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Mucbook präsentiert: SXTN – „Die Fotzen sind wieder da“

Anna-Elena Knerich

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

Im ersten Song ihres neuen Albums Leben am Limit schreien sie es heraus: „Die Fotzen sind wieder da!“ Denn nach ihrer erfolgreichen „Ftzn im Clb“-Tour im letzten Jahr füllen SXTN jetzt erneut Konzerthallen in ganz Deutschland – und der Andrang ist riesig. Zu recht: Juju und Nura können nicht nur Partystimmung machen, sondern auch verdammt gut rappen.

Mit zwei Mittelfingern voraus

Dass sie dabei kein Blatt vor den Mund nehmen, haben SXTN schon auf ihrer Debüt-EP Asozialisierungsprogramm gezeigt. Es geht ums Kiffen, Mutterficken, Krawall und Exzess; in den dazugehörigen Videos wird gepöbelt, gesoffen und getwerkt. Ganz normale Szenen aus Rap-Videos. Eigentlich.

Denn: All das stammt von zwei Frauen. Skandal!? Während sich einige empören, die beiden würden unreflektiert den (sexistischen) Habitus der männlichen Deutschrapper übernehmen, loben andere wiederum die „emanzipatorische Kraft“, mit der sich SXTN der männerdominierten Rap-Szene entgegenstellen.

„Lieber zwei nice Penner-Bitches als Standard-Kylie Jenner“

Beides geht Juju und Nura gleichermaßen auf die Nerven: Sie hätten bei ihren Texten nie bewusst über Frauenrechte oder Emanzipation nachgedacht, sondern einfach gemacht, worauf sie Bock haben. Das heißt, unverkrampft das auszusprechen, was sie beschäftigt – und zwar in der Art, wie sie in ihrem Berliner Kiez eben reden. Männer und Frauen.

SXTN sind die selbstbewussten Assibräute, die sich nicht in Schubladen stecken und sich vor allem nichts sagen lassen. In Kombination mit ihren krassen Rap-Skills macht gerade das die beiden Rapperinnen so authentisch.

Selbstbewusst gegen Tabus

Obwohl das Duo keinen Polit-Rap machen will, thematisieren SXTN immer wieder gesellschaftliche Tabuthemen – aber auf ihre Weise: provokant, karikierend und ohne moralischen Fingerzeig.

In Ich bin schwarz steigt Nura beispielsweise voll überzogen auf die polarisierenden Klischeevorstellungen von „den Schwarzen“ ein; und in Er will Sex wehren sich die beiden Powerfrauen dagegen, trotz eines deutlichen Nein! immer wieder von Typen angemacht zu werden. Emanzipation hin oder her – eines propagieren SXTN auf jeden Fall: Selbstbewusstsein.

Den Track haben sie im Übrigen auch schon mit AnnenMayKantereit performt:

Auch der Münchner Rapper Ali As hat sich die beiden Rapperinnen, die wie er einen Migrationshintergrund haben, für einen Song ins Boot geholt: In Von den fernen Bergen geht es um Diskriminierung, Rassismus und den westlichen Waffenhandel als Ursache für die Flüchtlingsbewegungen. Leider rappen Juju und Nura darin nicht selbst, sondern singen nur den Refrain – aber die Message kommt rüber.

„Kann sein dass scheiße wird“??? – Von wegen!

Ob man SXTN nun wegen ihrer derben, provokanten Texte feiert oder eher kritisch sieht, ist egal, sobald man ihre Beats hört. Denn die sind einfach fett. Wer ihre Live-Auftritte auf diversen Festivals gesehen hat, weiß: Die beiden zerlegen alles. Deshalb kann man – entgegen ihrem Tour-Motto „Kann sein dass scheiße wird“ – damit rechnen, dass auch ihr Konzert hier in München verdammt geil wird: Am 21. Oktober spielen sie in der Muffathalle.


In aller Kürze:

Was? SXTN

Wo? Muffathalle (verlegt vom Ampere)

Wann? 21.10.2017

Wieviel? 24,25 Euro


Beitragsbild: © Christian Hasselbusch

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