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Das ist keine Pommesbude: Künstlerischer Protest im Kreativquartier

Seit einigen Tagen steht sie da, mitten im Kreativquartier, auf der Lamentofläche: Die Kunstinstallation „Das ist keine Pommesbude“ der beiden Künstler Torsten Mühlbach und Andreas Höhne.

Worum geht es dabei?

Christian Schnurer, Künstlerischer Leiter der Halle 6 auf dem Kreativquartier hat das Kunstwerk angeregt und gefördert. Er erklärt:

„Die Kunstinstallation von Torsten Mühlbach und Andreas Höhne „ist keine Pommesbude“ sondern steht in der Tradition der Surrealen Bilder. Die beiden Künstler stellen eine absurde Situation her, die von weiten sichtbar fotorealistisch eine Pommesbude darstellt, die aber gleichzeitig offensichtlich keine Pommesbude ist. Das Abbild ist nicht identisch mit dem Orginalgegenstand und zeigt ein Paradoxon auf, das den Betrachter dazu zwingt darüber nachzudenken, was überhaupt unter Realität zu verstehen ist.

Im speziellen Fall: Was ist das Bild des Kreativquartiers nach außen und was ist der tatsächlicher Inhalt?

„Das ist keine Pommesbude“ ist ein autonomes Kunstwerk das über die Tagespolitik hinaus auf das Verhältnis von Fassade und Kern hinweist.  Deswegen ist „Das ist keine Pommesbude“ auch ein Portrait für die Kulturstadt München und seinem Hang zum schönen Schein.“

Ihr kennt ja sicher das Kunstwerk „Der Verrat der Bilder“ von René Magritte von 1923: eine Tabakpfeife unter der steht „Ceci n‘est pas une pipe“ (Das ist keine Pfeife) – in der Tradition sieht sich auch die Münchner Pommesbude.

„Diese Stadt hat wenig Pommesbuden und viele Sternerestaurants.“ – Torsten Mühlbach

Warum aber genau eine Pommesbude?

„“Das ist keine Pommesbude“ ist  angelehnt an ein Zitat des Kulturrefrenten Herrn Hans-Georg Küppers von 2016.  „Das wird keine Pommes-Bude, wir wuppen hier ein richtig großes Ding, das für die Zukunft der Münchner Kultur von großer Bedeutung ist“, erklärte er im Stadtrat. 2014 veranschlagte die Kämmerei 50 bis 70 Millionen Euro für den Ausbau von Jutier- und Tonnenhalle, mittlerweile geht man von 80 Millionen aus und einem Jahresetat von ca. 2.5 Millionen für eine Hochkulturinstitution.“

 Und hier kommt die Kritik:

„Im Gegensatz dazu ist das Engagement für den aktuellen Bestand an Subkultureller Infrastruktur im Kreativlabor eher gering. Es wird die berühmte schwarze Null angestrebt. Es gibt Einzelförderung von Kunstprojekten und Objekförderung für Ankerinstitutionen, die großteils in Eigenleistung, ohne Kosten für die Stadt die kulturelle Infrastruktur aufbauen. Es geht um 7 Häuser mit Arbeitsplätzen von 300 Künstlern und Kreativen Einzelunternehmern, die sich weitgehend selbst organisieren.

Torsten Mühlbach und Andreas Höhne sind in der Halle6 mitverantwortlich, dass diese Infrastruktur im Kreativlabor für alle Künstler dieser Stadt aufgebaut wurde. Wir sehen den großen Erfolg dieses von den Künstlern autonom realisierten Systems. Dieses System ist aktuell auf dem Prüfstand und die Zukunft ist nur noch bis Ende 2019 gesichert. Wir sehen, dass das große Ding für die Zukunft der Münchner Kultur hier im Kreativlabor längst gewuppt wird.

„Das Kreativlabor ist eine Pommesbude, die den Rang eines Sternerestaurants hat.“

„Aktuell ist die Gefahr, daß das Kreativquartier zu einem Immobilienprojekt der Stadtverwaltung wird, bei dem die Künstler den Status der austauschbaren Mieter in einem Städtischen Gewerbehof werden. Die Künstler werden Kreativunternehmer und erwirtschaften durch kunstnahe Arbeit in der Kreativwirtschaft – aber eben nicht durch Kunst – die notwendigen finanziellen Mittel für die Refinanzierung der Immobilieninvestitionskosten. Die Gewinnmarge wird durch Neubau von Gewerbe- und Wohnimmobilien erwirtschaftet, beworben mit Slogans wie „Wohnen bei den Kreativen“. Die Gentrifizierung hat schon begonnen. Die Fassade wird kreativ bleiben – wenn es einen künstlerischen Inhalt geben soll, muss dieser erstritten werden.“

Wie weiter? Ein Kulturgespräch vom 25. Januar hat Konfliktlinien aufgezeigt

„Hier sollen Kunst und Verwaltung zusammenarbeiten, was manchmal funktioniert wie Wasser und Öl. Ich würde nicht davon sprechen, daß sich die Verwaltung nicht für unsere Belange interessiert, die Regularien sind nur wenig geeignet, um den unregelmäßigen Methoden der Kunst zu entsprechen. Die Spontanität und Kreativität gehen verloren, wenn sich die Kunst an die Verwaltung anpassen muss und das Verwaltungssystem geht verloren, wenn es spontan und unregelmäßig arbeiten würde.
Im Ergebnis hat das Kulturgespräch dazu geführt, daß die Stadträte der Verwaltung klar aufgetragen haben „Zusammen mit den Nutzern“ das Kreativquartier zu entwickeln. Der Stadtrat will also, dass der Weg mit den Nutzern entwickelt wird. Insofern zeigt sich eine positive Option für die Zukunft  – aber immer unter Vorbehalt, dass die Künstler dieser Stadt aktiv werden und diese Zukunft durchsetzen zusammen mit der Stadt München.“

Eine Gelegenheit, um sich die Pommesbude näher anzuschauen und auch um mehr über das Kreativquartier zu erfahren, gibt es jeden zweiten Donnerstag im Monat beim „Spaziergang über das Kreativquartier“ – um 18 Uhr geht’s los!


Beitragsbild: © Torsten Mühlbach/Andreas Höhne

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