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Urban Fine Art: Kunstsammler präsentieren ihre Lieblingsstücke im MUCA

Caroline Giles

Caroline Giles

"Likes: Katzenbabies, Leopardenprint und Augustiner.
Dislikes: Spinnen, High Heels und Königsberger Klopse."
Caroline Giles

 

Im Herzen Münchens, gleich hinterm Marienplatz, der Frauenkirche und der Kaufingerstraße, befindet sich das vor kurzem neu eröffnete Museum of Urban und Contemporary Art, und doch fühlt man sich beim Betreten des Gebäudes fast so, als würde man die Schwelle zu einer anderen Stadt überschreiten. Es fällt schwer zu glauben, dass Deutschlands erstes Museum für urbane Kunst tatsächlich seine Türen in München geöffnet hat –  nicht etwa Berlin.

Vom 07.04. bis zum 26.06. werden in den großen, hellen Räumlichkeiten in der Hotterstrasse im Rahmen der Urban Fine Art Ausstellung ganz besondere Werke weltbekannter urbaner Künstler und Street-Artists zu sehen sein. Private Kunstsammler haben sich dazu bereit erklärt, ihre Schätze für die nächsten beiden Monate mit der Öffentlichkeit zu teilen – direkt von der Wohnzimmerwand ins MUCA, sozusagen. Banksy, Vhils, Invader, JR und viele weitere Meister ihres Werkes sind dabei mit von der Partie.

(v.l.n.r. Banksy („Forgive us our trespassing“), Conor Harrington („Samson Nostalgia Trap“), Banksy („Queen Vic“))

Street Art vs. Urban Art

„Urbane Kunst“ –  was soll das eigentlich sein? Bevor ich mich weiter umschaue –  auf der Wand gegenüber erspähen ich gleich einmal Banksy –  setzte ich mich kurz mit Geschäftsführerin Steffi Utz zusammen. “Das ist eine sehr berechtigte Frage! Ich geb’s ganz offen zu – da scheiden sich die Geister, und sogar hochkarätige Experten streiten sich immer noch über diese Definition, vor allem über die Abgrenzung von Street Art und Urban Art. Deshalb weise ich immer extra daraufhin, dass “MUCA” für “Urban and Contemporary Art” steht – das heißt, wir decken sowohl urbane, als auch zeitgenössische Kunst ab. Die Abgrenzung zwischen Street Art und Urban Art kann beispielsweise stattfinden, indem man sich fragt, ob die Kunstform im illegalen oder legalen Raum zu finden ist.”

Für die aktuelle Ausstellung haben sich nun “Collectors” zusammengefunden, die ihre Werke – teilweis zum allerersten Mal überhaupt – für Kunstinteressierte zugänglich machen. Im Sammlergeschäft kennen Christian und Steffi Utz sich bestens aus, denn Christian ist ebenfalls seit 25 Jahren passionierte Sammler. “In einem Artikel habe ich mal gelesen, mein Mann sei der Sammler und ich der Jäger – das fand ich echt eine interessante formulierung!” erzählt mir Steffi, lachend.

 

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(Mitte: Strumbel Uhren)

„What the Fuck is Heimat?“

Der Rundgang beginnt mit den quietsch-bunten Kuckucksuhren von Strumbel, die mich schon die ganze Zeit wie zwei riesige neonfarbene Magneten anziehen. Totenköpfe, Knochen und Ratten verzieren die „traditionell deutschen“ Handwerksstücke. „What the Fuck is Heimat?“ möchte die neon-gelbe Sprechblase wissen – zurecht. Ebendiese Frage nach Heimat und Identität wird auch in vielen anderen der ausgestellten Stücken immer wieder aufgegriffen.So versucht JR beispielsweise in seinen Fotografien die Identität urbaner Vororte und Ghettos zu beleuchten, und spielt dabei auch ganz bewusst mit Clichés und Vorurteilen –  ganz genau hinschauen lohnt sich!

Phil Frost verbindet traditionelle afrikanische und hawaiianische Bemalungen mit US-Amerikanischen Baseball-Schlägern, während der Graffiti-Künstler Jonone mit der Beziehung zwischen Identität und (Hand-)Schrift spielt.Mein ganz persönlicher Favorit –  neben den Werken von Banksy und Invader –  sind Drans (“der französische Banksy”) satirische Zeichnungen, die fast schon Kinderbuch-Illustrationen gleichen.

Ich frage auch Steffi nach ihrem Lieblingsstück: “Sehr schwierige Frage! Ich muss wirklich sagen, dass es für mich immer sehr schwer ist mich da festzulegen, weil ich gerade bei den ausgestellten Werken, die aus unserer eigenen Sammlung stammen, wahnsinnig viel Persönliches verbinde, weil wir die Künstler selbst in ihrem Atelier besucht haben, oder auf einer ganz bestimmten Reise entdeckt haben. Wer mich persönliche in dieser Ausstellung am meisten überrascht hat, sind die Werke von Vhils – einfach aus dem Grund, weil ihn bisher vor allem aus dem öffentlichen Raum kannte, und ich mir bisher gar nicht vorstellen konnte, wie Vhil auf “klassischen” Trägermaterialien wohl wirkt!”

 

(links: Dran („Oil bubbles“), rechts: Dran („Untitled“))

Euer eigenes liebstes Ausstellungsstück könnt ihr noch bis zum 26.06. auf einem kleinen Rundgang durch das MUCA (welcher direkt vor Ort von den Mitarbeitern angeboten wird) entdecken –  auch wenn ihr euer Lieblingsstück dann leider nicht mit nach Hause nehmen könnt, um eure eigene Wohnzimmerwand zu verschönern.

 

 Beitragsbild/Fotos: Caroline Giles 

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