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München du Monokultur! Teil II – von München nach Berlin

München ist für alles Kreative eher Bremse als Treibstoff. So sieht es zumindest die Gruppe Monokultur München und auch andere Künstler, die in die Landeshauptstadt zogen. Bevor es am 20. Februar mit der Veranstaltungsreihe in der Favorit Bar weitergeht, haben wir mit dem Künstler-Kollektiv The Swan Collective gesprochen. Die Münchner hat es vor Kurzem – wohin auch sonst – ins Künstler-Mekka Berlin verschlagen. Das Interview ist der zweite Teil der Vermutung „München du Monokultur!“

``Das vom offiziellen City-Marketing verbreitete Hochglanz-Münchenbild ist zu einer Belastung für Kunst- und Off-Szenen geworden. Der Standortnachteil, München als Wohnort in seiner Künstler-Biografie stehen zu haben, darf nicht mehr von den politisch Verantwortlichen ignoriert werden.`` - Monokultur München:

Ihr seid nach Berlin gezogen. Warum?

Wir fünf vom Swan Collective schmeißen uns gerade Hals über Kopf in die Virtuelle Realität. Gerade erstellen wir stereoskopische 360°-Animationen für die neuesten VR-Brillen. Und Berlin entwickelt sich zum Mittelpunkt Deutschlands für Gleichgesinnte dieser Technikmöglichkeiten. Da möchten wir von Anfang an mitmischen. Außerdem schreibt sich unser zweiter Roman ‚Digitale Kinder‘ wie von alleine in den Cafés dieser Stadt.

Was sagt ihr zu dem Zitat, München sei schlecht für Künstlerbiographien?

Nach sieben Jahren Fulltimepower in München merkt man am Ende, dass die Stadt einem kaum einen Schritt entgegengekommen ist. Es liegt also nicht an den Kunststudenten, dass die Münchener Szene so lähmend ist. Das gesättigte Publikum schleift die Avantgarde zu einem handschmeichelnden Stück Plastik. Da kann man als junge Künstler wenig entgegensetzen. Vor allem, wenn einem dieser aussichtslose Kampf in Städten wie Berlin erspart bleibt.

Was müsste München mehr tun?

Ja, die Stadt müsste deutlich mehr für die eigenen Studenten tun, in Off-Spaces investieren, Presse bereitstellen oder ganz einfach mal aufrichtiges Interesse haben, um die Lage zu verbessern. 480 Euro für ein 30 Quadratmeter-Atelier? Viel Spaß mit den unverkäuflichen Herzensprojekten.

Inwiefern gibt euch Berlin mehr Spielraum als Künstler tätig zu sein?

Für uns ist es geradezu absurd festzustellen, dass sich all die positiven Berlinklischees zu bewahrheiten scheinen. Am auffälligsten finden wir den kollegialen Umgang der Künstler untereinander. Hier herrscht aufrichtiges Interesse am Nächsten, scheinbar ohne Kalkül, Neid und Hintergedanken.

Da kommt morgens eine Facebook-Nachricht eines Berliner Künstlers: ‚Hey, 30 Künstler bespielen heute Abend den Rohbau eines Sammlerpaares. Jeder bringt ein Kunstwerk und eine Flasche Wodka. Auch Bock?‘ Das ist unendlich erfrischend und inspirierend. Die Ideen sprudeln hier ungehinderter, der soziale Austausch ist fruchtbar und spannend. In München dachte unser Kollektiv oft: ‚Wir gegen alle anderen‘ – während es sich hier in Berlin mehr nach ‚Wir mit euch gemeinsam‘ anfühlt. Ein extrem motivierender Kontrast.

In den Vorträgen von Monokultur München war oft die Rede von einer Art Unwohlsein. Man ist nie wirklich stolz zu sagen, ja ich komme aus München und bin Künstler. Ging es euch auch so?

Wir haben unsere Zeit in München nie verschwiegen und haben im Gegenteil schnell gemerkt: Da kommen ja gar keine blöden Sprüche und Augenverdrehereien. Das gab es lediglich in München, als wir Leuten erzählten, wir gehen jetzt nach Berlin. Die lachen.

Am 20. Februar gibt es eine Lesung von Alexeij Sagerer und ein Gespräch mit Matthias Hirth über den Verfall der Freien Theaterszene in München durch die Förderpolitik der Stadt. Mehr Infos gibt es bald hier.


Foto: (c) The Swan Collective

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