Fotobook, Kunst

Verdrehte Körper und verzerrte Gesichter – im Delirium mit Eileen Aolani

Giulia Gangl

Giulia Gangl

Wenn ich mit beiden Beinen fest im Leben stehe - wie soll ich dann tanzen?!
Giulia Gangl

De·li̱·ri·um (lat. „Irresein“): Ein hirnorganisches Syndrom.

Störung des Bewusstseins
und
Änderungen der Wahrnehmung.

 

De·li̱·ri·um. Hinter diesem Titel verstecken sich die analogen und digitalen Fotografien sowie Zeichnungen und Skizzen von Eileen Aolani. In ihren Werken präsentiert die junge Künstlerin dem Betrachter ihre ganz persönliche Wahrnehmung der menschlichen Gestalt und Erscheinung – die eben auch manchmal verzerrt oder abstrakt sein kann. Fasziniert vom Andersartigen und Besonderen, das so nicht direkt zu existieren scheint, möchte sie den Begriff „Delirium“ von seiner negativen Behaftung lösen und die Augen öffnen für den neuen Input, den eine Störung oder Änderung der Wahrnehmung mit sich bringt.

Die Fotografien und Zeichnungen der menschlichen Gestalt – teilweise nur in bestimmten Ausschnitten abgebildet, inszeniert, abstrakt verzerrt oder spontan aus einer Situation entstanden – ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. „Hinter Menschen und ihren individuellen Persönlichkeiten und Eigenarten steckt so viel,“ so die Künstlerin. „Jeder Mensch ist anders und hat seine eigenen Gedanken und Wahrnehmungen. Eine einzige Situation könnte allein bei drei unterschiedlichen Menschen komplett unterschiedlich ankommen. Und Unterschiedlichstes auslösen.“ Sie sieht gerne, wie man Körper und Gesicht darstellen und verdrehen kann – sowohl metaphorisch, als auch tatsächlich. 

Bewusstsein schaffen für Besonderheiten

Ebenfalls Teil der Ausstellung sind alte, analoge Schwarzweiß-Fotografien, zu großen Teilen in London aufgenommen. Sie versetzen den Betrachter zurück in ein anderes Zeitalter, lösen Melancholie und Sehnsucht aus – Sehsucht nach einer Zeit vor der eigenen Existenz. Die Künstlerin schätzt diesen breiten Wirkungsspielraum, den die analoge Fotografie bietet. Dabei erlangt das einzelne Bild außerdem einen viel höheren Stellenwert: Man hat nur einen Film und überlegt bei jedem Bild zweimal, was man fotografiert. So werden auch simple Motive oder ganz alltägliche Gegenstände in einem anderen Licht bestrahlt und wirken ganz anders. Man nimmt Dinge wahr, die man davor vielleicht noch nicht bewusst wahrgenommen hat.

 

„Kreativität ist die Kunst, etwas zu erschaffen und die Kunst sich selbst zu zeigen. Eine Art der puren Freiheit. Kreativität ist Wahrheit. Abbild von Zeit, Moment und Emotion. Sie ist auch ein Spiel, ein Spiel mit der Materie. Es beginnt im Geist und manifestiert sich als Form. Das Innere wendet sich nach Außen. Kunst hat ihre eigene Sprache und Ausdrücke.“

Die Künstlerin

Nach zahlreichen Umzügen in der Kindheit und Jugend führte es Eileen schließlich nach München, wo sie die Fachoberschule abschloss und anschließend ein Jahr am International Munich Art Lab absolvierte (IMAL), einem Münchner Kunstprojekt, das künstlerische Arbeit, Jugendarbeit und berufliche Qualifikation verbindet. Diesen Herbst begann ihre Ausbildung als Maßschneiderin.

 


in aller Kürze:

Was?
De·li̱·ri·um by Eileen Aolani

Wo?
Das Provisorium, Lindwurmstr. 37

Wann?
Vernissage: 24. Oktober, 20 Uhr
Ausstellung: 25. Oktober bis 5. November, 20 bis 03 Uhr

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