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Die Sache mit den Junggesellenabschieden

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi

Erst letzte Woche habe ich die News gelesen: Eine Gruppe Männer auf Junggesellenabschied wurde aus dem Flugzeug geschmissen. Die Ryan Air Maschine Auf dem Weg nach Ibiza musste in Frankreich zwischenlanden, um die Gruppe betrunkener Briten aus aus dem Flugzeug zu komplementieren. Draußen angekommen, legten chöie sich dann noch mit der französischen Polizei an (sprich: wollten zuschlagen, schafften es aber nicht dank zu hohem Pegel).

Da stellt sich mir wieder einmal die Frage: Was soll der Schmarrn?

Eine Hochzeit ohne Junggesellenabschied scheint ja heutzutage nicht mehr möglich zu sein. Die traditionelle Art, gemeinsam einen Polterabend zu feiern wurde zu einer stereotypen Sauftour. Sucht man im Internet nach Junggesellenabschied, wird man von einer Welle an Angeboten überrollt. Das Ganze ist dann schön nach Geschlechterrollen (tschau Emanzipation und Gleichberechtigung) sortiert: Für die Damen gibt es Wellness-Wochenenden, Prosecco-Parties mit pinker Stretch-Limousine und für die Herren werden Angebote wie Wrestlingkämpfe und Strip-Clubs feilgeboten.

Hauptsache viel girly Glitzer bzw. testosterontriefende Männlichkeit.

Mit einer Ration Prosecco bzw. Jacky-Cola, die eine ganze Fußballmannschaft für eine Woche versorgen könnte, zieht man los, nei in die Regionalzüge und nei in’d Stodt. Dort werden dann Lokalitäten wie die Brauhäuser, Party-Cocktailschuppen (Yeah! Long Island Ice Tea im Masskrug für zehn Euro!) oder gegen später dann Willenlos/NaGa/Neuraum gestürmt.

In’d Stodt nei

Manche Münchner Lokale sind große Fans solcher Gruppen, für die gibt es sogar extra Angebote wie Limousinenservice mit Schnaps an Bord. Andere haben aber absolut keine Lust auf betrunkene Unruhestifter. So sind mancherorts Jungesellenabschiede ausdrücklich unerwünscht und teilweise sogar komplett verboten.

Als Nebenbei-Kellnerin kann ich von Junggesellenabschieden, die sich daneben benehmen, ein Lied singen. Von grölenden und singenden Männern über Peniskekse an allen Tischen bis hin zu heimlich Erbrochenem im Eck, war da schon vieles dabei. Ich muss mich hier aber auch bei denen, die sich benehmen konnten, entschuldigen: Ihr seid nicht alle so schrecklich!

Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum ihr das Bedürfnis habt, so dermaßen über die Stränge schlagen zu müssen. Ist die bevorstehende Ehe so beängstigend für euch und wird euch so einschränken, dass so etwas nötig ist? Und wenn ja, seid ihr euch wirklich sicher mit eurer Entscheidung? Was genau feiert ihr da eigentlich? Und was genau sind das für Freunde, die euch dazu bringen, im Mankini Unterhosenetiketten auf der Kaufingerstraße abzuschneiden?

Junggesellenabschied mal anders

Das Konzept, mit den engsten Freunden zu feiern, dass bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ist ja an sich schön. Sich vielleicht ein bisschen an die guten alten Zeiten erinnern, die Zukunft feiern, sich versprechen, dass alles trotzdem so bleibt wie es ist. Eigentlich ziemlich romantisch.

Was das jetzt mit peinlichen Verkleidungen zu tun hat, verstehe ich aber nicht. Wenn es bei mir eines Tages soweit sein sollte, mache ich was Entspanntes — Bierchen an der Isar oder so. In Jeans und T-Shirt. Ohne Partnerlook oder peinlichen Aufdruck. Vielleicht bin ich humorlos.

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Beitragsbild: © Wikipedia/Michael Vincent Photography

 

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