Kultur, Nach(t)kritik

Bärtige Griechen-aber keine Philosophen!

PlanetZMan kann sich sein Publikum nicht aussuchen, schon gar nicht auf der ersten Europa-Tour. Möglich ist da alles. Von einem mit Hundertschaften gefüllten Club, von denen es niemandem gefällt, bis hin zum besten Gig der Karriere vor acht Leuten ist alles drin. Die griechischen Southern-Rocker von „Planet of Zeus“ hatten am Dienstagabend in der „Garage Deluxe“ Glück. Die Zuschauer waren begeistert. Alle 20, die da waren.

Die Uhr zeigt bereits kurz nach Neun, als ein Großteil der Gäste Richtung  Bühne marschiert. Planet of Zeus, Griechenlands Aushängeschild in Sachen Southern und Heavy Rock, hatte geladen – und ein paar waren tatsächlich gekommen. Zunächst betrat jedoch die erste Support-Band des Abends – Tanertill – die Bühne. Als erste Amtshandlung, noch vor dem Spielen, beschlossen die Beiden, „sät wie mäik se Ansagen in Englisch, sou aua griek friends kän andaständ as.“ Unbeeindruckt vom fehlenden Publikum und den eigenen Englischkenntnissen legte Münchens beste Modern Stoner Ghost Rock Band los und präsentierte in gewohnt fetter Manier einen Großteil ihres Debutalbums. Die Setlist, „sät was tunait written bei a fän änd gud friend of as“, machte auf jeden Fall Lust auf das zweite Album, dass gerade in der Mache ist und „irgendwann im Laufe des Jahres“ fertig gestellt wird, wie Gitarrist Andi nach dem Auftritt in gutem Deutsch erklärt.

Nach einer kurzen Umbaupause war mit Black Blitz die zweite Münchener Band des Abends an der Reihe. Das Trio lieferte eine AC/DC-ige Hard-Rock Show ab, die besser in ein Stadion als in die dezent gefüllte Garage gepasst hätte. Auch sie suchten den Kontakt zum Publikum und versicherten den Anwesenden einen gute Entscheidung getroffen und auf die Champion’s League verzichtet zu haben und sich stattdessen Black Blitz anzuhören.

Schließlich betraten die Hauptpersonen des Abends die Bühne. Planet of Zeus, 2000 gegründet und in Griechenland eine große Nummer in Sachen Rock, haben mit „Eleven the Hard Way“ und „Macho Libre“ bereits zwei Alben veröffentlicht und reisen auf der „Dawn of the Dead“ jetzt erstmals auch durch Europa.  Die bärtigen Griechen schnappten sich ihre Instrumente und legten los.

Es ist schwer zu beschreiben, was da vom Athener Quartett kam, um kurz nach Elf, in der Garage Deluxe.  Schwer deshalb, weil es da so Phrasen gibt, die man eigentlich nicht dreschen will, weil sie in der Beschreibung jeder zweiten Dorfband vorkommen und durch diesen falschen und inflationären Gebrauch mittlerweile entwertet wurden. „Riffgewaltig“ zum Beispiel. Oder auch „fetter Bass“ und „groovende Drums“. Wenn man von diesen Klischee-Beschreibungen absieht, lässt sich Planet of Zeus wohl am besten mit den folgenden drei Worten beschreiben: Auf die Fresse! Mit einer unglaublichen Energie und Präzision zerlegten sie – sinnbildlich – die Garage in ihre Einzelteile. Ihr mächtiger Heavy Rock, immer mit der richtigen Prise Stoner Rock á la Monster Magnet, begeisterte die Anwesenden. Dass Frontmann Babis relativ wortkarg durch die Veranstaltung führte, tat der guten Stimmung keinen Abbruch, viel mehr war es sympathisch, wie sie ihre Musik trotz des relativ leeren Clubs zelebrierten.

Eine Schande, dass das nicht mehr gesehen haben.

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