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	<title>mucbook &#187; tagebook: Bayerin am Bosporus</title>
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	<description>Alles München</description>
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		<title>Schnitzeljagd für Kunstfreunde</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 14:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>
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		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[20 Künstler, 10 Wohnungen, 3 Wochen, 1 Kunstprojekt: In temporären Wgs entwickelten Münchner-Istanbuler Künstlerpaare Wohungsausstellungen und öffneten dann die Haustüren zu ihren Kunsträumen. Ein Rundgang durch die Istanbuler art.homes.

Versteckt neben Treppenaufgängen oder über den Klingelknöpfen  sind die Hinweise zu finden: orangene art.homes Aufkleber weisen den Weg in die Wohngunsausstellungen. Die richtige Straße, das richtige Haus muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>20 Künstler, 10 Wohnungen, 3 Wochen, 1 Kunstprojekt: In temporären Wgs entwickelten Münchner-Istanbuler Künstlerpaare Wohungsausstellungen und öffneten dann die Haustüren zu ihren Kunsträumen. Ein Rundgang durch die Istanbuler art.homes.</p>
<p><span id="more-15889"></span></p>
<p>Versteckt neben Treppenaufgängen oder über den Klingelknöpfen  sind die Hinweise zu finden: orangene <a href="http://art-homes.de/german/">art.homes</a> Aufkleber weisen den Weg in die Wohngunsausstellungen. Die richtige Straße, das richtige Haus muss der urbanen Schnitzelsucher aber erst selber finden &#8211; eine verpixelter schwarz-weiß Ausdruck mit den Adressen soll helfen, erst die Auskünfte der Anwohner helfen wirklich. Das Suchen nach der Kunst macht art.homes auch zu einer urbanen Entdeckungstour durch einen Teil Istanbuls, der sonst eher weniger für seine Kultur-Events bekannt ist: 7 der 10 Wohungsausstellunge liegen in Tarlabaşı, einem Viertel, in dem heute vor allem vertriebene Kurden aus dem Südosten des Landes wohnen, das unter anderem im Ruf steht, Drogenumschlagplatz zu sein &#8211; kurz, ein Ort, an dem sich die Intellektuelle Bourgeoise sonst eher selten zur Kunstbeschauung trifft.</p>
<div id="attachment_15890" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-15890 " title="tarlabasi (2)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/tarlabasi-2.png" alt="Tarlabasi - Eigentlich ein so genanntes &quot;Problemviertel&quot;, durch art.homes aber temporärer Kunsthort " width="430" height="323" /><p class="wp-caption-text">Tarlabaşı- Eigentlich ein so genanntes &quot;Problemviertel&quot;, durch art.homes aber temporärer Kunsthort </p></div>
<p>Die Geschichte des Viertels und seiner Bewohner haben das &#8220;Kunstpaar&#8221; Hera Büyüktaşçıyan und Matthias Männer dann auch zum Thema ihrer Installationen gemacht. Hera lässt den Esstisch der Wohnung durch eine Hängekonstruktion mit weißen Leinen schweben &#8211; aber nur zur Hälfte. Zwei Tischbeine berühen noch den Boden, es ist ein unsicherer, unentschiedener Schwebezustand &#8211; genau wie in  Tarlabaşı: &#8220;Ich will damit zeigen, dass hier ständig ein Kommen und Gehen war: Erst wohlhabende Griechen, dann Juden, und jetzt die Landbevölkerung Anatoliens &#8211; und wer kommt nach ihnen&#8230;?&#8221; Auch das Kurdenviertel weist nämlich erste Gentrifizierungshinweise auf &#8211; das Projekt art.homes könnte ein weiterer Schritt zur Veränderung des Stadtteils sein. Matthias dagegen fragt, wie Vergangenes immer noch in das heutige Leben hineinspielt &#8211; und scheinbar die Wand aufgebrochen, um hinter die Fassade blicken zu können.</p>
<div id="attachment_15891" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-15891" title="Raum-Installation von Hera Büyüktaşçıyan" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/tisch.png" alt="Raum-Installation von Hera Büyüktaşçıyan" width="430" height="317" /><p class="wp-caption-text">Raum-Installation von Hera Büyüktaşçıyan</p></div>
<p>Auch in der benachbarten Wohnung hat die Umgebung inspiriert: Für die Ornamente auf der Wandmalerei von Motoko Dobashi und Erkin Gören, die über zwei Stockwerke zwei getrennte Wohnungen verbindet,  haben die Fenstergitter der Häuser in Tarlabsi Motiv gestanden. Der Baum soll die Verwurzelung des Stadtteils in der Vergangenheit symbolisieren.</p>
<div id="attachment_15899" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-15899" title="arthomes (10)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/arthomes-101.png" alt="Wandmalerei von Motoko Dobashi und Erkin Gören" width="430" height="359" /><p class="wp-caption-text">Wandmalerei von Motoko Dobashi und Erkin Gören</p></div>
<p>Patricija Gilyte klebt gerade Zuckerwürfel an die Wand, als ich in ihre Wohnung komme. Anders als die anderen hat sie die Räume sogar mit zwei anderen Leuten geteilt &#8211; der eigentliche Besitzer ist einfach nicht ausgezogen. Mit den Zuckerstückchen hat sie ein Panorama Istanbuls erschaffen, allerdings nicht das typische Touristenbild. &#8220;Ich habe einfach meine Wege, die ich täglich gegangen bin, vor meinem inneren Auge gesehen, als ich das Panorama entworfen habe.&#8221; Nur Süßes gibt es in der Wohnung aber nicht &#8211; die türkische Kunstpartnerin Pelin Gören hat als Performance täglich Eingeweide gekocht, und diese dann festlich serviert. Das soll nicht nur eine nette Essenseinladung an die art.homes Besucher sein: Sie will provozieren, den gesellschaftlichen Wandel mit ihrem Gericht hinterfragen: &#8220;Eingeweide wie Leber, Herz, Milz &#8211; das  ist ein total traditionelles türkisches Essen &#8211; aber viele Leute ekeln sich davor,kochen es auch nie selber.&#8221;</p>
<div id="attachment_15901" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-15901" title="zuckerrelief" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/zuckerrelief.png" alt="Istanbuler Zuckerrelief von Patricija Gilyte" width="430" height="532" /><p class="wp-caption-text">Istanbuler Zuckerrelief von Patricija Gilyte</p></div>
<p><span style="font-size: 13.2px;">In eine Zauberwelt schien man in der Wohnung von Ergül Cengiz und Ozan Uysal einzutreten &#8211; der Raum war vielfach unterteil durch luftigleichte, ornamental strukturierte Vorhänge, die nach der traditionellen islamischen Musterordnung gefertigt waren, sich also niemals wiederholen oder den Raum zerschneiden. Die Mystik war mit sehr prosaischen Mitteln erzeugt worden &#8211; Plastiktischdecken und PVC-Vorhänge dienten Ergül als Material. Mit diesen typisch türkischen Wohnutensilien der Unterschicht hat die Deutschtürkin die Wohnung zu einem geheimnisvoll-ästhetischen Ort gemacht. Und gezeigt, dass so viel mehr im Alltag und seinen Gebrauchsgegenständen stecken kann.</span></p>
<div id="attachment_15917" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-15917" title="4arthomes" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/4arthomes.png" alt="Ergül Cengiz` ornamental-durchsichtige Raumtrenner " width="430" height="573" /><p class="wp-caption-text">Ergül Cengiz` ornamental-durchsichtige Raumtrenner </p></div>
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		<title>Nach dem Terror kommt der Alltag</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 22:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Macht & Geld]]></category>
		<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei einem Terroranschlag ist mitten in Istanbul am Sonntag eine Bombe explodiert: Ein Selbstmordattentäter hat sich im Herzen der Stadt, am Verkehrs-knotenpunkt und Touristentreffpunkt des europäischen Teils, in die Luft gesprengt. Schon 24 Stunden später ist kaum ein Nachhall der Explosion mehr zu spüren.

Der Taksim ist die Schlagader der Stadt &#8211; und Sinnbild für die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einem Terroranschlag ist mitten in Istanbul am Sonntag eine Bombe explodiert: Ein Selbstmordattentäter hat sich im Herzen der Stadt, am Verkehrs-knotenpunkt und Touristentreffpunkt des europäischen Teils, in die Luft gesprengt. Schon 24 Stunden später ist kaum ein Nachhall der Explosion mehr zu spüren.</p>
<p><span id="more-15469"></span></p>
<p>Der Taksim ist die Schlagader der Stadt &#8211; und Sinnbild für die Schnelllebigkeit Istanbuls. Nur ein Tag nach dem Attentat verkaufen die Simitmänner wieder ihre Sesamkringel, hupen und schreien die Taxifahrer, hasten die Passanten über den Platz, staunen die Touristen über den Metropolenflair des Platzes.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15470" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/polisI.png" alt="" width="430" height="323" /></p>
<p>Die Polizei war Ziel des Attentäters, wie türkische Medien berichtet haben. Am nächsten Tag ist die Polizeistation großräumig abgesperrt. Dahinter: Trubel und Taxichaos wie jeden Tag.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15471" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/polis.png" alt="" width="430" height="323" /></p>
<p>Dass nicht alles so ist wie immer, ist nur an der verstärkten Polizeipräsenz am Taksim zu merken &#8211; mal fährt eine Transporter mit Sirenengeheul über den Platz, dann parkt ein Polizeiauto im Fußgängerbereich. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, weiß noch keiner. Die kurdisch-nationalistische Terrorgruppe <a href="http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=turkey-probes-suicide-attack-kurdish-rebels-suspected-2010-11-01">PKK hat eine Beteiligung zurückgewiesen</a>.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15473" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/simitmann.png" alt="" width="431" height="575" /></p>
<p>Der Simitverkäufer auf dem Bild hat miterlebt, wie die Bombe explodierte. Ihm ist nichts passiert,  am nächsten Tag steht er wieder an seinem Arbeitsplatz. Den findet er trotz allem nicht gefährlich: &#8220;Ich hatte schon Angst, das gab einen Wahnsinnskrach. Ich bin sofort weggelaufen. Aber heute ist ein anderer Tag. Ich glaube nicht, dass so etwas bald wieder passiert.&#8221;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15475" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/istiklal.png" alt="" width="430" height="582" /></p>
<p>Von Furcht oder Vorsicht ist auch bei den Passanten nichts zu spüren &#8211; die Massen wälzen sich wie jeden Tag durch die Einkaufsmeile Istiklal Caddesi, die am Taksim entspringt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15476" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/11/touristen.png" alt="" width="430" height="323" /></p>
<p>Und auch die Touristen lassen sich nicht abschrecken &#8211; wie immer ist der Taksim Kulisse für Erinnerungsfotos und Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. &#8220;Terror gibt es doch überall &#8211; bei uns in Spanien kann das auch passieren&#8221;, sagt eine junge Frau, die gerade in die Tram am Taksim einsteigt. Auch eine belgische Reisegruppe mit älteren Herrschaften teilt diesen Pragmatismus: &#8220;Der Taksim ist heute bestimmt der sicherste Ort in ganz Istanbul &#8211; bei der Polizei überall. Nur gut, dass wir gestern nicht hier waren. Heute passiert bestimmt nichts.&#8221;</p>
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		<title>Hans und Helga und die Kunst</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Oct 2010 13:31:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feiern & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen. Kolumne 6: Klischees als Kunstmotiv. Was geben nationale Kategorien für Kreative her? Ein Besuch in der Ausstellung &#8220;Hans und Helga&#8221;. 
 
Der typische Deutsche ist bierbäuchig, blass, blond und ein bisschen blöd. Er heißt Hans. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen. <em>Kolumne 6: Klischees als Kunstmotiv. Was geben nationale Kategorien für Kreative her? Ein Besuch in der Ausstellung &#8220;Hans und Helga&#8221;. </em></p>
<p><span id="more-14480"></span><em> </em></p>
<div id="attachment_14560" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14560  " title="Hans und Helga" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/Hans-und-Helga.png" alt="Ausstellungseingang" width="430" height="286" /><p class="wp-caption-text">So eindeutig deutsch ist nur der Ausstellungeingang - die Arbeiten dahinter hinterfragen nationale Kategorien und Klischees</p></div>
<p>Der typische Deutsche ist bierbäuchig, blass, blond und ein bisschen blöd. Er heißt Hans. Die typische Deutsche ist drall, meist auf Männerfang und trägt gern Dirndl mit tiefem Dekolleté. Auch sie ist blond und groß, ihr Name ist Helga. Zusammen machen sie gern Urlaub in all-inclusive Anlagen in Antalya und verbrennen sich dabei ihre Schwarten. Soviel zu den türkischen Klischees über Deutsche &#8211; nicht weniger unschmeichelhaft und unzutreffend wie die deutsche Volksmeinung zu den angeblichen türkischen Prototypen Ayse und Ali. (Erinnert sei nur an die peinliche Debatten über &#8220;Kopftuchmädchen&#8221; und genetisch mangelhafte Intelligenz von Muslimen in diesem Jahr.) Vorurteile über andere &#8220;Völker&#8221; kommen meist dumm-dumpf daher, keine Frage. Manchmal können sie aber auch Anstoß zu kritischer Auseinandersetzung, gar zu künstlerischer Aktivität sein. Wie in diesem Fall.</p>
<p>Mit &#8220;Hans und Helga&#8221; <span style="line-height: 17px;">Istanbuler Gallerie <a href="http://www.cda-projects.com/index.asp">Cda Projects</a><span> </span>hat die typisch-deutsch Diskussion dem Stammtisch-, bzw. Kaffeehausmilieu entrissen und zum Ausstellungsthema gemacht: Gibt es deutsche Kunst überhaupt? Sechs Künstler aus Deutschland und eine Performancegruppe haben darauf ihre Antworten gegeben. Die sind manchmal ironisch-klischeehaft, mal provozierend, einige lassen den Betrachter schmunzeln; alle Arbeiten spielen mit nationalen Stereotypen, keine bestätigt sie. Kunst passt halt nicht in eine nationale Schublade, genauso wenig wie das Leben.</span></p>
<p><span style="line-height: 17px;">Hier einige Beispiele für die nicht-deutsche, deutsche Kunst aus &#8220;Hans und Helga&#8221;</span></p>
<p><span style="line-height: 17px;"><br />
</span></p>
<div id="attachment_14577" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14577" title="Alpen" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/Alpen.png" alt="Motoko Dobashi - Moderne Bergwelten und der Biedermaier" width="430" height="243" /><p class="wp-caption-text">Motoko Dobashi - Moderne Bergwelten und der Biedermaier</p></div>
<p>Die Wahlmünchnerin Motoko Dobashi etwa hat die Berge zu ihrem Thema gemacht –  mit japanisch-westlichem Stilmix, auf kleinformatigen Papierzeichnungen und auf einer raumgreifenden Wandmalerei.  Mit ihren futuristischen Felslandschaften will die gebürtige Japanerin „eine neue Form von Bergidyll in der modernen Gesellschaft“ entwerfen und Rückzugsmöglichkeiten vor sozialen Zwängen zeigen. Sie bezieht sich dabei ganz offen auf den als spießig-langweilig verschrienen Biedermaier und die Innerlichkeit des 19. Jahrhunderts.</p>
<div id="attachment_14584" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14584" title="unter4augen" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/unter4augen.png" alt="Rudolf Reiber: &quot;Unter vier Augen&quot; - Pornoszenen zu Waltzermelodien" width="430" height="304" /><p class="wp-caption-text">Rudolf Reiber: &quot;Unter vier Augen&quot; - Pornoszenen zur Waltzermelodie</p></div>
<p>Durch ein kleines Loch kann der Besucher stark geschminkten Damen ins Gesicht sehen, die ihrerseits blicken lasziv-verführerisch, professionell-aufreizend zurück. Und alles im Dreivierteltakt. Rudolf Reiber montiert in der Videoinstallation &#8220;Unter vier Augen&#8221; Frauengesichter aus Pornoszenen zu Waltzermusik. Hochkultur und Triebbefriedigungsmaschinerie laufen im gleichen Takt, jedenfalls solange der Besucher in der Voyeurrolle verharrt.</p>
<div id="attachment_14597" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14597" title="Fanslau" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/10/Faslau.png" alt="Emanuel Fanslau: Raum und Reise - Münchner Frottage-Studio in Istanbul / Aus Traum wird Ding: Crash Lamps" width="430" height="647" /><p class="wp-caption-text">Emanuel Fanslau: Raum und Reise - Münchner Frottage-Studio in Istanbul (hinten); Aus Traum wird Ding: Crash Lamps (vorn)</p></div>
<p>&#8220;Mit Hilfe von Frottage kann ich die Aura eines Raumes transportieren&#8221; - der Münchner Emanuel  Fanslau hat die Oberfläche seines Münchner Studios auf Leinwand übertragen und in Istanbul in Form dreidimensionaler Objekte wieder aufgebaut. Auch bei den Crash Lamps ist die Veränderung des Bezugortes entscheidend: Scheinwerfer aus deutschen Autowracks werden in Istanbul zu Designobjekten.</p>
<p>Di<em>e Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober </em><em>in der <a href="http://www.cda-projects.com/index.asp">Casa dell`Arte- Galerie</a> (Istiklal Caddesi,  Misir Apartment 163, 3. Stock) in Beyoglu zu sehen. </em></p>
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		<title>Istanbul in Deutschland</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Sep 2010 10:50:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>
		<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen. Kolumne 5: Einladung zum spätsommerlichen Streifzug durch die deutschen Istanbuls
Auf Heimatbesuch in Deutschland –  und Istanbul war trotzdem nie ganz weg: immer wieder ist die Stadt aufgeblitzt in der deutschen Alltagskultur, zwischen Sehnsuchtsvorstellungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen. <em>Kolumne 5: </em><em>Einladung zum spätsommerlichen Streifzug durch die deutschen Istanbuls<span id="more-14187"></span></em></p>
<p>Auf Heimatbesuch in Deutschland –  und Istanbul war trotzdem nie ganz weg: immer wieder ist die Stadt aufgeblitzt in der deutschen Alltagskultur, zwischen Sehnsuchtsvorstellungen einer Schmelztiegelstadt und Vorurteilen gegenüber „den Türken“.</p>
<p><strong>Station 1: Die Weltenbrücke, in der sich Orient und Okzident vereinen</strong>.<br />
Angetroffen habe ich diese multikulturelle, den Clash of Cultures überwindende Stadt  in euphorischen Zeitungsartikeln und romantisch-weichgezeichneten Tourismusanzeigen. In Istanbul selber ist mir dieser zivilisations-übergreifende Wind aber nicht besonders stark entgegen geblasen. Ja, die Meerenge zwischen den beiden Kontinenten eröffnet ein atemberaubend schönes Panorama, das mich jedes Mal wieder in Staunen über die Schönheit dieser Stadt versetzt.  Und ja, Millionen überqueren täglich den Bosporus und pendeln zwischen dem asiatischen und dem europäischen Stadtteil. Diese Lebensrealität taugt aber trotzdem nicht zur Utopie einer Schmelztiegelstadt, in der Morgenland und Abendland zur aufregenden Synthese verschmelzen. Istanbul ist nämlich vor allem und erst einmal eine türkische Stadt mit türkischen Einwohnern, egal auf welcher Seite der Stadt. Inzwischen stammen die meisten von ihnen übrigens aus anatolischen Dörfern. Konstantinopel war eine Stadt der Minderheiten, seit der Gründung der Türkischen Republik 1923 sind die osmanischen Griechen, Armenier und sephardischen Juden aber systematisch aus der Stadt vertrieben worden.<br />
Die geografische „West-Ost“ Dichotomie, die so gern in die kulturelle Gegenüberstellung „modern-rückständig“ übersetzt wird, hängt aber ohnehin schief: Die traditionell-islamischen Viertel der  morschen Holzhäuser und konservativen Kaffeehäuser liegen vor allem auf der europäischen Seite. Der asiatische Teil ist dagegen bekannt für moderne Apartmentblocks mit privatem Sicherheitsservice und für den Boulevard Bağdat Caddesi, auf dem sich mehr Starbucks-Filialen befinden als in manch deutscher Innenstadt.</p>
<div id="attachment_14189" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14189" title="Blick von der europäischen auf die asiatische Seite Istanbuls" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/09/Blick-von-außenIII.png" alt="Blick von der europäischen auf die asiatische Seite Istanbuls" width="430" height="323" /><p class="wp-caption-text">Blick von der europäischen auf die asiatische Seite Istanbuls</p></div>
<p><strong>Station 2: Das Döner-Paradies</strong><br />
Ein Spaziergang durch eine x-beliebige deutsche Innenstadt läuft inzwischen ja schon fast zwangsläufig an gefühlten 100 Dönerbuden vorbei. Daran ist eigentlich nichts bemerkenswert, schon klar. Zum Schmunzeln gebracht hat mich dann aber doch das „Topkapi Kebab Haus“: Nun muss also schon der sagenumwobene Sultanspalast, Sitz der Hohen Pforte des Osmanischen Reichs, legendärer Tatort intriganter Machenschaften der Haremsbewohner, als Namenspatron für einen Fastfood-Imbiss herhalten. Und das, obwohl der Döner doch angeblich in Berlin erfunden wurde (und die Osmanen-Dynastie bestimmt auch keinen Döner auf dem Speiseplan hatte). Aber die wurde ja sowieso aus dem Land gejagt, und inzwischen dreht sich fast an jeder Ecke Istanbuls ein Fleischspieß. Allerdings ohne die bei uns so charakteristischen knoblauchschwangeren Geruchsschwaden – Döner á la Istanbul gibt’s nämlich nur mit Sauergurke, Tomate und Pommes.</p>
<div id="attachment_14190" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-14190" title="Fastfood mit Sultansreferenz" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/09/Blick-von-außen.png" alt="Fastfood mit Sultansreferenz" width="430" height="399" /><p class="wp-caption-text">Fastfood mit Sultansreferenz</p></div>
<p><strong>Station 3: Der Problembezirk „Klein-Istanbul“</strong><br />
Duisburg-Marxloh, Neukölln und Kreuzburg  sind in diesem Sommer während der „Migrationsdebatte“ um „die Muslime“ wohl zu den meist zitierten deutschen Stadtvierteln avanciert, bekannt für ihren hohen Ausländeranteil, berüchtigt für ihre sozialen Spannungen. „Problembezirke“ wurden sie genannt im Politikerjargon, „Klein-Istanbul“ sei das doch, ertönte es dumpf aus dem Volksmund. Aha. Na, dann bin ich aber froh, dass ich jetzt wieder in „Groß-Istanbul“ bin.</p>
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		<title>Über Stadt und die Welt</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/07/27/uber-stadt-und-die-welt/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag & Leben]]></category>
		<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 4: Dorfkosmos &#8211; in Istanbul treffen sich Provinz und Metropole. 

 „Weltstadt mit Herz“, so wird München gerne schmückend betitelt – jedenfalls von der heimischen Tourismusbrache oder ambitionierten Lokalpolitikern. Mehr als ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 4: Dorfkosmos &#8211; in Istanbul treffen sich Provinz und Metropole. </em></p>
<p><span id="more-12983"></span></p>
<div id="attachment_12989" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-12989" title="Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/07/Kolumne-41.png" alt="Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne" width="430" height="573" /><p class="wp-caption-text">Istanbuler Gleichzeitigkeit I: Minarette und Moderne</p></div>
<p><em> </em>„Weltstadt mit Herz“, so wird München gerne schmückend betitelt – jedenfalls von der heimischen Tourismusbrache oder ambitionierten Lokalpolitikern. Mehr als ein griffiger PR-Slogan steckt aber nicht hinter der Worthülse. Schön ist es in München immer, manchmal auch überraschend spannend, oft träge-gemütlich. Aber weltstädtisch…Nun ja.</p>
<p>Nach sechs Monaten in Istanbul, einer 15-Millionenmetropole mit knapp 3000 jähriger imperialer Geschichte, ist mir beim Blick auf das türkis-blau glitzernde Goldene Horn von einer der unzähligen Dachterrassen die „Weltstadt“ aber wieder in den Sinn gekommen – Ist das hier nicht eine „Weltstadt“ par excellence…? Umweht mich nicht gerade geschichtsträchtig-bedeutender Wind einer Hauptstadt zweier Weltreiche…? Wirbeln nicht ständig byzantinisch-osmanische Reminiszenzen hinein in den türkischen Alltag…? Ist dieser historisch-multikulturelle Wind nicht auch noch gewürzt mit den – mal mehr, mal weniger wohlduftenden – Aromen einer modernen Mega-Metropole…? Schwelgend in der historischen Bedeutsamkeit dieser gefeierten In-Stadt, die als Constantinopolis mehr als 1000 Jahre Hauptstadt des Byzantinischen Reiches war, und dann 1453 von den Osmanen erobert und als Istanbul zum Fixstern ihres Islamischen Imperiums wurde, um nun in der Gegenwart von sämtlichen internationalen Szenemagazinen als „the place to  be“ gepusht zu werden, habe ich beinahe verdrängt, dass ich auf dem Weg von der erhebenden Dachterrassen- Aussicht herab in mein wuseliges Wohnviertel Sisli einigen wenig weltstädtisch-erhebenden Realitäten begegnen werde:</p>
<div id="attachment_12991" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-12991" title="Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/07/Kolmumne-4a1.png" alt="Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol" width="430" height="315" /><p class="wp-caption-text">Istanbuler Gleichzeitigkeit II: 3000jährige Geschichte hinter 40prozentigem Alkohol</p></div>
<p>Unweltstädtische Realität Nummer 1:</p>
<p>Istanbul hat zwar mindestens 15 Millionen Einwohner, aber leider nur eine Metrolinie. Was täglich (und leider auch nächtlich) zu absehbarem Verkehrschaos mit unabsehbarem Zeitverlust führt. Eine einzige Zuckel-U-Bahn für Millionen von Pendlern – ein infrastruktureller Albtraum und wenig weltstädtisch, irgendwie.</p>
<p>Unweltstädtische Realität Nummer 2:</p>
<p>„Weltstadt“ impliziert doch auch das Versprechen, „die Welt“ anzutreffen in dieser Stadt. Aber Istanbul ist nicht die Kosmopolitin, zu der sie viele Travellguides machen wollen: Bis auf die Heerscharen von Touristen, die Beyoğlu jedes Wochenende aufs neue überschwemmen, hört man wenig – um nicht zu sagen keine – fremden Sprachen auf der Straße. Türkisch ist die unangefochten dominante Sprache und Kultur, das ist seit Gründung der Türkischen Republik politisch so gewünscht und konsequent verfolgt: Von den ehemals 250 000 Griechen, die gegen Ende des Osmanischen Reichs noch in Istanbul lebten und die Oberschicht der Stadt konstituierten, sind heute gerade noch um die 2000 geblieben &#8211; systematische Schikane seit den 1920ern und schließlich Massen-Deportationen in die 1970er sei Dank. Auch die jüdische, armenische, italienische und französische Minderheit, die zur Zeit des Osmanischen Reiches zum Sprachengewirr in Istanbul beitrug, ist kaum mehr wahrnehmbar in der heutigen Metropole. Stattdessen prägen türkische Zuwanderer aus den Dörfern Anatoliens und der Schwarzmeerküste das Stadtbild. Provinz und Pferdekarren statt multikulturellem Mix &#8211;  auch wenig weltstädtisch, irgendwie.</p>
<p>Aber vielleicht muss Istanbul auch gar nicht weltstädtisch sein, um ihre Faszination und Anziehungskraft auszuüben. Vielleicht ist es sogar die Gleichzeitigkeit von Dorf und Megapolis, von Ignoranz und Aufgeschlossenheit, die Besucher und Bewohner gleichermaßen in den Bann dieser Stadt zieht. Das Nebeneinander von grandioser Vergangenheit und Verfallsspuren der ehemaligen Grandezza, das multikulturelle Erbe in der türkisch geprägten Gegenwart, die modernen Sonnenbrillen-Ladies neben den konservativen Schleier-Frauen, Latte Macchiato aus den unzähligen Starbucks-Filialen oder Çay von schreienden Straßenverkäufer – das sind die Gegensätze, die Istanbul zu einem Kosmos in sich machen.</p>
<p>Eine Weltstadt habe ich nicht entdeckt in Istanbul. Aber dafür viele Welten, die mal nebeneinander, mal gegeneinander, mal miteinander existieren.</p>
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		<title>Glockenbach am Bosporus</title>
		<link>http://www.mucbook.de/2010/05/08/glockenbach-am-bosporus/</link>
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		<pubDate>Sat, 08 May 2010 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[tagebook: Bayerin am Bosporus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 3: Über Globalisierunphänomene jenseits von Finanzkrisen. Servus und Selam, Istanbullu-Hipster!
Ray-Ban bebrillte zehn-Tagesbart Gesichter schauen konzentriert und enorm wichtig auf ihre silberglänzenden Stylo-Macbooks, der Latte Macchiato steht griffbereit, die Blicke schweifen immer wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 3: Über Globalisierunphänomene jenseits von Finanzkrisen. Servus und Selam, Istanbullu-Hipster!<span id="more-9980"></span></em></p>
<div id="attachment_10002" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-10002" title="Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/05/1.png" alt="Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul" width="430" height="283" /><p class="wp-caption-text">Straßencafé und Straßenverkäufer in Cihangir, dem Hipsterort Istanbul</p></div>
<p>Ray-Ban bebrillte zehn-Tagesbart Gesichter schauen konzentriert und enorm wichtig auf ihre silberglänzenden Stylo-Macbooks, der Latte Macchiato steht griffbereit, die Blicke schweifen immer wieder demonstrativ gelangweilt über die anderen Cafébesucher und Passanten, manchmal klingelt ein IPhone.  So, wo samma gerade…? Würde nicht ab und an ein Simit-Straßenverkäufer seine Sesamkringel lautstark schreiend unter die Leute bringen oder ein Pferdewagen voller Zitronen und Orangen durch das Viertel zuckeln – ich wüsste es auch nicht.  </p>
<p>Die Globalisierung macht sich nämlich nicht nur bemerkbar an Finanzkrisen und  McDonaldsfilialen – auch Hipster schauen überall gleich aus:  Röhrenjeans die Herren, Pumphosen die Ladies , tun dieselben Dinge – meistens in der Kreativbranche – und sind im ähnlichen Ambiente zu finden – wackelige Straßencaféstühle oder retrodesignte Decken auf öffentlichen Plätzen sind  allseits und stadtübergreifend treffsichere Hipsteranlaufstellen. Ob nun München am Gärtnerplatz oder Istanbul in Cihangir – es sind Nuancen, die den Lebensstil in den beiden Vierteln unterscheiden.</p>
<p>Ist das nun traurig, dass mehr als 1500 Kilometer voneinander entfernt lebende Menschen, die doch alle so sehr bemüht sind, ihre einzigartige Coolness zu demonstrieren, in einem progressiv-liberalen Modeeinheitsbrei aufgehen…? Oder ist es ein frohstimmendes Symbol für die einende Kraft der Konsumkultur, dass ein Hipster-Bayer und ein Hipster-Türke nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind? Jedenfalls sind  orientalisch-osmanische Klischees vergessen nach einem Nachmittag in den Tagesbars von Cihangir.</p>
<p>Und: Auch wenn es nur Kleinigkeiten, Nebensächlichkeiten sind. Cihangir funktioniert hinter seiner augenscheinlichen Bohemienattitüde, zwischen seinen luxussanierten Altbauten und im Nachbarschaftsleben trotzdem noch wie eine traditionell-türkische Mahalle: Da gibt es pro Straßenkreuzung einen Bakkal-Verkäufer (türkisches Pendant zum Tante-Emma-Laden), der seine Kunden noch beim Namen kennt und der auch mal drei Tage auf sein Geld warten kann. Da sitzen schnauzbärtige alte Herren vor ihren Kuaför-Läden und genießen die Sonne, während sie auf Kunden warten. Und es ist schlicht unmöglich, ohne „Merhaba!“, „Ne haber…?“, „Iyim!“-Rufe durch die Straßen zu gehen. Man kennt sich hier noch, auch hinter mega-Sonnenbrillen und liberal-urbaner Selbstinszenierung.</p>
<p>Außerdem: Hipsterkritelei hin oder her, auf den Bosporusblick-Treppenstufen kurz vor Sonnenuntergang ist es dann auch egal, ob auf den Gärtnerplatztheater-Stufen in München gerade dasselbe abläuft oder nicht…Es is halt einfach schee.</p>
<div id="attachment_10044" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-10044 " src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/05/23.png" alt="Kaffeezeit in Cihangir. Oder doch in München...?" width="430" height="384" /><p class="wp-caption-text">Nachmittagskaffee in Cihangir. Oder doch in München...?</p></div>
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		<title>Mir san&#8230;Wer?</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 13:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.
Kolumne 2: Wer ist ein &#8220;Istanbullu&#8221; &#8211; und wenn ja, wie viele? &#8211; über Identitätsprobleme in einer Migrationsmetropole..

In München beantwortet sich die Identitätsfrage ziemlich einfach: Mir san mir, und das ist auch gut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 2: Wer ist ein &#8220;Istanbullu&#8221; &#8211; und wenn ja, wie viele? &#8211; über Identitätsprobleme in einer Migrationsmetropole..<span id="more-7900"></span></em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7619" title="poladesign" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/03/poladesign.jpg" alt="poladesign" width="430" height="289" /></p>
<p>In München beantwortet sich die Identitätsfrage ziemlich einfach: Mir san mir, und das ist auch gut so! So schlicht und unreflektiert dieses Statement auch sein mag, es fusst immerhin auf relativ einheitlichem Lebensstil und ziemlich gehobenem Lebensstandard. Egal ob Zuagroaster oder Münchner Kindl &#8211; wir mögen die gelassene Münchner Gemütlichkeit und den Wohlstands-Laissez-Faire genießen auch die Grantler gern. Selbst wenn selten Dialekt gesprochen wird, &#8216;Servus&#8217; und &#8216;Grüß Gott&#8217; gehören zum einenden Münchner Begrüßungsritual. Auch das allgemeine Bekenntnis zur Biergartenkultur und die Liebe zum Dolce-Vita Lebensgefühl verbindet uns 1,3 Millionen Landeshauptstädter. Da macht es auch nix, wenn böse Berliner Zungen über unseren dörflichen Charakter lästern &#8211; wir wissen ja, wer hier der wirkliche Weltstädter mit Herz ist. Das selbstbewusste Münchner Selbstverständnis &#8211; wenn auch manchmal extern belächelt und bekritelt &#8211; wird intern nicht in Frage gestellt.</p>
<p>Mit diesem bayuvarisch-urbanen Hintergrund und als Fremde in einer neuen Stadt wollte ich natürlich die besonderen Merkmale der Istanbuler Identität herausfinden&#8230;</p>
<p>Nur – es gibt sie nicht.</p>
<p>Verallgemeinerungen und einheitliche Zuschreibungen über die Istanbuler Lebensart sind nicht möglich. Das ist enttäuschend, wenn man auf der Suche nach einfachen Wahrheiten ist. Es ist spannend, wenn man aufgeschlossen und neugierıg ist. Und es ist herausfordernd, wenn man neue Leute trifft.</p>
<p>Istanbul ist heute eine Megacity mit geschätzten 15 Millionen Einwohnern, es können auch fünf Millionen mehr sein &#8211; zuverlässige Zahlen gibt es nicht. Vor 60 Jahren aber lebten hier kaum mehr als eine Millionen Menschen. Von Megacity mit Metropolcharakter konnte bis in die 80er Jahre nicht die Rede sein, erst damals begann der extreme Bevölkerungszuwachs. Eine moderne Istanbuler Identität kann es also schon deshalb nicht geben, weil gar keine Zeit war, eine gemeinsame Geschichte, gemeinsame Bräuche und Traditionen zu entwickeln.</p>
<p>Es fehlt aber nicht nur an Zeit, um ein Istanbuler Gruppengefühl zu erschaffen. Es fehlt vor allem an gemeinsamen Lebenskonzepten.  Mehr als 80 Prozent der heutigen Istanbuler stammen aus Anatolien und der Schwarzmeerregion. Und die Zuwanderer haben nicht nur ihre Familien und Freunde mitgebracht. Vor allem haben sie ihre dörflichen Strukturen in das Metropolenleben verplanzt. So kommt es, dass Pferdewägen mit Früchten durch die Stadt rollen, einige Stadtviertel in den Clanstrukturen anatolischer Dörfer organisiert sind und die Kopftücher der Frauen mal streng und blickdicht um Kinn und Stirn gebunden sind, mal lose und in bunten Farben über lange Haare wehen.</p>
<p>Frauen im Istanbuler Stadtleben verdeutlichen vielleicht am besten, dass es nicht eine Istanbuler Lebensart gibt, sondern viele, widersprüchliche, gegensätzliche Lebensentwürfe. Es ist etwa Blödsinn zu sagen, eine Frau in Istanbul sollte keinen kurzen Rock tragen. Es ist aber genauso blösinnig zu sagen, eine Frau in Istanbul kann ohne Probleme einen kurzen Rock tragen. Es hängt davon ab, wo sie den kurzen Rock trägt.<br />
In Cihangir unterscheidet sich der Lifestyle wenig vom Glockenbachtum, lange Leggingsbeine wippen en masse in den Straßencafes &#8211; und niemand guckt auch nur schief. Im kurdischen Viertel Tarlabaşı sind Kopftücher zwar selten, Miniröcke aber eher an transsexuellen Prostituierten zu sehen denn an jungen Mädchen. Und im tiefreligiösen Fatih huschen vor allem schwarz verschleierte Geisterfrauen umher &#8211; nackte Frauenbeine wären eine Provokation.</p>
<p>Einige Istanbuler hadern mit dieser fragemtierten Realität und beschwören wegen der anhaltenden Einwanderung aus den ländlichen Gebieten den kulturellen Verfall ihrer Stadt. Einige isolieren sich von der städtischen Vielfalt und bleiben in ihren vertrauten Vierteln. Und einige genießen einfach die Buntheit der unterschiedlichen Welten, die in dieser Stadt versammelt sind. Aber keiner wusste bisher eine Antwort auf meine Frage, was einen wahren &#8216;Istanbullu&#8217; ausmacht.</p>
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		<title>Die Farben meiner Stadt</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 12:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Edelmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
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Kolumne 1: Auf der Suche nach den Farben meiner Stadt…
Was macht die Stimmung, das Gefühl einer Stadt aus&#8230; Auf einer inneren Landkarte, wie sieht die Heimatstadt aus? Leuchtet sie in kräftigen Tönen, taucht sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Münchnerin Jana Edelmann schreibt für mucbook über das Leben in einer fremden Metropole. Istanbul auf mucbook. Mit offenen Augen. Und bayerischem Herzen.<br />
<em>Kolumne 1: Auf der Suche nach den Farben meiner Stadt…<span id="more-5973"></span></em></p>
<div id="attachment_5975" class="wp-caption alignnone" style="width: 440px"><img class="size-full wp-image-5975" title="30_01 (37)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/01/30_01-373.png" alt="Topkapi Saray und Hagia Sofia im Morgennebel" width="430" height="274" /><p class="wp-caption-text">Topkapi Saray und Hagia Sofia im Morgennebel</p></div>
<p>Was macht die Stimmung, das Gefühl einer Stadt aus&#8230; Auf einer inneren Landkarte, wie sieht die Heimatstadt aus? Leuchtet sie in kräftigen Tönen, taucht sie blass und verschwommen vor dem geistigen Horizont auf oder knallt sie in kreischend-bunten Farben und blendet das innere Auge?</p>
<p>Denke ich an München, sehe ich hell-strahlende Farbkombinationen. Blau-weiß zum Beispiel. Diese Assoziation auch wohl auch geprägt von romantisierenden Bayern-Klischees, aber hier soll gar nicht an Schäfchenwolken vor bayerischem Sommerhimmel erinnert werden. Viel eher denke ich an die Hipster-Menschenmassen vor dem Gärtnerplatztheater im Sommer, an die ewig sprudelnden Brunnen vor dem LMU-Hauptgebäude, an das Isarufer mit seinen Joggern und flanierenden Pärchen. Weiß-gold ist auch so eine Münchner Farbkombination: Hübsche Blondinen in weißen Kleidchen, die Theatinerkirche vor der Ludwigstraße, Weißweingläser in beringten, manikürten Händen, der Königsplatz bei Sonnenuntergang&#8230; Alles ziemlich vollkommene Bilder. Eine heiter-gelassene Idylle, die ungefährliche Sonnenseite des Lebens, das ist mein Münchenbild. Ziemlich perfekt, ziemlich makellos. Wie bunte Farbkreise auf einem weißen Papier, wie eine gepflegte Blumenwiese ohne Trampelspuren. Und jetzt</p>
<p>- Istanbul -</p>
<p>Welche Farbassoziationen löst dieses Moloch an Stadt in mir aus? Welches innere Farbbild entspricht einer Stadt, in der anatolischen Einwanderer in Gecekondu-Slums ohne Elektrizität hausen, in der schwarzverhüllte Frauen, eher Geistern als Menschen ähnelnd, leise durch heruntergekommene Gassen wandeln, in der orientalisch-osmanische Architektur eine der schönsten Silhouetten der Welt erschaffen hat, in der ein glitzernder Bosporus alle Sorgen vergessen lässt, in der chice Tagesbars im Szeneviertel Cihangir fünfmal so hohe Preise haben wie die alten Kaffeehäuser fünf Straßenzüge weiter, in der Elektromusik und Imamrufe durch die Straßen schallen, in denen zehn oder 12 oder 15 Millionen Menschen- keiner weiß es so genau &#8211; nebeneinander, gegeneinander, miteinander leben?</p>
<p>Es sind keine klar definierbaren Farbtöne, dafür ist Istanbul zu uneindeutig, zu widersprüchlich, zu vielschichtig. Eher ein Aquarellbild also. Verschwommene Verläufe, durchlässige Übergänge. Mal in freundlich-sanften Farben, dann wieder in dunkel-erdigen Schattierungen. Aber immer mit einem Schleier über der darunter liegenden Farbschicht, der das Stadtbild rätselhaft, undurchdringlich macht. Es ist ein Bild, das nach mehr verlangt: Mehr Wissen über die vielen Kulturen, mehr Verständnis für die unterschiedlichen Lebensentwürfe, mehr Zeit, um aus der faszinierend-fremden Stadt ein Zuhause zu schaffen. Dieses Zuhause wird bestimmt nie so naiv-bunt vor meinem inneren Auge erscheinen wie München, aber aus dem schemenhaften Aquarellbild werden sicher bald schärfer umrissene Formen und Gestalten hervortreten.</p>
<div id="attachment_5987" class="wp-caption alignnone" style="width: 437px"><img class="size-full wp-image-5987" title="28_01 (53)" src="http://www.mucbook.de/wp-content/uploads/2010/01/28_01-533.png" alt="Verschleierte Sicht auf die asiatische Seite Istanbuls" width="427" height="211" /><p class="wp-caption-text">Verschleierte Sicht auf die asiatische Seite Istanbuls</p></div>
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