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„Wohnen auf Zeit“- kann das ein Wohnkonzept für München sein?

Die Schnelllebigkeit hat Münchens Baubranche erreicht. Rund 14 Monate nach dem Beginn der Bauarbeiten steht der Rohbau für Münchens zwanzigstes Hochhaus MO82 im Münchner Norden. Auf dem ehemaligen Gelände der Knorr Bremse, dem neuen Oberwiesenfeld, entsteht ein neues Karree, das dem Konzept „Wohnen auf Zeit“ eine neue Adresse geben soll: Die Moosacher Str. 82. Das MO82 gleicht jedem anderen Hochhaus mit aneinandergereihten Rechtecken aus vielen Fenstern, zu bieten hat es jedoch neue Wohnkonzepte.

MO82 soll die neue Münchner Adresse für Wohnen auf Zeit werden

Drei verschiedene Konzepte soll das Quartier vereinen und eine Kurz- und Langzeit-Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der 21-geschossige und 70 Meter hohe Turm des Quartiers soll das Hotelgebäude mit 465 Zimmern werden. Im nördlichen Teil des Karrees entstehen 310 Studenten-Apartments von Campus Viva und 47 My Apart, Mikro-Apartments in den Galeriewohnungen des Gebäudes. MO82 soll damit den Bedarf an temporärem und kleinem Wohnraum in Form von Mikroapartments in München decken. Den Grund kennt schließlich jeder: die demographische Entwicklung und der fehlende Wohnraum.

Der mobile Lifestyle gelebt von Kosmopoliten

Kennen tun wir es alle: Die Zusage von der Traum-Uni in einer anderen Stadt liegt plötzlich eine Woche vor Semesterbeginn im Briefkasten oder das lang ersehnte Job am anderen Ende Deutschlands wird angeboten. Und was nun? Gleich mit Sack und Pack in die nächste Stadt ziehen ist Neustartern verständlicherweise oft zu viel Stress und Aufwand. Durch diese Umstände hat sich das Wohnkonzept „Wohnen auf Zeit“ in den letzten Jahren zu einem echten Trend entwickelt.

Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach einer Unterkunft für kurze Zeit. Ob im Beruf oder während des Studiums, Mobilität, Flexibilität und Belastbarkeit wird heutzutage von fast jedem Arbeitgeber und jeder Universität abverlangt. Umso klarer wird, warum das Wohnen auf Zeit gerade so boomt.

Doch ist es wirklich das, wohin eine Gesellschaft gehen sollte? Sind wir die neuen Kosmopoliten, die einen mobilen Lifestyle vorleben?

Welches Stadtbild soll München in der Zukunft prägen?

München zählt zu den wirtschaftsstärksten Europäischen Metropolen und ist ein begehrter Standort. Doch wie soll unser München zukünftig aussehen? Ist das „Wohnen auf Zeit“ ein innovatives Konzept, das sich unserem modernen Lifestyle anpasst oder geht dabei vielleicht doch unser Individualismus verloren? Ob der Rießenkomplex MO82 jedoch die Lösung dafür ist, mag ich zu bezweifeln.

„Unsere Campus Viva Studenten sind die Manager von morgen. Ihnen bieten wir mit My Apart nach dem Studium erneut ein Apartment, das perfekt auf ihre neuen Bedürfnisse abgestimmt ist“, so der Inhaber und Geschäftsführer der Grundkontor Projekt GmbH, Oliver Thies. Die Grunkontor GmbH ist Projektentwickler des Quartiers.

Die Manager von morgen sollen also Münchens Stadtbild prägen. Von einem unbezahlbaren Studentenapartment im Copy-Paste-Style sollen sie dann nach Studium ein Stockwerk höher in die größere und luxuriösere Galeriewohnung im gleichen Copy Paste Style ziehen. Hinzu kommt, dass in den Studentenapartments ab 23 Uhr das Licht in den Gemeinschaftsräumen ausgemacht wird und Tags wie Nachts ein Portier beziehungsweise ein Security Guard für die Sicherheit der Studenten und Manager sorgen.

Ein Hoch auf den Individualismus

Ich für meinen Teil kann sagen, ich liebe mein Studentenleben so wie es ist. Ich ziehe meine WG mit zusammengeschusterten Möbeln, skurrilen Fundsachen und altmodischen Tassen und Teller von Oma dem luxuriösen Copy Paste Studentenapartment vor. Auch die entspannten WG-Kochabende, die gerne mal bei einer Flasche Wein länger als 23 Uhr dauern, würde ich vermissen.

Für mich ist diese Art von Campus Viva Studentenwohnheim eine Kritik an den Individualismus. Eine Kritik an den bestehenden einzigartigen WGs in Vierteln wie dem Westend, Obergiesing, Sendling oder der Au, die unser München ausmachen. Denn München hat nicht nur die Manager von morgen zu bieten, sondern auch all die Theater-, Sozial- oder Kulturwissenschaftler von morgen!


Fotos: © Grundkontor GmbH

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