Kultur

bookuck! – Tipps für einen spannenden (Lese-) Sommer

Natalie Adel

Natalie Adel

Ist München-Liebhaberin, weil es sich hier so herrlich mit dem Rad durch die Stadt düsen lässt und fast nichts über einen Sommerabend an der Isar geht. Ansonsten Theaterfan und immer dabei, neue Dinge auszuprobieren.
Natalie Adel

Sommer, Sonne, Sonnenschein – eine unschlagbare Kombination. Damit die schönste Jahreszeit aber auch absolut perfekt wird,  gehört die richtige Portion Lesefutter dazu. Im besten Fall hat man ja ein paar Wochen frei und kann es sich am Strand, in den Bergen oder im Park gut gehen lassen, während man in fremde Welten und Geschichten eintaucht. Im Rahmen von bookuck! haben uns nun an der Aktion teilnehmende Buchhandlungen ihre Tipps zukommen lassen. Wir haben sie nach einem Muss für den Sommer und nach einem nachdenklichem Buch gefragt. Hier kommen nun also die ultimativen Geheimtipps für euch.

Den Anfang macht Ruth Cyranka von der Buchhandlung am Hohenzollernplatz.

Das Sommerbuch:

Takashi Hiraide: Der Gast im Garten (Japan). Suhrkampverlag, 14,00 €.

In dem Sommerbuch taucht plötzlich im Garten eine kleine Katze auf. Sie bleibt eine kurze Zeit und verschwindet durch das Loch einer Hecke im Nachbargarten. Die Katze kommt immer wieder und die Bewohnerin des Gartenhauses gewinnt sie von Tag zu Tag lieber. Wir spüren, ohne daß es ausgesprochen wird, wie groß die Einsamkeit dieser Frau ist. Dieses kleine
stille Sommeridylle endet natürlich eines Tages…

Gast im Garten

Das Buch zum Nachdenken:

Dino Buzatti: Die Tatarenwüste (Italien, 30er Jahre). Die Andere Bibliothek, 34,00 €.

In der Parabel von Buzzati, einem der bekanntesten italienischen Journalisten der Nachkriegszeit, vergeht das Leben eines jungen Mannes wie in einem Atemzug.
Die Zeit hat hier so wenig Gewicht, dass einem ganz unheimlich wird. Nach der Militärausbildung bekommt der junge Mann eine Garnison zugewiesen. Wir lernen ihn auf dem Weg zu dieser abgelegenen Festung im Gebirge kennen.  Plötzlich – und das erleben wir wie einen Schock – ist der junge Mann ein alter Mann. Als Buzzati diesen Text schrieb war Mussolini schon 12 Jahre an der Macht. Er hat viel von diesem alltäglichen Lebensgefühl unter Mussolini einfließen lassen.

Tatarenwuest

Thomas Felber von Bücher Lentner empfiehlt folgendes:

Die Sendlinger Buchhandlung hat auch zwei ganz besondere Lese-Tipps vorbereitet:

Als Sommer-Lektüre:

Ernest van der Quast: Die Eismacher. btb, 19,99 €.

Eine tolle Geschichte eine Eismacherfamilie aus den Dolomiten. Beginnend vor 200 Jahren und endend in Rotterdam in einer Eisdiele der Familie.
Die beiden Brüder sollen in der vierten Generation den Beruf des Eismachers weiter ausüben, einer jedoch spreizt sich und verschreibt sich der Literatur, ohne jedoch die Familie dabei zu vergessen. Informativ, prickelnd erotisch, wahnsinnige Eis-Kreationen und das alles gemischt mit traditionellem italienischen Flair.

Eismacher

 

 

 

 

 

 

 

 

Elisabeth Reisbeck aus der Buchhandlung Buch in der Au hat folgende Tipps für euch:

Nachdenklich- nachwirkend:

Jorge Bucay: Komm ich erzähl Dir eine Geschichte. S.Fischer, 9,00 €.

In der Art wie Joe Lederer (längst verstorben , längst vergriffen ) erzählt Jorge Bucay- Philosoph – Geschichten von und über Menschen und Tiere, die einen geradezu bewegen.
Und in jeder Geschichte steckt eine Message, die einen nicht belehrt, sondern unbemerkt zum Nachdenken anregt.

Geschichte

Renate Späth empfielt als Sommer-Lesestoff

Mercè Rodoreda: „Der Garten über dem Meer“. Berlin Verlag, 10,00 €.

Endlich ist dieser wunderbare Roman als Taschenbuch erhältlich! Spanien in den späten Zwanzigern: „Ich habe schon immer gerne erfahren, was den Leuten so alles passiert,…“. Sechs Sommer lang beobachtet der Gärtner eines Herrenhauses über dem Meer das Kommen und Gehen seiner wohlhabenden, jung verheirateten Besitzer. Nach und nach lernen wir die Personen kennen, welche Jahr für Jahr innerhalb und außerhalb des Sommersitzes ihre Rollen einnehmen. Wir erleben jedoch nicht nur einen Sommernachtstraum, denn dem Gärtner entgehen die feinen Risse in dem trügerischen Idyll nicht. Das Meer jedoch, die Sonne und der Garten sorgen dafür, dass der Leser verweilt, schwärmt und am Ende des Buches nicht aus seiner Sphäre entlassen werden möchte. Mercè Rodoreda (1908-1983) ist eine wahre Erzählerin, die es vermag, eine Geschichte zu entfalten.

GArten

Enneke Siedler kann dieses Buch, das zum Nachdenken anregt, empfehlen:

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama, Kein und Aber 2016, 13,00 €.

Wer den Roman „Löwen wecken“ der israelischen  Starautorin noch nicht für sich entdeckt hat, sollte dies mit der Taschenbuchausgabe nachholen! Der Neurochirurg Etan Grien überfährt nachts einen illegalen Einwanderer und erkennt, dass der Mann sterben wird. Er meldet den Unfall nicht und lässt den Mann liegen. Am nächsten Morgen steht die Frau des Opfers, Sirkit, vor seiner Haustür und erpresst Etan. Er soll in einer verlassenen Werkstatt kranke, verwundete und schwangere Flüchtlinge behandeln, die wegen ihres illegalen Status kein Krankenhaus aufsuchen können. Dafür muss er lügen und täuschen und das alles, damit Sirkit seine Fahrerflucht nicht anzeigt. Ein packend erzähltes Buch über die Zerbrechlichkeit unserer Moral und über die Konflikte zwischen Westlicher und Dritter Welt.

Goshen

Milena Busquets: Auch das wird vergehen. Suhrkamp, 19,95 €.

Es klingt wie ein Sommerbuch. Blanca, reiche Tochter, fährt wie jedes Jahr nach Cadaques, dem Sommerfamiliensitz am Meer. Beide Exmänner sind da, die gemeinsamen Kinder. Eine entspannte Zeit wie immer. Aber die verstorbene Mutter begleitet jeden Schritt und zwingt ihre Tochter zu einem folgenreichen Schritt. Melancholisch und komisch, ein Roman über Trauer und Schönheit des Lebens zugleich.

vergehen

Deborah Feldman: Unorthodox. Secession Verlag für Litaratur, 22,00 €.

Trotz dieses eigentlich erschütternd ernsten Themas, ist Deborah Feldman ein spritziges, literarisch prickelndes Buch gelungen. Feldman wirkt an keiner Stelle verbittert oder gar selbstmitleidig, sondern offenbart uns eher mit Staunen eine schier unglaubliche Welt orthodoxen Judentums in einer chassidischen Satmar-Gemeinde in New York.

Unorthodox

Mucbook wünscht viel Spaß beim Schmökern und Lesen. Auf einen tollen Sommer! Und nicht vergessen: Am Samstag ist der Tag der Münchner Buchhandlungen.


Fotocredits: Die Recht für die Cover liegen beim jeweiligen Verlag.

Beitragsbild: Tamara Menzi (unsplash.com)

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