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Skyhouse – Wohninnovation für München?

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Munich Members ist die Marke und das Netzwerk des Kreativstandortes München. Ziel von Munich Members ist es, München als Kreativ-Metropole zu fördern indem Großprojekte interdisziplinär zwischen Kreativen, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik definiert und direkt in der Metropolregion München umgesetzt werden. Somit vereint Munich Members Experten aus den Bereichen Kreativwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die die Sichtbarmachung Münchens als Kreativstandort und die intelligente Nutzung der kreativen Kraft - zum Wohle von Wirtschaft und Gesellschaft - als strategisches Ziel definiert haben.
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München wächst immer weiter. Allein seit der letzten Bevölkerungsprognose 2013 ist die Bevölkerung um rund 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner pro Jahr gewachsen. Genau das stellt Münchens Architekten vor Herausforderungen, die Mut zur Innovation und zum Umdenken in der Stadtentwicklung fordern.

Dabei eröffnet die digitale und strukturelle Transformation neue Möglichkeiten, bei denen klar sind – wir müssen eine Stadt neu denken. Sektoren wie Mobilität, Kommunikation, Sicherheit aber auch unser Verständnis von Besitz, Eigentum und Wohnqualität müssen sich verändern. Nur so kann neu erlangtes technisches Wissen interdisziplinär in die verschiedensten Bereiche unseres Lebens einfließen.

Munich Members stellt einen solchen kreativen Visionär im Interview vor. Peter Schuck, Professor für Design, der mit seinem Team das Konzept der Skyhouses entwickelt hat.

Was denkt ihr darüber?

Skyhouse_neu

MUNICH MEMBERS: Auf den ersten Blick erinnert das Skyhouse an ein Baumhaus…

Peter Schuck: Richtig, die wilde Freiheit eines Baumhauses in der Perfektion eines BMW 700. Skyhouses sind auf einem 7.5 Meter hohen Pfahl bzw. Pylon platziert. Mit dieser Bohrpfahlgründung wird im Vergleich zu konventionellen frei stehenden Häusern nur ein Sechstel des Grundstücks versiegelt. Zugleich eröffnet diese Bauweise bisher ungenutzte neue Anwendungsbereiche bezogen auf potenzielle Standorte und Lokalitäten eines Hauses.

Was verstehen Sie unter neuen Anwendungsbereichen in der Lokalität?

Peter Schuck: Ein Skyhouse kann an bisher als nicht bebaubar geltenden Grundstücken im verdichteten Münchner Ballungsraum aufgestellt werden. Beispielsweise in einem Stadtpark, auf dem Parkplatz der Olympia-Parkharfe oder auf den Tunneln über dem Mittleren Ring eine neue Ebene zum Wohnen und Arbeiten schaffen.

Und was ist jetzt besonders an den Skyhouses selbst?

Peter Schuck: Zum Start soll es drei Skyhouse-Modelle geben: Tulip, Bellflower und Prisma. Alle drei Modelle gibt es in den Größen S (120-150qm), M (180-210qm) und L (280-320qm), die je nach Umgebung auf den mehrere Meter hohen Pfahl bzw. Pylon mit integrierter Infrastruktur aufgesetzt werden.

Ein Skyhouse ist modular aufgebaut und wird seriell und nachhaltig produziert. Jedes Modell wird entsprechend individueller Anforderung mit technisch „State-of-the-Art“ Lösungen zur Energiegewinnung und -speicherung und zum transparenten Ver- und Entsorgungsmanagement versehen. So kann der Lift, der am Pylon geführt in die Wohnräume führt, durch eigene Muskelkraft angetrieben werden; über die Dachelemente des Skyhouse wird nicht nur Sonne in Energie umgewandelt, sondern auch gleich Regen- und Tauwasser gespeichert.

Erkenntnisse und Verfahren aus der Fahrzeugproduktion und der Automatisierungstechnik sind essentiell bei unserem Skyhouse-Konzept, damit jedes Modell nach persönlichen Wünschen technisch konfiguriert und individuell ausgestattet werden kann aber gleichzeitig durch einfaches Zusammensetzen und intelligente Logistik in wenigen Wochen liefer- und bewohnbar ist. Dies ist ein zentraler Ansatz unseres Konzepts, um der Prototypen-Architektur eine interessante Alternative gegenüber zu stellen.

Wird es in Zukunft noch so etwas wie Eigentum an Häusern und Wohnungen geben? Betrachtet man die Car-Sharing Konzepte, kann auch bald das eigene Heim zu einer Form des Sharing–Konzepts übergehen wie es AirBnB in gewisser Weise schon vormacht?

Peter Schuck: Da die Welt so vernetzt ist und jeder Mensch global unterwegs sein kann und will, braucht man nicht unbedingt nur ein Haus an nur einem Ort.

Stellt Euch vor, man könnte sein Haus, seine Wohnsituation wie bei einem Auto aus einem Prospekt auswählen, mit fixem Preis und fixem Lieferdatum und dieses Haus steht dann in München, London, Rio, Tokio. Dieses Haus ist vernetzt wie euer Smartphone und weiß genau wie warm oder kalt ihr eure Räume haben möchtet und lässt euch die Badewanne ein, zehn Minuten bevor ihr nach Hause kommt. Technisch ist das schon alles möglich, aber an der Umsetzung hapert es noch.

Also wollen Sie nicht nur ein Skyhouse irgendwo an die Isar stellen, sondern durch ein Netzwerk von Skyhouses eine Art modulares Wohnen ermöglichen? Fehlt da nicht die Individualität? Das Persönliche?

Peter Schuck: Die Idee des Skyhouses ist die Intelligenz – sprich Technik, serielle Fertigung und Logistik – und Verantwortung – sprich Umweltschutz, Energieeffizienz, Ressourcenschonung – im Einklang mit der Natur zusammen zu führen. Ein Netzwerk von Skyhouses kann Wohnungen und Lebensraum schaffen, wo ihr ihn träumt.

Stellt euch vor, es ist Sommer und ihr könnt das Dach des Skyhouses so weit aufmachen, dass ihr auf dem Rücken liegend in den Sternenhimmel oder den Großstadt-Dschungel schaut. Wie Schlafen unter freiem Himmel, aber mit der Technik und dem Komfort des 21. bzw. des zukünftigen Jahrhunderts. Das ist doch Individualität und Romantik pur.

Was erhoffen Sie sich von den Munich Members?

Peter Schuck: Interdisziplinarität! Nicht allein mit meinem Team an diesem Aspekt innovativer Wohn-, Arbeit- und Ferienwelten zu arbeiten. Unterstützung und Kompetenz in den Bereichen, von denen wir wissen, dass es sie gibt, aber wir sie nicht kompetent bearbeiten können. Konstruktive Kritik, um besser zu werden, aber auch emotionale Unterstützung. Und selbstverständlich die konkrete Umsetzung der technischen Innovationen und die seriellen Produktion.

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Nun liegt es an den Munich Members aus Kreation, Wirtschaft und Politik zusammenzukommen, um die Umsetzung eines Skyhouse-Prototypen und dessen Implementierung in Serienfertigung zu diskutieren und zu definieren, damit die Konstruktionen von Peter Schuck und seinem Team keine Luftschlösser bleiben, sondern als proaktives Projekt die Zukunft gestalten und neuen Raum zum Leben und Erleben bieten.

Eure Meinung ist gefragt – Denkt mit und bringt eure Ideen ein!

Wie steht ihr zur Architektur der Zukunft? Ist die Serienfertigung von Häusern ein Zukunftskonzept?

Der beste Beitrag gewinnt ein MUCBOOK Member Paket mit Zugang zu Munich Members!

2 Comments
  • Uschi P
    Posted at 14:56h, 15 Mai

    Ein spannendes Projekt – Aber wie unterscheidet sich das Skyhouse Konzept zu Häusern wie das Chemosphere House von John Lautner, dass schon seit Jahren in Los Angeles steht? http://www.af-z.ch/veranstaltungen/chemosphere-house-von-john-lautner/

  • Munich Members
    Munich Members
    Posted at 18:46h, 18 Mai

    Das stimmt! – Die Idee eines „Baumhauses“ gibt es schon lang; das Chemosphere House von John Lautner ist jedoch ein Unikat und ein Prototyp eines einzelnen Bauherrn. Das Neue am Skyhouse-Konzept ist die serielle Produktion in Verbindung mit neusten Technologien. Eben eine Wohnstätte der Zukunft, die persönlich konfigurierbar, ein paar Tage nach Bestellung geliefert werden kann.

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