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Step On Common Matter

Lara Schubert

Lara Schubert

Lara, liebt das Theater, studiert die dazu gehörige Wissenschaft und da liegt es nahe, dass sie gern darüber schreibt. Manchmal macht sie auch selbst Theater, oder schaut Anderen dabei zu. Ein Münchner Lockenkopf, der seine Nase in alle Kulturangelegenheiten steckt und sie hier gerne mit euch teilt.
Lara Schubert

Mit Wagons Libres setzt Sandra Iché den Schlusspunkt der Performances zu „Step on Common Grounds“. Eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst aus dem Mittleren und Nahen Osten. Behutsam nähert sich die französische Tänzerin und Historikerin uns mittlerweile allgegenwärtigen Themen der arabischen Welt; Revolution, Identität und innere Zerrissenheit zwischen Modernität und religiöser Traditionen. Vor allem aber zeichnet sie ein Bild des Erinnerns, das im selben Moment zur Zukunftsvision wird.

Die Räumlichkeiten der PLATFORM sind die letzte Station von „Common Grounds“, es ist eine Reise durch München, so wie das Programm eine Reise durch die arabische Welt ist. Begonnen hat alles in der altehrwürdigen Villa Stuck und enden wird es in einem ehemaligen Industrieareal im Münchner Süden. Während man selbst sich in künstlerischer Mission in den dritten Stock schleppt, pocht einem der Elektrobeat aus dem Fitnessstudio des ersten Stock nach. Die PLATFORM selbst ist alles in einem: Büro, Bar, Bühne und Zuschauerraum. Die drei arrangierten Stuhlreihen haben familiären Charme und sind so nah am Künstler, dass der ein oder andere sich fragen muss: „Man wird aber nicht dran genommen, wenn man in der ersten Reihe sitzt?“

SandraIche

Wird man natürlich nicht. Aber „It`s going to be a lot..“ sagt uns die Autorin und Performerin an diesem Abend. Man glaubt es Sandra Iché nicht, wie sie vor einem steht, mit spielerischer Leichtigkeit und voller Vorfreude, man kann nicht anders, man muss sich mit ihr freuen.
Wagons Libres dreht sich rund um das Beiruter Magazin „L’Orient Express“ und seinem Gründer und Chefredakteur Samir Kassier. Nach fünfzehn Jahren Arbeit an einem französischsprachigen Magazin, das versucht hat die libanesische Gesellschaft und ihre Identitätsfrage neu zu überdenken, wird der ambitionierte Journalist von einer Autobombe getötet. Sandra Iché arbeitet die Geschichte und all ihre Einflüsse und Nebenströme systematisch auf. Mittels eines Mikroskops beleuchtet sie Bilder, projiziert sie an die Wand und setzt sie geschickt in Kontext mit einer Interviewreihe, die versetzt als Videomitschnitt gezeigt wird. Hier kommen ehemalige Redakteure des „L’Orient Express“ zu Wort und ihre Aussagen und Analysen werden zu Statements für das Jahr 2030. Theorien, Lachkrämpfe und Aussagen werden zu Visionen und fungieren als Spiegel der Gegenwart.

Iché ordnet ihren Abend in einer Struktur, die an den klassischen Dreiakter erinnert. In „Origines“ führt der Pfad der Neugier sie von Paris in den Libanon, während der zweite Teil „Versions“ eine Diversität der Stimmen und Meinungen zeigt, die sich alle rund um die Stadt Beirut zu kumulieren scheinen. Der Schlusspunkt „Metamorphoses“ skizziert weniger eine Verwandlung, als ein Ankommen auf dem harten Boden der (politischen) Realität.

Am Ende war es doch viel. Vornehmlich lässt Wagons Libres jedoch einen faden Geschmack der traurigen Realität zurück. Die arabische Welt ist in diesen Tagen mal wieder omnipräsent in den europäischen Nachrichten. Am Morgen von Sandra Ichés erster Vorstellung in München titelt die Süddeutsche Zeitung online: „Das Ende des Frühlings“, über das Attentat in einem Museum in Tunis. Und auch der Libanon ist nicht nur idyllisch eingekesselt zwischen Bergen und Meer, Syrien und Israel nehmen das Land in eine Zange der Konflikte. Und so endet die Reihe „Common Grounds“ mit einem offenen Ende, das mehr Fragen aufwirft, als beantwortet werden. So wie es sich in diesen Tagen gehört.

Zu Sehen:

20.3.2015 / 20.30 Uhr/ PLATFORM

Fotocredit: Sandra Iché

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