Kultur, Was machen wir heute?

Wow! Dieser Typ legt mehr Platten auf als in eine Spotify-Playlist passen. Du wirst es erst glauben, wenn du es gesehen hast!

Julian Schmitzberger

Julian Schmitzberger

Julian Schmitzberger schreibt regelmäßig über Mr. Scruff. Also immer, wenn er hier auflegt. Eigentlich will er nur Gästelistenplätze.
Julian Schmitzberger

So. Da habt ihr’s. Ohne catchy Headlines interessiert sich niemand mehr für wirklich gute Acts in München. Zum Thema: Das Münchner Label Jazz & Milk feiert Geburtstag und holt dafür die englische DJ-Legende Mr. Scruff zurück nach München.

 

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Und das aus guten Gründen. Schließlich inszeniert sich die Landeshauptstadt gerade während der Wiesn ähnlich wie Andy Carthy, wie Scruff mit bürgerlichen Namen heißt: modern und traditionell. Was im Fall München zu einer gesteigerten Nachfrage nach Dirndl und Lederhosen führt, mündet bei dem Produzenten aus Manchester in einer Reihe von verdammt guten DJ-Sets. Seine Mixes stehen für stetigen Wandel, er mischt regelmäßig vermeintlich unvereinbare Genres zu Gesamtkunstwerken zusammen. Gleichzeitig ist Mr. Scruff einer der orthodoxen Diskjockey-Veteranen, die mp3s für einen kurzfristigen Trend halten und keine Gründe kennen, warum man sich ein Regal kaufen sollte, in das keine Schallplatten passen.

Seine entsprechend große Musiksammlung führt immer wieder zu sechsstündigen Auflege-Marathons. Auch in der Roten Sonne wird er erst aufgeben, wenn seine Koffer geleert sind. Aber Scruff ist mehr als ein audiophiler Platten-Papa: Er ist Cartoonist, malt alle seine Cover und Visuals selbst, führt eine Tea Company und hat ein Fable für Meeresbewohner.

Gut, das klingt auch irgendwie altbackend, aber schließlich hat sich Carthy auch einen archäologischen Lehrauftrag gesteckt: Längst vergessene Aufnahmen einem Publikum zugänglich zu machen, dass ohne einen donnernden Bass auf alle Zählzeiten gar nicht mehr weiß, wie es tanzen soll. Was nicht heißt, dass Scruff nicht weiß, wie man die Masse zum Tanzen bringt. Das beweist auch sein aktuelles Album „Friendly Bacteria“, das wesentlich rauer, deeper und clublastiger ausfällt als seine Vorgänger

Um die Wartezeit auf heute Abend etwas abzukürzen, gibt es hier gute 400 Stunden scruffy Selections am Stück:

https://soundcloud.com/mr-scruff/sets/mr-scruff-live-club-mixes

Wer also eine unterhaltsame Reise durch das Beste aus Soul, Funk, Reggae, Hip-Hop, Disco, Boogie, Afrobeat, Latin und Bollywood-Soundtracks nicht verpassen will, steht heute Abend pünktlich um 22 Uhr in der Sonne, wenn die Plattenspieler eingeschaltet werden. Mit dabei sind die Jazz-&-Milk-Residents Dusty und D2E3.

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