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	<title>mucbook &#187; Tagebuch: Bayerin am Bosporus</title>
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	<description>Alles München</description>
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		<title>Über Stadt und die Welt</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch: Bayerin am Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 4: Dorfkosmos &#8211; in Istanbul treffen sich Provinz und Metropole. 

 „Weltstadt mit Herz“, so wird München gerne schmückend betitelt – jedenfalls von der heimischen Tourismusbrache oder ambitionierten Lokalpolitikern. Mehr als ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 4: Dorfkosmos &#8211; in Istanbul treffen sich Provinz und Metropole. </em></p>
<p><span id="more-12983"></span></p>
<div id="attachment_12989" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-12989" title="Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/07/Kolumne-41.png" alt="Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne" width="430" height="573" /><p class="wp-caption-text">Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne</p></div>
<p><em> </em>„Weltstadt mit Herz“, so wird München gerne schmückend betitelt – jedenfalls von der heimischen Tourismusbrache oder ambitionierten Lokalpolitikern. Mehr als ein griffiger PR-Slogan steckt aber nicht hinter der Worthülse. Schön ist es in München immer, manchmal auch überraschend spannend, oft träge-gemütlich. Aber weltstädtisch…Nun ja.</p>
<p>Nach sechs Monaten in Istanbul, einer 15-Millionenmetropole mit knapp 3000 jähriger imperialer Geschichte, ist mir beim Blick auf das türkis-blau glitzernde Goldene Horn von einer der unzähligen Dachterrassen die „Weltstadt“ aber wieder in den Sinn gekommen – Ist das hier nicht eine „Weltstadt“ par excellence…? Umweht mich nicht gerade geschichtsträchtig-bedeutender Wind einer Hauptstadt zweier Weltreiche…? Wirbeln nicht ständig byzantinisch-osmanische Reminiszenzen hinein in den türkischen Alltag…? Ist dieser historisch-multikulturelle Wind nicht auch noch gewürzt mit den – mal mehr, mal weniger wohlduftenden – Aromen einer modernen Mega-Metropole…? Schwelgend in der historischen Bedeutsamkeit dieser gefeierten In-Stadt, die als Constantinopolis mehr als 1000 Jahre Hauptstadt des Byzantinischen Reiches war, und dann 1453 von den Osmanen erobert und als Istanbul zum Fixstern ihres Islamischen Imperiums wurde, um nun in der Gegenwart von sämtlichen internationalen Szenemagazinen als „the place to  be“ gepusht zu werden, habe ich beinahe verdrängt, dass ich auf dem Weg von der erhebenden Dachterrassen- Aussicht herab in mein wuseliges Wohnviertel Sisli einigen wenig weltstädtisch-erhebenden Realitäten begegnen werde:</p>
<div id="attachment_12991" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-12991" title="Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/07/Kolmumne-4a1.png" alt="Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol" width="430" height="315" /><p class="wp-caption-text">Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol</p></div>
<p>Unweltstädtische Realität Nummer 1:</p>
<p>Istanbul hat zwar mindestens 15 Millionen Einwohner, aber leider nur eine Metrolinie. Was täglich (und leider auch nächtlich) zu absehbarem Verkehrschaos mit unabsehbarem Zeitverlust führt. Eine einzige Zuckel-U-Bahn für Millionen von Pendlern – ein infrastruktureller Albtraum und wenig weltstädtisch, irgendwie.</p>
<p>Unweltstädtische Realität Nummer 2:</p>
<p>„Weltstadt“ impliziert doch auch das Versprechen, „die Welt“ anzutreffen in dieser Stadt. Aber Istanbul ist nicht die Kosmopolitin, zu der sie viele Travellguides machen wollen: Bis auf die Heerscharen von Touristen, die Beyoğlu jedes Wochenende aufs neue überschwemmen, hört man wenig – um nicht zu sagen keine – fremden Sprachen auf der Straße. Türkisch ist die unangefochten dominante Sprache und Kultur, das ist seit Gründung der Türkischen Republik politisch so gewünscht und konsequent verfolgt: Von den ehemals 250 000 Griechen, die gegen Ende des Osmanischen Reichs noch in Istanbul lebten und die Oberschicht der Stadt konstituierten, sind heute gerade noch um die 2000 geblieben &#8211; systematische Schikane seit den 1920ern und schließlich Massen-Deportationen in die 1970er sei Dank. Auch die jüdische, armenische, italienische und französische Minderheit, die zur Zeit des Osmanischen Reiches zum Sprachengewirr in Istanbul beitrug, ist kaum mehr wahrnehmbar in der heutigen Metropole. Stattdessen prägen türkische Zuwanderer aus den Dörfern Anatoliens und der Schwarzmeerküste das Stadtbild. Provinz und Pferdekarren statt multikulturellem Mix &#8211;  auch wenig weltstädtisch, irgendwie.</p>
<p>Aber vielleicht muss Istanbul auch gar nicht weltstädtisch sein, um ihre Faszination und Anziehungskraft auszuüben. Vielleicht ist es sogar die Gleichzeitigkeit von Dorf und Megapolis, von Ignoranz und Aufgeschlossenheit, die Besucher und Bewohner gleichermaßen in den Bann dieser Stadt zieht. Das Nebeneinander von grandioser Vergangenheit und Verfallsspuren der ehemaligen Grandezza, das multikulturelle Erbe in der türkisch geprägten Gegenwart, die modernen Sonnenbrillen-Ladies neben den konservativen Schleier-Frauen, Latte Macchiato aus den unzähligen Starbucks-Filialen oder Çay von schreienden Straßenverkäufer – das sind die Gegensätze, die Istanbul zu einem Kosmos in sich machen.</p>
<p>Eine Weltstadt habe ich nicht entdeckt in Istanbul. Aber dafür viele Welten, die mal nebeneinander, mal gegeneinander, mal miteinander existieren.</p>
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		<title>Glockenbach am Bosporus</title>
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		<pubDate>Sat, 08 May 2010 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch: Bayerin am Bosporus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 3: Über Globalisierunphänomene jenseits von Finanzkrisen. Servus und Selam, Istanbullu-Hipster!
Ray-Ban bebrillte zehn-Tagesbart Gesichter schauen konzentriert und enorm wichtig auf ihre silberglänzenden Stylo-Macbooks, der Latte Macchiato steht griffbereit, die Blicke schweifen immer wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 3: Über Globalisierunphänomene jenseits von Finanzkrisen. Servus und Selam, Istanbullu-Hipster!<span id="more-9980"></span></em></p>
<div id="attachment_10002" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-10002" title="Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/05/1.png" alt="Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul" width="430" height="283" /><p class="wp-caption-text">Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul</p></div>
<p>Ray-Ban bebrillte zehn-Tagesbart Gesichter schauen konzentriert und enorm wichtig auf ihre silberglänzenden Stylo-Macbooks, der Latte Macchiato steht griffbereit, die Blicke schweifen immer wieder demonstrativ gelangweilt über die anderen Cafébesucher und Passanten, manchmal klingelt ein IPhone.  So, wo samma gerade…? Würde nicht ab und an ein Simit-Straßenverkäufer seine Sesamkringel lautstark schreiend unter die Leute bringen oder ein Pferdewagen voller Zitronen und Orangen durch das Viertel zuckeln – ich wüsste es auch nicht.  </p>
<p>Die Globalisierung macht sich nämlich nicht nur bemerkbar an Finanzkrisen und  McDonaldsfilialen – auch Hipster schauen überall gleich aus:  Röhrenjeans die Herren, Pumphosen die Ladies , tun dieselben Dinge – meistens in der Kreativbranche – und sind im ähnlichen Ambiente zu finden – wackelige Straßencaféstühle oder retrodesignte Decken auf öffentlichen Plätzen sind  allseits und stadtübergreifend treffsichere Hipsteranlaufstellen. Ob nun München am Gärtnerplatz oder Istanbul in Cihangir – es sind Nuancen, die den Lebensstil in den beiden Vierteln unterscheiden.</p>
<p>Ist das nun traurig, dass mehr als 1500 Kilometer voneinander entfernt lebende Menschen, die doch alle so sehr bemüht sind, ihre einzigartige Coolness zu demonstrieren, in einem progressiv-liberalen Modeeinheitsbrei aufgehen…? Oder ist es ein frohstimmendes Symbol für die einende Kraft der Konsumkultur, dass ein Hipster-Bayer und ein Hipster-Türke nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind? Jedenfalls sind  orientalisch-osmanische Klischees vergessen nach einem Nachmittag in den Tagesbars von Cihangir.</p>
<p>Und: Auch wenn es nur Kleinigkeiten, Nebensächlichkeiten sind. Cihangir funktioniert hinter seiner augenscheinlichen Bohemienattitüde, zwischen seinen luxussanierten Altbauten und im Nachbarschaftsleben trotzdem noch wie eine traditionell-türkische Mahalle: Da gibt es pro Straßenkreuzung einen Bakkal-Verkäufer (türkisches Pendant zum Tante-Emma-Laden), der seine Kunden noch beim Namen kennt und der auch mal drei Tage auf sein Geld warten kann. Da sitzen schnauzbärtige alte Herren vor ihren Kuaför-Läden und genießen die Sonne, während sie auf Kunden warten. Und es ist schlicht unmöglich, ohne „Merhaba!“, „Ne haber…?“, „Iyim!“-Rufe durch die Straßen zu gehen. Man kennt sich hier noch, auch hinter mega-Sonnenbrillen und liberal-urbaner Selbstinszenierung.</p>
<p>Außerdem: Hipsterkritelei hin oder her, auf den Bosporusblick-Treppenstufen kurz vor Sonnenuntergang ist es dann auch egal, ob auf den Gärtnerplatztheater-Stufen in München gerade dasselbe abläuft oder nicht…Es is halt einfach schee.</p>
<div id="attachment_10044" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-10044 " src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/05/23.png" alt="Kaffeezeit in Cihangir. Oder doch in München...?" width="430" height="384" /><p class="wp-caption-text">Nachmittagskaffee in Cihangir. Oder doch in München...?</p></div>
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		<title>Mir san&#8230;Wer?</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 13:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch: Bayerin am Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 2: Wer ist ein &#8220;Istanbullu&#8221; &#8211; und wenn ja, wie viele? &#8211; über Identitätsprobleme in einer Migrationsmetropole..

In München beantwortet sich die Identitätsfrage ziemlich einfach: Mir san mir, und das ist auch gut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 2: Wer ist ein &#8220;Istanbullu&#8221; &#8211; und wenn ja, wie viele? &#8211; über Identitätsprobleme in einer Migrationsmetropole..<span id="more-7900"></span></em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7619" title="poladesign" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/03/poladesign.jpg" alt="poladesign" width="430" height="289" /></p>
<p>In München beantwortet sich die Identitätsfrage ziemlich einfach: Mir san mir, und das ist auch gut so! So schlicht und unreflektiert dieses Statement auch sein mag, es fusst immerhin auf relativ einheitlichem Lebensstil und ziemlich gehobenem Lebensstandard. Egal ob Zuagroaster oder Münchner Kindl &#8211; wir mögen die gelassene Münchner Gemütlichkeit und den Wohlstands-Laissez-Faire genießen auch die Grantler gern. Selbst wenn selten Dialekt gesprochen wird, &#8216;Servus&#8217; und &#8216;Grüß Gott&#8217; gehören zum einenden Münchner Begrüßungsritual. Auch das allgemeine Bekenntnis zur Biergartenkultur und die Liebe zum Dolce-Vita Lebensgefühl verbindet uns 1,3 Millionen Landeshauptstädter. Da macht es auch nix, wenn böse Berliner Zungen über unseren dörflichen Charakter lästern &#8211; wir wissen ja, wer hier der wirkliche Weltstädter mit Herz ist. Das selbstbewusste Münchner Selbstverständnis &#8211; wenn auch manchmal extern belächelt und bekritelt &#8211; wird intern nicht in Frage gestellt.</p>
<p>Mit diesem bayuvarisch-urbanen Hintergrund und als Fremde in einer neuen Stadt wollte ich natürlich die besonderen Merkmale der Istanbuler Identität herausfinden&#8230;</p>
<p>Nur – es gibt sie nicht.</p>
<p>Verallgemeinerungen und einheitliche Zuschreibungen über die Istanbuler Lebensart sind nicht möglich. Das ist enttäuschend, wenn man auf der Suche nach einfachen Wahrheiten ist. Es ist spannend, wenn man aufgeschlossen und neugierıg ist. Und es ist herausfordernd, wenn man neue Leute trifft.</p>
<p>Istanbul ist heute eine Megacity mit geschätzten 15 Millionen Einwohnern, es können auch fünf Millionen mehr sein &#8211; zuverlässige Zahlen gibt es nicht. Vor 60 Jahren aber lebten hier kaum mehr als eine Millionen Menschen. Von Megacity mit Metropolcharakter konnte bis in die 80er Jahre nicht die Rede sein, erst damals begann der extreme Bevölkerungszuwachs. Eine moderne Istanbuler Identität kann es also schon deshalb nicht geben, weil gar keine Zeit war, eine gemeinsame Geschichte, gemeinsame Bräuche und Traditionen zu entwickeln.</p>
<p>Es fehlt aber nicht nur an Zeit, um ein Istanbuler Gruppengefühl zu erschaffen. Es fehlt vor allem an gemeinsamen Lebenskonzepten.  Mehr als 80 Prozent der heutigen Istanbuler stammen aus Anatolien und der Schwarzmeerregion. Und die Zuwanderer haben nicht nur ihre Familien und Freunde mitgebracht. Vor allem haben sie ihre dörflichen Strukturen in das Metropolenleben verplanzt. So kommt es, dass Pferdewägen mit Früchten durch die Stadt rollen, einige Stadtviertel in den Clanstrukturen anatolischer Dörfer organisiert sind und die Kopftücher der Frauen mal streng und blickdicht um Kinn und Stirn gebunden sind, mal lose und in bunten Farben über lange Haare wehen.</p>
<p>Frauen im Istanbuler Stadtleben verdeutlichen vielleicht am besten, dass es nicht eine Istanbuler Lebensart gibt, sondern viele, widersprüchliche, gegensätzliche Lebensentwürfe. Es ist etwa Blödsinn zu sagen, eine Frau in Istanbul sollte keinen kurzen Rock tragen. Es ist aber genauso blösinnig zu sagen, eine Frau in Istanbul kann ohne Probleme einen kurzen Rock tragen. Es hängt davon ab, wo sie den kurzen Rock trägt.<br />
In Cihangir unterscheidet sich der Lifestyle wenig vom Glockenbachtum, lange Leggingsbeine wippen en masse in den Straßencafes &#8211; und niemand guckt auch nur schief. Im kurdischen Viertel Tarlabaşı sind Kopftücher zwar selten, Miniröcke aber eher an transsexuellen Prostituierten zu sehen denn an jungen Mädchen. Und im tiefreligiösen Fatih huschen vor allem schwarz verschleierte Geisterfrauen umher &#8211; nackte Frauenbeine wären eine Provokation.</p>
<p>Einige Istanbuler hadern mit dieser fragemtierten Realität und beschwören wegen der anhaltenden Einwanderung aus den ländlichen Gebieten den kulturellen Verfall ihrer Stadt. Einige isolieren sich von der städtischen Vielfalt und bleiben in ihren vertrauten Vierteln. Und einige genießen einfach die Buntheit der unterschiedlichen Welten, die in dieser Stadt versammelt sind. Aber keiner wusste bisher eine Antwort auf meine Frage, was einen wahren &#8216;Istanbullu&#8217; ausmacht.</p>
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		<title>Die Farben meiner Stadt</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 12:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch: Bayerin am Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
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Kolumne 1: Auf der Suche nach den Farben meiner Stadt…
Was macht die Stimmung, das Gefühl einer Stadt aus&#8230; Auf einer inneren Landkarte, wie sieht die Heimatstadt aus? Leuchtet sie in kräftigen Tönen, taucht sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 1: Auf der Suche nach den Farben meiner Stadt…<span id="more-5973"></span></em></p>
<div id="attachment_5975" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-5975" title="30_01 (37)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/01/30_01-373.png" alt="Topkapi Saray und Hagia Sofia im Morgennebel" width="430" height="274" /><p class="wp-caption-text">Topkapi Saray und Hagia Sofia im Morgennebel</p></div>
<p>Was macht die Stimmung, das Gefühl einer Stadt aus&#8230; Auf einer inneren Landkarte, wie sieht die Heimatstadt aus? Leuchtet sie in kräftigen Tönen, taucht sie blass und verschwommen vor dem geistigen Horizont auf oder knallt sie in kreischend-bunten Farben und blendet das innere Auge?</p>
<p>Denke ich an München, sehe ich hell-strahlende Farbkombinationen. Blau-weiß zum Beispiel. Diese Assoziation auch wohl auch geprägt von romantisierenden Bayern-Klischees, aber hier soll gar nicht an Schäfchenwolken vor bayerischem Sommerhimmel erinnert werden. Viel eher denke ich an die Hipster-Menschenmassen vor dem Gärtnerplatztheater im Sommer, an die ewig sprudelnden Brunnen vor dem LMU-Hauptgebäude, an das Isarufer mit seinen Joggern und flanierenden Pärchen. Weiß-gold ist auch so eine Münchner Farbkombination: Hübsche Blondinen in weißen Kleidchen, die Theatinerkirche vor der Ludwigstraße, Weißweingläser in beringten, manikürten Händen, der Königsplatz bei Sonnenuntergang&#8230; Alles ziemlich vollkommene Bilder. Eine heiter-gelassene Idylle, die ungefährliche Sonnenseite des Lebens, das ist mein Münchenbild. Ziemlich perfekt, ziemlich makellos. Wie bunte Farbkreise auf einem weißen Papier, wie eine gepflegte Blumenwiese ohne Trampelspuren. Und jetzt</p>
<p>- Istanbul -</p>
<p>Welche Farbassoziationen löst dieses Moloch an Stadt in mir aus? Welches innere Farbbild entspricht einer Stadt, in der anatolischen Einwanderer in Gecekondu-Slums ohne Elektrizität hausen, in der schwarzverhüllte Frauen, eher Geistern als Menschen ähnelnd, leise durch heruntergekommene Gassen wandeln, in der orientalisch-osmanische Architektur eine der schönsten Silhouetten der Welt erschaffen hat, in der ein glitzernder Bosporus alle Sorgen vergessen lässt, in der chice Tagesbars im Szeneviertel Cihangir fünfmal so hohe Preise haben wie die alten Kaffeehäuser fünf Straßenzüge weiter, in der Elektromusik und Imamrufe durch die Straßen schallen, in denen zehn oder 12 oder 15 Millionen Menschen- keiner weiß es so genau &#8211; nebeneinander, gegeneinander, miteinander leben?</p>
<p>Es sind keine klar definierbaren Farbtöne, dafür ist Istanbul zu uneindeutig, zu widersprüchlich, zu vielschichtig. Eher ein Aquarellbild also. Verschwommene Verläufe, durchlässige Übergänge. Mal in freundlich-sanften Farben, dann wieder in dunkel-erdigen Schattierungen. Aber immer mit einem Schleier über der darunter liegenden Farbschicht, der das Stadtbild rätselhaft, undurchdringlich macht. Es ist ein Bild, das nach mehr verlangt: Mehr Wissen über die vielen Kulturen, mehr Verständnis für die unterschiedlichen Lebensentwürfe, mehr Zeit, um aus der faszinierend-fremden Stadt ein Zuhause zu schaffen. Dieses Zuhause wird bestimmt nie so naiv-bunt vor meinem inneren Auge erscheinen wie München, aber aus dem schemenhaften Aquarellbild werden sicher bald schärfer umrissene Formen und Gestalten hervortreten.</p>
<div id="attachment_5987" class="wp-caption alignnone" style="width: 437px"><img class="size-full wp-image-5987" title="28_01 (53)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/01/28_01-533.png" alt="Verschleierte Sicht auf die asiatische Seite Istanbuls" width="427" height="211" /><p class="wp-caption-text">Verschleierte Sicht auf die asiatische Seite Istanbuls</p></div>
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