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13 Tipps und 2 Geheimnisse von einer, die es weiß: Heidi Stopper

Ein halbes Jahrzehnt Paragraphen-Studium und zwei Staatsexamen hatten zu einem Job geführt, der alles andere war als das, was sie sich erhofft hatte. Nämlich trocken, eintönig und korinthenkackerisch. Heute spricht Heidi Stopper regelmäßig vor Frauen, die allesamt auf der Suche nach ihrem eignen Weg sind. Zugegeben, bevor ich den Vortrag von Heidi Stopper auf der letzten herCareer Messe besuchte, hatte ich noch nie etwas von ihr gehört.

Aber die Botschaften, die sie in weniger als einer Stunde vermittelt hat, waren mehr wert als die letzten zwei Jahre Arbeit…

Heidi Stopper

Dabei kommen die Erkenntnisse, die sie an diesem Tag mit uns teilt nicht etwa von einer “Bilderbuchkarriere”, die einem perfekt ausgearbeiteten Masterplan folgte, sondern sind viel mehr das Ergebnis eines Zickzack-Weges mit einer gehörigen Portion Leidenschaft. Als ihr Juristendasein sie an ein Monopoly Spiel erinnerte, das einen direkt ins Gefängnis schickt, nicht über Los gehen lässt und schon gar keine 400 Euro bereit hält, entschied sie sich für einen radikalen Wandel. Eine Bewerbungsorgie quer durch Deutschland führte in die Personalabteilung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, wo sie verschiedene Positionen inne hatte und vier Jahre in Toulouse lebte. Der Tod ihrer Schwester ließ sie schließlich innehalten und es kam die typische Sinnfrage: “Was will ich eigentlich von meinem Leben?” Ein Headhunter kontaktierte sie und so zog sie mit der kompletten Familie, ja, Heidi ist auch noch Mutter eines mittlerweile studierenden Sohnes, zurück nach Deutschland und wechselte noch mal die Branche. Sie wurde Executive Vice President HR und schließlich Personalvorstand bei der ProSiebenSat.1 AG. Vor gut einem Jahr machte sie sich dann mit ihrer eigenen Karriere-Coaching-Firma selbstständig und inspiriert nebenbei junge Frauen wie mich.
Weil ich das, was sie sagte richtig finde, möchte ich es gerne teilen und habe fleißig mitgeschrieben.

Hier kommen Heidis 13 Lehren eines Zick-Zack-Lebenslaufs:

  1. Sei Königin, nicht Prinzessin!

    Wir Mädchen werden von Kindheit an mit bestimmten Rollenbildern sozialisiert, die uns auf lange Sicht prägen: es gibt die Königin, die Prinzessin und die böse Schwiegermutter.
    Die böse Schwiegermutter kann mal getrost ausgeklammert werden, die möchte ohnehin niemand sein, stattdessen konzentrieren wir uns auf Königin und Prinzessin.
    Wie viele von uns haben früher nicht davon geträumt, Prinzessin zu sein und eines Tages von einem Prinz auf weißem Pferd errettet zu werden. Nur, wie viele von uns träumen auch heute noch davon? “Mein Chef wird schon merken, wie gut ich bin, er wird mich schon befördern!”
    Diese passive Rolle ist ein absoluter Karrierekiller. Denn wie im echten Leben (Kate Middleton, heute Catherine, Duchess of Cambridge mal dezent übersehen), kommt auch in der Geschäftswelt kein Prinz vorbei geritten! Die Königin dagegen, weiß um ihre Stärken. Sie ist in der Lage, einen Hofstaat um sich zu versammeln und zu leiten, der sie unterstützt und ihrer Macht zuträglich ist.

  2. Sei emotional, aber nimm nichts persönlich!

    Das Beispiel das Heidi nannte, als sie sagte, sie habe immer emotional geführt, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen: Ein Chef, der seinen Mitarbeitern nicht emotional begegnet, sie zu begeistern und motivieren weiß, ist ein echtes Problem. Wenn Zahlen rein sachlich verlesen werden und den Mitarbeitern ohne jegliche menschliche Regung gesagt wird “Aufgrund-negativer-Geschäftsentwicklungen-von-x%-sehen-wir-uns-gezwungen-y%-der-Stellen-zu-streichen-vielen-Dank.”, ist es quasi unmöglich, von dem nicht entlassenen Teil der Firma noch gute Arbeit zu verlangen. Viel wichtiger ist es, den Angestellten zu signalisieren, dass man sie versteht und sie dort abzuholen wo sie stehen. Das geht nur mit Emotionen.
    Dabei darf man die Dinge allerdings nicht persönlich nehmen. Besonders im Geschäftsleben muss unbedingt unterschieden werden zwischen Person und Verhalten, zwischen privatem Mensch und Aufgabe im Unternehmen. Kritik richtet sich in der Regel nicht gegen die Person, sondern das Verhalten in der jeweiligen Situation oder den Umgang mit einer Sache. Hält man sich das vor Augen, kann man wesentlich angemessener reagieren.

  3. Wenn du 60 Prozent der in einer Stellenausschreibung geforderten Qualifikationen mitbringst, bist du schon ganz weit vorn mit dabei!

    Nachdem Heidi jahrelang im HR-Bereich tätig war kann man ihr das getrost glauben. Sehr oft sagt sie, musste sie erleben, wie ein Mann, der vielleicht nur 40 Prozent der Qualifikationen mitbrachte so selbstbewusst auftrat, dass er den Job bekam, obwohl eine weibliche Mitbewerberin 80 Prozent der Qualifikationen hatte.
    Leider bewerben wir Frauen uns noch immer zu oft nur, wenn wir sicher sind, dass wir den Job hundertprozentig machen können. Dabei lassen wir aber außer Acht, dass man in Aufgaben hineinwachsen kann und dass man nur dann eine steile Lernkurve hat, wenn man auch die Möglichkeit hat, etwas zu lernen. Trauen wir uns mehr zu!

  4. Bleib Frau!

    Ein Thema, das schon so viel diskutiert wurde, Heidi hat es mit einem Satz wunderbar zusammengefasst: “Frauen, die männliches Verhalten kopieren, werden von Männern und Frauen abgelehnt!”

  5. Humor hilft!

    Sehr oft in ihrem Leben musste sie zwischen lauter Männern ihre Frau stehen. Sie hat dabei die komplette Litanei von Machsprüchen, über Backen-kneifende-Chefs bis zum guten alten Popograbscher mitgemacht. Trotzdem sagt sie: manches Mal ist es am effektivsten, die Dinge mit Humor zu nehmen. Ein freches “Jungs, habt ihr’s jetzt dann bald, oder soll ich euch mal kurz allein lassen?” bringt einen oft weiter als großes Drama – obwohl bei bestimmten Dingen natürlich Schluss ist.

  6. Achte auf deinen Sprachgebrauch

    Wie oft beginnen wir einen Satz mit “Entschuldigung,…” oder “Ich wollte nur mal kurz fragen,…”? Wie häufig verwenden wir den Konjunktiv? Diese scheinbaren Kleinigkeiten machen unheimlich viel aus. Eine Weisheit, die selbst mein (kleiner!) Bruder verinnerlicht hat: es war vor ziemlich genau einem Jahr, als ihm in einem Gespräch auffiel, wie häufig ich in die Konjunktiv-Falle tappe. Der Gute verdient heute tatsächlich mehr als ich, obwohl ich die studierte Abiturientin von uns beiden bin…
    Heidi sagt dazu: “Entschuldige dich nie, wenn du keinen Grund dazu hast!”

  7. Lerne den Umgang mit Macht und scheu dich nicht vor ihr!

    Während mein Bruder mich auf die Sprache hingewiesen hat, predigt meine Mama mir, dass Macht per se nicht schlecht ist. Heidi sagt das Gleiche: Du brauchst Macht, um die Dinge zu verändern. Ja, sie verführt zum Missbrauch, darum suche dir gute Vorbilder und lerne, sie richtig einzusetzen. Auf keinen Fall aber scheue dich vor ihr. Dann erreichst du nichts.

  8. Heb die Hand!

    Siehe Prinzessin und Sprachgebrauch. Zu oft hoffen wir noch auf unsere Errettung von außen. In vielen Meetings musste Heidi miterleben, wie Frauen sich nicht trauten, ihre Meinung kundzutun, auch wenn sie noch so richtig war. Gleiches gilt für Gehalts- oder Weiterbildungsforderungen. Ja, sowas kann einem auch mal angeboten werden, weiter kommt man aber, wenn man seine Hand hebt, etwas fordert und signalisiert, dass man auch bereit ist, den entsprechenden Einsatz zu bringen. So weiß der Chef dann auch, wen er erretten muss, sollte ihm doch mal ein weißes Pferd vor die Füße fallen 😉

  9. Man kann die Dinge verändern, fordere!

    Eng verbunden mit dem Hand-heben. Als junge Mutter hat Heidi einmal gemerkt, dass ihr der Job in der Personalabteilung in Kombination mit Kind zu viel wurde. Sie ging also zu ihrem Chef und bat um einen Tag Telearbeit. Vor knapp 20 Jahren noch alles andere als Gang und Gäbe! Der Chef sagte “Nein.” Sie sagte: “Gut, dann suche ich mir einen Arbeitgeber, bei dem das geht.” Der Chef sagte: “Nun gut. Dann probieren wir es mal ein paar Wochen.”
    Anfangs entschuldigten sich die Kollegen noch, wenn sie am Telearbeitstag anriefen, den freien Tag zu stören. Kurz darauf aber wurde Telearbeit aber als Konzept fest im Unternehmen integriert und Heidi bekam eine Auszeichnung für das mitarbeiterfreundlichste Betriebsklima.
    Was war wohl das Geheimnis? Als sie sagte, sie würde das Unternehmen verlassen, wenn man ihren Forderungen nicht nachkomme, meinte sie das auch so. Der Chef wusste das und wusste noch mehr, was er an ihr hatte.

  1. Was andere denken, ist nicht dein Business!

    Wie reagiert wohl eine klassische schwäbische Familie, wenn die Tochter nach jahrelangem Studium und zwei Staatsexamen die sichere Anstellung im Amtsgericht verlässt, um in der Personalabteilung eines ungleich kleineren Unternehmens zu arbeiten? Und wie reagiert diese Familie wohl, wenn dann diese überraschenderweise doch sichere Luft- und Raumfahrtindustrie für etwas so schnelllebiges wie die Medienbranche eingetauscht werden soll? Nur um sich dann nach ein paar Jahren in die Selbstständigkeit zu stürzen? Heidi ging ihren Zick-Zack-Kurs sicher nicht ohne Gegenwind. Und wenn diese Frau dann vor einem steht und vor Energie strotzend sagt: “Was andere denken, ist nicht dein Business!”, ist es höchste Zeit sich das ganz dick hinter die Ohren zu schreiben.

  2. Such dir Unterstützung von anderen Frauen und unterstütze andere Frauen!

    Wir alle kennen die gute alte Stutenbissigkeit. Klar. Aber hat sie uns in irgend einer Form weitergebracht? Es ist höchste Zeit, das hinter uns zu lassen. Erfolgreiche Frauen wie Heidi hatten weibliche Mentorinnen. Und haben immer geschaut, andere Frauen nachzuholen und zu unterstützen. Lasst und Seilschaften bilden, wie es die Männer schon seit Ewigkeiten tun.

  3. Achtung vor der Fleißfalle!

    Oh, die kenne ich gut… Wie viele von uns arbeiten und rackern und mühen sich ab, nur um dann zu sehen, dass ein Kollege oder eine Kollegin, denen scheinbar alles mühelos von der Hand geht und die stundenmäßig vielleicht viel weniger im Büro sind als man wir, an uns vorbei ziehen? Dafür hat Heidi eine ganz einfache Erklärung:
    Zeige heute schon die Fähigkeiten, die für die nächste Position gefordert sind!
    In der Regel sind das Weitblick, Organisationstalent und strategisches, innovatives Denken. Wer nur damit beschäftigt ist, das Hamsterrad am Laufen zu halten, kann eben diese Qualifikationen unmöglich entwickeln, geschweige denn unter Beweis stellen. Und schwupps! wird der Chef jemand anderen befördern, wenn ihm das weiße Pferd in Form eines spannenden Projekts oder einer neuen Stelle zugelaufen kommt…

  4. Kind und Karriere sind anstrengend, aber möglich!

    Wie eingangs erwähnt, Heidi hat in Frankreich und Deutschland gelebt. Während sie hierzulande stets gefragt wurde: “Kind und Karriere? Wie machst du das nur? Das ist doch soo anstrengend?” war die Reaktion in Frankreich in der Regel: “Was? Nur ein Kind?! Dann musst du dich aber ganz schön ran halten, um noch welche zu bekommen!”
    Wir deutschen Jammern viel und gern. Gerade in diesem Bereich sollten wir das aber unbedingt aufgeben. Sie sagt offen und ehrlich, dass es natürlich anstrengend sei! Aber sie habe so viel Mutterstolz und es gebe ihr beides so viel, es lohnt sich.


Einiges war mir schon bekannt, vieles war mir neu. Alles war absolut einleuchtend. Und weil eine Eigenschaft erfolgreicher Menschen ist, da weiter zu machen, wo der Rest von uns aufhört, hat sie uns am Ende noch zwei Geheimnisse verraten, ohne die man selbst bei Befolgung sämtlicher Tipps nicht auf einen grünen Zweig kommt.

  • Zum einen ist das die Wichtigkeit, seine eigenen Stärken zu kennen. Das Konzept, in der Schule in dem Fach Nachhilfe zu bekommen, in dem man schlecht ist, ist ihrer Meinung nach völlig absurd. Wir alle haben Schwächen, aber die Stärken sind es, die uns weiter bringen. Darauf gilt es sich zu konzentrieren. Es sei wesentlich sinnvoller, Nachhilfe da zu bekommen, wo man stark ist um Experte zu werden. Chefs sollen Mitarbeiter in den Bereichen fördern in denen sie erfolgreich sind und wir selbst müssen lernen und erkennen, was uns liegt.
  • Zum anderen muss man wissen, in welchem Umfeld man am besten funktioniert. Es geht nicht darum, den Mensch als Leistungsmaschine zu sehen, die zu funktionieren hat, aber es ist unabdingbar zu wissen, was man braucht um einen guten Job machen zu können. In der resoluten Heidi-Sprache: “Bist du ein Fisch, suche Wasser! Bist du ein Elefant, geh in die Hitze! Ein Nashorn kann sein Horn nur einsetzten, wenn es sich dessen bewusst ist.” So gilt am Ende des Tages:

If you dont know your horn, who will?!

Übrigens: erst gestern erschien Heidi Stoppers Buch „Blondinen im Management. Was wir Frauen im Management lernen können.“

 

Bild: Flickr, Keoni Cabral CC BY 2.0 und Heidi Stopper privat

 

1Comment
  • Theodor Dingdong
    Posted at 19:28h, 11 Oktober

    Diese Anna Klose ist hot

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