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Nicolas Jaar! Wunderkind!

Sebastian Gierke

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Journalist, frei, in München und im Netz.
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Nicolas Jaar hat unfassbares Talent. Nicolas Jaar wird bald ein Superstar der elektronischen Musik sein. Nicolas Jaar kommt nach München.

Es waren nur noch wenige Tage bis zum Ende der Bar 25. Einer legendärsten Clubs Berlins und damit auch einer der berühmtesten international, musste endgültig für einen Bürokomplex Platz machen. Ein Club, in dem das Wochenende erst Montag Mittag seinen Höhepunkt fand, in dem aber die Musik nicht immer im Zentrum stand. Da war die Spree, die Schaukel, die Coolness – und da waren sicherlich auch die Drogen.

Es waren nur noch wenige Tage in der Bar 25, es war der 30. August 2010 – und die Musik stand im Zentrum. Denn da kam ein schmächtiger, rehäugiger Jüngling zu Besuch. Selten war die Begeisterung größer, doch selten war auch der Fokus im Club so auf den Künstler und die Musik gerichtet, berichten Zeugen, noch immer überwältigt.

Nicolas Jaar LIVE at Bar 25 from NICO JAAR on Vimeo.

Nicolas Jaar war da. Und Nicolas Jaar geht nicht mehr so schnell weg. Erst 20 Jahre ist er alt, geboren in New York, als Zweijähriger mit seinen Eltern übersiedelt nach Chile, mit neun zurück nach New York. Zu Hause in den Clubs der Welt.

Man muss vorsichtig sein mit Hypes… Ach Quatsch, gar nicht wahr. Nicht bei Popmusik. Nicht bei Nicolas Jaar. Wunderkind! Nicolas Jaar, Wunderkind! Der elektronischen Musik. Mit 19 Jahren gründete er sein Label „Clown and Sunset“ und dort macht er jetzt Musik. Musik, die ganz bei sich ist. Meist in solchen Fällen muss die Beschreibung vage bleiben, fehlen die Wörter. Idiosynkratischer Deep-House. Was sagt das?

Es klingt warm und euphorisch, irgendwie glaubt man beim Hören auch etwas emphatisch Neues zu spüren. Die Tracks nehmen Anleihen bei Jazz und HipHop, klingen verspult, fransen aus, finden aber immer zur Melodie zurück, Entscheidungen werden oft lustvoll hinausgezögert. Klar ist: Nicolas Jaar hat unbeschreibliches Talent. Man hört immer, dass er in einer Welt der musikalischen Verfügbarkeit aufgewachsen ist.

Jaar jongliert mit all den musikalischen Mitteln. Er steht nicht für den linearen Fortschritt, sondern für das in alle Richtung wunderbar Ausufernde. Die Grenze zwischen Remix, Sample und eigenem Track verschwimmt oft bei ihm.

Doch nicht Worte, nur Momente, Momente wie im Club 25, als die Begeisterung gegen Ende des Sets in kultische Verehrung umschlug, können davon wahrhaft berichten. Ende Januar erscheint „Space Is Only Noise“, das Debütalbum von Nicolas Jaar. Es wird ihn ziemlich wahrscheinlich zu einem globalen Superstar des Techno machen. Release ist Ende Januar in Berlin, zuvor stellt er Tracks daraus aber auch in München vor, am Donnerstag, in der Roten Sonne.

Auf der Homepage des Clubs steht: „Jetzt schon das Booking des Jahres“. Sie könnten Recht haben. Und vielleicht sind dann auch DJs aus der Bar 25 da. Die aktuell Heimatlosen besuchen die Rote Sonne einen Tag später mit ihren Koffern voll Musik zur „Bar 25 Nacht“.

Nicolas Jaar, Donnerstag, 20. Januar, Rote Sonne, 22 Uhr, Maximiliansplatz 5

[Der Artikel ist in ähnlicher Form in der SZ erschienen]

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