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	<title>mucbook &#187; Buchkritik</title>
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	<description>Alles München</description>
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		<title>In der Hosn hab ich immer a freche Goschn g´habt</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 12:57:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Gardill-Vaassen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Buchvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Valentin]]></category>
		<category><![CDATA[Liesl Karlstadt]]></category>
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		<description><![CDATA[
In den sechziger Jahren als Liesl Karlstadt starb, gehörte sie zu den bekanntesten Münchner Künstlerinnen. Doch in den folgenden Jahrzehnten rückte ihr Bühnenpartner Karl Valentin mehr und mehr in den Mittelpunkt, sie dagegen galt bald nur noch als die Frau an seiner Seite. Daran, dass Liesl Karlstadt viel mehr als nur das war, will Michaela [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_00101.jpg" alt="IMG_0010" title="IMG_0010" width="430" height="287" class="alignnone size-full wp-image-27767" /></p>
<p>In den sechziger Jahren als Liesl Karlstadt starb, gehörte sie zu den bekanntesten Münchner Künstlerinnen. Doch in den folgenden Jahrzehnten rückte ihr Bühnenpartner Karl Valentin mehr und mehr in den Mittelpunkt, sie dagegen galt bald nur noch als die Frau an seiner Seite. Daran, dass Liesl Karlstadt viel mehr als nur das war, will Michaela Karl mit ihrem Buch „Liesl Karlstadt &#8211; Gesichter einer Frau und Künstlerin“ erinnern.<span id="more-27746"></span></p>
<p>Mit Liesl Karlstadt im Turmstüberl</p>
<p>Vorgestellt hat sie ihr neu erschienenes Werk, natürlich stilecht mit einer Lesung im kitschig-schönen, von Petra Perle betriebenen Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums am Isartor. Dass sich die Niederbayerin Michaela Karl wirklich tief in die rebellische Münchner Künstlerin versetzt hat, merkte man in der Lesung schnell. Wer die Augen schloss, glaubte wirklich Liesl Karstadt selbst sprechen zu hören.</p>
<p>Doch neben reichlich Sympathie für Liesl Karlstadt hat die Autorin auch üppiges Fachwissen über die als Elisabeth Wellano geborene Münchnerin gesammelt. Was Michaela Karl für dieses Buch an Geschichten, Anekdoten, Briefen und Erzählungen von Zeitgenossen zusammengetragen und in eine lebendige und unterhaltsame Geschichte gepackt hat,  beeindruckt sehr. Von ihrer armen Kindheit, über die ersten Gehversuche als Soubrette, bei denen sie Karl Valentin kennenlernte, bis zu ihrer Wandlung zur Filmschauspielerin und Werbeikone für Pfanni und Dallmayr, lernt man eine Frau kennen, die immer ihren Mann stand. Wenn es sein musste,  auch in Hosen. Weil, “In der Hosn hab ich immer a freche Goschn g´ghabt“, sagte sie selbst einmal. Heute führt Liesl Karlstadt im Bewusstsein der Münchner ein Schattendasein gegenüber dem wieder entdeckten, übermächtigen Karl Valentin. Doch die Autorin bemerkt im Vorwort: „Karl Valentin wird bewundert und verehrt, Liesl Karlstadt aber wird von denen, die sie kennen, geliebt. Möge dieses Buch dazu beitragen, dass derer noch mehr werden“. Wenn man das 150 Seiten starke Buch verschlungen hat, kann man nicht mehr anders, als diese Meinung zu teilen.</p>
<p>Foto: Michaela Karl liest mit Herzblut im Turmstüberl aus ihrer Karlstadt-Biographie</p>
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		<title>Jung sein und in Berlin leben verpflichtet</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2011/11/25/jung-sein-und-in-berlin-leben-verpflichtet/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 23:30:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Milena Hassenkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Was war da eigentlich noch mit Helene Hegemann? Nach Plagiatsskandal um Axolotl – Roadkill und 18 Jahre Geburtstagsparty im Tresor Club in Berlin in der Versenkung verschwunden tauchte sie dann in Düsseldorf wieder auf um ihre Fähigkeit zur Intertextualität unter Beweis zu stellen.


„CONNECT CONNECT“ heißt das Projekt, bei dem Mentoren sich Projekte herauspicken, um sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was war da eigentlich noch mit <strong>Helene Hegemann</strong>? Nach Plagiatsskandal um Axolotl – Roadkill und 18 Jahre Geburtstagsparty im Tresor Club in Berlin in der Versenkung verschwunden tauchte sie dann in Düsseldorf wieder auf um ihre Fähigkeit zur Intertextualität unter Beweis zu stellen.<br />
<span id="more-27488"></span></p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-27489" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/11/lyrics102_v-TeaserAufmacher-300x168.jpg" alt="lyrics102_v-TeaserAufmacher" width="300" height="168" /></p>
<p><strong>„CONNECT CONNECT“ </strong>heißt das Projekt, bei dem Mentoren sich Projekte herauspicken, um sie zu protegieren. Gemeinsame Volksbühnenvergangenheit hin oder her: Regisseur René Pollesch wählte sich  Junior-Hegemann und Videokünstlerin Kathrin Krottenthaler als Schützlinge und das Ergebnis „<strong>Lyriks. &#8211; Dieses Gedicht wurde vor ca. 20.000 Jahren geschrieben und ist immer noch aktuell“ </strong>ist nun, nach der Uraufführung in Düsseldorf auch auf dem <strong>Spielart-Festival</strong> zu sehen.</p>
<p>Alles mutet ziemlich „Berlin-Kreuzberg“ an: Rotzgöre mixt Plastikstuhl mit Pelzmantel in einer Wohnung mit Zigarettenautomat, altem Teppich und Plattenspieler. Hier feiert Hegemann eine Orgie der Bedeutungslosigkeit mithilfe von Videoprojektion und Elektronischer Klangkost.</p>
<p>Auf der Bühne wird eine Filmszene gespielt, in der ein blondes Mädchen, Hauptdarstellerin ihres Zeichens, mit dem Regisseur über ihre Szene in Zwist gerät. Einschreitend naht Helene Hegemann heran „wahre“ Regisseurin dieses Drehs, um uns zunächst versehentlich Einblicke in ihr Bauarbeiterdekolletée zu gewähren und dann rauchend die Szene zu wiederholen.</p>
<p>- Da ist sie also, die kleine Helene, um die so viel Gewese gemacht wurde, einfach, weil sie die Erfahrungen im Berghain, von denen „sie“ in „Axolotl Roadkill“ schreibt, nicht selbst gemacht hat. Und sie ist ganz harmlos, wie sie da mit ihren Freunden Theater spielt, die leider alle keine ausgebildeten Schauspieler sind. Dafür sind sie alle „it“, zwischen Röhrenjeans und Rollkragenpullover, Schiller und Shakespeare bewegen sie sich mit ihrer „alles egal –Haltung“ und driften von anfänglichem höchst popkulturellen und versucht intellektuellen Schlagabtausch, in den die Darsteller noch nicht ganz hineingewachsen scheinen, hin zu gedehnter Hamletszene in der das „nicht schauspielern und es trotzdem tun“ enervierend wird. Von einer „Auflehnung gegen die Mechanismen des Kulturbetriebs“, wie es so schön im Programmheft hieß, war nicht viel zu spüren, dafür fragte man sich, in Anlehnung an das Schlagwort „popkulturelle Identitätsproduktion“ (ebenfalls Programmheft), was hinter all der Kritik an einer Selbstinszenierung Inszenierung ist.</p>
<p>- Das Ganze endete mit einem Video in dem Helene und ihre lässigen Freunde Jugend im Auto „on the road“ durch Berlin-Kreuzberg zelebrieren. Was das soll, weiß man nicht, aber man wurde ja von Helene mehrfach dazu angehalten, keine Bedeutung hinein zu interpretieren und damit lasse ich es dann für heute Abend gut sein.</p>
<p>mehr zum Thema gibts unter:</p>
<p>http://www.spielart.org/programm/?n=257&amp;dId=60&amp;dates=1#</p>
<p>noch mal ansehen am:</p>
<p><strong>25.11.</strong> | 18:00 &#8211; 19:30<br />
i-camp/Neues Theater München</p>
<p>Ansonsten: Einfach mal beim Spielart vorbei schauen, man kann immer etwas mitnehmen und wenn es nur das Programmheft ist.</p>
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		<title>Alles beim Alten</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 10:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Hildebrandt]]></category>
		<category><![CDATA[Kabarett]]></category>
		<category><![CDATA[Lach-undSchieß-Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Scheibenwischer]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wenn er in der von ihm mitgegründeten Münchner „Lach-und Schießgesellschaft“ auftritt, ist lange vorher ausverkauft: Dieter Hildebrandt, personifizierter Kabarett-Inbegriff, Schauspieler („Kir Royal“, „Kehraus“), Mastermind der TV-Satire-Erfolgsformate „Scheibenwischer“ und „Notizen aus der Provinz.“ Per Hörbuch besteht nun nichtsdestotrotz die Gelegenheit, in den Genuss seines aktuellen Programms „Ich kann doch auch nichts dafür“ zu kommen.
Alles ist beim [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-25033" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/09/Hildebrandt_DIch_kann_doch_DL_115945.jpg" alt="Hildebrandt_DIch_kann_doch_DL_115945" width="430" height="426" /></p>
<p>Wenn er in der von ihm mitgegründeten Münchner „Lach-und Schießgesellschaft“ auftritt, ist lange vorher ausverkauft: Dieter Hildebrandt, personifizierter Kabarett-Inbegriff, Schauspieler („Kir Royal“, „Kehraus“), Mastermind der TV-Satire-Erfolgsformate „Scheibenwischer“ und „Notizen aus der Provinz.“ Per Hörbuch besteht nun nichtsdestotrotz die Gelegenheit, in den Genuss seines aktuellen Programms <a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=385948">„Ich kann doch auch nichts dafür“</a> zu kommen.<span id="more-25012"></span></p>
<p>Alles ist beim Alten: So mancher aktueller politischer oder gesellschaftlicher Protagonist, so manche Institution, so manches Unternehmen, so manches Phänomen geben dem inzwischen 84-jährigen Dieter Hildebrandt nach wie vor genügend Anlass zu Kritik und Spott.</p>
<p>Unter anderem: Die schwarz-gelbe Koaltion in Berlin mit dem „vormaligen Außenminister Westerwelle“, „Schwachsinnsbeschleudigungsgesetz“, Steuererleichterungsmonstrum der FDP“ oder „Renten-Ursel“ Ursula von der Leyen, dem „charmantesten Eisberg Deutschlands.“ Der neue Bundespräsident Wulff: „Der ist ein Pechvogel, er wird immer genau so verstanden, wie er es auch gemeint hat. (&#8230;) Hoffentlich haben wir jetzt nicht auf einmal einen Präsidenten, der seine Reden selbst schreibt.“ Die Landesbankaffäre der CSU: „10 Milliarden in den Sand gesetzt. In Bayern haben sie schon gedacht, der Sand wird knapp.“ Keiner wolle schuld sein, weder Stoiber, noch Huber, „alle befanden sich damals auf dem Höhepunkt ihrer Unschuld.“</p>
<p>Auch weitere aktuelle nichtpolitische Baustellen werden von Dieter Hildebrandt mit gewohnt hoher Pointendichte verarztet. Etwa: Der Kachelmann-Prozess („Wer hat wen vergewaltigt? Der Kachelmann die Alice Schwarzer oder doch umgekehrt?“).  Gestiegene Lebenserwartung, Fitsein im Alter samt „Ein Platz an der Sonde“, Seniorenresidenzen als „Endlager Deluxe“ und Nordic Walking („Militante Frauengruppen mit Stöcken“), „Optimismus ist, wenn man mit 95 zur Vorsorgeuntersuchung geht.“ Die Bahn-Servicekrise (titelgebend für sein Programm: Die Schaffner-Standard-Rechtfertigigung „Ich kann doch auch nichts dafür“) und der Börsengang-Irrsinn des Ex-Bahnschefs „Blähdorn“.</p>
<p>Dieter Hildebrandt, inzwischen 84, lässt sich nicht lumpen, wird nicht müde, unvermindert schlau, hellsichtig und bissig -jenseits von plumpem Politiker-Bashing- den Finger in die Wunde zu legen, das Kind beim Namen zu nennen.</p>
<p>Dieter Hildebrandt, &#8220;<a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=385948"> Ich kann doch auch nichts dafür</a>&#8220;, Random House Audio 2011, 2 CDS, Laufzeit ca. 140 Minuten, Preis 17,99 Euro.</p>
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		<title>Die Wahrheit auf und neben dem Platz</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 11:24:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Vorverkauf läuft]]></category>
		<category><![CDATA[Der feine Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[FC Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Lahm]]></category>

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		<description><![CDATA[
Dieser Tage ist Philipp Lahms viel beachtete literarische Fußball-Exkursion „Der feine Unterschied“, Karriere-Zwischenfazit und Nachwuchskicker-Leitfaden, erschienen. Am 25. September liest der FC Bayern- und DFB-Kapitän daraus im Volkstheater.
Philipp Lahm hat seit Beginn seiner Profilaufbahn für Schlagzeilen gesorgt:  Als über längere Zeit nahezu einziger konstanter deutscher Weltklassespieler in Vor-ÖzilNeuerGötzeGomez-Zeiten. Auch durch das spektakuläre Tor im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-24980" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/09/lahm_47294-1.jpg" alt="lahm_47294-1" width="430" height="645" /></p>
<p>Dieser Tage ist Philipp Lahms viel beachtete literarische Fußball-Exkursion<a href="http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_feine_unterschied-759/"> „Der feine Unterschied“</a>, Karriere-Zwischenfazit und Nachwuchskicker-Leitfaden, erschienen. Am 25. September liest der FC Bayern- und DFB-Kapitän daraus im Volkstheater.<span id="more-24899"></span></p>
<p>Philipp Lahm hat seit Beginn seiner Profilaufbahn für Schlagzeilen gesorgt:  Als über längere Zeit nahezu einziger konstanter deutscher Weltklassespieler in Vor-ÖzilNeuerGötzeGomez-Zeiten. Auch durch das spektakuläre Tor im WM-Eröffnungsspiel 2006 und das Kaufinteresse eines anderen FCB, des FC Barcelona, seines Zeichens derzeitiges Maß aller Dinge im Weltfußball sowie ein Angebot von Rekord-Landesmeisterpokal-Sieger Real Madrid.</p>
<p>Nicht nur auf dem Platz (ohne krawallig und testosteronlastig auftreten zu müssen wie „Typen“ a la Kahn oder Effenberg), nicht erst jetzt als Buchautor: Der 27-Jährige stach und sticht heraus. Unter den als stromlinienförmig pauschalisierten Profis seiner Generation. Als bodenständige, sich aktiv für soziale Projekte engagierende, mit eigener Stiftung, die seinen Namen trägt, über den Tellerrand hinausblickende, reflektierende Ausnahmeerscheinung.</p>
<p>Seit längerem artikuliert Philipp Lahm öffentlich, was ihn umtreibt: Im kontrovers aufgenommenen <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/interview-mit-philipp-lahm-ja-der-trainer-hat-recht-1.135397">SZ-Interview </a>vor zwei Jahren bemängelte er in deutlichen Worten die aus seiner Sicht fehlende einheitliche Spielphilosophie des FC Bayern. Und: Bereits während des WM-Turniers in Südafrika im vergangenen Jahr, als der bisherige Capitano Ballack verletzt fehlte, meldete er seinen Führungsanspruch auch für die Zukunft an. Was ihm einigen Gegenwind, nicht zuletzt von Seiten des Ballack-Lagers, einbrachte.</p>
<p>Nun zogen kritische Anmerkungen im seit Montag erhältlichen „Der feine Unterschied“ hinsichtlich der Trainingsmethoden von Ex-Trainern Lahms wie Magath, Völler, Klinsmann und van Gaal ein immenses Medienecho nach sich. Und Kritik. Von ebenjenen ehemaligen Übungsleitern und anderen Branchengrößen, unter anderem des aktuellen Bundestrainers Löw.<br />
Auch im Vorfeld der Buchveröffentlichung groß in den Medien: Ihn seit geraumer Zeit verfolgende homoerotische Unterstellungen, zu denen der seit 2010 mit seiner Claudia verheiratete Philipp Lahm in „Der feine Unterschied“ Stellung nimmt.</p>
<p>Jenseits dieser beiden Aspekte, nicht zuletzt von einschlägigen Boulevard-Medien vorab herausgepickt und verabsolutiert: Im Buch geht es um mehr.<br />
Philipp Lahm lässt zusammen mit dem Co-Autor des Buchs, dem Journalisten Christian Seiler, seinen Aufstieg Revue passieren: Vom ersten Probetraining beim FCB als Zehnjähriger über den Aufstieg vom Bayern-Amateur und die Zeit als Leihspieler beim VfB Stuttgart bis zum Stammverteidiger und Spielführer des deutschen Fußballrekordmeisters FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft.</p>
<p>Philipp Lahm blickt zurück auf: Gute Zeiten, schlechte Zeiten in der Bundesliga, Verletzungspech, sein Zurückkämpfen nach dem Kreuzbandriss 2005, die EM-und WM-Turniere seit seinem DFB-Debüt 2004, wichtige Champions-League-Partien, wie das verlorene Finale 2010: „Gleich nach dem Spiel muss ich zum Interview. Während auf dem Spielfeld einzelne Kameraden herumliegen, als hätte sie der Blitz getroffen, muss ich jetzt vor der Kamera auf die Frage antworten, wie groß meine Enttäuschung ist.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">Ein, per Untertitel des Buchs, „Wie man heute Spitzenfußballer wird“, ankündigter, Mehrwert des Buchs: Philipp Lahms in &#8220;Der feine Unterschied&#8221; dargelegter Werdegang ist auch als Nachwuchskicker-Leitfaden gedacht. Im 16. und letzten Kapitel finden sich explizite Ratschläge, wie und mit welcher Einstellung, Herangehensweise man es packen könnte mit dem Profifußball: „Dieses Buch ist ein Buch, wie ich es selbst gerne gelesen hätte, als ich ein junger Fußballer war.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p>Lesern jeden Alters ermöglicht es Philipp Lahm mit seinem Buch ein Stück weit teilzuhaben an seiner subjektiven Wahrnehmung als Protagonist im Spiel vor Zehntausenden in den Stadien und Millionen vor den Fernsehgeräten: „Man sagt, dass ein Spieler auf dem Spielfeld gar nicht wahrnimmt, was um ihn herum stattfindet. Bei mir stimmt das nicht. Ich nehme alles wahr. Ich sehe wie hell das Licht ist, das von den Flutlichtmasten über den Platz strömt. Ich höre das Rufen und Pfeifen einzelner Menschen. Mein Geist ist so klar, dass ich viel mehr wahrnehme, als wenn ich bloß als Zuschauer auf der Tribüne sitze. Jeder Chor, jede Ruf, jeder Pfiff gehört jetzt mir.“</p>
<p>Philipp Lahm beleuchtet das obligatorische Drumherum, Begleiterscheinungen, Schattenseiten des Traumberufs Fußballstar: „Aber die eigene Wahrnehmung verändert sich schnell. Man lernt, prominent zu sein. Man weiß, dass man nicht mehr nachmittags in die Stadt gehen kann, um ein T-Shirt zu kaufen, ohne dass man erkannt wird. Man gewöhnt sich daran, dass überall wo man hingeht, Blicke sind. Blicke, die dich abtasten, die wissen wollen, ob du`s wirklich bist, die eine Chance wittern, zu erfahren, wie du so auftrittst, wenn du nicht auf dem Platz stehst.Damit muss man umzugehen lernen. Immer möglichst freundlich sein. Niemanden enttäuschen.“ Und: „Wenn du als Prominenter wenigstens Teile deines Lebens wirklich privat leben möchtest, dann musst du dir die mit einem gewissen Maß an Öffentlichkeit erkaufen.“</p>
<p>Die Wahrheit, das zeigen Philipp Lahm und sein Buchdebüt, liegt auf und neben dem Platz.</p>
<p>Philipp Lahm/ Christian Seiler, <a href="http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_feine_unterschied-759/">„Der feine Unterschied &#8211; Wie man heute Spitzenfußballer wird“</a>, 272 Seiten, gebunden, Verlag Antje Kunstmann 2011, 19.90 Euro. Lesung am 25. 09. im <a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/?we_objectID=3131">Volkstheater</a>, Moderation: Christoph Süß (Bayerischer Rundfunk), Karten ab ca. 10 Euro.</p>
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		<title>Krümmpunktfinden auf Goldwasser</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2011/03/24/krummpunktfinden-auf-goldwasser/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 14:10:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden]]></category>
		<category><![CDATA[Die Besteigung]]></category>
		<category><![CDATA[jetzt.de]]></category>
		<category><![CDATA[Max Scharnigg]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[
Kürzlich ist das Romandebüt des Münchner Journalisten Max Scharnigg (Süddeutsche Zeitung, Jetzt.de, SZ-Magazin), Jahrgang 1980, erschienen. Die schlaue kafkasesk-surreale Selbstbesinnungs-Parabel „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe.“ Eine Rezension.

Als der Journalist Nikol Nanz nach der Arbeit vor der gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin M. steht, erwartet ihn eine unerfreuliche Überraschung. Fremde Herrenschuhe vor der Tür [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-19792" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/03/max021.jpg" alt="max02" width="430" height="610" /></p>
<p>Kürzlich ist das Romandebüt des Münchner Journalisten Max Scharnigg (Süddeutsche Zeitung, Jetzt.de, SZ-Magazin), Jahrgang 1980, erschienen. Die schlaue kafkasesk-surreale Selbstbesinnungs-Parabel „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe.“ Eine Rezension.<br />
<span id="more-19791"></span></p>
<p>Als der Journalist Nikol Nanz nach der Arbeit vor der gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin M. steht, erwartet ihn eine unerfreuliche Überraschung. Fremde Herrenschuhe vor der Tür und eine nach außen dringende fremde Männerstimme. Was sehr auf einen Nebenbuhler hindeutet.</p>
<p>Indigniert verkriecht sich Nikol in die Nische unter dem Treppenansatz im Erdgeschoss. In derartiger „Unsichtbarkeit“ bekommt der Endzwanziger unfreiwillig Gelegenheit zu Innehalten, Reflexion, Insichgehen.</p>
<p>Was keineswegs verkehrt ist. Wie sich zeigt. Hinsichtlich Nikols innerer Unordnung. Nicht nur im Fall des schwer Gestalt annehmenden Zeitungs-Beitrags, an dem er gerade arbeitet. Zur Erstbesteigung der berüchtigten Eiger-Nordwand im Jahr 1938.<br />
Einen klaren Kopf zu bekommen bedarf es auch hinsichtlich der nun mutmaßlich abrupt zu Ende gehenden, seit geraumer Zeit von M.s psychosomatischer Erkrankung überschatteten Beziehung. Sowie in Sachen weiterer offener Baustellen Nikols wie Sinnzweifel am Zeitungsjob, Einzelgängertum, Unscheinbarkeit, Wurzellosigkeit.</p>
<p>Soweit dreht sich „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe&#8221; um reale menschliche „Verwerfungen des Alltags“, prosaische Klassiker-Themen. Als Romanschauplatz dient die tatsächlich existierende Jutastraße in München-Neuhausen. Das meiste Weitere in Scharniggs Debütroman hingegen driftet ins Surreale. Phantastische. Kafkaeske. Skurrile.</p>
<p>Dass sich die Wohnungsnachbarn überhaupt nicht kennen, weist in Richtung tatsächlich von Haus zu Haus mehr oder weniger zutreffendem auch an anderer Stelle Artikulierten bezüglich urbaner Anonymität.<br />
Aber: Zeit spielt für Nikol schon bald keine Rolle mehr. Aus der Nacht in der Treppennische werden Tage. Er verliert jegliches Zeitgefühl: „Ist doch Montag, oder? Ich wusste es nicht. Auf den Werbeprospekten, die ich las, stand kein Tagesdatum.“ Und: Nahrungsaufnahme ist nicht mehr notwendig, aus der Metzgerei im Erdgeschoss nebenan herüberwabernde Fleischdüfte genügen zum Sattwerden.<br />
In seinem Versteck bekommt Nikol außerdem allerlei Wunderliches mit: Hundescharen streifen durchs Haus. In einer traurig stimmenden Szene holen sich Obdachlose im Treppenhaus, etwa beim Begutachten der Briefkästen, ihre Portion bürgerliches Wohngefühl. Nikol schreibt in Gedanken an seinem Eiger-Nordwand-Beitrag. Wie in einem Word-Dokument am Computer können der Text oder Passagen imaginär abgespeichert, aufgerufen, wiederhergestellt werden.</p>
<p>Ungestört sinniert Nikol vor sich hin, bis ihn ein gewisser Schmuskatz unter der Treppe entdeckt. Der ehemalige Gletscherfotograf, Mitte 80, lädt ihn zum Essen in seine Wohnung im Erdgeschoss ein. Die Chemie zwischen beiden stimmt sofort.<br />
„Rückblickend betrachtet war das Essen bei Schmuskatz ein großer Erfolg. Es hatte jenen Glanz, den die Dinge brauchen, damit sie zum Anfang einer Gewohnheit werden können. In der Minute, als Schmuskatz das Paprikahendl auftrug, kam der Hunger zurück, der mich so lange Zeit verlassen hatte. Die Küchentür öffnete sich lautlos, und hindurch kamen alle Hunger auf einmal: Der nach Unterhaltung und Gespräch, der nach Geschmack und Feuchtigkeit, der nach dem Widerhall meiner Stimme und nach den Farben des Tals. Ich war an diesem Abend bei Schmuskatz wie ein Bergsteiger, der absteigt und mit jedem Meter Leben zurückgewinnt.“<br />
Nikol schüttet ihm sein Herz aus. Nicht zuletzt in Sachen M., seiner großen Liebe. „An ihrer Seite war das Unsichtbare sichtbar, und das Unnütze wurde nutzbar. Alles, was ich bieten konnte, traf bei ihr auf Nachfrage. Sie war in allen Dingen das, was fehlte.“</p>
<p>Schmuskatz plaudert seinerseits aus dem Nähkästchen. Etwa über Jugendsünden hinsichtlich Versteinerungen-Diebstahl in der Kirche: „Mein erster Fund! Und jeden Tag trampelten diese alten Weiber darüber, können Sie sich vorstellen, so richtig alte Kirchenweiber, die es heute gar nicht mehr gibt, standen darauf herum und taten heilig. Das hat mir wehgetan, deswegen bin ich eines Tages mit Hammer und Meißel hin, die ich aus der Werkzeugtasche unseres Bettgehers genommen hatte, und habe angefangen, meinen Trilobiten aus dem Kirchenboden zu schlagen. Ich wollte ihn mitnehmen. Das hat gedonnert, können Sie sich das vorstellen? Es ging eine ganze Weile gut, aber dann kam jemand und hat mich verprügelt. Stand sogar in der Zeitung.“<br />
Schmuskatz zeigt Nikol seine Widmungsbibliothek, zusammengestellt und sortiert nach den Widmungen vorne im Buch.</p>
<p>Wer seine pfiffigen, subtilen, pointenreichen Beiträge in der Süddeutschen Zeitung, nicht zuletzt auf jetzt.de, dem jungen Magazin der SZ, verfolgt, wird nicht überrascht sein über einen Roman aus Max Scharniggs Feder. Wofür er nun (bzw. für das Buchprojekt im Vorfeld) im letzten Jahr den Literatur-Förderpreis der Landeshauptstadt München erhalten hat und zum renommierten Bachmann-Preis eingeladen (von der dortigen Jury allerdings verrissen wurde), für den diesjährigen Nachwuchspreis der Lit.Cologne nominiert worden ist.</p>
<p>Angesichts von Scharniggs journalistischen Themenschwerpunkten wie Indie-Pop, junge Gegenwartsliteratur, Zeitgeist-Typografien, Heranwachs-Erinnerungen oder den (bereits in Buchform unter dem Titel „Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden“ gesammelt erschienenen) Alltagsphrasen-Kolumnen hätte man seinerseits auch expliziert realitätsgetreue Gegenwarts(Pop)-Literatur erwarten können.</p>
<p>Stattdessen überrascht Scharnigg mit einer Parabel samt Bergbezwingungs-Metapher als Roter Faden hinsichtlich Straucheln, Zurbesinnungkommen, Diedingeindiehandnehmen, Nachhausekommen. Nicht ohne sich stilistisch treu zu bleiben.<br />
Auch hinsichtlich seines Gespürs für Situationskomik. Etwa bei Nikols unfreiwilligem Tanz mit einem ausgestopften Reiher in Schmuskatz` Wohnung: „Das Tier missdeutete meine Absicht, kippte mir mit einem Staubschweif in die Arme. Ein paar Momente tanzte ich mit dem ausgestopften Reiher, wankte unter seiner Landung, dann hatte ich ihn ganz wie von selbst unter meinem linken Arm und trug ihn weiter.“<br />
Oder etwa wenn es um die Sitzgewohnheiten des Einzelgängers Schmuskatz geht: „Ich benutze sie alle vier gleichmäßig, seit einundvierzig Jahren, jede Woche ein anderer Stuhl. Allerdings, wenn Sie öfter kommen, muss ich mein System anpassen, (…).“</p>
<p>Dazu ist „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe“ streckenweise äußerst melancholisch und poetisch: „Am anstrengendsten ist meine Unscheinbarkeit übrigens in Restaurants, wo ich Kellner oft erst durch mehrmaliges Ansprechen von meiner Anwesenheit überzeugen kann. Fast immer sind es italienische Restaurants, in denen diese Szenen geschehen. Es gibt davon in der Stadt so viele, dass sich das Heimweh ihrer Wirte und Köche an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit zu großen, auberginefarbigen Wolken ballt, die dann zunächst noch eine Weile über der Stadt stehen und schließlich gemeinsam über die Alpen ziehen, wo sie sich verteilen und abregnen, eine jede über dem Landstrich des Wirtes.“</p>
<p>Nach dem Essen kehrt Nikol unter die Treppe zurück. Um sich weiter der Kontemplation hinzugeben. Bald darauf lädt ihn Schmuskatz erneut zu sich ein. Statt Paprikahendl kredenzt Schmuskatz nun Danziger Goldwasser. Sehr reichlich. Er bringt Nikol dazu, mit ihm den Weg in den 2. Stock anzutreten. Nach Hause. In seine Wohnung. Zu M. (womit Schmuskatz an den weisen Glasknochen-Kauz im französischen Kinofilm „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erinnert, der der schüchternen Titelheldin auf die Sprunge hilft).</p>
<p>So macht sich ein sehr komisches Gespann im Treppenhaus auf den Weg. Besoffen. Im Dunkeln („Kein Licht!, raunte Schmuskatz“). Mit Gletscherausrüstung. Per Seil am Treppengeländer gesichert.<br />
„Meine Hand griff in den Wollpullover des Alten, ich taumelte, er gab mir wieder Halt und reichte mir eine Seilschlaufe.<br />
Eh, festmachen, bitte schön!<br />
Aber wo?<br />
Ziehen Sie es doch durch die Gürtelschlaufen. Das ist zwar nicht gerade gletscherspaltensicher, aber für die Treppe wird es wohl reichen.“</p>
<p>Abgesehen von der urkomischen Vorstellung, die sich dem Leser aufdrängt, jemand der anderen Hausbewohner könnte die beiden so sehen, bringt der Aufstieg Nikol Erlösung (stimmig dazwischenmontiert: Der nun in Nikols imaginärem Word-Dokument vollständig vorliegende Eiger-Nordwand-Erstbesteigungs-Zeitungsartikel): „Ich hatte mit diesem Schritt den Krümmpunkt gefunden und überwunden. Der eine verlorene Zentimeter, der nicht mehr Tal ist und noch nicht ganz Berg, lag unter mir. Er war im zarten Weh meiner Knie, in meinem schnellerem Atem hier oben, er war die Besteigung an sich.“</p>
<p>Dass Nikol schlussendlich die Dinge in die Hand nimmt, es wissen will statt sich zu verkriechen, soll sich für ihn lohnen: „Das kann nicht sein“ hatte Nikol zuvor beim Gelage in Schmuskatz` Wohnung ungläubig geseufzt. Hinsichtlich des Nebenbuhlers bei M. Womit er am Ende rechtbehalten soll…</p>
<p><em>Max Scharnigg, „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe.&#8221; Erschienen 2011 bei Hoffmann und Campe. 158 Seiten, gebunden, 18 Euro.</em></p>
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		<title>Trompetentierchen in Spiritus</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 16:42:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Element of Crime]]></category>
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Der Musiker und Autor Sven Regener („Element of Crime“, „Herr Lehmann“-Roman-Trilogie) hat unterwegs mit Band und Buch subjektiv Erlebtes festgehalten, Fiktives addiert. Im Rahmen diverser charmanter Blogs. Unter anderem für die Onlineauftritte von Spiegel, Die Zeit und taz. Sie sind nun unter dem Titel „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher“ analog in Buchform erschienen. Am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="line-height: 1.2em;font-family: arial;font-size: x-small"><img class="alignnone size-full wp-image-19409" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/03/Regener-Cover1.jpg" alt="Regener-Cover" width="402" height="640" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial;font-size: x-small"><span style="line-height: 15px"><span style="line-height: 1.2em;font-family: arial;font-size: x-small"> </span></span></span></p>
<p>Der Musiker und Autor Sven Regener („Element of Crime“, „Herr Lehmann“-Roman-Trilogie) hat unterwegs mit Band und Buch subjektiv Erlebtes festgehalten, Fiktives addiert. Im Rahmen diverser charmanter Blogs. Unter anderem für die Onlineauftritte von Spiegel, Die Zeit und taz. Sie sind nun unter dem Titel „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher“ analog in Buchform erschienen. Am 19. Mai liest er daraus in der Muffathalle. Vorab eine Rezension.<span id="more-19406"></span></p>
<p>Was fängt ein Autor und Musiker mit seinen Berufen immanenten nicht zu knappen Leerlaufzeiten an, auf Tour oder während der Buchmesse?<br />
Antwort im Fall von Sven Regener, Kopf der Band „Element of Crime“ („Immer da wo du bist bin ich nie“, „Delmenhorst“, „Mittelpunkt der Welt“) und Autor der „Herr-Lehmann“-Roman-Trilogie:  Er hält subjektive Eindrücke, Gedanken, Erlebnisse fest. Ergänzt Fiktives. Fängt mit der Handy-Kamera schräge Schnappschuss-Momente ein, überlegt sich dazu mindestens ebenso schräge Bildunterschriften. Veröffentlicht das Ganze im Internet. Im Rahmen eines Blogs. Auf Anregung der Plattenfirma. Zu Promozwecken im Vorfeld einer Album-Veröffentlichung von „Element of Crime.“</p>
<p>Auf den Geschmack gekommen nahm Regener anschließend weitere Blog-Aufträge an. Unter anderem für die Onlineauftritte von Spiegel, Die Zeit und taz. So sind zwischen 2005 und 2010 mitterweile acht auf Sven Regeners gewohnt stilsicher-eingängstem Mist gewachsene Blogs entstanden. Anlässlich Touren, Album-Veröffentlichung, Album-Aufnahmen in Nashville/Tennessee mit „Element of Crime“ sowie Buchmesse-Marathon. Sie sind nun in Buchform unter dem Titel „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ erschienen.</p>
<p>Neben launigem AusdemNähkästchenplaudern hinsichtlich Musikerleben und Literaturbetrieb offenbart Regener in den Blogs mitunter Häusliches (was wie alles Sonstige in „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“  jedoch nicht für bare Münze zu nehmen ist). Im Blog für die Zeit etwa protokolliert er in jedem Eintrag unter anderem auch als Running-Gag, was er jeweils im Adventskalender vorgefunden hat:</p>
<p>„Erstes Türchen im Adventskalender: Ein Hase aus Schokolade. Wenn da mal nichts schiefgelaufen ist…!“ (…) „Heute im Adventskalender: Eine Sternschnuppe aus Schokolade. Jetzt nur nicht weich werden.“ (…) „Drittes Türchen im Adventskalender: Eine Ente aus Schokolade. Sagt mir nichts.“ (…) „Im Adventskalender: Ein Frosch aus Schokolade. Will man nicht sein. Hilft aber nichts.“ (…) „Im Adventskalender: Nix. Sieht so aus, als wären Diebe im Haus.“(…) „Im Adventskalender: Ein alter Waschlappen. Langsam wird’s unheimlich.“(…) „Im Adventskalender: Ein halbes Pfund Butter, zehn Eier, drei Apfelsinen. Wenn da mal nicht Oma dahintersteckt.“ (…) „Im Adventskalender: Ein Trompetentierchen in Spiritus. Schlimm!“ (…) „Im Adventskalender: Ein Weihnachtsmann aus Schokolade. Die Einschläge kommen näher!“</p>
<p>Trotz aller vielfach aufblitzender ausgelassener Spielfreude Sven Regeners mit dem Blog-Format: Zum virtuellen Sichzuwortmelden bewahrt er, einschlägige eigene Aktivitäten einschließende, kritische Distanz: „Das ist aber jetzt aus der Erinnerung erzählt, recherchiert wird hier gar nichts, hier wird einfach nur behauptet, schließlich sind wir im Internet.“ (…)Denn das soll bei diesem Blog (&#8230;) das Motto sein: Bildung und der Abbau von Vorurteilen. Wenn mir das gelingt, diese beiden Ziele, die ja Hand in Hand gehen, die ja quasi immer zusammen zur Tür reinkommen, in diesem Blog fest zu verankern, dann wäre ich meinem Ziel, das vielleicht langweiligste Tourtagebuch der Welt zu schreiben, schon ziemlich nahe.“<br />
Neben Banalitäten-Blogerei wird auch Popliteratur persifliert: „Später neue Schuhe vom orthopädischen Schuster abgeholt. Habe jetzt feste Einlagen. Puh, das sind Erlebnisse! Kann man eigentlich keinem erzählen. Aber was für Schuhe. Ich wünschte jetzt, ich könnte einen digitalen Fotoapperat zum Einsatz bringen und ein Bild dieser Schuhe hier irgendwie reinstellen. Wahnsinnsschuhe. Würde ich jetzt noch die Marke nennen, wäre das hier Popliteratur.“</p>
<p>Und: Regener relativiert Musikbusiness-Maßstäbe, nimmt eigene Erfolge auf die Schippe: „So also ist das wenn man in den Single-Charts ist: Kinder flechten Blumenkränze, wildfremde alte Leute klopfen einem auf der Straße auf die Schulter und der HNO-Arzt gibt eine Runde Nasentropfen aus.“</p>
<p>Ins selbe für Sven Regener charakteristische vor Selbstironie strotzende Horn bläst auch eindrucksvoll „Hamburg-Heiner.“ Ominöser Titelgeber der Blog-Sammlung.  Regeners selbst hinzuerfundendes Gewissen. Wie er kürzlich im Interview mit der Musikzeitschrift Rolling Stone erläutert hat: „Bei meinem allerersten Blog ging mir schon nach einem Tag die Luft aus. Da habe ich überlegt, ich lasse einfach einen anrufen und führe mit dem einem imaginären Dialog. Das war die Geburt von Hamburg-Heiner.“</p>
<p>Hamburg-Heiner betreibt unerbittliche „Blogwatch“, stellt Regener in fiktiven Telefongesprächen meist barsch zur Rede. Erdet den Erfolgs-Musiker und Autor. Bewahrt ihn präventiv vor jeglicher Selbstzufriedenheit:</p>
<p><em>HH: Kommt Dir das nicht langsam komisch vor?<br />
Sven: Was?<br />
HH: Hast du nicht das Gefühl, dass es langsam mal Zeit wird, dass ihr mit Eurer Band auch mal was auf die Schnauze bekommt?<br />
Sven: Also wegen mir…<br />
HH: Mir wäre das unheimlich. Je länger sich das hinzieht mit der Loberei, desto schlimmer gibt`s später auf die Schnauze.<br />
Sven: Das geht aber schon 20 Jahre so.<br />
HH: Mein ich ja! Umso schlimmer.<br />
Sven: Da kommt schon noch was Böses.<br />
HH (hoffnungsvoll): Meinst du?<br />
Sven: Ganz sicher.<br />
HH: Wann?<br />
Sven: Wahrscheinlich demnächst.<br />
HH: Dann ist ja gut.</em></p>
<p>Gerade die Schlagabtausch-Passagen Hamburg-Heiner versus Sven Regener erinnern deutlich an Frank Lehmann. Jenen Bremer/ Kreuzberger Stoiker-Philosophen, Protagonist der großartigen, sehr erfolgreichen „Herr Lehmann“-Roman-Trilogie. Mit der Regener in den Nullerjahren weit über „Element of Crime“-Kennerkreise hinaus Aufmerksamkeit zuteil wurde.</p>
<p>Jawohl: Sven Regener knüpft in den nun in „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ gesammelt veröffentlichten Blogs in Sachen Schnoddrigkeit, Sichselbstnichtzuernstnehmen, beharrlich sich verrennendem Diskurs-Sinnieren über weite Strecken nahtlos an „Herr Lehmann“ sowie die Fortsetzungen „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“ an. Deshalb bleibt es in Sachen Sven Regeners literarischer Musikabschweifung auch jenseits von „Herr Lehmann“ dabei: Daumen nach oben.</p>
<p><em>Sven Regener liest aus „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher.“ (erschienen 2011 bei Galiani Berlin, 417 Seiten, broschiert, 19,95 Euro) am 19. Mai in der <a href="http://www.muffathalle.de/" target="_blank">Muffathalle</a> (Preis pro Karte 18,50 Euro).</em></p>
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		<title>Die ganze Milch aufs Nähzeug geschüttet</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 10:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Immer nie am Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Kabarett]]></category>
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		<category><![CDATA[Speichelfäden in der Buttermilch]]></category>
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		<description><![CDATA[
Das kongeniale österreichisch-deutsche Satire-Duo Grissemann und Stermann („Willkommen Österreich“, „Salon Helga“, „Immer nie am Meer“) kommt im April nach München. Mit aktualisiertem Dauerbrenner-Kabarettprogramm „Die deutsche Kochschau 3.0.“ Zur Einstimmung ein Hinweis auf ihre kürzlich erschienene Textsammlung „Speichelfäden in der Buttermilch. Gesammelte Werke I.“ 
Die beiden in Wien lebenden Moderatoren, Kabarettisten, Autoren und Schauspieler Christoph Grissemann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-19815" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/03/GrissemannundStermann-Covergroß1.jpg" alt="GrissemannundStermann-Covergroß" width="430" height="645" /></p>
<p>Das kongeniale österreichisch-deutsche Satire-Duo Grissemann und Stermann („Willkommen Österreich“, „Salon Helga“, „Immer nie am Meer“) kommt im April nach München. Mit aktualisiertem Dauerbrenner-Kabarettprogramm „Die deutsche Kochschau 3.0.“ Zur Einstimmung ein Hinweis auf ihre kürzlich erschienene Textsammlung „Speichelfäden in der Buttermilch. Gesammelte Werke I.“ <span id="more-18770"></span></p>
<p>Die beiden in Wien lebenden Moderatoren, Kabarettisten, Autoren und Schauspieler Christoph Grissemann (geboren 1966 in Innsbruck) und Dirk Stermann (geboren 1965 in Duisburg) sind auch hierzulande keine Unbekannten. Seit langem sind sie nicht nur 3Sat-Sehern (vom ORF übernommene Late-Night-Show „Willkommen Österreich“), FM4-Hörern („Salon Helga“) und Heinz-Strunk-Fans (gemeinsamer Kinofilm „Immer nie am Meer“) ein Begriff.<br />
Als: Garanten für pointenreiches, anzügliches, gescheites, verrücktes Kabarett (im Jahr 2002 ausgezeichnet mit dem renommierten Kabarettpreis „Salzburger Stier“).<br />
Und: Als subversiv-intelligentes Gegengewicht zur rechts-konservativen dunklen Seite der Macht in Österreich.</p>
<p>Seit 2007 geben Grissemann und Stermann mit großem Erfolg ihr &#8211; nun aktualisiertes &#8211; Live-Programm „Die Deutsche Kochschau“ zum Besten.<br />
Darin lassen sie &#8211; auch im Hinblick auf aktuelle braune Rattenfänger &#8211; der diabolisch-irren Nazi-Propaganda-Diktion von Hitler, Goebbels und Co. die Luft raus. Führen sie mittels zugespitzt kompositorischer Komik gänzlich ad absurdum: Im Gewand der seit geraumer Zeit inflationär gesendeten TV-Kochsendungen („Wollt Ihr das totale Sieb?“).</p>
<p>Jetzt sind Grissemanns und Stermanns bisherige Radio-Texte im Band „Speichelfäden in der Buttermilch. Gesammelte Werke I“ erschienen.</p>
<p>In Tagebuchform bekommt man neben kollegialen Frotzeleien Grissemann vs. Stermann und traumatischen Erinnerungen des Ex-Ehepaars Dieter Bohlen /Verona Feldbusch auch &#8211; nicht für bare Münze zu nehmende &#8211; Einblicke in den österreichischen Indie-Qualitätsradio-Pionier-Sender „FM4.“<br />
Vor allem hinsichtlich der Protagonisten, einschließlich des als Menschenfresser dargestellten Radiomoderators und „Chefkontrollers“ Martin Blumenau:<br />
„Liebes Tagebuch, unser junger Kollege Heinrich aus Frankfurt hat die merkwürdigste Selbstmordart gewählt, nachdem seine Eintracht abgestiegen ist. Er hat Chefkontroller Blumenau ein Stück Schokolade weggefressen, vor dessen Augen! Aber man kann sich doch auch weniger qualvoll aus dem Leben verabschieden!“</p>
<p>Dazu finden sich in Grissemanns und Stermanns Radio-Werkschau allerlei gewohnt hanebüchene Miniaturen, Dialoge, Gedichte, Kurzgeschichten. Und Top-Listen, zum Beispiel:</p>
<p><em>Die drei besten Aufreißsprüche von Dirk Stermann:<br />
1. Mal sehen, ob ich diesmal was gewonnen hab.<br />
2. Mal sehen, was Omma mir so geschenkt hat.<br />
3. Mist, schon wieder die ganze Milch aufs Nähzeug geschüttet.</em></p>
<p>Oder:</p>
<p><em>Dinge, mit denen man sich ganz schlecht abtrocknen kann:<br />
1. ein Liter Bier<br />
2. Karamellbonbon<br />
3. Fleischerhaken<br />
4. Kaffeemaschinen</em></p>
<p>Groteskes, Zotiges, Treffendes, Vogelwildes, Absurdes, Subtiles: „Speichelfäden in der Buttermilch“ bündelt zwischen zwei Buchdeckeln schwarz auf weiß die ganze Bandbreite, die Grissemann und Stermann groß gemacht hat. Im Radio. Und darüber hinaus. Als Karriere-Grundstein für Bühne, Film und Fernsehen. Neubegeisterten dient die Radio-Werkschau trotz 700-Seiten-Umfang als gefühlt handliche Eintrittskarte in den vielschichtigen Grissemann- und Stermann-Kosmos. Eh klar.</p>
<p><em>Christoph Grissemann, Dirk Stermann, „Speichelfäden in der Buttermilch. Gesammelte Werke I.“ 2011 erschienen im Tropen-Verlag, 698 Seiten, broschiert, 18 Euro. Grissemann und Stermann live in München: „Die Deutsche Kochschau 3.0“ am 15. und 16. April, 20:30 Uhr im Lustspielhaus (Karten 24 Euro). Plus: Lesung Dirk Stermann „6 Österreicher unter den ersten 5“ am 16. April, 17:00 Uhr im Stadttheater Oblomow (Karten 14, ermäßigt 11 Euro</em>).</p>
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		<item>
		<title>Sonntags Bonuszeit in Tristania</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2011/02/27/sonntags-bonuszeit-in-tristania/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 15:05:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Rocko Schamoni]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der Geschlossenen Tür]]></category>

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Der Hamburger Subkultur-König Rocko Schamoni („Dorfpunks“, „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“,  „Studio Braun&#8221;, „Golden Pudel Club&#8221;)  liest am 8. April im Amerika Haus aus seinem neuen Roman „Tag der geschlossenen Tür.“ Vorab eine Rezension.

„Ich bin für einen Moment ratlos. Man hat mich dabei erwischt, wie ich in der Kunsthalle in einer gefälschten Wärteruniform über eine tote Fliege gebeugt sitze [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-18310" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/02/Schamoni.jpg" alt="Schamoni" width="430" height="708" /><br />
Der Hamburger Subkultur-König Rocko Schamoni („Dorfpunks“, „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“,  „Studio Braun&#8221;, „Golden Pudel Club&#8221;)  liest am 8. April im Amerika Haus aus seinem neuen Roman „Tag der geschlossenen Tür.“ Vorab eine Rezension.</p>
<p><span id="more-18309"></span></p>
<p>„Ich bin für einen Moment ratlos. Man hat mich dabei erwischt, wie ich in der Kunsthalle in einer gefälschten Wärteruniform über eine tote Fliege gebeugt sitze und mit ihr rede. Was soll ich sagen?“<br />
Wenn man um jeden Preis auf blöd mal Museumswärter sein will und es auf dem normalen Bewerbungs-Weg nicht klappt, bleibt: In Eigenregie wuppen. Mit Flohmarkt-Aufseherkluft,  selbstgebasteltem Phantasie-Namenschild („Herr Luigi Lottkolder“), privatem Stuhl und ebenfalls reingeschmuggelter toter Stubenfliege namens Fräulein Totelinchen. Zum Plaudern beim monotonen Sitzjob. Bis man auffliegt und die Polizei dem Spuk eine Ende macht.</p>
<p>In derartige Situationen manövriert sich Michael Sonntag regelmäßig. Huldigt in Hamburg-St.Pauli dem Unnützen. In Form hanebüchener Nonsens-Aktionen. Inzwischen ist der bereits aus Rocko Schamonis letztem Roman „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ bekannte Überzeugungs-Slacker Ende Dreißig: „Die Zeit rennt mir davon. Ich lebe in der Bonuszeit. In der Zeit nach dem fünfunddreißigstem Lebensjahr.“</p>
<p>Nichtsdestotrotz: Sonntag harrt auch in „Tag der geschlossenen Tür“ unbeirrt der Dinge. Kraft Amtes als „Fürst der Bedeutungslosigkeit.“ Wartet weiter stoisch auf Godot. Aktiv (wie im Museum). Und passiv: „Um es klar zu formulieren: Ich sitze vor dem Fernseher und warte auf die großen Gedanken. Meist vergesse ich sie sogar und schaue nur noch fern. Irgendwann werden sie schon kommen.“</p>
<p>Dank einer kleinen Erbschaft privatisiert Sonntag. Abgesehen von seiner monatlichen Kolumne für die Stadtzeitung. Mit deren Verfassen sich der Ex-Plattenverkäufer, Ex-Kartenabreißer, Ex-Barmann zunehmend größtmöglich aus dem Fenster lehnt. Um seinen Rausschmiss zu provozieren.</p>
<p>Weiteres äußerst wackliges berufliches Standbein: „Miese Handlangereien“ für seinen grenzdebilen Freund Novak, seines Zeichens Zeitschriften-Messie. Mit immer neuen absurden Geschäftsideen. Etwa Promi-Samenbank. Der Erfolg ist dementsprechend überschaubar: „Den Rest des Tages ruft keiner mehr an. Wir trinken weiter Bier. Abends gehe ich mit meinem Euro nach Hause. Wenn das weiter so gut läuft, habe ich am Ende des Monats 31 Euro. Auf längere Sicht läppert sich da einiges zusammen…“</p>
<p>Bis dahin widmet sich Sonntag regelmäßig kreativem Zeittotschlagen. Neben Museumsaufseher-Spielen überprüft er regelmäßig seine Kleingeld-Depots in Hausflurlampe, Hofefeu, Garagendach, Karstadt-Umkleidekabine: „Für schlechte Tage.“</p>
<p>Versucht sich -nachdem er die Profis bei lukrativer Abzocke beobachtet hat und auch selbst Geld verloren hat- als ehrlicher Hütchenspieler. Verliert ein Spiel nach dem anderen. Fühlt sich dennoch als moralischer Sieger: „Vielleicht weil ich, obwohl ich die ganze Zeit verloren habe, trotzdem Herr der Situation war. Fakt ist: Ich bin nicht ausgenommen worden, ich habe mich ausnehmen lassen.“</p>
<p>Betätigt sich als Krankheitensammler. Hält sich extra dort auf, wo die Wahrscheinlichkeit am Höchsten ist, sich etwas einzufangen: In U-Bahnen, Krankenhäusern und Arztpraxen. „Als Kind war ich selten krank, aber in meiner Adoleszenzphase entdeckte ich, dass eine plötzliche Krankheit wunderbar als Ausrede herhalten kann, um zumindest für kurze Momente nicht funktionieren zu müssen.“ Aus gegebenem Anlass macht er einen AIDS-Test. Aber welch Hiobsbotschaft, er ist gesund: „Geknickt verlasse ich die Praxis. Nichts habe ich. Alle haben irgendetwas, der Mensch an sich braucht ja etwas. Nur ich habe mal wieder nichts abbekommen. Nur ich bin leer ausgegangen, bin erregerfrei und womöglich vollkommen gesund. Demoralisiert wanke ich durch die sonnenüberfluteten Straßen nach Hause.“</p>
<p>Schreibt und versendet absurde Buchanfänge, Exposés zu Projekten wie „Email für Emil.“ Um in den Genuss von Verlagsabsagen zu kommen. „Um mich abzulenken, beschließe ich, eine Geschichte zu schreiben und sie in die deutsche Verlagswelt hinauszuschicken, um im Warten auf die Ablehnung eine andere Denkrichtung einzuschlagen. (…) Ich beschließe dieses gelungene Manuskript gleich an mehrere deutsche Verlage zu schicken, da ich mir wohl berechtigte Hoffnungen auf eine direkte Ablehnung machen kann. Endlich habe ich wieder eine Lebensperspektive.“</p>
<p>Fährt mit alten Freunden mit Rufnamen wie „Neunzehn Löcher Joe“ ins Casino in Travemünde. Resultat wider Erwarten: 3600 Euro Gewinn. Doch schon auf der Rückfahrt heißt es: Wie gewonnen so zerronnen. „Das Schicksal ist ein grausamer Bankier, es fordert jeden Cent zurück, den es in lauer Sommernacht verliehen.“</p>
<p>Mit Frauen ist es bei Sonntag auch so eine Sache: Die grünäugige Handyverkäuferin Marion, neues Objekt seiner Begierde (nach Mia, seiner immer noch gegenüber wohnenden erloschenen Flamme aus „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“), umkreist Sonntag lange ohne sie anzusprechen. Die Hobby-Prostituierte Nora ist als „fester Termin“ einmal mal pro Monat Sonntag liebgewonnene Konstante. Und da ist noch Susanne, die in der Stadtzeitungs-Redaktion seine Kolumnen redigiert. Mit ihr verabredet sich Sonntag. Romantischerweise im Wartezimmer einer Arztpraxis auf ein Bier.</p>
<p>Doch trotz größter Bemühungen von Seiten Sonntags: Nicht alles geht schief. Etwa: In seinem neuen Nachbarn Bob, hedonistischer Philosoph und mutmaßlicher Bankräuber, gewinnt er nach heftigen Anfangs-Irritationen einen neuen Freund. Und: Der Antwortbrief eines Verlags auf seine Manuskript-Einsendung enthält nicht die erwartete Ablehnung..</p>
<p>Rocko Schamoni schenkt dem Leser mit „Tag der geschlossenen Tür“ eine Perlenkette grotesk-urkomischer Kurzepisodenschätze. Dazwischen nahtlos eingewebt: Reflexionen über das größere Ganze und das vermeintlich kleinere Kleine des Lebensalltags. Im Makro wie im Mikro: Jeder Satz ein Treffer ins Schwarze.</p>
<p>Der Hamburger Subkultur-König hat es als Musiker, Autor, Entertainer, Telefonterrorist, Schauspieler und Betreiber des „Golden Pudel Clubs“ interdisziplinär zu etwas gebracht, steht auf der beruflichen Sonnenseite des Lebens. In Gestalt des irrlichternden Michael Sonntag zeigt sich Schamoni nach „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ ein weiteres Mal solidarisch. Schamonis bisheriges Werk und einschlägige Aussagen in Interviews lassen den Schluss zu: Nicht zuletzt im Hinblick auf seine eigenen Lehrjahre.</p>
<p>Zudem finden sich in Michael Sonntag wohl ein gerüttelt Maß an Rocko Schamoni des Jahres 2011. Neben Sonntags (auch Schamoni kennzeichnenden) chronischen Dada-Namenseingebungen wie Dr. Baby Rabottnik Salzauer, Opa Palumba oder Hubi Hermanns-Hall manifestiert sich dies in Form im Buch prominent platzierter von Schamoni schon andernorts artikulierter kritischer Gedanken. In Sachen: Konsumverherrlichung, TV-Schwachsinn, Eventterror mit Schlagermove oder Motorradgottesdiensten, St. Pauli-Nachtleben-Touristen und Rauchverbot, dessen erbitterter Gegner Sonntag (auch hier: alias Schamoni) ist: „Willkommen auf dem Flug nach Tristania.“</p>
<p>Und last but not least: Die allgegenwärtige auch vor Hamburger Stadtteilen wie St. Pauli nicht Halt machende Gentrifizierung ist Schamonis Sonntag ein Dorn im Auge:<br />
„Das heilige Schmutzige und das schmutzige Heilige sind verschwunden. (…) Ein altes, löchriges, schönes Gebiss. Aber all die faulen Zähne sind gezogen worden. Die Lücken zwischen den Häusern sind gefüllt, die maroden abgerissen oder renoviert. Langsam weichen die türkischen Gemüsehändler und die Freaks mit ihrem Gerümpelläden und werden ersetzt durch Streetwareshops und Tapasbars.“</p>
<p>Rocko Schamoni setzt sich auch im wirklichen Leben im Rahmen der Aktion „Not in our name“ gegen ausufernde Gentrifzierung in der Elbmetropole ein. Den Anliegen jener Protestbewegung und sonstigen Michael Sonntag-Idealen hat er mit „Tag der geschlossenen Tür“ ein literarisches Denkmal errichtet. Wie bereits die dem Buch vorangestellte Widmung proklamiert: „Für alle schmutzigen Heiligen.“</p>
<p>Rocko Schamoni liest aus seinem neuen Roman „Tag der geschlossenen Tür“ (erschienen 2011 im Piper-Verlag, 270 Seiten, Klappenbroschur, 16,95 Euro) am 8. April, 19:30 Uhr im <a href="http://www.amerikahaus.de/">Amerika Haus</a> (Restkarten an der Abendkasse ca. 15 Euro).</p>
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		<title>Genius loci 2.0 -Marke Eigenbau statt Mainstream</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 12:35:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanisten]]></category>

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		<description><![CDATA[
Francesca Gavins bemerkenswerter Interview-Bildband „Die neuen Urbanisten“ präsentiert 30 Kreative und ihre Wohnungen in Berlin, Barcelona, London, Paris, New York und Tokio. Auch wenn München nicht vorkommt &#8230; Thomas Steierer hat das Buch für mucbook mal angeschaut. 
Die eigenen vier Wände. Sie sind wohl für jeden von elementarer Wichtigkeit. Als Privatleben-Rückzugsort. Und: Visitenkarte. Gegenüber dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-17742" title="Die neuen Urbanisten-Cover" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/02/Die-neuen-Urbanisten-Cover.jpg" alt="Die neuen Urbanisten-Cover" width="430" height="502" /></p>
<p>Francesca Gavins bemerkenswerter Interview-Bildband „Die neuen Urbanisten“ präsentiert 30 Kreative und ihre Wohnungen in Berlin, Barcelona, London, Paris, New York und Tokio. Auch wenn München nicht vorkommt &#8230; Thomas Steierer hat das Buch für mucbook mal angeschaut. <span id="more-17722"></span></p>
<p>Die eigenen vier Wände. Sie sind wohl für jeden von elementarer Wichtigkeit. Als Privatleben-Rückzugsort. Und: Visitenkarte. Gegenüber dem eigenen sozialen Umfeld, Freunden, Familie und Bekannten. Bei der Gestaltung der persönlichen Räumlichkeiten könnte man sich als Individuum verwirklichen. Könnte. Hier hätte man freie Hand. Hätte.</p>
<p>Denn: Seit geraumer Zeit grassieren bei der Inneneinrichtung vielerorts uninspirierter Ikea-Konformismus und steriler Minimalismus, oftmals ganz in Weiß. Bemängelt Francesca Gavin, Style-Journalistin und Autorin aus London. Sie stellt globaler Wohnraum-Vereinheitlichung ein Plädoyer für Individualismus entgegen. In bemerkenswert bebilderter Buchform.</p>
<p>Gemeinsam mit dem Fotografen Andy Sewell nimmt Gavin in „Die neuen Urbanisten“ mit auf Wohnungsschau-Weltreise. Nach Berlin, Barcelona, London, Paris, New York und Tokio. Dort ließen sich Kreative aus Bereichen wie Film, Fotografie, Architektur, Grafik, Graffiti, Mode, Set-, Möbel- und Spielzeugdesign ablichten, plauderten aus dem Nähkästchen. Und nicht zuletzt: Gewährten Gavin und Sewell Zutritt in ihre Wohn- und Arbeitsräume.</p>
<p>Gavins Fazit im Vorwort: „Die Einfallsreichsten sind oft mit wenig Geld und viel Eigenarbeit gestaltet. So präsentieren sie sich auch als Alternative zu gedankenlosem Konsumverhalten. Es hat durchaus einen politischen Aspekt, wenn man Abstand vom ästhetischen Spektrum des Mainstreams nimmt: Warum soll man kaufen, was man selbst gestalten kann? (…) Ruhm und Wohlstand sind Werte, die vielfach das moderne Leben beherrschen. Die Kreativen dieser Welt zeigen, dass es dazu Alternativen gibt.“</p>
<p>Beim vorgestellten „Creative Space“ (so der Titel der englischen Originalausgabe) findet sich Gavins Postulat in Richtung Marke Eigenbau statt Mainstream eindrucksvoll in die Praxis umgesetzt. Unikat-Arrangements. Spielzeug, Actionfiguren, Stofftiere, Hirschgeweihe, Heiligenikonen, Aktfotos. Extravagante Möbel, Kleidung, Poster, Gemälde und Collagen. Experimentelle Wand- und Treppenhausgestaltung. Umfangreiche Bücher-, Zeitschriften- Film-, CD- und Schallplattensammlungen. Allerlei Selbstgebasteltes, Vintage, Trash, Flohmarktfunde.</p>
<p>Derartiges kreatives Chaos dient als Selbstreferenz und Nährboden für auch dem Broterwerb zu Gute kommende schöpferische Geistesblitze. Lukas Feireiss, im Buch vorgestellter und zu Wort kommender Berliner Architekturkritiker, Autor und Kurator: „Für mich ist ein Zuhause der emotional aufgeladene Ausdruck des menschlichen Bedürfnisses nach Originalität in räumlichen Strukturen. Unser Sein hat starken Einfluss auf unser Bewusstsein und meine Wohnung drückt durch die collageartige Mischung aus Objekten sicherlich meine Grundhaltung aus. Konstruktive Verrücktheit. Meine Wohnung ist aber auch mein wichtigster Stützpunkt und Rückzugsort –und meine wichtigste Inspirationsquelle.“</p>
<p>Aussagekräftige Portraitfotos spannender Individualisten, detaillierte Abbildungen ihrer Wohnungen sowie Interviews zu ihrer Wohn-Philosophie und den jeweiligen persönlichen Motiven, kreativ tätig zu werden: Francesca Gavins runde Komposition, zu deren Charme auch eine ansprechende Typografie und erfreulich überschaubare Städtetipps (eine Seite pro Metropole) am Ende von „Die neuen Urbanisten“ beitragen, inspiriert dazu, auch selbst etwas in Eigeninitiative auf die Beine zu stellen. Nicht zuletzt in Form von Do-it-Yourself-Gestaltung der eigenen vier Wände.</p>
<p><em>Francesca Gavin, „Die neuen Urbanisten. So wohnen die Kreativen in Barcelona, Berlin, London, New York, Paris und Tokio.“ Fotos: Andy Sewell. 208 Seiten mit 172 Farbabbildungen, Klappenbroschur. Aus dem Englischen übersetzt von Wiebke Krabbe. 2010 erschienen bei DVA. Preis: 39,90 Euro.</em></p>
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		<title>Vom Regen in die Traufe</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 12:29:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Steierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Vorverkauf läuft]]></category>

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Der Hamburger Multitask-Humorist Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“, Studio Braun) liest am 28. Februar in der Freiheizhalle aus seinem neuen Buch „Heinz Strunk in Afrika.“ Vorab eine Rezension. 
Jungle bells statt Jingle bells. So die Maxime Heinz Strunks, seines Zeichens Autor, Hörspielmacher, Musiker, Schauspieler und Telefonterrorist. Sprich: Das Weite suchen um Weihnachten herum. Zusammen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-17271" title="Heinz Strunk in Afrika" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2011/01/Heinz-Strunk-in-Afrika2.jpg" alt="Heinz Strunk in Afrika" width="430" height="702" /></p>
<p>Der Hamburger Multitask-Humorist Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“, Studio Braun) liest am 28. Februar in der Freiheizhalle aus seinem neuen Buch „Heinz Strunk in Afrika.“ Vorab eine Rezension. <span id="more-17264"></span></p>
<p>Jungle bells statt Jingle bells. So die Maxime Heinz Strunks, seines Zeichens Autor, Hörspielmacher, Musiker, Schauspieler und Telefonterrorist. Sprich: Das Weite suchen um Weihnachten herum. Zusammen mit einem Freund. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Sein Reisegefährte, im Buch stets nur C. genannt, ist der österreichische Moderator, Kabarettist und Schauspieler Christoph Grissemann. Von ihrer Kenia-Reise Ende 2007 handelt Strunks Anfang Januar erschienener vierter Roman.</p>
<p>Im Rahmen eines Tapetenwechsels aus dem kalten Westeuropa in wärmere Gefilde soll ein Film-Treatment gemeinsam auf die Beine gestellt werden. Anknüpfend an den großartigen gemeinsam vor vier Jahren realisierten Film „Immer nie am Meer“, zu dem Strunk, Grissemann und dessen kongenialer Partner Dirk Stermann („Willkommen Österreich“, „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“) das Drehbuch geschrieben hatten.</p>
<p>Möglichst wenig Ablenkungen hiervon erhoffen sich Strunk und C. im all inclusive-Baderessort in der Nähe der zweitgrößten kenianischen Stadt Mombasa. Im Rahmen eines zweiwöchigen „Nicht-Erlebnisurlaubs.“</p>
<p>Was auch als Pauschaltouristen-Satire verstanden werden darf: Getreu dem Buch-Motto „Die ganze Welt bereist und nichts gesehen“ gibt Strunk stellenweise den ignoranten Euro-Krösus-Urlauber. Wie ihm C., das zeigt sich in einer Szene auf einem Glasbodenschiff ebenfalls kein Kind von Traurigkeit, bei einer Fahrt mit einem alten Mercedes-Taxi vorhält: „ Er sei noch mit niemanden gereist, der sich so wenig für das Schicksal von Land und Leuten interessiere wie ich. Im Gegenzug kläre ich C. darüber auf, dass die 1983 aufgelegte 190er-Baureihe die erste mit sogenannter Raumlenker-Hinterachse gewesen sei. Eine Provokation, entgegnet er, und noch nicht einmal eine sonderlich originelle, ihn mit derart langweiligen Informationen zu belästigen. Wenn ich der öden Rubrik Unnützes Wissen etwas beizusteuern hätte, solle ich mich doch bei der Neon bewerben. “</p>
<p>Kleinster gemeinsamer Nenner-Ziel aller „Nicht-Erlebnisurlaub“-Touristen: Größtmögliche Erholung, die auch die zwei filmschaffenden Protagonisten als Nebeneffekt mitzunehmen gedenken. Mit Hilfe von konstant hohem Alkoholpegel (Strunk), Dauerqualmen und Buffet-Völlerei (C.) sowie Geld verbrennendem Spielautomaten-Zocken (beide): „Als Ausgleich zur Kopfarbeit benötigen wir Zerstreuung, wir haben ein tiefes Verlangen nach Gedankenleere; die Flucht in Dämmern, Alkohol und Glücksspiel ist in dem Wunsch begründet, wenigstens ein paar Tage im Jahr in seelige Bewusstlosigkeit und selbst verordnete Dummheit abzutauchen.“</p>
<p>Zunächst mit mäßigem Erfolg: C. bleibt zunächst durch Schneechaos am Wiener Flughafen (passend zum streckenweise grimmigen Winter 2010/2011) stecken. Verpasst den gemeinsamen Flug von Frankfurt nach Kenia. Hat nach dem sündhaften teuren Ersatzflug auf eigene Kosten mit massiven Ohrenproblemen zu kämpfen. Strunk kommt „vom Regen in die Traufe.“ Aus dem nasskältegrauen Hamburg in die ihm, wie sich umgehend herausstellt, zutiefst unangenehme schwüle Hitze. Die ihn nicht nur latent depressiv sondern auch aggressiv stimmt.</p>
<p>Das Hotelpersonal, nicht zuletzt stoische Ohrwurmpfeifer, wenig devote Rezeptionisten und freche „Grüßauguste“, bringt ihn ebenso auf die Palme wie andere Urlauber vor Ort, die er in bösen Psychogrammen abfieselt: „Die Fickstörche sind ganz weiß im Gesicht. Haha, da gehört ihr hin, denke ich, Bumsbockhotel Manson, benannt nach dem gleichnamigen Psychopathen und Massenmörder. Ausladen, goodbye, gut Schuss, und weiter geht’s.“</p>
<p>Strunk belässt es jedoch wie immer nicht beim Austeilen gegen andere. Betreibt auch entwaffnend schonungslose selbstkritische Analyse seiner eigenen Person: „Mein Außenseiterstatus auf ewig zementiert. Die negative Strahlung des Ungeselligen. Ich verströme eine Aura des Überflüssigseins, meine Anwesenheit irritiert die Anderen, sie möchten, dass ich weggehe.“</p>
<p>Im zweiten Teil des Buchs nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf. Jenseits der von Strunk und C. selbst auferlegten Monotonie aus immergleichem Frühstück-Mittagessen-Abendessen-Pool-Drehbuch-Saufen/Rauchen-Zocken. Frauen kommen ins Spiel, Käufliche. Und Nichtkäufliche: Strunk lernt die bezaubernde Hotelangestellte Lucy kennen. Das Film-Treatment nimmt Gestalt an. Unter dem Titel „Pudel Colada“ spinnen die beiden   -als kleines Buch im Buch- einen trashig-skurrilen Plot zusammen. Mit vogelwilden Komponenten wie Pudelwettbewerb, Glöckner von Notre-Dame-Casting oder Schildkrötenstammtisch. Sie unternehmen Taxi-Exkursionen in Spielhallen und Clubs in Afrikas wichtigster Hafenstadt Mombasa. Auch am zweiten Weihnachtsfeiertag, als dort politische Unruhen ausbrechen, machen sie sich auf den Weg. Wovon man ihnen im Hotel dringend abrät. Zu Recht: Strunk und C. geraten in größere Schwierigkeiten..</p>
<p>Am Ende der Reise konstatiert Strunk auch folgenden Mehrwert der Kenia-Exkursion: „Wieder rauchen. Endlich wieder rauchen. Nach glücklich überstandener Geiselnahme wieder zu Zigarette gegriffen. Wenn ich diese Großchance nicht nutze -selber schuld! Ich zieh das jetzt durch! Und wenn es ein Jahr dauert, bis ich über den Berg bin. Herrlich. Wenn es eine perfekte Rechtfertigung gibt, dann doch wohl eine glücklich überstandene Entführung. Ich bestelle eine Packung Sportsman und eine Flasche Henkell Trocken (38000 Schilling).“</p>
<p>Wohl nicht zuletzt angesichts von Seiten einiger Kritiker angeprangerten vermeintlichen stilistischen Defiziten von „Die Zunge Europas“ (2008) und „Fleckenteufel“ (2009) gegenüber seinem literarischem Senkrechtstart-Erstling „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 nimmt Strunk erneute Verrisse in seinem neuen Werk selbst vorweg. Er lässt einen fiktiven Kritiker aus dem Off das gerade zu Papier Gebrachte in der Luft zerreißen: „Das war wieder sehr schlecht Herr Strunk, (…). Belegen Sie bitte einen Kurs für kreatives Schreiben!“</p>
<p>Mitnichten. Wer bislang eine Antenne für Output und Philosophie von Heinz Strunk hatte, wird auch „Afrika“ mögen. Strunk bleibt den ursprünglichen roten Fäden seines rasant wachsenden Werks treu. Typische Heinz Strunk-Momente voller Melancholie und Leerlauf, katharsischen Anzüglichkeiten, Dada-Geistesblitzen und groteskem Aberwitz sind auch in „Afrika“ nicht zu knapp zu finden.</p>
<p>Heinz Strunk liest am 28. Februar, 20:00 Uhr in der <a href="http://freiheizhalle.de/index.php?page_id=12" target="_blank">Freiheizhalle</a> (Karten für 15, 80 Euro) aus „Heinz Strunk in Afrika“, erschienen im <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Heinz_Strunk_Heinz_Strunk_in_Afrika.2850156.html" target="_blank">Rowolth-Verlag</a> (Kostenpunkt 13,95 Euro).</p>
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		<title>Aufschrei, Protest und Widerworte</title>
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		<pubDate>Sat, 08 May 2010 07:42:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Schuster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Dienstag liest Iris Hanika aus ihrem neuen Roman &#8220;Das Eigentliche&#8221; in der Buchhandlung Lehmkuhl. Eine Rezension.

In der Mitte der Hauptstadt, heißt es im Roman „Das Eigentliche“, steht ein Gebäude, das Institut für  Vergangenheitsbewirtschaftung. In seinem Zentrum, im achten der sechzehn Stockwerke, befindet sich eine Maschine. Eine Maschine, die mit Geldscheinen gefüttert wird, damit sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag liest Iris Hanika aus ihrem neuen Roman &#8220;Das Eigentliche&#8221; in der Buchhandlung Lehmkuhl. Eine Rezension.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9687" title="Das Eigentliche" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/Das-Eigentliche.jpg" alt="Das Eigentliche" width="366" height="338" /><span id="more-9685"></span></p>
<p>In der Mitte der Hauptstadt, heißt es im Roman „Das Eigentliche“, steht ein Gebäude, das Institut für  Vergangenheitsbewirtschaftung. In seinem Zentrum, im achten der sechzehn Stockwerke, befindet sich eine Maschine. Eine Maschine, die mit Geldscheinen gefüttert wird, damit sie die Kantinenkarte der Angestellten mit einem Wert auflädt, der sich gegen Essen eintauschen lässt. Allerdings spuckt die Maschine „jeden Schein, egal, welchen Wert er darstellt, viele Male wieder aus“, als behage ihr die Tätigkeit des Vergleichens nicht besonders, „denn eine solche Wertüberführung ist eine zu ernste Sache, als daß man dabei Fehler machen dürfte; es darf der jeweils zu übertragende Wert nicht erhöht, noch verringert werden.“</p>
<p>Derselben Schwierigkeit sieht sich der Vergangenheitsbewirtschafter Hans Frambach alltäglich gegenüber, wenn er die Datenbank mit den Nachlässen und Zeugnissen von Opfern der nationalsozialistischen Diktatur füttert. Der Computer freilich wehrt sich nicht gegen diese Überführung von Leben ins Archiv, Frambach aber wurde vom Unbehagen an der Normalität seiner Tätigkeit, an der Institutionalisiertheit des Gedenkens ergriffen. „Aus dieser Arbeit ist das Shoah-Business geworden. Und darin fühle ich mich fremd“, erklärt er seiner besten (und einzigen) Freundin Graziela, mit der ihn einst die Verpflichtung der Nachgeborenen einte, die aktuell jedoch allererst ihren Freund Joachim im Kopf hat. Hans sagt: „Mittlerweile komme ich mir mit meinem Pflichtbewußtsein wie ein KZ-Wächter vor, nur daß heute die KZ-Wächter dafür da sind, die Erinnerung wachzuhalten. Wir bewachen nämlich auch die KZs. Denn ohne KZs wären wir alle arbeitslos.“</p>
<p>Dass KZs heute keine KZs mehr sind, weiß Iris Hanika, die Autorin dieser Sätze, natürlich. Und dennoch hat ihr Frambach Recht – heißt man Auschwitz im alltäglichen Sprachgebrauch doch tatsächlich „KZ“ und eben nicht „Gedenkstätte“. Eine nüchterne, weiters unkommentierte Liste mit Beispielen ähnlicher Zynismen, die wir ähnlich gedankenlos akzeptieren, findet sich ziemlich genau in der Mitte des Buchs. Sie nennt unter anderem den Vorschlag, den Potsdamer Platz in „Judenplatz“ umzubenennen; den Leiter einer Gedenkstätte, der von einem ehemaligen KZ-Häftling schwärmt, er sei „besser als Primo Levi“; den Bioladen, der stolz verkündet, kein Obst aus Israel zu verkaufen; die Frau von der Wiedergutmachungsinstitution, die begeistert von ihrem Treffen mit der „Crème de la crème der Überlebenden“ berichtet.</p>
<p>An Hans Frambach dagegen führt Iris Hanika vor, wie es aussehen und wie es sich anhören müsste, wenn die Vergangenheit wirklich anwesend, wirklich konkrete Gegenwart wäre. Frambachs PC-Passwort lautet „Hoess“, beim U-Bahnfahren denkt er an die Züge in die Vernichtungslager, bei der Economyclass ebenfalls an die Enge in den Viehwaggons. Und dann schämt er sich dafür, dass er sich für die Obszönität solcher Vergleiche – Frambach nennt es Frivolität, das sei weniger abgegriffen – nicht mehr schämt. „Das war lange Zeit seine konkrete Not gewesen, der Auschwitzvergleich; daß der so absurd war, hatte sie verstärkt. Doch war diese Not eben irgendwann von ihm abgefallen.“ Was er davon halten soll, weiß Frambach selbst nicht, denn das ist die große Frage, die dieser Roman immer wieder neu, immer wieder anders stellt: Wie soll man das Unbegreifliche denn überhaupt noch begreifen? Jetzt, da es längst in den Beton der Mahnmale gegossen und zum Stoff von Unterhaltungsfilmen geworden ist.</p>
<p>Diese Frage stellt Iris Hanika dem Leser mit bewundernswert ungeschützter Hartnäckigkeit. Die NS-Rhetorik bricht sich immer wieder Bahn, so dass der Leser ihrer Literarizität schlichtweg nicht entkommen kann; wer gerade spricht bleibt dabei oftmals unklar. Das Erzählen ist manchmal von einem fast märchenhaften Ton historischer Distanz (Hans und Graziela klingt ohnehin beinahe wie Hans und Grete); in Klammern erfolgen ironische Seitenhiebe auf den Business-Slang des Instituts oder werden Assoziationen bibliografisch exakt verortet. Zu diesen regelrechten Interventionen ist auch eine Art Minidrama zu rechnen, das in vier Szenen die vier Phasen des bundesdeutschen Umgangs mit dem Holocaust mit teils groteskem, teils zynischem Strich nachzeichnet. Nur nicht Erstarren in einem Jargon der Eigentlichkeit, wenigstens stets auf der Suche sein nach der Möglichkeit einer fünften Phase des Erinnerns.</p>
<p>Immerhin weiß Hans Frambach, wie man das Unbegreifliche nicht begreifen wird. Auf einer Kirchenmauer liest er den Schriftzug „Golgatha Plötzensee Auschwitz Hiroshima Mauern“. Er nimmt sich das zugehörige Infoblatt – und ringt vor Wut um Luft. „Alle Verbrechen aller Zeiten, entnahm er diesem Text, waren einfach und zufriedenstellend zu erklären. Deswegen konnten sie ja so nebenbei aufgelistet werden.“ Dass man dem Sinnlosen immer einen Sinn abgewinne, erregt er sich später gegenüber Graziela, „das ist es, was mich fertigmacht“.</p>
<p>Der Sakralisierung von Auschwitz entgegen setzt Hanika weiße Seiten; gleich zweimal wuchert plötzlich eine solche Leere aus dem Buch. Das erste Mal steht sie für die Fassungslosigkeit, auch die des Lesers. Das andere Mal trägt sie die Überschrift „Raum für Notizen“: Frambach hat soeben ein paar Blätter eines Nachlasses gestohl-, nein: vor der archivarischen Ver-Wertung gerettet. Diese Privatisierung fordert Hanika anschließend auch von ihren Lesern, und ausnahmsweise erscheint es möglich, dass manch einer hier zum Stift greift, da es vielen leicht fallen wird, dieses Buch als unerhört abzutun. Denn das ist es vom ersten bis zum letzten Satz: eine so unglaublich wie buchstäblich unerhörte Zumutung, die einfach nicht aufhört, in den Ohren zu sausen und das Hirn zu martern. Ein Aufschrei, Protest und Widerworte dürften mithin ganz im Sinne der Autorin sein – dann nämlich wäre an das Gespräch, das „Das Eigentliche“ beginnt, angeknüpft, würde es fortgesetzt in die Zukunft, würde es nicht zum Ende kommen. Um die richtigen Worte zu finden, muss man sie schließlich suchen wollen.</p>
<p><strong><em><a title="Iris Hanikas Website" href="http://www.iris-hanika.de/" target="_blank">Iris Hanikas</a> neues Buch „Das Eigentliche“ ist soeben im österreichischen Droschl Verlag erschienen und kostet 19 Euro. Am Dienstag, den 11. Mai, liest die Autorin um 20.30 Uhr in der <a title="Buchhandlung Lehmkuhl" href="http://www.leben-mit-buechern.de/lehmkuhl-start.htm" target="_blank">Buchhandlung Lehmkuhl</a> (</em><em><span>Leopoldstraße. 45)</span></em></strong><strong><em>. Der Eintritt kostet sechs Euro.<br />
</em></strong></p>
<p><em>Diese ist Rezension von Katrin Schuster, der Macherin des Blogs literatur-muenchen.de (<a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/">www.literatur-muenchen.de/</a>), ist in der <a title="Maiausgabe des KLAPPENTEXT" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/wp-content/uploads/2010/04/klappentext-mai.pdf" target="_blank">Maiausgabe</a> des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT erschienen. Ein KLAPPENTEXT-Abonnement (<a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/">www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/</a>) ist kostenlos.</em></p>
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		<item>
		<title>Man sollte ihr die Beine mit einer Axt abhacken!</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/05/07/man-sollte-ihr-die-beine-mit-einer-axt-abhacken/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 14:59:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Michalek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer Gewalten  von Clemens Meyer noch nicht gelesen hat, sollte das besser tun. Einen Eindruck konnte man gestern beim dritten Geburtstag der Münchner Lesungsreihe Kellergeister in der Unilounge hören – Literatur, wie sie lebt, leibt und ordentlich reinknallt.
So auch der Autor, der es sich nicht nehmen lässt, einerseits auf seine sächsische Herkunft zu verweisen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer <em>Gewalten </em> von Clemens Meyer noch nicht gelesen hat, sollte das besser tun. Einen Eindruck konnte man gestern beim dritten Geburtstag der Münchner Lesungsreihe <em>Kellergeister</em> in der Unilounge hören – Literatur, wie sie lebt, leibt und ordentlich reinknallt.<span id="more-9965"></span></p>
<p>So auch der Autor, der es sich nicht nehmen lässt, einerseits auf seine sächsische Herkunft zu verweisen und andererseits im Moderatoren-Gespräch mit dem Münchner Schriftsteller Daniel Grohn eine ordentliche Keule in Richtung Literaturkritik auspackt. <em>Mein Buch mit dem Satz, ein Mann, ein Colt, ein Dosenbier (<a href="http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/Produktdetails/Buch+Gewalten+Clemens_Meyer/5538501.do;jsessionid=664B544C4F6A803605DE81D017D07C79.rilke:9009?extraInformationShortModus=false&amp;currentExtraInformationTab=">SZ-Rezension</a></em><em>) zu charakterisieren, das heißt entweder, es wurde nicht gelesen, oder schlimmer noch, nicht begriffen &#8230;</em> Und auch gegen störende Geräusche hat er eine passende Erwiderung parat. Einer den Lesungsraum durchschreitenden Frau solle man doch bitteschön <em>die Beine mit einer Axt abhacken, also dieses Bamm, Bamm, Bamm, das ist doch unverschämt!</em></p>
<p><em><span style="font-style: normal">Also was genau verbirgt sich hinter dem Phänomen Clemens Meyer und seinem vielumstrittenen Tagebuch </span>Gewalten?</em></p>
<p><em><span style="font-style: normal">Elf Geschichten, die ein Protagonist namens Clemens Meyer erlebt. Sie tragen Titel wie D</span>raussen vor der Tür, im Bernstein, <span style="font-style: normal">oder </span>in den Strömen <span style="font-style: normal"> und immer ist es ein Alter Ego des Autors, das abschweift, den Alltag beschreibt, politisch-aktuelle Diskurse bespricht, da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Leicht zugänglich ist dieses Werk nicht unbedingt, aber ein Kunstwerk und ein literarisch hochwertiges, das ist es allemal. Schon allein deswegen, weil Meyer als Autor in diesem Fall nicht mehr an irgendwelche Marktanforderungen gebunden war.</span> <span style="font-style: normal">Denn entstanden sind die </span>Gewalten<span style="font-style: normal"> als Stipendienbegleitende Veröffentlichung. Da schert man sich eben nicht um den ein oder anderen Trend, der gerade in den Marketingabteilungen der Verlage </span>en Vogue <span style="font-style: normal">sein mag. Fast nebenbei in der Lektüre enthalten: gesellschaftsfähige Tips für den Alltag, z.B. </span><span style="font-style: normal">wie man einen verplombten Stromzähler wieder lauffähig bekommt &#8230;<br />
</span><br />
<span style="font-style: normal">Clemens Meyer war allerdings nicht der einzige Lesende an diesem Abend. Im traditionellen Vorprogramm der Kellergeister las David Vondratschek, Absolvent des LMU-manuskriptum-Kurses aus seinem noch entstehenden Text (ebenfalls Tagebuch) </span>einige wichtige Gedanken, ein Tagebuch zwischen München und Prag.<span style="font-style: normal"> Selbst wenn hier die Meyersche Größe noch längst nicht erreicht ist und ein wenig zuviel Bildungsbürgertum mitschwingen mag – die sprachlich ausgefeilte Ironie des Autors macht Lust auf mehr und lässt gerechtfertigt die Hoffnung offen, auch diesen Text eines Tages in Buchform zu sehen. Es wäre dem Autor zu wünschen – und dem Markt, den was wir definitiv brauchen, sind mehr gute Bücher.</span></em></p>
<p><em>Nachtrag: Was Clemens Meyer neben seiner schriftstellerischen Größe als Mensch auszeichnet: Im Publikum nachzufragen, wer welche Episode aus <span style="font-style: normal">Gewalten <span style="font-style: normal">bereits von ihm gelesen gehört hat – um Redundanzen zu vermeiden. Das passiert sicherlich nicht alle Tage auf einer Lesung &#8230; </span></span></em></p>
<p><em> </em></p>
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		<item>
		<title>&#8220;Alles aus!&#8221; (Schon wieder&#8230;)</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/04/30/alles-aus-schon-wieder/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 10:41:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Schuster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerhard Henschel verkündet nicht den Untergang der Welt. Aber vielleicht den Untergang des Untergangs. Am Dienstag liest er in den Kammerspielen.

Das ewige Gezicke zwischen Zeitungen und World Wide Web, die sich gegenseitig die Schuld am Niedergang der Kultur zuschieben wollen, nervt ja nicht erst seit gestern. Da kommt  „Menetekel“ tatsächlich mehr als recht. Denn darin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerhard Henschel verkündet nicht den Untergang der Welt. Aber vielleicht den Untergang des Untergangs. Am Dienstag liest er in den Kammerspielen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9676" title="untergang des abendlandes" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/04/untergang-des-abendlandes.jpg" alt="untergang des abendlandes" width="366" height="338" /><span id="more-9671"></span></p>
<p>Das ewige Gezicke zwischen Zeitungen und World Wide Web, die sich gegenseitig die Schuld am Niedergang der Kultur zuschieben wollen, nervt ja nicht erst seit gestern. Da kommt  „Menetekel“ tatsächlich mehr als recht. Denn darin fasst der Autor all die zahllosen Warnungen vor dem Untergang des Abendlandes mit einer herrlich ätzenden Ironie zusammen.</p>
<p>Und landet auf dieser Suche nach der darin immer wieder beschworenen guten alten Zeit erst einmal im Pliozän: Nur damals, so folgert Henschel, nachdem er sich immer weiter zurück gelesen und überall nur dieselben Klagen über den Verfall der Sitten und der Moral gefunden hat, habe wohl jene Monogamie und jene „Rassentreue“ geherrscht, die die nimmermüden Mahner ein ums andere Mal als einzige Möglichkeit des Überlebens vorstellten. „Vegetiert hatten diese ostafrikanischen Urahnen der Menschheit im Pliozän“, schreibt Henschel, „ohne Kenntnis der Feuerzähmung, ohne Faustkeil, Steinaxt, Töpferscheibe, Rad und Pflug und auch ohne Tisch und Bett, ohne Kamm und Seife, aber dafür in der Gesellschaft des Säbelzahntigers. Wenn das die gute alte Zeit war, sollten die ‚Propheten des Niedergangs‘ die Korrelation zwischen maßlosem Lebensgenuss und kulturellem Abstieg noch einmal gründlich überdenken.“</p>
<p>Getreu nach Michael Rutschkys Satz, dass „die apokalyptische Rede […] ihrer Form nach, ganz unabhängig davon, was sie verkündet, autoritativ“ sei, nimmt sich Gerhard Henschel dann alle schön nacheinander vor: die Menetekel der Kirchenväter, den Mythos vom Untergang Roms durch unkeuschen Lebenswandel, die Germanen als Ikone einer natürlichen Kultur, die Warnungen vor der Großstadt, dann Ernst Moritz Arndt, Oswald Spengler, die Stunde Null, die keine war, Günther Anders und Rolf Dieter Brinkmann. Dabei kommen freilich auch Henschels Säulenheilige der Neuen Frankfurter Schule wie seine höllische Ikone, die BILD-Zeitung, nicht zu kurz, und die kleine Diskursgeschichte beginnt sich langsam zu vernetzen.</p>
<p>Am liebsten ist es Henschel dabei, die Denunziatoren selbst zu denunzieren: Es seien nicht die modernen Zeiten, sondern ganz allein die Apokalyptiker, die ihre geilen Fantasien nicht zügeln könnten und deshalb von nichts anderem sprächen. Die rhetorische „Dauerbeschäftigung mit der Fleischeslust“ dieser „Voyeure des Sittenverfalls“, „deren Heftigkeit mehr über den Aufruhr im Gemüt der Zeugen verrät als über den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen“, entlarve höchstens ihre Autoren, aber niemals die Zeiten, in denen sie geschrieben wurden. Und hinter diesem Schleier steckt meist nicht mehr als der blanke Rassismus und Nationalismus. „Menetekel“ taugt mithin selbst gar nicht so schlecht zum Menetekel – als laute Warnung an all die Untergangspinsler, dass ihnen einer auf die Finger sieht und die Zeichen der „pastörlich getönten Denunziation der permissiven Gesellschaft“, die da an die Wand gemalt werden, genau kennt und wiedererkennt. Man sollte sich wirklich ernsthaft überlegen, ob man dieses Buch nicht als Pflichtlektüre einführt für alle, die in der Öffentlichkeit publizieren wollen. Dann wäre es vielleicht manchmal ein wenig stiller und angenehmer – ganz so wie in den guten alten Zeiten eben, die niemals existiert haben.</p>
<p><strong><em>Gerhard Henschel „Menetekel – 3000 Jahre Untergang des Abendlandes&#8221; ist soeben bei Eichborn  erschienen. Es kostet 32 Euro. Am Dienstag, den 4. Mai, <a title="Lesung bei den Kammerspielen" href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/index.php?URL=index.php%3F%26SeitenID%3Dhome" target="_blank">liest</a> Henschel ab 20 Uhr im Neuen Haus der Kammerspiele (Falckenbergstraße 1)</em></strong><strong><em>. Der Eintritt kostet neun Euro (ermäßigt fünf).</em></strong></p>
<p><em>Diese ist Rezension von Katrin Schuster, der Macherin des Blogs literatur-muenchen.de (<a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/">www.literatur-muenchen.de/</a>), ist in der <a title="Maiausgabe des KLAPPENTEXT" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/wp-content/uploads/2010/04/klappentext-mai.pdf" target="_blank">Maiausgabe</a> des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT erschienen. Ein KLAPPENTEXT-Abonnement (<a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/">www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/</a>) ist kostenlos.</em></p>
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		<title>Von autistischen Kühen und einem Turnbeutel</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/03/03/von-autistischen-kuhen-und-einem-turnbeutel/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 15:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Michalek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ein denkwürdiger Abend im Münchner Literaturhaus, wo die Nominierten für den diesjährigen Leipziger Buchpreis lasen &#8211; mit dabei: Helene Hegemann.
Fünf Autoren/Innen und zwei Moderatoren, die stellenweise hilflos wirken, stellenweise einen Slapstickgag nach dem Anderen in bester Loriot-Manier servieren (dies mag der besonderen Tatsache geschuldet sein, dass der Abend gleichzeitig fürs Radio mit aufgezeichnet wurde) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-7810" title="Hegemann1" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/03/Hegemann1.jpg" alt="Hegemann1" width="430" height="322" /></p>
<p>Ein denkwürdiger Abend im Münchner Literaturhaus, wo die Nominierten für den diesjährigen Leipziger Buchpreis lasen &#8211; mit dabei: Helene Hegemann.</p>
<p><span id="more-7791"></span>Fünf Autoren/Innen und zwei Moderatoren, die stellenweise hilflos wirken, stellenweise einen Slapstickgag nach dem Anderen in bester Loriot-Manier servieren (dies mag der besonderen Tatsache geschuldet sein, dass der Abend gleichzeitig fürs Radio mit aufgezeichnet wurde) und ein Publikum, das bekommt, was es verdient, denn die wirklich große Literatur passiert erst am Ende.</p>
<p><strong>Anne Weber</strong> mit ihrem unterhaltsamen, leicht lesbaren, aber dennoch tiefgründigen Roman<em> Luft und Liebe</em>. Eine Autorin, die ihre Bücher auf Deutsch und Französisch schreibt – Sprachdistanz sei wichtig, gibt sie im Moderatorengespräch an. „Jedem kann man Derartiges nicht erzählen“, so einer der besten Sätze aus ihrer vorgetragenen Buchpassage, einer Liebesgeschichte voller Dopplungen, die sicherlich ihre Leser(innen) finden dürfte. Bereits hier zeichnet sich ab, was den Abend dominieren wird. Unsägliche Diskussionen um die ewig alte Frage nach der Biographie. Haben Sie das alles erlebt, Frau Weber, oder haben sie sich das ausgedacht? Als wäre das die einzig wirklich wichtige Frage – des Pudels Kern …</p>
<p><strong>Lutz Seiler</strong>, ein Autor der einen Erzählband vorlegt, <em>Die Zeitwaage</em>. Dass er von der Lyrik kommt, spürt man sofort an seinen rhythmusdiktierten Sätzen. Es gibt nichts auszusetzen und spiegelt das Spezielle des Leipziger Buchpreises wider: Auch Erzählbände können hier gewinnen – anders als in Frankfurt. Lutz Seiler jedenfalls weiß das Publikum zu unterhalten. Der Moderator schenkt ihm später einen Turnbeutel, an Anne Weber geht eine Tafel Schokolade, an Georg Klein später Lakritz. Mit den Fragen nach der Biografie geht er locker um, er gibt Anekdoten aus der Schulzeit zum Besten und die <em>Zeitwaage</em>, eines der unverzichtbaren Werkzeuge für Uhrmacher, wirft für einen kurzen Moment Magie in den Saal – ein Literat zeigt was mit Worten möglich ist.</p>
<p><strong>Jan Faktor</strong>,  Autor mit Prager Wurzeln, ist der Nächste an diesem Abend, der die Messlatte für Literatur ein Stückchen weiter anhebt. Sein Auszug aus dem Roman mit dem irrwitzigen Titel <em>Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag</em> führt das Publikum zurück in die Zeit des Prager Frühlings. Harte, schnelle Betrachtungen und politische Diskurse bis hin zum Maoismus finden in diesem Saal allerdings nur wenig Anklang – überall überforderte Gesichter. Jan Faktor ist zugleich aber auch der erste Autor, der sich gegen die unsägliche, den ganzen Abend über mit der Brechstange geführte Biografiedebatte wehrt. Die Diskussion würde zu kompliziert werden, die Auffassung des Moderators hinsichtlich des Prager Frühlings wäre viel zu niedlich – mit derartigen Antworten weicht er aus, zeigt deutlich, dass es ihm nicht der Sinn danach steht, sich in dieser Kategorie festnageln zu lassen. Ein Autor, der die Ästhetik des Hässlichen befürwortet und als Einziger noch aus einem ungedruckten Buch liest – ganz altmodisch vom DIN A4-Blatt, selbst wenn es sich dabei um eine Druckfahne handeln dürfte.</p>
<p><strong>Helene Hegemann</strong>, auf die alle zu warten scheinen, für viele offenbar der Anreiz, überhaupt zu kommen. Das mittlerweile 18-jährige Mädchen, dass die Republik in Freund und Feind gespalten hat, wie ihr vom Moderatoren konstatiert wird, gibt erwartungsgemäß markige Antworten: „Ich lade keine Filme oder Musik illegal aus dem Netz herunter“, sagt sie. Das klingt fast höhnisch, bedenkt man ihre seltsame literarische Arbeitsweise, zu der sie sich auch trotz wiederholter Nachfragen nicht klar äußern kann oder will. „Wenn man strafmündig ist, ist das auch nicht so wahnsinnig großartig“, sagt sie. Sie wolle jedenfalls keine autistische Kuh sein, die belanglos über ihr Angeborenes und Selbsterlebtes schreibt, bricht es schließlich aus ihr heraus. Die barbarische Pressemaschinerie dankt ihr für solche Äußerungen, ihre immer noch elliptische Sprechweise und eine atemberaubende Lesegeschwindigkeit jedenfalls machen Mitschreiben schwer.</p>
<p>Knapp drei Minuten dauert ihr Vortrag aus <em>Axolotl Roadkill</em>, ein einziger, unakzentuierter Brei aus Wörtern (Gewalt, Kotze, Familie, das kam so in etwa vor), aus dem freilich einige herausragen. „Grobporig“, flüstert ein Sitznachbar, das sei übrigens auch aus Strobo. Das Publikum jedenfalls, das zu einem großen Teil aus Frauen zwischen 40 und 50 besteht, dankt ihr diesen Auftritt mit Applaus und verlässt danach schnell den Saal. Den Tick, sich ständig die Haare aus dem Gesicht zu streichen, hat sie mittlerweile gut unter Kontrolle. Wohl auch eine Auswirkung der Pressemaschinerie. Doch deren Opfer zu sein, dieses Image versucht sich wacker weiter zu halten.</p>
<p><strong>Georg Klein</strong>, der letzte und vermutlich routinierteste Autor, nimmt ein derartig unerzogenes Publikum jedenfalls gelassen. Ein Träger des Bachmannpreises lässt sich schließlich nicht von einem Buchhype und daraus resultierenden Menschverhalten wie durch <em>Axolotl Roadkill</em> ausgelöst, aus der Fassung bringen. Schmunzelnd, mit Genuss verliest er aus seinem <em>Roman unserer Kindheit</em> die vermutlich beste Literatur-Passage an diesem Abend: Ein Stück Zeitgeschichte, das bis in den Zweiten Weltkrieg zurückführt und durch seine dämonische Eindringlichkeit für Ruhe und definitiv konzentrierte Gesichter im Publikum sorgt. Dass es wie zuvor bei Hegemann brutal zugeht, Blut fließt, auch Sex eine gewisse Rolle spielt, das hat hier einen anderen Stellenwert. Die über 30 Jahre Unterschied zwischen diesen beiden Autoren machen sich vor allem in der Qualität ihrer Texte bemerkbar. Ein begnadeter Entertainer ist er im Übrigen auch, der Herr Klein. Dass Witze Knallfroschprosa seien, gibt er in seinem Abschlussgespräch zum Besten und ebenso freimütig: Mein Werk ist ein Autobiografisches – ein glückliches Moderatorengesicht die Folge.</p>
<p>Ein denkwürdiger Abend im Literaturhaus München und fünf Autoren, die für einen Preis antreten. Dass es die Jury definitiv nicht leicht haben wird, ist klar. Ob es aber wie bei den vergleichsweise olympischen Spielen nach genauen und nachvollziehbaren Kriterien wie Zeit und Zeitmessung gehen sollte, bleibt offen. Wer wissen will, ob sein persönlicher Tip richtig liegt: am 18. März 2010 dürfte gegen 16 Uhr der oder die Preisträgerin bekannt gegeben werden. Von uns schon mal einen herzlichen Glückwunsch, verdient hätten ihn alle fünf.</p>
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		<title>Freundschaft mit Anna</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/02/21/freundschaft-mit-anna/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 10:09:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Beate Tröger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Mittwoch liest Rosemarie Tietze aus ihrer Neuübersetzung von Lew Tolstois &#8220;Anna Karenina&#8221;. Eine Buchkritik über eine Übersetzerin, die sich mit ihrer Hauptfigur befreundet hat.

Sie gehört wohl zu den allerunglücklichsten unter den unglücklichen Frauen der  Literaturgeschichte: Anna Karenina. Die Leidensgeschichte dieser Frau, die, mit dem kühlen Karrieristen Karenin verheiratet, eine Mesalliance mit Oberst Wronski eingeht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch liest Rosemarie Tietze aus ihrer Neuübersetzung von Lew Tolstois &#8220;Anna Karenina&#8221;. Eine Buchkritik über eine Übersetzerin, die sich mit ihrer Hauptfigur befreundet hat.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6205" title="tolstoi" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/02/tolstoi.jpg" alt="tolstoi" width="430" height="469" /><span id="more-6202"></span></p>
<p>Sie gehört wohl zu den allerunglücklichsten unter den unglücklichen Frauen der  Literaturgeschichte: Anna Karenina. Die Leidensgeschichte dieser Frau, die, mit dem kühlen Karrieristen Karenin verheiratet, eine Mesalliance mit Oberst Wronski eingeht, und sich nach der Enthüllung des Verhältnisses ins gesellschaftliche Aus begibt, hat im Jahr 1875, zur Zeit ihres ersten Erscheinens als Fortsetzungsroman in der russischen Zeitschrift „Usski westnik“ die Gemüter erhitzt, die Vorstellungskraft beflügelt, ihre Leser die Zeit vergessen lassen.</p>
<p>Dies gilt bis heute. Mehrere Verfilmungen, Bühnenadaptionen nahmen den Text zur Grundlage. „Anna Karenina“ hat große Romanciers wie Thomas Mann beeindruckt, Vladimir Nabokov griff den ersten Satz des Romans in „Ada oder das Verlangen“ auf, Milan Kundera ließ den Hund der Protagonistin Teresa in „Die unendliche Leichtigkeit des Seins“ nicht ohne Ironie auf den Namen</p>
<p>Karenin hören. Fünfzig Jahre sind vergangen seit der letzten deutschen Übersetzung dieses großen Gesellschaftsromans, an dem Lew Tolstoi fünf Jahre lange arbeitete. Rosemarie Tietze legt nun eine neue vor, und es scheint, als befreie diese Übersetzung ein kostbares Lieblingsstück im Bücherschrank vom Staub, um es in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.</p>
<p>Tietze betont in ihrem Nachwort, dass es ihr darauf ankam, die sprachlichen Eigenheiten von Tolstoi nicht zugunsten eines geschlosseneren Leseeindruckes aufzuheben. Tolstoi bediene sich häufiger Wiederholungen, verwende flüchtig wirkende und abgerissen klingende Sätze. Vieles davon sei in den etwa zwanzig vorangegangen Übersetzungen ins Deutsche der sprachlichen Glätte zuliebe eingeebnet worden. Zugleich beansprucht Tietze aber nicht die „ideale“ Übersetzung. Denn Übersetzung komme nie an ein Ende – erst recht nicht bei dieser Enzyklopädie des russischen Lebens der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.</p>
<p>Bereits die deutsche Übersetzung von Fred Ottow brachte an vielen Stellen zum Vorschein, was Tolstois Roman zu Weltrang verholfen hat: die Lebendigkeit der Figurenzeichnung. Es sind keine Typen, sondern so differenzierte Charaktere mit anziehenden und abstoßenden Seiten, wie man sie sich auch in der Realität manchmal wünschen würde. Karenin etwa ist eben nicht einfach der eiskalte Bürokrat, Wronski nicht nur der amoralische Vertreter der adligen Jeunesse dorée. Lewin nicht nur ein der Gesellschaft abgewandter Grübler, der auf seinem Landgut die Moral retten will und das Leben unter Bauern und Tagelöhnern dem Leben in den Salons vorzieht.</p>
<p>Auch Tolstois Kunst, Spannungsbögen zu ziehen, die Geschichte geschickt zu retardieren, einzelne Handlungsfäden bereits in Nebenaspekten anzudeuten – wenn etwa bei Annas erster Begegnung mit Wronski bei ihrer Ankunft am Moskauer Bahnhof ein Mann Selbstmord begeht –, und einzelne Regungen seines Personals in inneren Monologen weit voranzutreiben, um sie dann doch des Irrtums zu entlarven, halten die Lektüre unvergleichlich aufregend. So auch die Gegenüberstellung individueller Entwicklung und gesellschaftlicher Prozesse, zudem die Virtuosität, mit der Tolstoi die Figuren choreographiert und in stets wechselnde und sich ineinander spiegelnde Konstellationen bringt.</p>
<p>Dennoch: während bei der ersten Lektüre von Ottows Übersetzung das Einzelschicksal der titelgebenden Protagonistin zentral zu sein schien und vieles von den politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Romans fremd wirkte, ergibt sich nun in der von Rosemarie Tietze ermöglichten Relektüre ein äußerst plastisches Bild der Verhältnisse im zaristischen Russland vor der Revolution. Die Dekadenz des Adels, sein Hang zur Verschuldung, die Unzufriedenheit über verkrustete Strukturen, die Bedrängnis, unter der nicht nur die Protagonistin, sondern das ganze Volk zu leiden hat – all das scheint in der Neuübersetzung greif barer und drastischer zu werden, wirkt in mancherlei Hinsicht aktueller als manch eine der gesellschaftlichen Analysen in Romanen der Gegenwart.</p>
<p>Letztlich (und hier muss Bedauern darüber geäußert werden, dass der Roman der Rezensentin in der Originalsprache unzugänglich bleibt) ist Tolstois Erzählkunst einzigartig im handwerklichen wie im schöpferischen Sinn: wie Wronski im Beisein der zitternden Anna sein Rennpferd zuschanden reitet; wie Lewin auf seinem Land mit seinen Tagelöhnern unter der glühenden Sonne schwitzend das Gras mäht; wie Kitty, die sich anfangs noch der Liebe Wronskis sicher glaubt, bei einem Ball bitter enttäuscht wird, da Wronski bereits dem Zauber Annas verfallen ist; wie Anna den Arm ihres Mannes ausschlägt, der sie dazu einladen soll, das Gesicht in der Gesellschaft zu wahren – Szenen wie diese stehen zugleich modell- und beispielhaft für gelungene Romandramaturgie, für genaueste Beobachtungsgabe. Tolstois Schilderungen werden sich dem Leser unvergesslich ins Gedächtnis eingraben, werden ihn an bestimmten Stellen rätseln lassen, auf wessen Seite der Erzähler gerade steht, seine Dialoge werden streckenweise vergessen lassen, dass hier überhaupt ein Erzähler noch die Fäden ordnet, die Figuren führt.</p>
<p>Man darf Rosemarie Tietze und dem Hanser Verlag dankbar sein, diesen unerschöpflichen Text durch die Neuübersetzung rechtzeitig zu Tolstois 100. Todestag in neuem Sprachkleid ein weiteres Mal in eine Gegenwart geholt zu haben, in der dieses gewaltige Opus immer schon stand und weiter stehen wird. Nicht nur Tolstoi hat beim Schreiben des Romans Herzblut fließen lassen, sondern auch die Übersetzerin Tietze, wie in den Schlusssätzen des Nachwortes in anrührendster Weise deutlich wird: „Die Übersetzerin jedenfalls ist Tolstoi und seiner Verlebendigungskunst auf den Leim gegangen. Sie hat sich angefreundet mit Anna, hat gestritten und gehadert mit ihr, auf sie einzuwirken versucht und gebangt um sie. Nein, nein, Anna lebt!“ Und sie scheint jünger als je zuvor.</p>
<p><em><strong>Rosemarie Tietze liest am 24. Februar ab 20 Uhr im <a title="Literaturhaus" href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/home.asp" target="_blank">Literaturhaus</a> (Salvatorplatz 1) aus ihrer Neuübersetzung von Lew Tolstojs Roman “Anna Karenina”. Wladimir Tolstoj, Ururenkel des Dichters, wird Auszüge einige russische Passagen lesen. Gemeinsam diskutieren sie über die Entstehungsgeschichte und die Originalschauplätze des Romans. Der Eintritt kostet acht bzw. sechs Euro.</strong></em></p>
<p><em>(Diese Rezension von Beate Tröger erschien in der Februarausgabe des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT. Ein <a title="Klappentext - Münchens Literaturmagazin" onclick="pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/" target="_blank">KLAPPENTEXT-Abonnement</a> ist kostenlos.</em><em>)</em></p>
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		<item>
		<title>Geschichten von Grenzen</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/02/08/geschichten-von-grenzen/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 08:59:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Schuster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Donnerstag liest der polnische Journalist Wlodzimierz Nowak aus seinem neuen Reportagenband. Im Vorfeld: Eine Rezension.

Gegen die Rede von der „Stunde Null“ ist ja viel und oft Einwand erhoben worden. Jedoch waren dann meist die Täter gemeint, von denen sich viele bald wieder in Diensten des neuen Staates fanden. Oder die Deutschen im Allgemeinen, deren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag liest der polnische Journalist Wlodzimierz Nowak aus seinem neuen Reportagenband. Im Vorfeld: Eine Rezension.</p>
<p><img title="nowak1" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/02/nowak1.jpg" alt="nowak1" width="430" height="487" /><img title="Weiterlesen..." src="http://www.mucbook.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /></p>
<p><span id="more-6198"></span>Gegen die Rede von der „Stunde Null“ ist ja viel und oft Einwand erhoben worden. Jedoch waren dann meist die Täter gemeint, von denen sich viele bald wieder in Diensten des neuen Staates fanden. Oder die Deutschen im Allgemeinen, deren Mentalität sich keinesfalls von der einen auf die andere Stunde von der nationalsozialistischen Ideologie verabschiedet hatte. Nur von den Opfern ist bei solcher Begriffskritik im Grunde nie die Rede – als zeitigte der Zweite Weltkrieg bei ihnen keine Folgen und wäre am 9. Mai 1945 um 0.16 Uhr tatsächlich all ihr Leid ausgestanden gewesen.</p>
<p>Wie dieser Krieg die Genealogien für Jahrzehnte in Unordnung brachte, wie er an Biografien mitschrieb und auch heute noch mitschreibt, ist das große Thema des Bandes „Die Nacht von Wildenhagen“, der zwölf Reportagen des polnischen Journalisten Wlodzimierz Nowak versammelt; und für den er sogar für den polnischen Literaturpreis Nike nominiert wurde, den zweifellos renommiertesten des Landes. „Zwölf deutsch-polnische Schicksale“ finden sich laut Untertitel darin. Doch das ist gelogen: Es sind derer viel, viel mehr.</p>
<p>Da wären zum Beispiel Alodia und Daria, die Töchter des Mediziners Franciszek Witaszek, der 1942 von der Gestapo verhaftet wurde, weil er einer Untergrundgruppe angehörte, die Attentate geschicktester Art auf die Nationalsozialisten verübte. Die Deutschen sollen eine gewisse Bewunderung für Witaszek gehegt haben, ihn sogar zur Kooperation gedrängt haben, doch der Arzt lehnte ab. „Angeblich sind aus Berlin zwei Schreiben gekommen; das eine mit dem Befehl, ihn zu hängen, laut dem anderen sollte er geköpft werden. Mit deutscher Gründlichkeit wurden beide Anweisungen ausgeführt“, erzählt Nowak. Die beiden Töchter kommen – man hält sie für „rassisch wertvoll“ – in ein Lebensborn- Heim, werden von verschiedenen Müttern adoptiert, die eine nach Österreich, die andere nach Stendal bei Berlin. Erst Ende 1947 kehren die Mädchen, die man nun Alice und Dora nennt, heim nach Polen. Doch das ist ihnen kein Zuhause mehr: „Für uns war der Krieg nicht zu Ende. Unsere Geschwister verstanden uns auch nicht. Mama musste übersetzen, sie konnte Deutsch.“</p>
<p>Und da wäre außerdem die gescheiterte Ehe zwischen dem Deutschen Gerhard und der Polin Wanda. Oder die Geschichte von Manfred, einem jungen deutschen Soldaten, der zu den Polen überlief, fortan Malutka hieß, immer wieder zwischen die Fronten geriet und für einen Russen gehalten wurden, weil er sich als Engländer ausgab. Oder jene titelgebende Nacht von Wildenhagen, in der sich die deutschen Bewohner der Stadt Lubin aus Angst vor den Russen reihenweise selbst umbrachten: Mütter erhängten ihre Kinder, schnitten ihnen die Kehle auf, sprangen aus dem Fenster. Kaum weniger unerträglich die Geschichte von Mathi Schenk, der im Alter von gerade einmal 18 Jahren als Sturmpionier der SS beim Niederschlagen des Aufstands von Warschau an vorderster Front steht. Auch für ihn ist der Krieg nicht zuende: Wie ein Mensch dem anderen den Schlädel einschlägt, Kinder von Panzern überfahren werden, mit grinsendem Gesicht getötet wird, vergisst man nicht. Genauso wenig wie die Lakonie, mit der Wlodzimierz Nowak das notiert.</p>
<p>Und heute? Die deutsch-polnische Grenze ist weiterhin prekär, auch davon erzählt Nowak. Von der von der Neiße und der Staatsgrenze geteilten Stadt Guben-Gubin, die sich als Eurostadt zu behaupten versucht, aber an der Bürokratie zu scheitern droht. „Heute braucht ein Brief von einem Ufer zum anderen eine Woche über Warschau“, erfährt Nowak. Es „reicht schon ein kleiner Herzinfakt auf der falschen Seite und schon haben wir internationale Verwicklungen“, bemerkt ein Taxifahrer. Andere Reportagen erzählen von den Schleppern und ihrem Vokabular, vom Kampf deutscher Opel-Angestellter gegen die Auslagerung der Fertigung nach Polen, von der Europa-Universität Viadrina, an der man beide Rechte, das polnische und das deutsche studieren kann. Viele Fakten und viele O-Töne stecken in Nowaks Reportagen, vor allem aber viel Menschlichkeit, dank seines genauen Blicks. Und trotz all der Nüchternheit, die sie oft ausstrahlen. Ein Stil, den die zeitgenössische Literatur ja nur gar zu gerne kopiert, weil das so wunderbar authentisch klingt. Der Unterschied ist nur: Bei Wlodzimierz Nowak klingt es nicht bloß danach. Es ist es das auch.</p>
<p><em><strong>Die Lesung findet am 11. Februar im <a title="Muffatwerk" href="http://www.muffatwerk.de/" target="_blank">Muffatwerk</a> (Zellstraße 4) statt und beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro im Vorverkauf (Abendkasse: acht Euro). </strong><strong>Die deutschen Texte liest die Übersetzerin Joanna Manc. Die Moderation leitet Agnieszka Kowaluk.</strong></em></p>
<p><em>(Diese Rezension von Katrin Schuster, der Macherin des Literaturkalenders <a title="Münchens Literaturblog" onclick="pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/" target="_blank">literatur-muenchen.de</a>, erschien in der Februarausgabe des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT. Ein <a title="Klappentext - Münchens Literaturmagazin" onclick="pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/" target="_blank">KLAPPENTEXT-Abonnement</a> ist kostenlos.</em><em>)</em></p>
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		<title>Die Wirklichkeit des lausigen Publikums</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/01/14/die-wirklichkeit-de-lausigen-publikums/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 08:28:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Schuster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kronauer]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur München]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Zwei scharze Jäger]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Montag liest Brigitte Kronauer aus ihrem neuen Künstlerroman &#8220;Zwei schwarze Jäger&#8221;. Eine Rezension.

Zu den rührigsten Legenden des Literaturbetriebs gehört gerade heutzutage jene vom Schriftsteller, der ausschließlich für sich schreibe und dem sein Publikum folglich eher zufällig zufalle. Das mag auf einige wenige Autoren zwar zutreffen, stellt jedoch meist nur eine unzeitgemäße Koketterie mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag liest Brigitte Kronauer aus ihrem neuen Künstlerroman &#8220;Zwei schwarze Jäger&#8221;. Eine Rezension.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-4979" title="b-kronauer-1" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/01/b-kronauer-11.jpg" alt="b-kronauer-1" width="430" height="323" /><span id="more-4973"></span></p>
<p>Zu den rührigsten Legenden des Literaturbetriebs gehört gerade heutzutage jene vom Schriftsteller, der ausschließlich für sich schreibe und dem sein Publikum folglich eher zufällig zufalle. Das mag auf einige wenige Autoren zwar zutreffen, stellt jedoch meist nur eine unzeitgemäße Koketterie mit dem Genialischen dar. Ohnehin lässt sich mit der Theatralität des Schriftstellerns eine viel herrlichere Travestie treiben als mit der Einsamkeit des Schaffenden. Was zweifelsfrei und äußerst vergnügt wieder einmal feststellen darf, wer Brigitte Kronauers neuen Roman „Zwei schwarze Jäger“ – „mein einziger Künstlerroman bisher“, sagt Kronauer – zur Hand nimmt.</p>
<p>Der beginnt denn auch nicht im stillen Kämmerlein, sondern auf einer, wenn auch nicht allzu großen Bühne. Eine Lesung wird geboten, im Schlösschen „des Städtchens W., in der angeblich verträumten Mittelgebirgslandschaft E. des verschlafenen Bundeslandes I.“; die Lesung der Schriftstellerin Rita Palka nämlich. Dass dieser Abend dramatisch endenoder sich immerhin dramatisch fortsetzen könnte, bedeutet bereits das dem Roman voran gestellte Personenverzeichnis. „Personal der Schriftstellerin Rita Palka“ lautet die Überschrift.</p>
<p>Die drei Kinder des Veranstalters Herrn Schüssel sind darin allerdings nicht verzeichnet. „Unser Bastian hat Fieber!“ ruft Frau Schüssel zur Begrüßung, „Gabriel hat sich eine dicke Beule am Kopf geholt!“ setzt sie fort, um mit „Trudchen hat Durchfall.“ zu enden. Weil sich Bastian mit hochrotem Kopf und verquollenen Augen trotzdem unter den Zuhörern findet und deren Reihen kaum mehr spärlich zu  nennen sind, ist für Rita Palka schnell klar: Es handelt sich mehrheitlich um „Camouflagezuhörer“, um ein „Haus- und Verlegenheitspublikum, Publikum aus Bordmitteln sozusagen“. Wofür sich die Schriftstellerin mit einer „Scheinlesung“ rächt, einer Erzählung aus Bordmitteln sozusagen: Sie liest nicht, sondern improvisiert ihren Text, mit unerhörten Ausgriffen auf die Wirklichkeit des lausigen Publikums vor ihren Augen, Gastgeber-Gattinnen-Beleidigung inklusive.</p>
<p>Wer nun denkt, das sei mal wieder typisch Kronauer, der hat natürlich Recht: In diesen Szenen einer Lesung zeigt sich die Autorin von ihrer unterhaltsamsten Seite, derart spitzzüngig, präzise und ironisch beschwingt kennt man sie. Auch wenn man sich nie und nimmer daran gewöhnen möchte, um ja nicht zu vergessen, wie rar und kostbar ihr bis in den einzelnen Buchstaben durchdachter Ton ist. Auch Kronauers Lust an der Binnenerzählung, an der Geschichte in der Geschichte, ist bekannt; genau wie ihr Drang, solche selbst gewählten Rahmen zu sprengen. Allerdings knallt es diesmal richtig: So rüde wie peinlich platzt Frau Schüssel in den folgenden nächtlichen Dialog zwischen ihrem betrübten Gatten und der Künstlerin, der intimer aussieht als es ist. Porzellan wird zerschmissen, und die Rita-Palka-Episode ist vorbei, so schnell wie sie kaum 70 Seiten vorher begonnen hatte.</p>
<p>Nicht dass das unterbrochene Gespräch – es handelte von Utopien – damit ebenfalls zuende wäre. Es wird tatsächlich fortgesetzt, wenn auch nicht zwischen Rita Palka und Herrn Schüssel. Sondern als Unterhaltung zwischen Fiktionen, als Ansammlung fragmentarischer, nicht selten zur Parabel neigender Geschichten, die sich mehr und mehr vernetzen, gegenseitig kommentieren und interpretieren. Das sieht dem Scherbenhaufen, den Frau Schüssel hinterließ und Palka mit den Schüssels zu sortieren suchte, doch recht ähnlich: Es geht um die Mörderin Wally Mülleis, den schüttelreimenden Kunstmaler Fritz Grosse, den vom Mont Blanc erschütterten Lektor Heiner Krapp, die auf Prostitution umsattelnde Kassiererin Hilde Tisch (fortan Uschi) und noch ein paar andere eigenwillige Gestalten. Statt zu Herrn Schüssel spricht Rita Palka nun eben zum Leser: „Sehen Sie den Mann in der Dunkelheit …“, heißt es da, oder „Vorher sollten Sie noch wissen …“ oder „Tatsächlich, haben Sie das gehört? “ (zur Sicherheit wiederholt sie es noch einmal). Brigitte Kronauer überschreitet in „Zwei schwarze Jäger“ also nicht nur formale Grenzen, sondern auch diejenige zwischen Autor und Leser. Und ein Ich taucht schließlich auch noch auf.</p>
<p>Bliebe nurmehr der Titel des Romans zu klären. Er geht auf die gleichnamige Erzählung von Rita Palka zurück, auf deren Vortrag Herr Schüssel so heftigst drängte. Die wiederum nach einem in Rom befindlichen Standbild benannt ist. „Der Löwe und der Jäger waren wechselseitig aneinandergeschmiedet, keiner konnte einen Schritt ohne den anderen tun, geschweige denn fliehen“, heiße es bei Rita Palka. Welch treffende Beschreibung für die heillose Erotik zwischen Autor und Leser! Und wie recht Kronauer damit hat: Ohne diesen Roman im Kopf wird man fortan wirklich keinen Schritt mehr tun.</p>
<p><em><strong>Am Montag, den 18. Januar, liest Brigitte Kronauer um 20 Uhr im Literaturhaus (Salvatorplatz 1). Moderiert wird die Lesung von Patrick Bahners.</strong></em></p>
<p><em>(Diese Rezension von Katrin Schuster, der Macherin des Literaturkalenders <a title="Münchens Literaturblog" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/" target="_blank">literatur-muenchen.de</a>, erschien in der Januarausgabe des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT. Ein <a title="Klappentext - Münchens Literaturmagazin" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/" target="_blank">KLAPPENTEXT-Abonnement</a> ist kostenlos.</em><em>)</em></p>
<p><em>Fotos: http://blog.klett-cotta.de</em></p>
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		<title>Geist und Macht in München</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 10:40:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Adrian Renner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Macht & Geld]]></category>

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		<description><![CDATA[Rilke, Hoffmansthal, Th. Mann &#8211; und dann Hitler. Wolfgang Martynkewicz hat ein Buch über den Salon der Verlegerfamilie Bruckmann geschrieben, in dem sich Münchner Künstler und Literaten die Klinke in die Hand gaben &#8211; bis der Salon zu einen Nazizirkel wurde. 

Der Karolinenplatz 5: Wie oft man da schon vorbeikam, am Sparkassengebäude. Der Bamberger Literaturwissenschaftler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rilke, Hoffmansthal, Th. Mann &#8211; und dann Hitler. Wolfgang Martynkewicz hat ein Buch über den Salon der Verlegerfamilie Bruckmann geschrieben, in dem sich Münchner Künstler und Literaten die Klinke in die Hand gaben &#8211; bis der Salon zu einen Nazizirkel wurde. <span id="more-4237"></span></p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-4239" title="geistmacht" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/12/geistmacht-266x300.jpg" alt="geistmacht" width="266" height="300" /></p>
<p>Der Karolinenplatz 5: Wie oft man da schon vorbeikam, am Sparkassengebäude. Der Bamberger Literaturwissenschaftler Wolfgang Martynkewicz hat ein Buch veröffentlicht, dass die Geschichte dieses Hauses näher untersucht und beleuchtet. 1908 ziehen hier die Verleger Hugo und Elsa Bruckmann ein, seit Jahren führen sie einen der wirkungsmächtigsten Salons Deutschlands in der Zeit nach der Jahrhundertwende. Alle wichtigen Münchner Geistesgrößen der literarischen und künstlerischen Moderne verkehren hier &#8211; Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hoffmansthal, Harry Graf Kessler, Rudolf Kassner und andere. Doch nach dem ersten Weltkrieg führen die Bruckmanns einen jungen Mann in ihren gehobenen Zirkel ein, der auf den ersten Blick nicht viel zu tun haben scheint mit Münchens geistigen Vorzeigebildern: Adolf Hitler. Martynkewicz untersucht an Hand dieser eigen- und einzigartigen Münchner Konstellation , wie sich das unglückliche Bewusstsein der Moderne in politischen Faschismus umschlägt, wie aus einem vergeistigten Verlegerpaar die NSDAP-Mitglieder 91 und 92 wurden. Ein beeindruckendes Buch über Münchens Geistesgeschichte &#8211; wer das alles nicht selbst lesen will: am heutigen Mittwochabend stellt Mankiewicz sein Buch im Gespräch mit Andreas Heusler vom Münchner Stadtarchiv im Literaturhaus vor; Schauspieler Wolfgang Hinze liest Briefe und andere Zeugnisse der Salonbesucher.</p>
<p><em>Mittwoch 9.12. Literaturhaus München, Salvatorplatz 1, 20.oo Uhr, Eintritt: Eintritt: Euro 8.- / 6.-</em></p>
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		<title>&#8220;Eine Kiste explodierender Mangos&#8221; &#8211; Lesung im Gasteig</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2009/11/20/eine-kiste-explodierender-mangos-lesung-im-gasteig/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 11:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Schuster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Mittwoch liest der pakistanische Autor Mohammed Hanif aus seinem neuen Roman &#8211; ein Roman, der ein Krimi, eine Groteske und eine Räuberpistole ist. Und sehr gute Unterhaltung. Eine Rezension.

Mohammed Hanif: „Eine Kiste explodierender Mangos“. Aus dem Englischen von Ursula Gräfe. A1 Verlag, München 2009. 384 Seiten, 22,80 Euro. (Photo: a1-verlag.de)
„A Case of Exploding Mangoes“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch liest der pakistanische Autor Mohammed Hanif aus seinem neuen Roman &#8211; ein Roman, der ein Krimi, eine Groteske und eine Räuberpistole ist. Und sehr gute Unterhaltung. Eine Rezension.</p>
<p><img title="explodierende_mangos.qxp:explodierende mangos" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/11/kisteexplodierendermangos.jpg" alt="explodierende_mangos.qxp:explodierende mangos" width="430" height="286" /></p>
<p><em><span id="more-2394"></span>Mohammed Hanif: „Eine Kiste explodierender Mangos“. Aus dem Englischen von Ursula Gräfe. A1 Verlag, München 2009. 384 Seiten, 22,80 Euro. (</em><em>Photo: a1-verlag.de)</em></p>
<p>„A Case of Exploding Mangoes“ heißt der Roman des pakistanischen Autors Mohammed Hanif im englischen Original. Womit diese Buch – so ist das eben mit Übersetzungen, das lässt sich nur selten ändern – viel besser beschrieben wäre als mit dem deutschen Titel „Eine Kiste explodierender Mangos“. Denn „case“ meint ja nicht nur ein Behältnis, sondern auch den Fall. Und von allen möglichen Fällen natürlich am liebsten den bekanntesten, den Kriminalfall. Von einem solchen, wenn nicht gar mehreren solchen, handelt Hanifs Roman. Deshalb beginnt das Buch auch, wie in Krimis üblich, mit dem eigentlichen Ende der Geschichte, dem Tod – um sich dann dessen Vorgeschichte vorzunehmen und in zwar bravem, aber recht kuriosem Hintereinander zu rekonstruieren, wie es dazu und soweit kommen konnte, um sich am Schluss gleichsam selbst einzuholen.</p>
<p>Allein, es ist nicht irgendein banaler Mord oder sonstiger Fall, über den Hanif geschrieben hat. Sondern eines der großen ungelösten Rätsel der politischen Historie Pakistans: Am 17. August 1988 explodierte das Flugzeug des damaligen Militärdiktators Mohammed Ziaul-Haq kurz nach dem Start, mit an Bord waren 30 Menschen, darunter der pakistanische Generalstabschef, aber auch der US-Botschafter in Pakistan sowie der US-Militärattaché. Bald danach war von Nervengas die Rede, dann von technischen Mängeln. Auch Verdächtige gab es freilich genug: Den Amerikanern liebäugelte Zia ul-Haq zuviel mit dem Islam, mit afghanischen Extremisten und mit der Demokratie, und den Russen war das Engagement des Präsidenten in Afghanistan von vorneherein ein Dorn im Auge. Fast scheint es, als gäbe es viel zu viele mögliche Gründe, als dass man einen für plausibler als einen anderen halten könnte.</p>
<p>Und so liest man es dann auch bei Mohammed Hanif: Ohne den Leser um die Spannung zu bringen, sei immerhin gesagt, dass eines der größten Vergnügen dieses Romans darin besteht, die herrlich krude ineinander verstrickten Kausalitäten zu entwirren, die am Ende zu dem Ende von General Zia führen. Der Autor nämlich gibt nicht nur eine Anschlagstheorie zum Besten, sondern derer mehrere, die gerade und eben nur in ihrer Gesamtheit so heil- und ausweglos ins Verderben führen. Dabei spielen, das sei wenigstens verraten, ein Haufen Bandwürmer, ein erhängter Vater, Lavendel-Raumduft, eine Krähe, 20 Kisten hochreifer Mangos und große Mengen des Parfums Poison wichtige Rollen. „Eine Kiste explodierender Mangos“ ist nämlich längst nicht das ernste Stück für das man den Roman auf den ersten Blick halten könnte. Im Gegenteil: Mohammed Hanif hat eine herrlich böse Zunge, die er mit Ironie und Respektlosigkeit gebraucht. Die verlogene Rhetorik der Herrschenden enttarnt er mit großem Sinn für deren Leere und Oberflächlichkeit, vom Kürzelwahn bekommt er gar nicht genug – selbst Menschen stellen sich schon als „TM“ oder „OBL“ vor –, und die Riege der Führenden erscheint bei ihm als Gruppe eitler Laffen, die entweder keine Ahnung haben oder längst paranoid geworden sind. Eine großartige Szene reiht sich an die nächste, eine einzige literarische Freude ist es zu lesen, wie die Amerikaner eine Motto-Grillparty („Texas-Kabul“) veranstalten und allesamt als afghanische Kriegsherren verkleidet auflaufen; wie eine amerikanische Journalistin gar nicht genug vom Dschihad bekommen kann; wie ein Soldat noch im Tod den idealen Landepunkt erwischt oder wie General Zia so verzweifelt versucht, seinem großen Vorbild Ceauçescu nachzueifern.</p>
<p>„Eine Kiste explodierender Mangos“ ist mithin nicht nur ein Krimi, eine beeindruckende Groteske und überhaupt beste Unterhaltung, sondern eine wahrhafte Räuberpistole. Eine ziemlich zynische, das gewiss. Vor Melancholie schreckt sie jedoch nicht zurück. Und das ist ja das Schöne an diesem Buch: dass es so voller Wahrheit steckt, obwohl Mohammed Hanif nur ein paar Fünkchen davon hinein gepackt hat.</p>
<p><strong><em>Mohammed Hanif liest am 25. November um 19 Uhr<em> </em></em><em>im Rahmen der <a title="Münchner Bücherschau" href="http://www.muenchner-buecherschau.de/" target="_blank">50. Münchner Bücherschau</a> im BlackBox/Gasteig (Rosenheimer Straße 5). Die Karten kosten 10 Euro (ermäßigt acht).</em></strong></p>
<p><em>(Diese Rezension von Katrin Schuster, der Macherin des Literaturkalenders <a title="Münchens Literaturblog" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/" target="_blank">literatur-muenchen.de</a>, erschien in der Novemberausgabe des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT. Ein <a title="Klappentext - Münchens Literaturmagazin" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/" target="_blank">KLAPPENTEXT-Abonnement</a> ist kostenlos.</em><em>)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Neue Zeit&#8221; &#8211; Lesung im Jüdischen Museum</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2009/11/09/neue-zeit-lesung-im-judischen-museum/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 07:15:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Beate Tröger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.mucbook.de/?p=2401</guid>
		<description><![CDATA[Am Dienstag liest Peter Hamm im Jüdischen Museum aus Hermann Lenz&#8217; wiederaufgelegten Roman &#8220;Neue Zeit&#8221;. Das Werk erzählt eine Liebesgeschichte im München der Nazizeit. Eine Rezension.

Hermann Lenz: Neue Zeit. Roman. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, geb., 391 S., 18,80 Euro.
Will man die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mithilfe der Literatur besser verstehen, können zwei Autorennamen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag liest Peter Hamm im Jüdischen Museum aus Hermann Lenz&#8217; wiederaufgelegten Roman &#8220;Neue Zeit&#8221;. Das Werk erzählt eine Liebesgeschichte im München der Nazizeit. Eine Rezension.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2403" title="neuezeit" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2009/11/neuezeit.jpg" alt="neuezeit" width="404" height="640" /></p>
<p><span id="more-2401"></span><em>Hermann Lenz: Neue Zeit. Roman. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, geb., 391 S., 18,80 Euro.</em></p>
<p>Will man die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mithilfe der Literatur besser verstehen, können zwei Autorennamen in einem Atemzug genannt werden: Walter Kempowski und Hermann Lenz. Wo der 1926 geborene Kempowski für sein gigantisches Echolot-Projekt collagierend und montierend auf Quellenmaterial von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs zurückgriff, die Subjektivität des Autors im Schreiben auf das Mindestmaß des Ordnens reduziert ist, vertritt der 1913 geborene Lenz in seinem aus neun Romanen bestehenden Zyklus „Vergangene Gegenwart“ die Position eines radikalen Subjektivismus, wie man sie in solch extremer Form gegenwärtig nur bei Peter Kurzeck, dem Chronisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, findet. Kempowskis und Lenz’ Bücher sind zwei Seiten einer Medaille, deren literarischer und historischer Stellenwert nicht hoch genug einzuschätzen ist. „Neue Zeit“, der dritte Teil von „Vergangene Gegenwart“ und 1975 zum ersten Mal erschienen, ist nun bei Suhrkamp neu aufgelegt worden.</p>
<p>Der Roman erzählt die Geschichte des württembergischen Kunstgeschichtsstudenten Eugen Rapp, der 1937 von Heidelberg nach München an die Universität wechselt und sich dort in die Kommilitonin Hanni Treutlein, eine Halbjüdin, verliebt. Was von außen betrachtet zum Problem werden könnte, freut ihn, da er ihr gegenüber seinen Ekel vor dem nationalsozialistischen Regime nicht verstecken muss: „Jedenfalls weißt Du jetzt, daß du offen mit ihr reden kannst…“ In München beginnt der Student mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit; Tagträumer und romantischer Eigenbrödler, der er ist, fühlt er sich von Hanni und dem stillen Leben der Familie Treutlein angezogen, er schreibt an der ersten Erzählung, die veröffentlicht werden wird, imaginiert sich ins Wien Hofmannsthals, verehrt die Dichter Eduard Mörike und Adalbert Stifter, zentrale Vorbilder für Hermann Lenz’ Schreiben.</p>
<p>Rapp, der so wenig in die neue Zeit passen will, muss in ihr leben, voller Ablehnung und zugleich unfähig, sich aufzulehnen. Er wird zum Beobachter der Zeitläufte, wird an die Front geholt, wird seine passiv-reflektierende Beobachterrolle stets verteidigen. Und erinnert – in dieser frappierenden Mischung aus Naivität und Hellsicht – bisweilen an eine der Figuren aus der frühsten Zeit der neuhochdeutschen Literatur, an Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus, dessen Hineingeworfensein in den Dreißigjährigen Krieg, das erzählende Ich zur Aktivität zwingt, wo es kontemplativ bleiben möchte, und dessen Betrachtungen ebenfalls ein Fanal gegen den Krieg darstellen.</p>
<p>Rückzug aufs Eigene bleibt dem träumenden Seher Rapp als einzig möglicher Ausweg: „Krieg war eine trübe Sache, und zu Hause war es auch oft trüb und schweißig; zwischendurch auch blutig, manchmal; weshalb alles Trübe durchscheinend zu machen oder zu durchleuchten; doch um ihn zu durchleuchten, dafür erwies sich dieser Krieg als zu kompakt. Vielleicht gelingt’s dir trotzdem. Alles sehen, alles hören, alles spüren, alles riechen, was sich dir hier zeigt. Laß es in dich eindringen, nimm daran teil, dann wird es dir klar. Du bist jetzt hier hineingestellt; ausweichen kannst du nicht mehr. Freilich, mehr, als daß du es erträgst, bleibt dir nicht mehr übrig“, liest man in „Neue Zeit“. Es ist eben jene, mit allen Sinnenwahr- und aufnehmende Haltung, aus deren Niederschrift eine der vielleicht eindringlichsten Beschreibungen der Geschehnisse in Deutschland und an der russischen Front zwischen 1937 und 1945 hervorgegangen ist. Die Sinnlichkeit dieser erinnerten Wahrnehmung führt aufs Anschaulichste zu den Beschreibungen dessen, was der Schreiber in sich aufgenommen hat: „Sickernder Schnee, stäubender Schnee, und Schnee, der ruhte, glänzte, glitzerte, die Schatten japanblau“, ist nur ein Beispiel für die Schönheit dieser Sprache, die mit derselben Gleichmut den Zauber der „alten Zeit“ und das Grauen und die Willkür der nationalsozialistischen Politik und Schreckensherrschaft der „Neuen Zeit“ in Worte fasst, die niemals verklären, was nicht verklärbar ist.</p>
<p>Es nimmt nicht Wunder, dass Paul Celan, der 1960 in seiner Büchnerpreis-Rede die Aufforderung aussprach „Geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setze dich frei!“, mit Hermann Lenz’ poetologischem Ansatz übereinstimmte und, obwohl voller Misstrauen gegen alle, die als Soldaten auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg dabei gewesen waren, mit dem Ehepaar Lenz über Jahre eine enge Freundschaft pflegte. Peter Handke war es dann, der Anfang der Siebzigerjahre die Werke von Hermann Lenz zur Lektüre empfahl und dadurch Lenz’ bis dato wenig beachteten Büchern die Aufmerksamkeit einer größeren Leserschaft einbrachte. Eine Empfehlung, die man hier aufs Neue nachdrücklich wiederholen darf.</p>
<p><em><strong>Peter Hamm liest am 10. November ab 19 Uhr im <a title="Lenz-Lesung im Jüdischen Museum" href="http://www.juedisches-museum-muenchen.de/cms/index.php?id=67&amp;L=0&amp;tx_ttnews[tt_news]=165&amp;tx_ttnews[backPid]=45&amp;cHash=492bf6ab55" target="_blank">Jüdischen Museum</a> (St.-Jakobs-Platz 16) aus Hermann Lenz&#8217; Roman &#8220;Neue Zeit&#8221;. Die Karten kosten sechs Euro (ermäßigt drei).</strong></em></p>
<p><em>(Diese Rezension von Beate Tröger erschien in der Novemberausgabe des Münchner Literaturmagazins KLAPPENTEXT. Ein <a title="Klappentext - Münchens Literaturmagazin" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.literatur-muenchen.de');" href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/mehrklappentext/ja-ich-will/" target="_blank">KLAPPENTEXT-Abonnement</a> ist kostenlos.</em><em>)</em></p>
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