Aktuell, Stadt

Das ist unser Haus! Mit etwas Glück gibt’s hier ab Oktober Platz für Münchner Kreative und Start-Ups

Anna-Elena Knerich

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

Kreativszene in München – ein leidiges Thema. Medien, Politik und die Szene selbst beschäftigen sich immer wieder damit, ob und warum München unattraktiv für Kreative ist. Hauptkritikpunkt: Zu wenig bezahlbare Freiräume. Die Folge: Die Kreativen hauen irgendwann nach Berlin ab. Doch jetzt entsteht direkt am Rindermarkt eine einmalige Chance für Kreativschaffende.

Ja, wo ist sie denn, die Kreativszene Münchens?

Jürgen Enninger, Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft München, sieht das Problem nicht darin, dass viele Kreative nach Berlin abwandern würden. München ist laut aktueller EU-Studie auf Platz zwei nach Paris, das heißt es gibt besonders viele Kreativschaffende in der Stadt, noch dazu mit einer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, die sich sehen lassen könne: „Was die Kreativszene angeht, müssen wir uns nicht hinter anderen Städten verstecken“, sagt Enninger. Seiner Meinung nach ist die größte Herausforderung vielmehr die mangelnde Sichtbarkeit der Szene.

Zwischennutzung im Herzen der Stadt: das Ruffinihaus

Das soll sich ändern, beispielsweise mit einer Crowdfunding-Plattform für Münchner Kreativprojekte, aber auch durch Unterstützung von zahlreichen Zwischennutzungen. So gab es im Ruffinihaus, das der Stadt gehört und aufgrund von Sanierungsarbeiten nun geräumt werden muss, bereits mehrere Pop-up-Stores (derzeit: „Startupstore n‘ Stories“).

Im Herzen der Stadt den ersten Laden aufzumachen, ist für viele Gründer natürlich besonders attraktiv. Als auch das im Obergeschoss ansässige Tourismusamt aus dem Ruffinihaus ausziehen musste, setzten sich das Kommunalreferat und das Referat für Arbeit und Wirtschaft für ein neues Zwischennutzungs-Projekt im Ruffinihaus ein.

Das Schaufenster „Kreatives München“

Für drei Monate sollen die Büroräume an Kreative und Start-ups vergeben werden. Diese können sie dann als Ausstellungsflächen, Coworking Spaces, für Workshops, Labs und Think-Tanks nutzen – die Miete übernimmt die Stadt.

Allerdings alles noch unter Vorbehalt, wie Enninger betont: „Derzeit wird noch überprüft, inwiefern die Statik des Gebäudes eine Nutzung zulässt und wie viele Räume bespielt werden können.“

Wenn alles gut läuft, können im Oktober die Räume der ersten und zweiten Etage bezogen werden. Die traditionsreichen Läden im Erdgeschoss sollen allerdings bleiben, wie es die Stadt den Ladenbesitzern zugesichert hatte.

startupstores


Innovation neben Tradition: Pop-up-Stores im Ruffinihaus.

Sichtbarkeit, Vernetzung, Vielfalt

Ziel sei es, die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die Start-up-Szene in München sichtbarer zu machen, die Akteure nachhaltig zu vernetzen und Aufmerksamkeit für ihre Aktivitäten zu generieren.

„Uns war wichtig, dass es nicht zu einem reinen Atelierhaus oder einer Programmierstube wird, sondern dass sich die Vielfalt der Kultur- und Kreativwirtschaft dort widerspiegelt“, erklärt Enninger. Alle elf Teilmärkte sollen im Ruffinihaus vertreten sein; Führungen und ein ständig besetzter Infopoint als Anlaufstelle dienen und dazu beitragen, dass sich die Kreativschaffenden branchenübergreifend auch untereinander vernetzen.

Multiplikatoren: Ausschreibungen in verschiedenen Kreativbranchen

Bis 9. August liefen Ausschreibungen, wer einen Raum im Ruffinihaus erhalten soll. Die Auswahl treffen das Kompetenzteam und seine Multiplikatoren – wie das Media Lab Bayern, DOK.Fest, Werk 1, Werksviertel oder das Bayerischen Filmzentrum. So werden Kreativschaffende aus den verschiedenen Bereichen akquiriert.

Vernetzung mit der Start-up-Szene

 

Im Ruffini-Haus präsentiert sich UnternehmerTUM als Partner für die Kultur-und Kreativwirtschaft. Im Mittelpunkt steht die Vernetzung mit der Start-up und Technologieszene: Ausgewählte High-Tech-Start-ups aus der UnternehmerTUM, die Produkte und Services entwickeln, die auch für Kreative interessant sind – wie z.B. eine App für Architekten oder eine neue Live-Streaming-Technologie für Events – arbeiten von Oktober bis Januar im Ruffini-Haus. Veranstaltungen wie Meet-ups, Hack´n Talks und Gründer-Speed-Dating bieten Gelegenheit zum Kennenlernen und zum Netzwerken. Geplant sind außerdem Workshops zu innovativen und agilen Methoden wie Design Thinking oder Rapid Prototyping. Mit diesem Angebot will die UnternehmerTUM einen ersten Vorgeschmack auf das neue Innovations- und Gründerzentrum im Kreativquartier geben.

Wem nützt diese Zwischennutzung?

Es ist ein Projekt, das die Stadt komplett unterstützt, so Enninger: vom Zweiten Bürgermeister Josef Schmid, über das Kommunal- und das Kulturreferat, das Referat für Arbeit und Wirtschaft bis hin zum Baureferat mit seiner vorsichtigen und selektiven Beprobung.

Nicht zu vergessen, dass die Stadt die Mieten zahlt. Aber hat sie auch etwas davon? „Es lohnt sich immer für die Stadt, in die Kultur- und Kreativwirtschaft zu investieren“, sagt Enninger. „Wir wollen für die Münchner Kreativszene begeistern – sie damit fördern, sichtbarer machen, und als festen Bestandteil in der Wahrnehmung der Stadt etablieren.“

Und die Kreativen? Ist diese Zwischennutzung eine Lösung dafür, dass sich Münchner Bands kaum Proberäume leisten können? Kann sich daraus vielleicht etwas Langfristiges entwickeln?

Der Reiz am Temporären

Nein – aber das sei auch nicht die Intention, erklärt Enninger: „Hier geht es darum, sich auszuprobieren und sich bestenfalls in dieser kurzen Zeit einen Namen zu machen.“

Diese Zwischennutzung im Ruffinihaus ist insofern vor allem wegen der guten Lage, der Möglichkeit des Netzwerkens und als „Professionalisierungssprungbrett“ interessant. Und für viele Kreativschaffende ist gerade das Temporäre der Reiz.

 

2 Comments
  • Margot Piasecka
    Posted at 06:48h, 12 September

    Auswahlverfahren laufen bis August wohl 2018 ? In einem Artikel vom 11. September …

  • Jan Krattiger
    Jan Krattiger
    Posted at 16:19h, 12 September

    Liebe Margot, das war ein Fehler unsererseits, denn das Verfahren lief tatsächlich bis 9. August. Danke für den Hinweis!

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