sich nach einer Woche Theatergucken jedoch unsicher ist, wer nun wirklich der radikal Jüngste ist, dem seien die Publikumsgespräche mit Regisseuren, Schauspielern und Jury empfohlen, die jeweils im Anschluss an die einzelnen Vorstellungen statt finden.</p>
<p>Und schwer fallen kann einem die Entscheidung dieses Jahr durchaus, denn das Programm zeugt nicht unbedingt von einem Theater, das auf Teufel komm raus jung sein möchte. Gerade die frisch absolvierten Regieschüler müssen sich ständig den Standard-Vorwurf der Regie-Theater-Ära anhören: &#8220;Ihr seid jung, ihr seid radikal und darum macht ihr lautes, buntes Theater, das höchstens euch, aber keinesfalls eurem Publikum dient.&#8221; Ganz anders das diesjährige Festival: da steht Kafka (Amerika) neben Schiller (Geisterseher), und Ibsen (Hedda Gabler)  muss sich an Shakespeare (Romeo und Julia!!!) und Wilde (Ernst ist das Leben) messen &#8211; <a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/RadikalJung/radikalJung1.php" target="_blank">hier</a> das komplette Programm. Wenn der neue Trend im Regiedschungel dahin geht, Traditionen wieder hoch zu halten, darf man wirklich gespannt sein, was das radikal Junge des diesjährigen Festivals ausmacht.</p>
<address> </address>
<address>Radikal jung &#8211; Das Festival junger Regisseure<br />
<span style="font-weight: normal;">vom 9. &#8211; 16. April 2010 am Münchner Volkstheater<br />
</span></address>
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