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„Und wir scheitern immer schöner. Immer bunter. Immer schneller.“

C.Käßner

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Wahlmünchnerin. Langschläferin. Feministin. Schreibt gern über kleine Projekte mit großem Potential.
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Bernemann’s „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ ist zurück am Theater… und so fort. Ein Interview mit dem selbsternannten Lieblingsautor.

Herr Bernemann, wie kommen Sie zum Theater und weshalb gerade München?
Die dortige Zusammenarbeit war die Idee zweier Schauspielerinnen, die in Teil 1 und auch in Teil 2 mit dabei sind. Am Rande einer Lesung lernte man sich kennen und innerhalb eines Jahres war die komplette Bühnenidee fertig. Hauptanteil daran trägt auch Regisseur Heiko Dietz.

„Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ Teil 1 ist ihr erstes veröffentlichtes Buch. Bis heute folgten 7 weitere. Warum wurde gerade „Kotzen 1“ inszeniert?
Dieses Buch schreit nach Bühne, es ist wild, anarchistisch, ultrabrutal und will Venen öffnen, daher wie für die moderne Theaterbühne gemacht.

„Kotzen 1“ wurde ja Anfang diesen Jahres in 13 Vorstellungen aufgeführt. Ab Oktober wird das Stück wieder aufgenommen für weitere 6 Abende. Warum sollte mensch sich das anschauen?
Es ist ein Stück zu meinem Buch, das müsste eigentlich als Antwort genügen, haha, aber nein, es ist eines der facettenreichsten Theaterpräsentationen, die ich in den letzten 7 Jahren gesehen habe.

In Ihren Anfängen als Autor waren sie vor allem in der Gothic Szene bekannt, haben sich mittlerweile aber ein breites Leser_innenspektrum erarbeitet. Ist Kotzen 1 gothic?
Kann ich nicht sagen, ich denke nicht in solchen Subkulturunterkategorien. Es ist auf jeden Fall special interest, aber woher es kommt, wohin es geht und welche Subkultur sich mehr als eine andere darauf stürzt, vermag ich nicht zu sagen.

Ihr Verlag, der Unsichtbar-Verlag, beschreibt Ihren Stil als Anti-Pop, was ja ein sehr junger Literaturstil ist. Wie geht das mit Theater zusammen?
Sehr gut geht das zusammen. Das Theater, welches dieses Stück auf die Bretter presst, ist gewohnt, derartige Themen, wie sie in meinen Büchern vorkommen, einem Publikum nahezubringen. Es geht ja um gewöhnliche Emotionen, die vielleicht etwas übersteigert werden, aber sie sind zeigbar und alles was zeigbar ist, gehört auch auf Theaterbühnen.

Bei der Premiere von „Kotzen 1“ waren Sie als Gast dabei. Wie fanden Sie es?
Ich war zunächst sprachlos, dann habe ich ein bisschen geweint, aber alles hatte mit Glück zu tun.

Ab November 2012 wird „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ Teil 2 aufgeführt. Was darf das Publikum erwarten?
Wer Teil 1 gesehen hat, weiß, dass das Stück von den Originaltexten und von den Sprechern lebt, die diese Texte mit ihr Schauspiel genommen haben. Teil 2 wird einen anderen Ansatz haben. Aber es wird weiterhin sehr eng am Originaltextleitfaden sein.

Im gleichen Atemzug werden Sie am 08.11.2012, einen Tag vor der Premiere von „Kotzen 2“, ihr neues Buch „Asoziales Wohnen“ vorstellen. Ihr bislang umfangreichster Roman. Kurz und knapp: um was geht es?
Räumliche und zeitliche Enge. Zwänge. Selbsterrichtete Knäste. Terror im Alltag. Es geht um ein Haus, in dem 8 Mietparteien wohnen, die alle komplett verschiedene Ansätze vom Leben haben. Diese lasse ich teils unsanft, teils überhaupt nicht miteinander kollidieren und freue mich des aufkeimenden Massakers.

Sie selbst sind auf dem Land aufgewachsen, unlängst nach Berlin umgezogen. Wohnen Sie asozial?
Ich wohne wunderbar, aber bestimmt würden Leute es asozial nennen, die in Einfamilienhäusern mit zweitem Badezimmer wohnen. Ich wohne einfach, strukturiert und um mich dieser verzweifelte Ozean Berlin Kreuzbergs.

Einige Stimmen auf Ihrer Internetseite rufen danach, das Theaterstück „Kotzen 1 +2“ auch in anderen Städten aufzuführen. Ist dies in Planung?
Das ist eine Kostenfrage, ich bin immer mal wieder mit Theatern in Kontakt, am realistischten ist derzeit eine Umsetzung in Berlin.

Sie machen ja derzeit viel in München, wie gefällt Ihnen die Stadt?
Ich kenne nicht viel von München, aber was ich kenne, gefällt mir schon sehr gut. Man ist ja bei mir in der Ecke mit anti bayrischen Vorurteilen aufgewachsen, die sich aber nur zu einem Bruchteil bestätigt haben.

Ihre Lesung in München ist Teil der Lesetour zum neuen Buch. Wann startet die Tour und welche Städte dürfen sich auf Sie freuen?
Die Tour ist lang, geht bist März nächsten Jahres und die nächsten Termine sind Österreich, genauer gesagt, Linz, Graz und Wien, dann das Ruhrgebiet mit Städten wie Bochum, Dortmund und Mühlheim und mein alte Heimat, Münster.

Zum Abschluss: ein letzter Satz frei Schnauze für uns parat?
Wenn man vergisst, was man weiß, kann man glücklich werden.

Danke für das Interview und bis bald in München.
Au revoir, liebes Interviewämädchen.

Theater … und so fort Kurfürstenstr. 8, 80799 München
08.11.2012 / 20 Uhr: Dirk Bernemann liest aus ‚Asoziales Wohnen‘
09.11.2012 / 20 Uhr 13 Premiere: Unschulds GbR: ‚Und wir SCHEITERN immer schöner‘

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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