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oBike, die Dritte: Landen unsere Daten etwa doch in China?

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi

München scheint sich langsam vom ersten Schock, den die gelben Fahrräder von oBike auslösten, erholt zu haben. Zumindest auf den Titelseiten einschlägiger Tageszeitungen sind sie nicht mehr täglich zu sehen. Wird sich das bald ändern?

Jetzt kommt nämlich der Handelsriese und Global Player Alibaba ins Spiel – bekannt durch seinen Amazon-Verschnitt Aliexpress und noch einige andere Plattformen. Bei Alibaba handelt es sich um den größten Einzelhändler weltweit. Vor kurzem hat die Firma die Datenplattform Umeng aufgekauft (die wird übrigens in Foren schon als chinesisches Facebook diskutiert).

Was hat das jetzt mit oBike zu tun?

Der Zürcher Tagesanzeiger hat über die letzten Wochen das Nutzungsverhalten von oBike-Usern analysiert und kam zum Schluss, dass der Fahrradverleih kein rentables Geschäft führen kann. Ein Hacker fand im Rahmen der Untersuchungen massive Sicherheitslücken in der App, die es einem erlauben, die Bikes an falschen Stellen zu verorten. Weiter stellte sich heraus, dass die App die aufgezeichneten Daten wie Bewegungsprofile und Facebookseiten (sollte sich der Nutzer über Facebook angemeldet haben) doch weitergibt: und zwar an die Firma Umeng. Im großen und ganzen also an das Unternehmen Alibaba.

Damit bricht oBike in der Schweiz also das Wort, die Daten nur für sich selbst und die Stadt zu nutzen. Für Unternehmen wie Alibaba sind die Bewegungsprofile in Kombination mit den Facebookdaten wahres Gold: Sie können dadurch bestimmen, an welchen Orten zu welcher Zeit welche Art von Menschen (Altersgruppen, Geschlecht, Interessen) unterwegs sind. Da Alibaba gerade die Eröffnung neuer Shops plant, kommen diese Informationen für sie gerade recht.

Bedeutet das, dass oBike also doch nur auf unsere Daten aus ist?

Auf ihrer deutschen Website versichern oBike, dass sie die Daten „nicht an Dritte Unternehmen weitergeben, die nicht mit oBike verbunden sind“. Weiter verkaufen sie „keine Daten weiter an Dritte Unternehmen“. Daraus ergeben sich zwei Fragen: Welche Unternehmen gehören denn zu oBike? Und werden unsere Daten weitergegeben, ohne dass sie verkauft werden?

Andererseits brauchen wir nicht so zu tun, als wäre oBike die einzige Firma, die unsere Daten sammelt (Hallo an alle Carsharingplattformen und unseren guten alten Freund und Helfer Google – nicht, dass das alle wären). Genervt sind die meisten hier einfach aufgrund der schieren Menge an Fahrrädern, die überall in der Stadt stehen. Kommt dazu noch eine eher undurchsichtige Firmenpolitik, sind die meisten unter uns unzufrieden.

Das sei in Deutschland nicht so, sagt Marco Piu, Chef von oBike Deutschland, im Interview mit der Tz (vor der Recherche des Tagesanzeigers). Alibaba habe gerade erst 700 Millionen in ein Konkurrenzunternehmen (Ofo Bike) investiert. Ansonsten seien unter den Partnern in Deutschland zwar große Firmen, davon handele allerdings keine mit Daten der Kunden.

Das passt doch irgendwie nicht zusammen, oder oBike?

Wir fragen aber nochmal nach, bei oBike-Sprecher Volker Toebbe. Der sagt, es werde nur die Serverinfrastruktur von Umeng genutzt. Das bedeute nicht, dass die Nutzerdaten gespeichert werden, sondern lediglich, dass Daten gespeichert werden, die Aufschluss über die laufenden Downloads geben. Das ganze sei keine Kooperation mit Alibaba. Ob die deutschen und die schweizerischen Datenschutzrichtlinien sich unterscheiden, konnte er nicht sagen. Auch als kooperierendes Unternehmen in Deutschland nannte er nur Live Cycle, die sich um die Wartung der Fahrräder kümmern. Von größeren und/oder geldgebenden Unternehmen war nicht die Rede.

Nachdem die Debatte um die gelben Bikes jetzt allerdings schon so abgeflaut ist, kann es gut sein, dass es in der kälteren Jahreszeit wieder ruhiger um oBike wird. Bleibt abzuwarten, wie es nächstes Frühjahr weiter geht. Spannend wird auch, was unsere österreichischen Nachbarn denn von den gelben Fahrrädern halten. Dort hat oBike nämlich vor kurzer Zeit auch die ersten Räder aufgestellt.

Update: Statement von Volker Toebbe am 11.10.17:

Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, dass die Aussage, dass oBike Facebook- und Bewegungsdaten weitergibt, nicht korrekt ist. Der Beitrag im Tagesanzeiger auf den sich der vorliegende Artikel bezieht gibt ebenfalls zu: „Was genau geteilt wird, ist nicht einsehbar.“ Selbst wenn ein Unternehmen Nutzerdaten besitzen würde – was nicht der Fall ist – hätte dieses jedoch noch keinen Zugriff auf die Profile von Facebook. Denn dies geht nur über die Facebook-API und ist wie im ursprünglichen Artikel beschrieben, technisch nicht möglich. 

 oBike nutzt,  wie bereits gesagt, lediglich die Infrastruktur des Unternehmens Umeng. Dort werden jedoch keinerlei Nutzerdaten, sondern nur Daten gespeichert, die Aufschluss über die Downloads der App geben. Die Behauptung, dass sich oBike in einer Kooperation mit Alibaba befindet, beziehungsweise dem Unternehmen Daten überlässt oder anderweitig zugänglich macht, ist nicht haltbar.

 Außerdem wird behauptet, dass das Geschäft von oBike nicht rentabel sein könne. Dieses Statement ist jedoch ohne Einblick in die Geschäftszahlen des Unternehmens, nicht haltbar und rein spekulativ.“

Beitragsbild: © Sophia Hösi

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