Münchenschau, Stadt

Sirtaki und Volkslieder gegen Alltagsrassismus

Sahika Tetik

Sahika Tetik

Es ist kitschig zu behaupten München sei die schönste Stadt der Welt, aber für mich ist das so. Hier ist man geborgen, sicher und manchmal ist es doch abenteuerlich, abwechslungsreich, aber nur ein klitzekleines Bisschen. So als ob man jeden Tag Nudeln isst, "aber heute mal all Arrabbiata statt Tomatensoße".
Sahika Tetik

Nichts ahnend saßen Nihan und Ceren, zwei junge Künstlerinnen, gestern in der Filiale der San Francisco Coffee Company an der Theatertinerkirche und wollten sich dort bei einem Kaffee unterhalten, als sie Opfer rassistischer Äußerungen wurden. Berichten zufolge schrie ein Mann die zwei jungen Frauen an, weil sie, wie er zunächst glaubte, sich auf griechisch unterhielten. Als eine der beiden ihn aufklärte, dass dies türkisch sei, konnte er sich nicht mehr zurückhalten und stieß wüste Beleidigungen aus. Wie die Künstlerinnen in ihrem Erlebnisbericht niederschrieben, hielt die Tirade des Mannes einige Minuten an, in denen sich kein anwesender Gast an der Situation beteiligte oder die zwei Frauen gar in Schutz nahm.

Auch vom Personal des Cafés wurden Nihan und Ceren nicht verteidigt. Die Frauen berichten, dass ein Kellner des Cafés zwar versuchte, den Mann hinaus zu bitten, es schaltete sich dann aber eine weitere Mitarbeiterin ein und argumentierte, dass der Mann ja genauso für sein Getränk gezahlt hätte und dementsprechend auch bleiben könne.

Nihan wehrte sich verbal gegen die rassistischen Anfeindungen, wurde aber, wie das Erlebnisprotokoll besagt, nicht ausfällig.

Rassismus auf offener Straße – ein Phänomen, das an Aktualität nicht verloren hat. Angesichts der PEGIDA Bewegung, die vor einigen Monaten noch regelmäßig Hetze auf Montagsdemos gegen Ausländer aller Art, aber allen voran gegen Muslime, betrieben hat, heizen nun Themen wie die Griechenlandkrise an, um ausländische Mitbürger an den Pranger zu stellen.

HeartLatte

Wir haben heute mit Ceren gesprochen und sie persönlich gefragt, wie sie die Situation einschätzt und bewertet. Sie teilte gegenüber MUCBOOK mit, „dass das, was passiert ist, nur ein stellvertretendes Beispiel ist.“

Nihan und Ceren lassen sich nicht unterkriegen und wollen nun mit einem geplanten Flash-Mob ordentlich Kontra geben.

„Das ist unsere Reaktion gegen die Verrücktheit dieser Welt. Musik und Tanz ist der schönste Weg, um seinen Protest auszudrücken.“

Morgen, am Donnerstag den 16. Juli, laden Ceren und Nihan herzlich ein, am Flash-Mob vor der SFCC am Odeonsplatz teilzunehmen. Um Punkt 19 Uhr soll sich ein Pulk vor dem Café bilden, um dann erst ein türkisches und danach ein griechisches Volkslied zu singen. Auf dem Odeonsplatz wird dann ein Sirtaki mit allen Anwesenden getanzt. Der Mob sollte sich, so schnell er sich zusammengefunden hat, auch wieder auflösen. Ceren meint dazu: „Dann hätte die Aktion eine kurze, aber prägnante Signalwirkung.“

Es soll eben keine Demonstration mit großen Reden werden, sondern eine gemeinschaftliche Atmosphäre erzeugen, wünsche sich Ceren. Deswegen sind ausdrücklich Landsleute aus aller Herren Länder erwünscht, damit der Fokus nicht nur auf Türkisch- oder Griechischstämmige gelenkt wird.

Alle Infos kurz und knapp:

Was? Flash-Mob gegen Rassismus, Link zur Facebook-Veranstaltung

Wann? Donnerstag, 16. Juli, punkt 19 Uhr (lieber schon kurz vorher einfinden)

Wo? Odeonsplatz, vor dem San Francisco Café

 

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