Bruno Baumann
f.re.e - Die Reise und Freizeitmesse, tagebooks

„Wir sind heute alle Erwartungsweltmeister“ – Bruno Baumann im Interview

f.re.e Reise- und Freizeitmesse

f.re.e Reise- und Freizeitmesse

Als größte Reise- und Freizeitmesse in Bayern präsentiert die f.re.e jedes Jahr im Februar mehr als 1.200 Aussteller. An fünf Tagen gibt es Spannendes und Inspirierendes aus den sechs Themenbereichen: Reisen, Gesundheit & Wellness, Caravaning & Mobile Freizeit, Wassersport, Outdoor und Fahrrad.
f.re.e Reise- und Freizeitmesse

Am schönen Orleonsplatz in Haidhausen wohnt einer, der 2003 als erster Mensch alleine, ohne Hilfe und Begleittross, die größte Wüste der Welt durchquert hat. Doch das schaffte Bruno Baumann damals nicht auf Anhieb. Wir haben mit ihm über körperlichen Grenzen, angezogenen Handbremsen und Begeisterungsfähigkeit gesprochen.

Alleine reisen

„Wissen Sie, es ist viel schmerzhafter zu verdursten, als zu erfrieren.“ Es gibt wohl nicht viele Menschen, denen beides schon fast passiert ist, einmal in der Wüste Gobi und einmal am kältesten Berg, dem Mount McKinley. Bruno Baumann ist so einer. Ein Forschungsreisender extrem. Was er so beiläufig erwähnt, lässt anderen erste einmal den Mund offen stehen. „Man bekommt so unschöne Halluzinationen und Angstzustände, wenn man dehydriert,“ führt er weiter aus. Gut, jetzt ist das geklärt. Doch was führt einen in solche Situationen, wenn nicht schiere Unvernunft?

Warum reizt es Sie Wüsten zu durchqueren und gefährliches unbekanntes Gebiet zu erforschen, wenn Sie dabei regelmäßig fast draufgehen?

Bruno Baumann: Ich bin neugierig. Natürlich ist es ein Kick der erste Mensch zu sein, der etwas sieht. Aber mich haben diese Extremexpeditionen viel mehr gelehrt. Welches Potential in mir steckt, welche Möglichkeiten scheinbar Unmögliches zu verwirklichen. Wie man Ängste transformiert in Kraft, innere Handbremsen löst und sie dadurch in mehr Freiheit umwandelt. Wissen Sie was für ein wahnsinnig tolles Gefühl es ist, so etwas geschafft zu haben? Ich bin der Meinung, jeder Mensch muss in seinem Leben wenigsten einmal sein Potenzial gewahr werden und genau deshalb halte ich auch Vorträge und gebe Interviews wie demnächst auf der f.re.e.

Vor was muss man sich eigentlich fürchten?

Die meisten Menschen fürchten sich vor dem Ungewissen. Was kommt? Was wird passieren? Für mich liegt in dieser Ungewissheit eine sehr große Kraft und natürlich auch Anziehung. Ich bin zum Beispiel einen abgelegenen Canyon mit dem Schlauchbot im Himalaya zuerst befahren. Sie glauben gar nicht wie großartig es war, als wir dann dort historische Relikte aus einer vorbuddhistischen Zeit fanden. Wobei wir uns natürlich auch dem Risiko bewusst waren. Hinter jeder Biegung hätte ja etwas warten können, und vor allem mit dem Boot kann man nicht eben den Rückwärtsgang einlegen.

Und wie wenden Sie Ihr in der Wildnis geprüftes Wissen in Seminaren mit Managern an?

Die Rahmenbedingungen werden ja oft von Außen gegeben. Ihnen muss man sich dann schnell anpassen, ohne dabei ein Gefühl von Ausgeliefertsein zu bekommen. Dabei geht es viel um das Team und darum aus seiner Komfortzone herauszutreten.

Außerdem sind wir alle mittlerweile Erwartungsweltmeister geworden. Die Familie, die Partnerin oder die Freunde – alle sind dafür zuständig, dass es mir gut geht. Wenn wir delegieren können, tun wir es, weil es bequemer scheint.

Der Autodidakt

Sie fotografieren, halten Vorträge, filmen und schreiben – als was bezeichnen sie sich?

Ich bin ein moderner Forschungsreisender. Ich wollte schon früh fremde Länder bereisen und habe alles dafür getan um das auch umzusetzen. Tibet war für mich mit 16 Jahren schon ein absoluter Sehnsuchtsort. Um lange Ferien zu haben, habe ich dann als Alibi für meine Eltern Geschichte und Völkerkunde studiert. Währenddessen habe ich dann gearbeitet und sobald Semesterferien waren, bin ich von meinem Geld verreist. Leider konnte mich damals niemand begleiten und so machte ich meine ersten großen Reisen alleine. Heute weiß ich, dass mich das geprägt hat. Man ist alleine viel mehr exponiert, taucht aber auch mehr in fremde Kulturen, Städte und Bräuche ein.

Arbeitszeit = Freizeit

Heißt Sie haben sich schon früh in den Kopf gesetzt kein normales Arbeitsleben zu führen?

Es erschien mir damals schon wie eine Milchmädchenrechnung, das was mir Spaß bereitete auf die Rentenzeit aufzuschieben. Das heißt, für mich stand schon früh fest, dass meine Arbeitszeit deckungsgleich mit meiner Freizeit sein sollte.

Und seid dem versetzen Sie mit ihrem Willen Berge?

Nein, nicht der Wille ist das. Es ist die Begeisterung. Die schafft es zum Beispiel, dass ich seit 2010 ein Projekt entwickle, mit dem ich erstmal mit einem Elektroauto die Seidenstraße entlang fahren möchte. Allerdings liegt mein Fokus auf dem kulturellen Austausch und auf nachhaltigem Reisen, nicht nur so wie es China will, als Wirtschaftsplan. In einer Zeit wie heute reicht es schließlich nicht, dass unser Denken an den Grenzen von Nationalstaaten und dem größtmöglichem eigenen Profit hängen bleibt. Daran müssen wir alle arbeiten, nicht nur in Europa!

Herr Baumann, vielen Dank für Ihre Zeit


In Kürze:
Bruno Baumann spricht als Gast auf der f.re.e am:

Freitag, 24. Februar 2017
12:45 – 13:30 Uhr – BR-Showbühne, Halle A4

Beitragsbild: Bruno Baumann, Aufstieg Alexandraspitze, Ruwenzori Massiv

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