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Bike-Sharing aus Singapur: Was die gelben Fahrräder in München bedeuten

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi

Sie sind gelb und stehen auf einmal an allen Straßenecken der Stadt: die neuen Leihfahrräder der Firma oBike. Doch was genau hat es mit der neuen Bike-Sharing Plattform auf sich, immerhin hat sie die Schweiz mancherorts schon wieder verboten?

Gelbe Fahrräder: Wo ist das Problem?

Am Anfang klingt alles nach einem tollen entspannten Konzept: App laden — Code scannen — Losradeln — Rad wieder abstellen. Stellt sich die Frage: Wo ist der Haken? Und wo kommen die gelben Fahrräder denn so plötzlich her?

Die Bike-Sharing-Plattform oBike kommt ursprünglich aus Singapur, wo sie laut App-Store ein großer Erfolg ist. Seit Anfang August werden jetzt auch in München Fahrräder aufgestellt. Die kann man per App mieten und nutzen. Dadurch, dass man die Räder überall abstellen kann, wo man möchte und nicht auf eine Station angewiesen ist, findet man sie auch an jeder Ecke. So stehen jetzt schon nach kurzer Zeit an fast jedem U-Bahnhof mindestens zwei solcher Fahrräder. Doch das ist erst der Anfang.

Bisher wurde erst eine kleine Anzahl von Rädern in der Stadt verteilt, das Unternehmen möchte jedoch noch viel mehr platzieren.

Kein Bike-Sharing in der Schweiz?

Bevor oBike nach Deutschland expandierte, versuchte das Unternehmen sein Glück auch schon in der Schweiz. Manche Städte konfiszierten einen Teil der gelben Fahrräder bereits, da sich die Anwohner über die Radlflut beschwerten. Überall seien die Räder zu sehen, nirgends finde man mehr Platz für sein eigenes Fahrrad, sagt der Zürcher Gemeinderat Sven Sobernheim. Da ahnt man schon, was auf München zukommen wird, wenn sich weitere Unternehmen anschließen.

Der nächste Haken ist, dass niemand so wirklich weiß, wer hinter dem Unternehmen steckt. Klar, oBike, doch auf der Website findet sich als Kontakt nur eine Mailadresse. Keine Telefonnummer, keine Postanschrift. Sollte irgendetwas passieren, ist auf einem anderen Weg niemand erreichbar.

Was passiert mit unseren Daten?

Die eigentliche Anmeldung verläuft einfach: mit der geladenen App das Fahrrad entsichern, wobei zunächst 79 Euro Kaution anfallen. Pro halbe Stunde kostet der Spaß dann einen Euro (oder mehr, wenn man durch Fehlverhalten auf sich aufmerksam macht). Dafür bekommt man dann ein gelbes Fahrrad ohne Gangschaltung.

Was genau die nach eigener Aussage „smarteste Bike-Sharing App der Welt“ mit deinen aus der App gewonnenen Daten anstellt, weiß niemand. Böse Zungen behaupten sogar, dass dieser Datengewinn der einzige Hintergrundgedanke bei der Geschichte sei.

Dass Bike-Sharing prinzipiell eine tolle und durchaus praktische Sache ist, kann sicher jeder bestätigen (spätestens nach einem gesparten Taxi, wenn die letzte U-Bahn schon lange gefahren ist). Das Radl-Angebot der MVG testeten wir sogar schon. Die MVG sieht die oBikes nach eigener Aussage bisher nicht als ernstzunehmende Konkurrenz, da sie schlichtweg einen besseren Service bieten. Belohnungen fürs Parken an Bike-Stationen und die Gangschaltung haben die Blauen den Gelben momentan nämlich noch voraus.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation mit den oBikes in München entwickelt, und ob wir auch noch von gelben Rädern überschwemmt werden.

14 Comments
  • Simon
    Posted at 00:10h, 22 August

    Wo kommt die negative Grundhaltung gegen oBike her?

  • Georg Schreiner
    Posted at 11:18h, 22 August

    Ich hab ein halbes Jahr in Shanghai gelebt. Dort sind auch seit ca. 1-2 Jahren überall Bikes zum mieten. Leider sind es in China VIEL zu viele. Aber trotzdem ist das eine super Idee! In China benutzt jeder diese Fahrräder. Es ist einfach total praktisch und im Gegensatz zur MVV ( für kurze Strecken, welche zu Fuß aber zu lang sind) sehr billig

  • Gordon
    Posted at 14:20h, 22 August

    @Simon: Ich habe auch eine negative Grundhaltung. Warum?
    1. Weil ich letzte Woche auf dem Weg von der Wohnung zur U-Bahn (10 Minuten) zu Fuß (bei diesem Wetter absolut gesund) über unzählige gelbe Fahrräder „gestolpert“ bin. Sie standen überall, an Bushaltestellen mehrere, an Einfahrten zu Innenhöfen, an Glaskontainern und an jedem U-Bahneingang unzählige. Zusammenfassend: Zu viele. Da stellt sich mir die Frage, ist es umweltschonend, so viele Fahrräder zu produzieren, die dann nur rumstehen? Und dann wäre da noch das Erscheinungsbild der Straße, es sieht einfach in dieser Masse nicht schön aus.
    2. Die App wird als stylisch gelobt, doch die Datenschutzhinweise sind sehr dürftig (bei iOS führen sie sogar ins Leere (Fehlermeldung „Seite existiert nicht“)). Ist oBike bewusst, dass eine fehlerhafte Datenschutzrichtlinie ein Datenschutzverstoß ist? Und dieser kann demnächst richtig teuer geahndet werden. Wer mir nicht einmal erklären will, wo er meine Daten sammelt und was er mit ihnen alles (im Detail) anstellt, bekommt definitiv kein positives Grundvertrauen.
    3. Ansprechpartner auf der Homepage? Fehlanzeige. Aussage zur nachhaltigen Produktion der Fahrräder? Fehlanzeige.
    4. Die Homepage wirbt mit Kundenaussagen, die sich zumindest komplementär zu denen im iOS Appstore stehen.

    In Asien gibt es Städte, da tobt ein Fahrradverleiherkrieg. Dort stapeln sich die Fahrräder an neuralgischen Punkten zu Bergen. Droht so etwas bei uns auch?

    Ein Anbieter, der so kommuniziert und auftritt, bekommt von mir keine positive Grundhaltung.

  • Stefan Obermaier
    Posted at 17:54h, 22 August

    Warum?
    Ein Unternehmen das nicht greifbar ist, München mit Rädern zustellt. Öffentlichen Raum für ihr Geschäftsmodell nutzt ohne dafür zu bezahlen. Darum.
    Wenn ein Münchner Handwerker der seine Gewerbesteuer (Hebesatz 490) bezahlt seinen KFZ Anhänget ohne Zugfahrzeug abstellt, wird er bestraft bzw. abgeschleppt.

    Außerdem ist eine Kaution in einer Höhe über den Herstellungskosten der Fahrräder nicht gerechtfertigt.

  • Hans Freimann
    Posted at 20:02h, 22 August

    Die oragenen Donkey bikes sind klasse!

  • Marie von Hammerstein
    Posted at 18:06h, 27 August

    Machen das schöne Stadtbild kaputt;- hässlich und überall….

  • Juergen Paul
    Posted at 15:10h, 29 August

    Jede Strasse ist links und rechts mit Blech zugestellt und da regt man sich ueber ein paar Fahrraeder auf. Laecherlich!

  • Petra, München Nord
    Posted at 10:08h, 30 August

    Ich finde das überhaupt nicht lächerlich, im Gegenteil!! Überall stehen diese häßlichen Fahrräder und blockieren vor Geschäften, Bahnhöfen, Eingängen usw. die Stellplätze für eigene Fahrräder. Manche Gehwege sind für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwägen der reinste Hindernislauf ….
    Öffentlichen Raum für ein Geschäftsmodell nutzen und nichts dafür bezahlen … aber wehe, wenn der böse Steuerzahler sein Auto mal eine halbe Stunde zu lange mit Parkscheibe stehen hat, da verteilt die Stadt gleich ein 15-Euro-Ticket!! Weg mit dem gelben Schrott!

  • Gordon
    Posted at 11:37h, 30 August

    @Jürgen Paul: auf 50m 8 Fahrräder, vor einem Altenstift!, in der gesamten Straße (etwa 500m) 14 Stück. Das am Straßenrand rumstehende Blech WIRD bewegt, die 14 Fahrräder sind gefertigt worden und werden NICHT bewegt. Wer Kritik mit „Lächerlich“ beantwortet, zeigt schon ein sehr eigentümliches Verständis im Umgang mit Kritik und sollten Sie von oBike kommen (oder von ihnen beauftragt sein), ist es ein sehr eigenartiges Verständnis, mit potentiellen Kunden zu kommunizieren oder zu versuchen, sie zu überzeugen.

    Passend dazu auch: https://csu-rathaus-muenchen.com/2017/08/24/antrag-verhandlungen-mit-obike-aufnehmen-nutzung-des-oeffentlichen-raums-muss-geregelt-werden/

    Wenn oBike den eingeschlagenen Weg weiter geht, wird es wie in der Schweiz enden – wetten?

  • Walter J.M. Pohn
    Posted at 08:03h, 31 August

    Das wäre alle kein Problem, wenn Fahrräder ein Nummernschild plus Versicherung hätten und vom Fahrer eine Fahrerlaubnis gefordert würde.
    Vielleicht, aber nur vielleicht, würden sich Fahrradfahrer wie Verkehrsteilnehmer benehmen. Doch die Flut der Sharing-Bikes wäre auch gebannt wenn jeder Fahrrad eine Haftpflicht benötigt…. was meiner Meinung nach ein absolutes Muss wäre.

  • Sonja Haider
    Posted at 09:23h, 02 September

    Genial, endlich haben wir im Münchner Westen auch Leihräder. Keine Leihgrenzen. Ich kann also einfach von Allach nach Karlsfeld fahren. Eine Bereicherung. Und ich finde sie eigentlich ganz hübsch, die gelben, stylischen Räder.

  • Stefan Pfeffer
    Posted at 20:21h, 06 September

    Letzte Woche wurde innerhalb von vier Tagen die Fürstenrieder Str. ab Ecke Agnus-Bernauer-Str. bis zum Laimer Platz (rund 500 Meter) zugepflastert. Die Räder stehen teils an vor den Schaufenstern kleiner Einzelhandelsgeschäfte, teils mitten auf dem Gehweg, teils in den Fahrradweg gefährlich hineinragend. Um Die U-Bahn-Station Laimer Platz (U5) habe ich sieben dieser Teile gesichtet.

    Erst hatte ich die Vermutung, das diesem BikeSharer Schaden zugefügt werden soll („wir sammmeln jetzt mal Eure Räder ein und ziehen sie so aus dem Verkehr…“), aber auf der Suche nach einem oBike-Ansprechpartner bin ich mehr oder weniger zufällig auf diese Seite gestoßen. Nun ist mir einiges klar geworden.

    Wie kann man diese „Stadtteil-Vermüllung“ abstellen?

  • Gordon
    Posted at 09:03h, 07 September

    @Stefan Pfeffer: Bis zum 25.5.2018 warten und dann oBike wegen fehlerhaftem Datenschutz verklagen (bei iOS führt der Link zum Datenschutz ins Leere) – z.B. Infos über die Erhebung der personenbezogenen Daten (https://dsgvo-gesetz.de/art-15-dsgvo/) oder Löschnachweis (https://dsgvo-gesetz.de/art-17-dsgvo/). Gemäß DSGVO gibt es dann drakonische Strafen (https://dsgvo-gesetz.de/art-83-dsgvo/) bei Nichteinhaltung bzw. fehlerhaftem Datenschutz. In der Spitze sind 20 Million Euro oder 4% vom WELTWEITEM Umsatz fällig. Spätestens dann hat sich das Problem erledigt.

  • Franz
    Posted at 19:38h, 19 September

    Frage bei diesen gelben Dingern ist auch wer für durch sie verursachte Schäden aufkommt? Der Seitenständer scheint nicht sehr stabil zu sein. Ich habe ein Auto gesehen bei dem die Motorhaube von einem Gelben deshalb beschädigt wurde.

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