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Vom Chaos-Punk zur Großküche: Das Feldcafé 5vor12 in Milbertshofen

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi

Als im Sommer 2015 so viele Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof festsaßen und öffentliche Stellen versagten, verteilten freiwillige Helfer mit einer Feldküche aus dem Jahr 1957 bis zu 50 000 warme Mahlzeiten. Diese Feldküche steht heute vor dem Gebäude der Georgenschwaigstraße 26 in Milbertshofen. Hier hat der Verein Volxküche, der damals hinter der Aktion steckte, gerade das Feldcafé 5vor12 eröffnet.

Vom Studentenprotest zum Großprojekt

2009 fanden sich das erste Mal Münchner um die Volxküche zusammen. Damals versorgten sie demonstrierende Studenten spontan im Audimax der LMU mit warmem Essen. Seitdem ist aus der Bewegung ein eingetragener Verein geworden, der es ermöglicht, sich ehrenamtlich für andere einzubringen. Für den Verein Volxküche ist es wichtig, nicht nur zu helfen, sondern auch allen Beteiligten Wertschätzung entgegenzubringen. Das gilt in dem Fall nicht nur für die, denen geholfen wird, sondern auch für die, die helfen möchten.

Dass aus ihrer ursprünglichen Studentenprostest-Aktion seit dem 15. Juli tatsächlich ein eigenes Café wird, hat wahrscheinlich niemand erwartet. Fabian Neulinger, 31 Jahre, am allerwenigsten.

Im Feldcafé packen alle miteinander an

Fabian ist auch der einzige Festangestellte im 5vor12. Die restliche Arbeit wird von Freiwilligen und Ehrenamtlichen gestemmt. Und Hilfe kommt tatsächlich aus sämtlichen Richtungen: die Möbel konnte das Café zum Beispiel vom Vorgänger übernehmen. Das große Wandbild mit dem Papageien schenkte ihnen ein befreundeter Künstler aus Miami. Auf Hierarchien wird im 5vor12 nicht besonders viel Wert gelegt. Jeder darf sich einbringen, wie er kann und mag – es muss nicht unbedingt in der Küche sein.

Raum für soziales Engagement

Das Feldcafé soll mehr sein als nur Café oder Restaurant. Es soll ein Treffpunkt für Leute sein, die helfen möchten. Hier können sie sich austauschen oder sich einfach nur über bestehende Projekte informieren, Podiumsdiskussionen organisieren oder Konzerte planen. Vergangene Projekte sieht man auf zahlreichen Fotos an der Wand.

Neben dem 5vor12 setzt sich der Verein Volxküche unter anderem sogar für Flüchtlingshilfe außerhalb Deutschlands ein. Deshalb will das Feldcafés auch Freiwillige auf weitere Einsätze vorbereiten. Denn auch wenn die Flüchtlingsproblematik hier nicht mehr so akut scheint, hat sie sich nur verlagert. Schritt für Schritt soll aus der ursprünglichen „Chaos-Punk-Küche“ ein Team werden, das Großkücheneinsätze bewältigen kann. Da der Verein Volxküche mittlerweile aus einem Netzwerk von 2000 Menschen besteht, sind solche großen Einsätze im Notfall auch spontaner zu bewältigen.

Vegane Leckerein

Auf der Speisekarte stehen wechselnde vegane Gerichte bis zu neun Euro. Ansonsten gibt es Kuchen, Kaffee und frischen Saft.

Vegan Kocht man hier allerdings nicht aus Lifestyle-Gründen, sondern weil es praktischer ist: Hygienestandards sind dadurch leichter einzuhalten und man tritt niemandem aufgrund seines kulturellen Hintergrunds auf die Füße. Die Botschaft lautet: „Es ist höchste Zeit für mehr soziales Engagement – fünf vor zwölf eben“, meint Fabian.

 


In aller Kürze:

Feldcafé 5vor12

Georgenschwaigstraße 26
80807 München
089 / 35818555

Mittwoch-Freitag: 11.30-14:00 und 16:30-21:00

Samstag durchgehend 10:00-22:00

Sonntag durchgehend 10:00-18:00

 

Fotos: Beitragsbild,
andere Bilder: Alexa Edelsbrunner

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